{"id":110,"date":"2005-04-13T11:49:51","date_gmt":"2005-04-13T09:49:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/?p=110"},"modified":"2005-04-13T11:49:51","modified_gmt":"2005-04-13T09:49:51","slug":"zeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=110","title":{"rendered":"Zeit"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/bilder\/stopfkuchen.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"Stopfkuchen\" \/><\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Er fragte wahrhaftig gar nichts danach, was \u00bbdie Leute\u00ab (er meinte die Herren Lehrer) wu\u00dften und l\u00e4cherlicherweise ihm mitzuteilen w\u00fcnschten. Er war ganz gut so, wie er war, und &#8211; kurz und gut, es war eine Niedertr\u00e4chtigkeit, im Sommer um sieben und im Winter um acht \u00bbda sein\u00ab zu m\u00fcssen, um sich doch nur mit v\u00f6lliger Verachtung strafen zu lassen; da \u00bballes andere doch nichts half\u00ab.&#8220;<\/em><br \/>Wilhelm Raabe: Stopfkuchen<\/p><\/blockquote>\n<p>Gl\u00fccklicherweise geht es in der beliebten <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/index.php\" target=\"_blank\">Crime-School<\/a> entspannter, wenn auch nicht weniger arbeitsintensiv zu. Nun steht also ein <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/04\/crimeschool-repetitorium.php\" target=\"_blank\">Repetitorium<\/a> an. In der letzten Schulstunde behandelte Lehrer dpr das Thema Zeit, genauer gesagt die &#8222;Lese-Zeit-Richtung&#8220; und suchte Beispiele f\u00fcr originelle Beispiele, wie in Kriminalromanen mit Zeit gearbeitet wird. Mir fiel dazu zwar kein Krimi ein, daf\u00fcr erinnerte ich mich an einen Roman, der \u00e4hnlich wie ein H\u00fcpfkastenspiel funktioniert. Die Rede ist von <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3518379623\/ludgerslesezeich\" target=\"_blank\">&#8222;Rayuela &#8211; Himmel und H\u00f6lle&#8220;<\/a> des Autors <a href=\"http:\/\/www.juliocortazar.com.ar\/\" target=\"_blank\">Julio Cort\u00e1zar<\/a>, Sohn argentinischer Eltern und in Br\u00fcssel geboren. In diesem Roman hat der Leser die M\u00f6glichkeit zur Interaktion &#8211; lange, bevor \u00fcberhaupt jemand an Hypertext und Internet dachte. In kurzen Kapiteln erz\u00e4hlt Cort\u00e1zar die Geschichte des Intellektuellen und Exilargentiniers Horacio Oliveira  in seinem Pariser Exil und seine R\u00fcckkehr nach Buenos Aires. In <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3611010596\/ludgerslesezeich\" target=\"_blank\">&#8222;Das Buch der 1000 B\u00fccher&#8220;<\/a><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3611010596\/ludgerslesezeich\"> <\/a>wird der 1963 erschienene Roman so beschrieben:<br \/>\n<em><\/p>\n<blockquote><p><img src=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/bilder\/rayuela_himmel_hoelle.jpg\" align=\"right\" hspace=\"5\"  alt=\"Rayuela\" \/>&#8222;Der Titel Rayuela (spanisch f\u00fcr das H\u00fcpfkastenspiel Himmel-und-H\u00f6lle) ist f\u00fcr den Roman in doppelter Hinsicht bedeutsam. Formal, weil er sich unmittelbar auf die Lekt\u00fcre bezieht, die nicht linear fortschreitet, sondern vom Leser ein Vor- und Zur\u00fcckspringen innerhalb der drei Teile verlangt. Der erste Teil schildert Oliveiras Leben in Paris, der zweite zeigt ihn nach der R\u00fcckkehr in seine Heimat; der dritte Teil enth\u00e4lt \u00bbentbehrliche\u00ab Kapitel, die beim Lesen der ersten beiden Teile zwischengeschaltet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auf inhaltlicher Ebene kommt dem \u00bbRayuela\u00ab-Spiel leitmotivische Funktion zu: Oliveira begegnet dem Kreidestrichgebilde mehrmals bei seinen ziellosen G\u00e4ngen durch die Stra\u00dfen von Paris und beginnt es als Symbol zu interpretieren: Himmel und H\u00f6lle der menschlichen Existenz sollen wie die K\u00e4stchen des Spiels auf einer Horizontalen liegen und so dem Individuum m\u00fchelos zug\u00e4nglich werden. &#8222;<\/p><\/blockquote>\n<p><\/em><br \/>\nEin chronologisches Lesen ist also nicht sinnvoll, sondern der Leser &#8222;h\u00fcpft&#8220; im Roman hin und her und bl\u00e4ttert dementsprechend auch immer wieder vor und zur\u00fcck. <\/p>\n<p>In der Tat entwickelt sich die Crime-School zu einem wirklichen Lesemarathon &#8211; immer wieder neue Ideen und Anregungen f\u00fcr B\u00fccher, die ich noch nicht gelesen habe oder die dringend wiedergelesen werden sollten. Wenn da das Zeit-Problem nicht w\u00e4re&#8230;.<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/bilder\/was_wird_er_damit_machen.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\"  alt=\"Was wird er damit machen\" \/>Anregungen kommen dabei auch indirekt. Lehrer dpr hat mich an Arno Schmidt erinnert und in diesem Zusammenhang fiel mir ein weiterer Roman ein, den ich gerne endlich lesen m\u00f6chte. <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3596106052\/ludgerslesezeich\" target=\"_blank\">&#8222;Was wird er damit machen? Nachrichten aus dem Leben eines Lords&#8220;<\/a> von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Edward_Bulwer-Lytton\" target=\"_blank\">Edward Bulwer-Lytton<\/a> in einer \u00dcbersetzung vom Meister aus Bargfeld. Bulwer-Lytton ist bei uns vor allem durch seinen Roman<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3899960114\/ludgerslesezeich\/\" target=\"_blank\"> &#8222;Die letzten Tage von Pompeji&#8220; <\/a> bekannt geworden &#8211; dabei d\u00fcrfte die Entdeckung von &#8222;What will he do with it?&#8220; &#8211; gerade auch unter Krimiaspekten &#8211; wesentlich spannender sein. Gl\u00fccklicherweise ist die sch\u00f6ne, dreib\u00e4ndige Taschenbuchausgabe in einer Kassette wohl auch noch lieferbar &#8211; keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit in diesen Tagen. Wer das Buch nicht kaufen m\u00f6chte, kann auch die <a href=\"http:\/\/www.gutenberg.org\/etext\/7671\" target=\"_blank\">englische Ausgabe aus dem Internet<\/a> herunterladen und lesen. Ganz davon abgesehen, das mir in Bezug auf Arno Schmidt auch wieder Wilkie Collins einf\u00e4llt und mich an eine dringende, wiederholte Lekt\u00fcre von <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B0000BH6V2\/ludgerslesezeich\" target=\"_blank\">&#8222;Die Frau in Wei\u00df&#8220; <\/a> mahnt, nat\u00fcrlich nur in der \u00dcbersetzung von Arno Schmidt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Er fragte wahrhaftig gar nichts danach, was \u00bbdie Leute\u00ab (er meinte die Herren Lehrer) wu\u00dften und l\u00e4cherlicherweise ihm mitzuteilen w\u00fcnschten. Er war ganz gut so, wie er war, und &#8211; kurz und gut, es war eine Niedertr\u00e4chtigkeit, im Sommer um sieben und im Winter um acht \u00bbda sein\u00ab zu m\u00fcssen, um sich doch nur mit [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110"}],"collection":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=110"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=110"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=110"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=110"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}