{"id":1047,"date":"2008-07-16T11:39:19","date_gmt":"2008-07-16T09:39:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=1047"},"modified":"2008-07-16T11:39:19","modified_gmt":"2008-07-16T09:39:19","slug":"krimirezensionen-fur-blogs-textarbeit-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=1047","title":{"rendered":"Krimirezensionen f\u00fcr Blogs: Textarbeit 1"},"content":{"rendered":"<div align=\"center\"><img style=\"width: 338px; height: 250px;\" src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/bilder\/ap_42761_PICT5045_knotenpunkt_literatur_atilla.jpg\" alt=\"Knotenpunkt Literatur von Atilla\"><br \/>Bildquelle: <a style=\"text-decoration: none;\" href=\"http:\/\/www.aboutpixel.de\" target=\"_blank\">aboutpixel.de<\/a> \/ <a style=\"text-decoration: none;\" href=\"http:\/\/www.aboutpixel.de\/index.php4?toppage=imagedetails&#038;image_id=42761\" target=\"_blank\">Knotenpunkt Literatur<\/a> &copy; <a style=\"text-decoration: none;\" href=\"http:\/\/www.aboutpixel.de\/index.php4?toppage=imagebank&#038;subpage=member&#038;user_id=58490\" target=\"_blank\">Atilla<\/a><\/div>\n<p>Diesen brutalen Angriff habe ich erwartet: Seine ehrw\u00fcrdige Dreifaltigkeit dpr (Krimiautor, Krimikritiker und Krimiblogger) unterstellt mir, <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2008\/07\/von-den-profis-lernen-1.php\">&rarr; ich w\u00fcrde meine Leser einschl\u00e4fern<\/a>. Wasser predigen, aber selber Wein trinken. Ha! Wie hei\u00dft sein Erstling gleich noch mal? &#8222;Menschenfreunde&#8220; \u00e2\u20ac\u201c davon kann bei ihm keine Rede sein. Nein, meine Lieben, der wahre Krimi- und Menschenfreund sitzt hier und leistet Grundlagenarbeit. Dazu ist so einer wie der, der sich seit kurzem ja zu den Edelfedern des kriminalistischen Kritikgewerbes z\u00e4hlt, nat\u00fcrlich nicht bereit. Hier bei krimiblog.de wird noch echte Lese- und Textarbeit geleistet. Ein manchmal trockener Boden, der beackert werden muss, um saftige Fr\u00fcchte zu ernten. Dort hingegen wird \u00fcber nicht belegte Fakten (1.859 B\u00e4nde \u00fcber Postkolonialismus &#8211; v\u00f6llig irref\u00fchrend, diese Ausage) schwadroniert, dass man vor lauter Nebel, der geworfen wird, die Kernaussagen \u00fcbersieht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich haben auch wir von krimiblog.de kritisch auf die Arbeit der so genannten Profis geschaut &#8211; schon hier merken Sie den Unterschied. Ob <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/zeitung\/Sonderthemen;art893,2569924\">&rarr; Herr<\/a> <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kolja_Mensing\">&rarr; Mensing<\/a> wirklich Profi oder <a href=\"http:\/\/www.deadletters.de\/\">&rarr; Blogger<\/a> ist, wird von seiner Dreifaltigkeit nie in Frage gestellt. Schon hier fehlt die kritische Grundhaltung des Schreiberlings aus dem Saarland. Wir hingegen haben uns dem Vergleich zweier Rezensionen gewidmet,  die gestern der <a href=\"http:\/\/www.alligatorpapiere.de\/aktuell.html\">&rarr; Alligator<\/a> f\u00fcr uns entdeckt hat. Objekt der kritischen Betrachtung unserer harten Textarbeit (ja, die ist durchaus trocken und darf sie auch sein) ist der Deb\u00fctroman &#8222;Grabesgr\u00fcn&#8220; (engl.: &#8222;In the Wood&#8220;) von <a href=\"http:\/\/www.tanafrench.com\/\">&rarr; Tana French<\/a>. Die etwas k\u00fcrzere Rezension stammt von Ingeborg Sperl und ist am 11. Juli in der \u00f6sterreichischen Zeitung <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/?url=\/?id=3412040\">&rarr; &#8222;Der Standard&#8220;<\/a> erschienen. Formal etwas ausf\u00fchrlicher ist die Besprechung von Tamara Tischendorf bei <a href=\"http:\/\/www.ndrkultur.de\/feuilleton\/buecher\/bdwgrabesgruen100.html\">&rarr; &#8222;NDR Kultur&#8220;<\/a>, die als Radiorezension verfasst wurde und das dazugeh\u00f6rige H\u00f6rbuch in die Besprechung mit einbezieht. <\/p>\n<p><strong>Von Regeln und Klassikern<\/strong><\/p>\n<p>Schauen wir zun\u00e4chst in \u00d6sterreich bei Frau Sperl vorbei. Viel Raum l\u00e4sst man der Rezensentin nicht, weshalb sie auch gleich in die Vollen geht. Schon der erste Satz ist eine Wertung. <em>&#8222;Eine Deb\u00fctantin schreibt einen originellen, mehr als 600 Seiten starken Krimi ohne Durchh\u00e4nger&#8220;<\/em>. &#8222;Originell&#8220; und &#8222;ohne Durchh\u00e4nger&#8220; sei also der Roman \u00e2\u20ac\u201c und nat\u00fcrlich warten wir als Leser der Rezension nun auf eine Begr\u00fcndung, warum denn &#8222;Grabesgr\u00fcn&#8220; dieses Urteil rechtfertigt. Wir m\u00fcssen nicht lange warten, denn Sperl liefert die Begr\u00fcndung f\u00fcr ihr Urteil in den n\u00e4chsten beiden S\u00e4tzen.<\/p>\n<p><em>&#8222;Das Kunstst\u00fcck ist der in Dublin lebenden Autorin Tana French gelungen. Sie entwickelt eine klassische Krimihandlung \u00e2\u20ac\u201c Mord am Beginn, dann die M\u00fchen der Aufkl\u00e4rung \u00e2\u20ac\u201c, aber sie l\u00f6st nicht alles restlos auf, Geheimnisse bleiben \u00e2\u20ac\u201c vor allem die des Ich-Erz\u00e4hlers und Ermittlers.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Als versierter Krimileser erkennt man, dass die Rezensentin die Originalit\u00e4t in der Abweichung von der klassischen Krimihandlung sieht. Zwar beginnt die Autorin klassisch, l\u00f6st aber nicht alles auf \u00e2\u20ac\u201c das versteht die Rezensentin offenbar unter &#8222;originell&#8220;. Um dies zu erkennen setzt sie bei ihren Lesern voraus, dass sie unter einer &#8222;klassischen Krimihandlung&#8220; Mord und vollst\u00e4ndige Aufkl\u00e4rung verstehen oder zumindest wissen, was eine &#8222;klassische Krimihandlung&#8220; ist. Eine Pr\u00e4misse, \u00fcber die man durchaus diskutieren kann, was \u00fcber die eigentliche Rezension hinausweist. Das ist ein klarer Pluspunkt f\u00fcr die Rezension. Sie ist nicht &#8222;autistisch&#8220;, sondern liefert zugleich einen Ansatzpunkt f\u00fcr Diskussionen.<\/p>\n<p>Im Mittelteil folgt eine kurze Nacherz\u00e4hlung der Handlung des Romans. Die wichtigsten Figuren werden benannt. Schon mit dem Satz <em>&#8222;French entwickelt komplizierte Charaktere, sie legt subtile Spuren, die scheinbar im Sand verlaufen.&#8220;<\/em> setzt Sperl dann ihre Wertung fort und vermischt sie mit der Wiedergabe des Plots (&#8222;komplizierte Charaktere&#8220;, &#8222;subtile Spuren, die scheinbar im Sand verlaufen&#8220;.), benennt das &#8222;Leitthema&#8220; des Romans um dann nach weiteren S\u00e4tzen zur Handlung ihre abschlie\u00dfende Wertung zu finden: <em>&#8222;Eine gute Story, ein eigener Stil \u00e2\u20ac\u201c erfreulich: Fortsetzung in Aussicht!&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Hier patzt die Rezensentin bei einem heiklen Punkt. Das die Story &#8222;gut&#8220; sei, mag man ihr abnehmen, schlie\u00dflich besch\u00e4ftigt sie sich etwas l\u00e4nger mit der Nacherz\u00e4hlung der Handlung. Wie sie jedoch auf das Urteil &#8222;eigener Stil&#8220; kommt, erkl\u00e4rt sie nicht. Woran erkennt sie den &#8222;eigenen Stil&#8220; der Autorin? Die Antwort auf diese Frage bleibt Sperl uns schuldig. Das ist ein klarer Minuspunkt dieser Rezension.<\/p>\n<p><strong>Falsche F\u00e4hrten<\/strong><\/p>\n<p>Schauen wir uns nun die Besprechung von Tamara Tischendorf an, die f\u00fcr das Radio geschrieben wurde. Ein Text also, der eigentlich gesprochen wird, liegt hier nur schriftlich vor. Die Rezensentin ist daf\u00fcr nicht verantwortlich, daf\u00fcr der Redakteur beim NDR, der es vers\u00e4umt hat neben dem Manuskript der Rezension auch den Audio-Beitrag online zu stellen. Das w\u00e4re sinnvoll gewesen. Auf den ersten Blick sind dies Formalien, sie k\u00f6nnen aber mit dar\u00fcber entscheiden, ob eine Rezension eher positiv oder eher negativ auff\u00e4llt. Schauen wir auf den Inhalt: Die ersten beiden S\u00e4tze verraten erste Details aus dem Roman: Er spielt im Sommer, in einer Siedlung am Waldrand im oft verregneten, gr\u00fcnen, ruinen\u00fcbers\u00e4ten Irland. Kann ein Land mit Ruinen &#8222;\u00fcbers\u00e4t&#8220; sein? Kann man Ruinen s\u00e4en? <\/p>\n<p>Was in den folgenden sieben Abs\u00e4tzen folgt ist fast ausschlie\u00dflich die Nacherz\u00e4hlung der Geschichte, angereichert mit Zitaten aus dem Buch \u00e2\u20ac\u201c in der H\u00f6rfassung vermutlich mit Ausz\u00fcgen aus dem H\u00f6rbuch. Hier wird der nacherz\u00e4hlten Story viel zu viel Raum gegeben. Erst im vorletzten Absatz erfolgt eine erste Wertung:<\/p>\n<p>&#8222;Ganz den Regeln des Genres folgend, legt Tana French zahlreiche F\u00e4hrten, die meist ins Leere laufen.&#8220; \u00e2\u20ac\u201c Ist das wirklich so? Sollen laut den &#8222;Regeln des Genres&#8220; zahlreiche F\u00e4hrten &#8222;ins Leere laufen&#8220;? Hier fragen wir uns  &#8211; \u00e4hnlich wie bei der Besprechung von Ingeborg Sperl und der &#8222;klassischen Krimihandlung&#8220; &#8211; was diese &#8222;Regen des Genres&#8220; sind? W\u00e4hrend Tischendorf von &#8222;Regeln&#8220; spricht, schreibt Sperl \u00fcberlegter von einer &#8222;klassischen Krimihandlung&#8220;. Hier wird deutlich, dass Sperl reflektierter, umsichtiger und kenntnisreicher mit Kriminalliteratur umgeht als ihre Kollegin Tischendorf.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich k\u00f6nnte man Tischendorfs Satz auch negativ auslegen: Die Autorin schafft es nicht, ihre F\u00e4hrten (= Erz\u00e4hlstr\u00e4nge) einen sinnvollen Abschluss und einen Zusammenhang zu geben. Die Rezensentin ist hier nicht eindeutig.<\/p>\n<p>Das eigentliche Urteil findet sich dann im letzten Absatz. Der beginnt gleich mit einem Satz, der keinen Bezug zu dem bisherigen Text hat. Sie behauptet, dass die Autorin ein &#8222;Zeitbild Irlands&#8220; geschrieben habe, das sich in den letzten Dekaden rasant gewandelt habe. Wenn dies ein Zeitbild Irlands ist, warum erfahren wir in der nacherz\u00e4hlten Story davon nichts? Ist das \u00fcberhaupt f\u00fcr die Beurteilung wichtig? Oder ist es eine Nebens\u00e4chlichkeit, in einem Nebensatz? Anschlie\u00dfend behauptet die Rezensentin, die Autorin habe einen &#8222;poetisch-ambitionierte(n)&#8220; Stil, der den Lesefluss hemmt. Auch hier wieder kein Bezug zum bisherigen Text und keine Erl\u00e4uterung, was ein &#8222;poetisch-ambitionierter&#8220; Stil ist. Selbst im letzten Satz schafft es die Rezensentin nicht, einen Bezug zu ihrem bisherigen Text zu finden. <\/p>\n<p>&#8222;<em>Davon abgesehen aber l\u00f6st Tana French ihren eigenen Anspruch ein: Sie entfaltet eine doppelb\u00f6dige Wirklichkeit, in der die Wahrheit nie so einfach ist, wie es scheint und die Suche nach Antworten nicht immer ein gl\u00fcckliches Ende nimmt.&#8220;<\/em> <\/p>\n<p>Aus heiterem Himmel taucht hier der angebliche &#8222;Anspruch&#8220; der Autorin auf \u00e2\u20ac\u201c warum hat den die Rezensentin nicht schon fr\u00fcher darauf hingewiesen und woraus leitet sie diesen ab? Die Rezension endet letztlich mit einer Plattit\u00fcde. <\/p>\n<p>Fazit: Das Beobachten des Textes ist wichtig. Beide Rezensentinnen habe dies getan. Doch w\u00e4hrend Sperl ihre Beobachtungen in eine sinnvolle Beziehung zu ihrem Urteil stellt, gibt Tischendorf ihren Beobachtungen viel zu viel Raum und versteht es nicht, diese in einen Zusammenhang zu ihrem Urteil zu bringen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesen brutalen Angriff habe ich erwartet: Seine ehrw\u00fcrdige Dreifaltigkeit dpr (Krimiautor, Krimikritiker und Krimiblogger) unterstellt mir, <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2008\/07\/von-den-profis-lernen-1.php\">ich w\u00fcrde meine Leser einschl\u00e4fern<\/a>. Wasser predigen, aber selbst Wein trinken. Ha! Wie hei\u00dft sein Erstling gleich noch mal? &#8222;Menschenfreunde&#8220; \u00e2\u20ac\u201c davon kann bei ihm keine Rede sein. Nein, meine Lieben, der wahre Krimi- und Menschenfreund sitzt hier und leistet Grundlagenarbeit. Dazu ist so einer wie der, der sich seit kurzem ja zu den Edelfedern des kriminalistischen Kritikgewerbes z\u00e4hlt, nat\u00fcrlich nicht bereit. Hier bei krimiblog.de wird noch echte Lese- und Textarbeit geleistet. Dort hingegen wird \u00fcber nicht belegte Fakten (1.859 B\u00e4nde \u00fcber Postkolonialismus &#8211; v\u00f6llig irref\u00fchrend, diese Ausage) schwadroniert, dass man vor lauter Nebel, der geworfen wird, die Kernaussagen \u00fcbersieht.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,11],"tags":[84,129,142,221,562,276,288,435],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1047"}],"collection":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1047"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1047\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1047"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1047"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1047"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}