{"id":1023,"date":"2008-06-18T12:18:00","date_gmt":"2008-06-18T10:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=1023"},"modified":"2008-06-18T12:18:00","modified_gmt":"2008-06-18T10:18:00","slug":"magdalen-nabb-vita-nuova","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=1023","title":{"rendered":"Abschiedsvorstellung"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/vita_nuova_nabb.jpg\" style=\"float: right; margin-left: 15px;\" alt=\"Vita Nuova\"><strong>Magdalen Nabb: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Vita Nuova<\/span> : Guarnaccias vierzehnter Fall<br \/>\n<\/strong><br \/>\nEr ist eine dieser Krimifiguren, die einem \u00fcber die Jahre ans Herz wachsen: Maresciallo Salva Guarnaccia, der die kleine Carabinieri-Station im Palazzo Pitti in Florenz leitet. Der Mann aus Sizilien, den seine kranke Schwester als &#8222;Tyrann von Syrakus&#8220; aufzieht, ist in seinem vierzehnten Fall <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Vita Nuova&#8220;<\/span> weit davon entfernt, ein Despot zu sein. Guarnaccia hat es mit dem Mord an einer Tochter einer wohlhabenden Familie zu tun. Ein Mordfall, der zun\u00e4chst ausschaut wie ein aus dem Ruder gelaufener Raub\u00fcberfall, bei dem sich dann allerdings die heile Welt der Familie des Opfers als leicht br\u00f6ckelnde Fassade herausstellt. Ein Fall, bei dem sich der Traum von einem &#8222;neuen Leben&#8220;, wie es der Titel verspricht, gleich bei mehreren Figuren als Trugschluss herausstellt. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Tod steht am Anfang: In einer noblen Villa auf den H\u00fcgeln \u00fcber Florenz wird die Leiche von Daniela Paoletti gefunden. Die junge Frau ist durch mehrere Sch\u00fcsse ermordet worden. Mutter und Schwester der Toten stehen fassungslos vor der Bluttat, der Vater des Opfers, Signor Paoletti, liegt zur Tatzeit  im Krankenhaus. Ein verungl\u00fcckter Raubfall \u00e2\u20ac\u201c daran glaubt auch der an den Tatort geeilte Staatsanwalt De Vita. Doch dann kommen dem melancholischen Maresciallo erste Zweifel. Vor allem der Journalist Nesti, der sich Zutritt zur Villa der Familie Paoletti verschafft hat, f\u00fchrt Guarnaccia auf neue F\u00e4hrten. So soll der Hausherr Paoletti einst ein Zuh\u00e4lter gewesen sein. Mittlerweile habe er sich zwar auf eine seri\u00f6se Personalvermittlung spezialisiert, schon bald jedoch f\u00fchrt Nesti den Maresciallo in einen zwielichtigen Club und in ein Stundenhotel, in denen Paoletti immer noch das Sagen hat. Nicht nur das: Seine Vermittlungsagentur bietet ihm offenbar einen guten Denkmantel f\u00fcr florierenden  Menschenhandel. Junge Frauen aus Osteuropa, die sich ein neues, wohlhabendes Leben im Westen erhoffen, werden von Paolettis Schergen als Prostituierte missbraucht. Vielleicht k\u00f6nnte also die Mafia \u00e2\u20ac\u201c ob nun russisch oder italienisch \u00e2\u20ac\u201c dem Menschenh\u00e4ndler, der nach au\u00dfen den braven B\u00fcrger spielt, ein Denkzettel verpasst haben.<\/p>\n<p>Als der Maresciallo weiter forscht, stellt sich heraus, dass sich unter den Kunden Paolettis auch  ehrenwerte Herren der Florentiner Gesellschaft befinden. Guarnaccia  wird die Sache zu hei\u00df \u00e2\u20ac\u201c und das liegt nicht nur an der br\u00fctenden Augusthitze in Florenz. Er sorgt sich ernsthaft um sich und seine Familie, die zu allem Ungl\u00fcck gerade auch noch seine krebskranke Schwester auf Sizilien besucht und versorgt. Mit sorgenvollem Blick in die Zukunft reicht der Maresciallo seine K\u00fcndigung bei der Armee ein. Er gr\u00fcbelt dar\u00fcber nach, wie ein \u00e2\u20ac\u0153neues Leben\u00e2\u20ac\u009d f\u00fcr ihn und seine Familie aussehen k\u00f6nnte. Allerdings hat er nicht mit seinem Vorgesetzten gerechnet, der Guarnaccia einen Strich durch seine Pl\u00e4ne macht.<\/p>\n<p><strong>Allt\u00e4gliche Dramen<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/magdalen_nabb_2.jpg\" style=\"float: left; margin-right: 10px;\" alt=\"Magdalen Nabb by Ludger Menke\"> Nabbs vielschichtiger Roman, der sich als tragische Familiengeschichte, als unaufgeregter und dennoch spannender Kriminalfall und zugleich auch als Portr\u00e4t florentinischer Gegens\u00e4tze lesen l\u00e4sst, spielt auch auf Dante an. <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Vita Nuova\u00e2\u20ac\u009d<\/span> hei\u00dft das Jugendwerk des gro\u00dfen Dichters aus Florenz, in dem dieser seine Liebe zu Beatrice besungen hat. Es ist die Liebe, die ihm ein \u00e2\u20ac\u0153neues Leben\u00e2\u20ac\u009d schenkt \u00e2\u20ac\u201c und durch den Tod der Geliebten auch wieder nimmt. Bei Nabb hingegen versiegt das &#8222;neue Leben&#8220;, bevor es \u00fcberhaupt beginnen kann. Junge Frauen aus Osteuropa, die als Sexsklavinnen enden, eine Frau aus reichem Hause, deren Tr\u00e4ume mit dem Tod enden oder ein gr\u00fcbelnder Maresciallo, der sich um seine Familie sorgt \u00e2\u20ac\u201c ihnen allen scheint ein &#8222;neues Leben&#8220; nicht verg\u00f6nnt zu sein. <\/p>\n<p>Einf\u00fchlsam schildert Magdalen Nabb die Geschichte ihres Maresciallo, einem kantigen Menschenskenner, einem Zuh\u00f6rer.  Er ist einer, bei dem sich \u00e4ltere Damen \u00fcber verschmutzte Gullis beschweren. Die angeblich gro\u00dfen Verbrechen \u00e2\u20ac\u201c Mafia, Menschenhandel, Mord \u00e2\u20ac\u201c werden bei ihr auf grandiose Weise herunter gebrochen auf das, was sie wirklich sind: allt\u00e4gliche, menschliche Dramen. Nabbs wunderbare Beobachtungsgabe und ihr lakonischer Schreibstil bewahren sie davor, in Kleinb\u00fcrger-Romantik abzugleiten. Nabb war \u00e2\u20ac\u201c wie ihr Maresciallo &#8211; eine gute Zuh\u00f6rerin, die ihre Geschichten aus der Wirklichkeit bezog und die sie in eine glaubw\u00fcrdige, kriminalliterarische Geschichte f\u00fchren konnte. Ihre Krimis sind keine \u00e2\u20ac\u0153Rei\u00dfer\u00e2\u20ac\u009d, keine aufgepeppten Psycho-Schocker, es sind anschaulich erz\u00e4hlte Geschichten aus dem Leben. Dies gilt besonders f\u00fcr <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Vita Nuova\u00e2\u20ac\u009d<\/span>, in dem sich die Thematik von Anfang und Ende, Neubeginn und Abschied in vielen glanzvollen entworfenen Facetten wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht, die \u00fcbrigens mit einer weiteren Toten endet. <\/p>\n<p>Besonders traurig stimmt jedoch, dass dieses Buch sehr wahrscheinlich der letzte Roman von Magdalen Nabb ist. Die Autorin starb im August 2007 im Alter von 60 Jahren in Florenz. Somit ist \u00e2\u20ac\u201c so makaber es klingt und sofern es nicht noch Entdeckungen im Nachlass gibt &#8211;  das &#8222;neue Leben&#8220; zugleich die Abschiedsvorstellung des Maresciallo. Als Trost bleiben uns vierzehn wundervoll erz\u00e4hlte Kriminalromane und dar\u00fcber hinaus die Erinnerung an ein gro\u00dfartige Autorin. <\/p>\n<blockquote><p><strong>Magdalen Nabb: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Vita Nuova<\/span><\/strong> : Guarnaccias vierzehnter Fall \/ Aus dem Englischen von Ulla K\u00f6sters. &#8211; Z\u00fcrich : Diogenes, 2008<br \/>\nISBN 978-3-257-86168-6<\/p>\n<p>Originalausgabe: <strong>Magdalen Nabb: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Vita Nuova<\/span><\/strong>. &#8211; New York : Soho Press, 2008.<br \/>\nISBN 978-1-56947-493-8 <\/p>\n<p>Buch bestellen bei:<br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3257066414\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2701&amp;type=text&amp;tnb=8&amp;pid=3257066414\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2176&amp;type=text&amp;tnb=3&amp;pid=3257066414\">\u00bb buch24.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=3257066414\" target=\"_blank\">\u00bb buecher.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Links:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/470\/interview-magdalen-nabb.html\">&rarr; &#8222;Es ist nicht wahr&#8220; &#8211; Eine Begegnung mit Magdalen Nabb (Interview vom April 2006)<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/425\/magdalen-nabb-eine-japanerin-in-florenz.html\">&rarr; Rezension von &#8222;Eine Japanerin in Florenz&#8220;<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.diogenes.ch\/media\/public\/florenz\/index.html\">&rarr; Florenz mit Maresciallo Guarnaccia (Interaktive Karte beim Diogenes-Verlag)<\/a>\n<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/vita_nuova_nabb_klein.jpg\" style=\"float: right; margin-left: 15px;\" alt=\"Vita Nuova\"><strong>Magdalen Nabb: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Vita Nuova<\/span> : Guarnaccias vierzehnter Fall<br \/>\n<\/strong><br \/>\nEr ist einer dieser Krimifiguren, die einem \u00fcber die Jahre ans Herz wachsen: Maresciallo Salva Guarnaccia, der die kleine Carabinieri-Station im Palazzo Pitti in Florenz leitet. Der Mann aus Sizilien, den seine kranke Schwester als &#8222;Tyrann von Syrakus&#8220; aufzieht, ist in seinem vierzehnten Fall <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Vita Nuova&#8220;<\/span> weit davon entfernt, ein Despot zu sein. Guarnaccia hat es mit dem Mord an einer Tochter einer wohlhabenden Familie zu tun. Ein Mordfall, der zun\u00e4chst ausschaut wie ein aus dem Ruder gelaufener Raub\u00fcberfall, bei dem sich dann allerdings die heile Welt der Familie des Opfers als leicht br\u00f6ckelnde Fassade herausstellt. Ein Fall, bei dem sich der Traum von einem &#8222;neuen Leben&#8220;, wie es der Titel verspricht, gleich bei mehreren Figuren als Trugschluss herausstellt. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[172,221,228,562,276,348,350],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1023"}],"collection":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1023"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1023\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1023"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1023"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1023"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}