{"id":127,"date":"2005-04-29T16:00:00","date_gmt":"2005-04-29T14:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/?p=127"},"modified":"2005-04-29T16:00:00","modified_gmt":"2005-04-29T14:00:00","slug":"criminale-in-farbe-folge-5-ich-liebe-dich-ich-tote-dich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=127","title":{"rendered":"Criminale in Farbe &#8211; Folge 6 &#8211; Ich liebe dich, ich t\u00f6te dich."},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/bilder\/molsner_kaffke1.jpg\"align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"Michael Molsner Silvia Kaffkei\" \/><br \/>\n<font color=\"#0000FF\">Was macht eine gute Krimilesung aus? Autorinnen und Autoren, die eine gute Geschichte zu erz\u00e4hlen haben? Professionelle Sprecherinnen und Sprecher, die den Geschichten den richtigen Ton verleihen? Ein kompetenter Moderator, der interessante Fragen stellt? Wohlklingende Intermezzi, bei denen die Zuh\u00f6rer das gerade Geh\u00f6rte sacken lassen k\u00f6nnen? Eine Mischung aus all dem gab es bei der WDR 5 Kriminacht in der Kulturschmiede Arnsberg am 28. April. Im Rahmen der Criminale 2005 zeichnete der Sender seine ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte \u00e2\u20ac\u017eTelefonische Mordsberatung&#8220; auf, die erst im August gesendet wird. Motto des Abends: \u00e2\u20ac\u017eIch liebe dich, ich t\u00f6te dich. Krimiautoren und ihre Figuren&#8220;. Die verantwortliche Redakteurin Petra Brandl-Kirsch zeigte schon bei der Auswahl der Autorinnen und Autoren ein sicheres Gesp\u00fcr f\u00fcr Spannung: Sabine Deitmer, Silvia Kaffke, Michael Molsner und Oliver Bottini &#8211; unterschiedlicher konnten die Besetzung nicht sein.<\/p>\n<p>Da war die \u00e2\u20ac\u017eMutter aller M\u00f6rderinnen&#8220; Sabine Deitmer, die mit ihrem letzten Roman \u00e2\u20ac\u017eScharfe Stiche&#8220; f\u00fcr den Glauser nominiert ist und im Gespr\u00e4ch immer wieder mit einer selbstironischen Note \u00fcberraschte. Silvia Kaffke, die in ihrem dritten Roman \u00e2\u20ac\u017eTotenstill&#8220; einmal mehr die Geschichte eines Serienm\u00f6rders erz\u00e4hlt, diesmal in der Variante des \u00e2\u20ac\u017eCopycat&#8220;, also eines Serienm\u00f6rders, der Morde kopiert. Michael Molsner, gelernter Journalist und schon lange eine feste Gr\u00f6\u00dfe in der deutschen Krimiszene. In seinem aktuellen Roman \u00e2\u20ac\u017eStarker Zauber&#8220; thematisiert er ein merkw\u00fcrdiges, rechtliches Problem. Darf man in den USA einen verurteilten M\u00f6rder hinrichten, in dessen Brust das transplantierte Herz eines unschuldigen Deutschen schl\u00e4gt? Schlie\u00dflich Oliver Bottini, der mit seinem Deb\u00fctroman \u00e2\u20ac\u017eMord im Zeichen des Zen&#8220; die Krimi\u00fcberraschung des letzten Winters war. <\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/bilder\/thomas_hackenberg.jpg\"align=\"right\" hspace=\"5\" alt=\"Thomas Hackenberg\" \/><strong>&#8222;Jede Geschichte hat ihre eigene Logik&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Zusammen mit dem Moderator Thomas Hackenberg gaben die Autorinnen und Autoren Einblicke in ihre Arbeit. Wie entstehen Figuren? Welche Beziehung bauen ihre Erfinder zu ihnen auf? Gibt es reale Vorbilder? Um diese Fragen kreisten die Gespr\u00e4che. Zun\u00e4chst kl\u00e4rte Sabine Deitmer dar\u00fcber auf, warum in ihrem Krimi \u00e2\u20ac\u017eScharfe Stiche&#8220;, in dem es um den Mord an einem Sch\u00f6nheitschirurgen geht und mit dem sie auf die negativen Seiten des Sch\u00f6nheitswahn aufmerksam machen m\u00f6chte, ein Schweinekopf auseinander genommen wird. Die Autorin selbst hat es ausprobiert und gab den anwesenden Hausfrauen den wohlgemeinten Tipp \u00e2\u20ac\u017eVerarbeiten Sie einen Schweinekopf frisch!&#8220;. Doch trotz aller Kuriosit\u00e4t, Deitmer sieht sich durchaus als eine Autorin, die neben einer spannenden Geschichte auch etwas vermitteln will, ohne erhobenen Zeigefinger. Sie findet es skandal\u00f6s, wie verharmlosend mit dem Thema Sch\u00f6nheitschirurgie umgegangen wird, ohne, dass auf die Gefahren und Folgen eines solchen operativen Eingriffs eingegangen wird. Das sie ihren Roman deshalb in zwei Perspektiven erz\u00e4hlt &#8211; aus der Sicht der M\u00f6rderin und der Kommissarin &#8211; pa\u00dft ebenso dazu wie die Sympathie, die sie f\u00fcr ihre M\u00f6rderin entwickelt. Wer ist Opfer, wer ist T\u00e4ter &#8211; eine Frage, die Deitmer in ihrem Roman auszuloten versucht. <\/p>\n<p>Wesentlich n\u00fcchterner geht Michael Molsner an seine Geschichten heran. Distanz zu seinen Figuren sei ihm wichtig, wenn ihm dies auch nicht immer gel\u00e4nge, wie der Autor einr\u00e4umt. Seine Vorlagen findet er in realen Kriminalf\u00e4llen. Dabei geht er von den Figuren aus. \u00e2\u20ac\u017eJede Geschichte hat ihre eigene Logik und kann w\u00e4hrend des Schreibens eine Bedeutung annehmen, die ich gar nicht will&#8220; &#8211; so Molsner, der nicht, wie zum Beispiel Agatha Christie, seine Romane zun\u00e4chst am Plot aufh\u00e4ngt. Es sind die Figuren und wenn er reale Menschen trifft, die zu einem Plot passen k\u00f6nnten, arbeitet er sie in seine Geschichten ein. Das seine Figuren dabei eine eigene Dynamik, eine eigene Integrit\u00e4t entwickeln, sei nicht von der Hand zu weisen. <\/p>\n<p>Wesentlich rabiater zeigt sich Silvia Kaffke, die sich in ihren Krimis auch schon mal  an unsympathischen Menschen r\u00e4cht und sie &#8211; fiktiv &#8211; um die Ecke bringt. Allerdings so verfremdet, dass wohl nur die unmittelbar Betroffenen dies erkennen k\u00f6nnten. Ihre Hauptfigur Barbara entstand bereits 1996 und wurzelt aus einer Begegnung einer v\u00f6llig \u00e2\u20ac\u017efertigen&#8220; Frau mit einem Polizisten in einer Kneipe. Seitdem hat sie sich intensiv mit den Profilern besch\u00e4ftigt, die bei der deutschen Polizei Fallanalytiker hei\u00dfen. Barbara habe, bis zu der Verfilmung von \u00e2\u20ac\u017eMesserscharf&#8220; eigentlich keinen festgeschriebenen Lebenslauf gehabt &#8211; sie habe die Autorin einfach gepackt und sich so entwickelt. Erst in Vorbereitung zum Film habe sie, w\u00e4hrend langer Gespr\u00e4che mit dem Drehbuchautor, der Figur eine l\u00e4ngere Biografie verpa\u00dft. Ob Frauen blutr\u00fcnstiger schreiben als M\u00e4nner, kann Kaffke auch nicht endg\u00fcltig beantworten. Sie selbst sieht aber, dass wir in der Realit\u00e4t nicht weit von Gewalt, Verbrechen und Abgr\u00fcnden entfernt sind. Wer kennt nicht jemanden, der jemanden kennt, der Opfer eines Verbrechens geworden ist? <\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/bilder\/deitmer_bottini.jpg\"align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"Sabine Deitmer Oliver Bottini\" \/><br \/>\n<strong>&#8222;Die Probleml\u00f6ser der Nation&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Oliver Bottini, als j\u00fcngster Autor in der Runde, wird vom Moderator nat\u00fcrlich mit der Frage konfrontiert, die er sch\u00f6n \u00f6fters beantworten musste: Warum w\u00e4hlte er als Mann eine alkoholkranke, mit zahlreichen Problemen belastete Frau als Protagonistin? Der Autor sieht seine Louise Bon\u00ec als eine Alternative zu den zahlreichen, m\u00e4nnlichen Helden in Kriminalromanen. Er kenne so viele Krimis, in denen M\u00e4nner eine Rolle spielten, dass ein weiterer Mann sicher nicht sehr originell gewesen w\u00e4re. Zudem besch\u00e4ftigt ihn auch die Geschlechterproblematik, die im Buch \u00e2\u20ac\u017eMord im Zeichen des Zen&#8220; behandelt wird. Ob er seine Hauptfigur wirklich von Anfang an als Alkoholikerin angelegt habe, k\u00f6nne er gar nicht so direkt beantworten. Bottini betont aber, dass seine Recherche bei der Polizei zu einer ern\u00fcchternden Bilanz gef\u00fchrt habe. Einer der befragten Kommissar bei der Polizei sagte zu ihm: \u00e2\u20ac\u017eWir werden von allen als Probleml\u00f6ser der Nation gesehen. Dabei haben wir alle selbst Probleme, wie jeder andere auch.&#8220; Auf die Nachfrage, ob seine so stark angelegte Figur Bon\u00ec vielleicht auch eine Gefahr f\u00fcr den Krimi ist &#8211; weil sie alleine eine Geschichte tragen w\u00fcrde &#8211; verneint Bottini dies. <\/p>\n<p>Zum Gelingen des Abends trugen aber nicht nur die befragten Autorinnen und Autoren bei. Die Abwechslung aus Musik &#8211; gespielt von dem vortrefflichen Trio \u00e2\u20ac\u017eThe Art of Jazz&#8220; &#8211; Werkstattgespr\u00e4ch und professioneller Lesung &#8211; vorgetragen von Gudrun Schachtschneider und Detlef Dickmann &#8211; sorgte f\u00fcr kurzweilige zwei Stunden. Das Publikum selbst wurde nicht in die Diskussion einbezogen, was allerdings nicht weiter tragisch war, denn im Anschlu\u00df hatte man gen\u00fcgend Zeit, die Autorinnen und Autoren direkt zu befragen. Einziger Wehrmutstropfen war, dass unter den Autorinnen und Autoren nur wenig Gespr\u00e4ch, wenig Interaktion aufkam. Dennoch: Solche profunden und klugen Krimilesungen w\u00fcnsche ich mir mehr.<br \/>\n<\/font><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was macht eine gute Krimilesung aus? Autorinnen und Autoren, die eine gute Geschichte zu erz\u00e4hlen haben? Professionelle Sprecherinnen und Sprecher, die den Geschichten den richtigen Ton verleihen? 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