{"id":1013,"date":"2008-06-07T18:53:41","date_gmt":"2008-06-07T16:53:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=1013"},"modified":"2008-06-07T18:53:41","modified_gmt":"2008-06-07T16:53:41","slug":"peter-oberdorfer-kreuzigers-tod","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=1013","title":{"rendered":"H\u00f6henangst im Bergidyll"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/kreuzigers_tod.jpg\" style=\"float: right; margin-left: 15px;\" alt=\"Kreuzigers Tod\"><br \/>\n<strong>Peter Oberdorfer: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Kreuzigers Tod<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Die ersten Seiten von Peter Oberdorfers Deb\u00fctkrimi <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Kreuzigers Tod\u00e2\u20ac\u009d<\/span> wecken Erinnerungen. Ein kauziger Dialog zwischen dem namenlosen Dorfpolizisten, der zugleich Ich-Erz\u00e4hler ist, und Engel, seinem bauernschlauen Assistenten, er\u00f6ffnet die Geschichte. F\u00fcr einige Zeit liegt der Schatten von Simon Brenner, schr\u00e4ger Privatdetektiv aus der Feder von Wolf Haas, \u00fcber der Erz\u00e4hlung. Doch dieser Schatten weicht schnell. Daf\u00fcr schreibt Oberdorfer, der 1971 in Innsbruck geboren wurde, in einem anderen Stil als sein Landsmann. Zwar ist seine Grammatik ebenfalls nicht frei von \u00f6sterreichischen Wendungen und Stilbl\u00fcten, dennoch ist Oberdorfers Text wesentlich einfacher zug\u00e4nglich als Haas&#8216; Kauderwelsch. Zugleich ist sein erz\u00e4hlerischer Anspruch ernsthafter und durchdachter: Bei ihm tritt sowohl sprachlich wie auch inhaltlich der Klamauk in den Hintergrund, daf\u00fcr wird eine br\u00fcchige Bergidylle sichtbar, in deren T\u00e4lern sich bedr\u00fcckende menschliche Geschichten abspielen. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Schauplatz: Ein \u00f6sterreichisches Dorf irgendwo in den Bergen. Das Mordopfer: Der Franz Kreuziger. Dem hat im Wald einer mit der Axt \u00fcber&#8217;n Sch\u00e4del gehauen. Der Dorfpolizist, nat\u00fcrlich ein Zugezogener, soll den Fall l\u00f6sen, bekommt  aber schon bald die Sturheit und die Verschlossenheit der Dorfbewohner zu sp\u00fcren. Ein kleiner Ort, eine \u00fcberschaubare Anzahl von m\u00f6glichen T\u00e4tern, die vom Polizisten vernommen werden: Da ist die M\u00fchlbacherin, die den Toten gefunden hat und die im Ort als Einsiedlerin gilt. Da ist der Maler, der Tatort und Leiche in einem Bild festgehalten hat. Da ist schlie\u00dflich der Pfarrer, der schon l\u00e4ngst seinen Glauben verloren hat und ein Freund des Toten ist. Als Krimileser kennt man ein solches Panoptikum von leicht verdrehten Figuren, die alle etwas mit dem Tod des Ermordeten zu tun haben k\u00f6nnten. Was Oberdorfers Text aus solchen g\u00e4ngigen Erz\u00e4hlmustern heraushebt, sind seine gekonnt eingesetzten Wendungen, die immer wieder f\u00fcr \u00dcberraschung sorgen. So inszeniert der Autor eine Verfolgungsjagd der Polizei, bei der drei Jugendliche aus dem Dorf in die Ecke gedr\u00e4ngt werden. F\u00e4lschlicherweise sind sie ins Visier der angereisten Kommissare aus der Stadt geraten \u00e2\u20ac\u201c am Ende sind zwei der Jungen tot, gestorben im Kugelhagel der Scharfsch\u00fctzen. Oberdorfer erz\u00e4hlt dies alles so lapidar, so n\u00fcchtern, das einem tats\u00e4chlich ein Schauer \u00fcber den R\u00fccken l\u00e4uft.<\/p>\n<p><strong>Finstere Grundstimmung<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4hnlich  unterk\u00fchlt erz\u00e4hlt er die Geschichte der M\u00fchlbacherin, deren behindertes Kind w\u00e4hrend der Nazi-Zeit von den Schergen der Gestapo abtransportiert wurde. Verantwortlich daf\u00fcr war der damalige B\u00fcrgermeister Kreuziger, Vater des nun ermordeten Franz. Somit h\u00e4tte sie ein Motiv f\u00fcr den Mord. Mit brutalen Verh\u00f6rmethoden \u00e2\u20ac\u201c der Kopf der alten Frau wird mehrfach von Engel auf den Tisch geschlagen \u00e2\u20ac\u201c entlocken die beiden Polizisten ihr die Wahrheit \u00fcber den Fund der Leiche von Franz Kreuziger. Gewalt erscheint hier als ein geradezu selbstverst\u00e4ndliches Mittel der Dorfbewohner untereinander. Ein rauhes Alpenklima, das Oberdorfer hier schildert. Noch grotesker wird es, als sich der Dorfpolizist und sein Helfer zum Maler aufmachen, um ihn ebenfalls ins Kreuzverh\u00f6r zu nehmen. Da muss der Ich-Erz\u00e4hler, der unter H\u00f6henangst leidet, auf allen Vieren zum Haus des Zeugen hoch kriechen, w\u00e4hrend der ortskundige Engel den leichteren Weg mit dem Auto nimmt. Es sind diese skurrilen, surrealen Momente, die Oberdorfs Krimi Verve und Farbe verleihen. Dem Autor gelingt eine spannende Gratwanderung zwischen Tragik und Komik, wenn auch die Grundstimmung des Romans bis zum Ende finster bleibt. <\/p>\n<p><span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Kreuzigers Tod\u00e2\u20ac\u009d<\/span> ist erfreulicherweise keine der \u00fcblichen Kriminalgeschichte mit ein wenig \u00f6sterreichischem Lokalkolorit, sondern eine recht eigenst\u00e4ndige und plastische Erz\u00e4hlung, die durch ihre gelungene Mischung aus Familiendrama, bedr\u00fcckender Sozialstudie und schwarzem Humor zu \u00fcberzeugen wei\u00df. Peter Oberdorfer mag zwar in der Tradition von Autoren wie Wolf Haas, Stefan Slupetzky oder auch Heinrich Steinfest stehen, er schafft es aber schon in seinem ersten Kriminalroman aus diesen Fu\u00dfstapfen heraus zu treten und eigene Pfade zu beschreiten. Hier ist also ein Autor, den man im Auge behalten sollte. <\/p>\n<blockquote><p><strong>Peter Oberdorfer: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Kreuzigers Tod<\/span><\/strong> : Kriminalroman. &#8211; M\u00fcnchen : dtv, 2008<br \/>\nISBN 978-3-423-21065-2<br \/>\nBuch bestellen bei:<br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3423210656\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2701&amp;type=text&amp;tnb=8&amp;pid=3423210656\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2176&amp;type=text&amp;tnb=3&amp;pid=3423210656\">\u00bb buch24.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=3423210656\" target=\"_blank\">\u00bb buecher.de<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/kreuzigers_tod_100.jpg\" style=\"float: right; margin-left: 15px;\" alt=\"Kreuzigers Tod\"><br \/>\n<strong>Peter Oberdorfer: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Kreuzigers Tod<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Die ersten Seiten von Peter Oberdorfers Deb\u00fctkrimi \u00e2\u20ac\u0153Kreuzigers Tod\u00e2\u20ac\u009d wecken Erinnerungen. Ein kauziger Dialog zwischen dem namenlosen Dorfpolizisten, der zugleich Ich-Erz\u00e4hler ist, und Engel, seinem bauernschlauen Assistenten, er\u00f6ffnet die Geschichte. F\u00fcr einige Zeit liegt der Schatten von Simon Brenner, schr\u00e4ger Privatdetektiv aus der Feder von Wolf Haas, \u00fcber der Erz\u00e4hlung. Doch dieser Schatten weicht schnell. Daf\u00fcr schreibt Oberdorfer, der 1971 in Innsbruck geboren wurde, in einem anderen Stil als sein Landsmann. Zwar ist seine Grammatik ebenfalls nicht frei von \u00f6sterreichischen Wendungen und Stilbl\u00fcten, dennoch ist Oberdorfers Text wesentlich einfacher zug\u00e4nglich als Haas&#8216; Kauderwelsch. 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