{"id":131,"date":"2005-05-01T01:41:18","date_gmt":"2005-04-30T23:41:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/?p=131"},"modified":"2005-05-01T01:41:18","modified_gmt":"2005-04-30T23:41:18","slug":"criminale-in-farbe-folge-8-tuten-und-blasen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=131","title":{"rendered":"Criminale in Farbe &#8211; Folge 8 &#8211; Von Tuten und Blasen"},"content":{"rendered":"<p>Die Jungs hatten es drauf: Eine furiose Mischung aus Mancini, &#8222;Star Wars&#8220; und Liebesliedern bliesen und sangen <a href=\"http:\/\/www.mnozilbrass.at\/\" target=\"_blank\">Mnozil Brass<\/a> aus Wien den Zuh\u00f6rern im Kulturzentrum Arnsberg-H\u00fcsten kr\u00e4ftig ins Ohr. Kein Bein, dass nicht mit wippte und immer wieder brandete begeisterter Zwischenapplaus auf.  Doch die sechs Musiker aus \u00d6sterreich setzt nicht nur auf kr\u00e4ftige T\u00f6ne, sie tanzten, bl\u00f6delten und schauspielerten wunderbar. Erfrischend, lustig und unterhaltend. Die <a href=\"http:\/\/www.lpo.nrw.de\/\" target=\"_blank\">Big Band des Landespolizeiorchesters NRW<\/a>, weiterer Act des Abends, hatte es schwer, dagegen anzuspielen. Die M\u00e4nner, die sonst f\u00fcr Recht und Ordnung sorgen, schlugen sich tapfer: Sie swingten locker, leicht und heizten dem Publikum gut ein. Falls es bislang Zweifel gab, beim &#8222;Tango Criminale&#8220; wurde klar: Im Hochsauerland spielt die Musik. Nix mit verstaubten Blaskapellen und Sch\u00fctzenfestumz\u00fcgen &#8211; Musik in einer umfassenden Bandbreite schallt zwischen den tausend Bergen.<\/p>\n<p>Schrieb ich gerade &#8222;Tango Criminale&#8220;? Ach ja, die Musik war  nur Beiwerk, Rahmenprogramm, bunte Abwechslung f\u00fcr den Ehrentag einer ehrenwerten Gesellschaft, die sich &#8222;Syndikat&#8220; nennt. Zwischen 300 und 400 deutschsprachige Autorinnen und Autoren (die Zahlenangaben schwanken immer, je nachdem, wen man fragt) sollen in dieser Vereinigung organisiert sein. Einziges Ziel: Die Organisation der j\u00e4hrlich stattfindenden Criminale, dem gr\u00f6\u00dften, europ\u00e4ischen Krimifestival. Abschlu\u00df dieses Festivals ist &#8211; langj\u00e4hrige Krimifans wissen es &#8211; die Verleihung des Friedrich-Glauser-Krimipreises, der in den Kategorien Kurzgeschichte, Deb\u00fctkrimi und Roman vergeben wird. Dazu kommt noch der Hansj\u00f6rg-Martin-Preis f\u00fcr den besten Kinder- oder Jugendkrimi eines Jahres. Diesmal sollte es besonders spannend sein: Handelt es sich doch angeblich um den &#8222;Oscar&#8220; der deutschsprachigen Krimibranche. (Kleine Nebenfrage: Wei\u00df die <a href=\"http:\/\/www.oscar.com\/\" target=\"_blank\">Academy of Motion Picture Arts and Sciences<\/a> eigentlich, dass das Syndikat sich mal eben den &#8222;Oscar&#8220; f\u00fcr ihre Krimis einverleibt hat? Wenn mich nicht alles t\u00e4uscht, mag die ehrw\u00fcrdige Akademie es gar nicht, wenn der Begriff &#8222;Oscar&#8220; in einem anderen Zusammenhang als mit ihren <strong>Filmpreisen<\/strong> verwendet wird. Aber im Syndikat wird&#8217;s gen\u00fcgend krimischreibende Juristen geben, die das besser beurteilen k\u00f6nnen&#8230;)<\/p>\n<p>Um die Spannung auf die Spitze zu treiben (Krimiautor\/innen sollten dies k\u00f6nnen), wurden die Preistr\u00e4ger erst w\u00e4hrend der Verleihung bekannt gegeben. Nur das die gute Ingrid Noll den Ehrenglauser f\u00fcr ihr Lebenswerk bekommen w\u00fcrde, das stand schon Wochen vorher fest. Die <a href=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/?p=67\">anderen Nominierten<\/a> mussten also angespannt und aufgeregt im Publikum sitzen. Mussten sie das wirklich? Dummerweise ging die Pressemitteilung mit den Siegern schon fr\u00fcher raus. Zwar war sie mit einer Sperrfrist versehen, das hei\u00dft, die darin enthaltenen Informationen d\u00fcrfen erst ab einem bestimmten Zeitpunkt ver\u00f6ffentlicht werden, doch einem Ger\u00fccht zufolge hielt sich eine Nachrichtenagentur nicht daran und posaunte die Gewinner schon vor der Sperrfrist raus. Kann passieren &#8211; doch dieses Ger\u00fccht f\u00fchrte wiederum zu einer interessanten Diskussion. Ein namhafter Verleger hielt dieses Vorgehen f\u00fcr nicht angemessen (Verleger dr\u00fccken sich gepflegt aus, man h\u00e4tte auch albern sagen k\u00f6nnen). &#8222;Die nehmen sich zu wichtig &#8211; dies ist nicht der Oscar&#8220;, diesmal im Originalzitat. Woraufhin ihm eine sympathische Zeitungsredakteurin Zustimmung signalisierte und lapidar erkl\u00e4rte: &#8222;Was soll ich am Montag mit dieser Meldung? Die interessiert dann keinen mehr. Heute, am Samstag, h\u00e4tte es in der Zeitung stehen sollen.&#8220;<\/p>\n<p>Tja, was soll man am Montag mit dieser Meldung &#8211; eine durchaus berechtigte Frage. Und wer ist eigentlich Friedrich Glauser? Nun, wer nicht bis Montag warten m\u00f6chte, bekommt die Sieger von mir hier kurz um die Ohren gehauen &#8211; was ungef\u00e4hr dem Verfahren auf dem &#8222;Tango Criminale&#8220; entspricht:<\/p>\n<blockquote><p><strong><br \/>\nHansj\u00f6rg-Martin-Preis: Sabine Ludwig f\u00fcr &#8222;Die Nacht in der Mr. Singh verschwand&#8220;<br \/>\nKurzgeschichte: Gunter Gerlach f\u00fcr &#8222;Hochzeit in Voerde&#8220;<br \/>\nDeb\u00fct: Stefan Slupetzky f\u00fcr &#8222;Der Fall des Lemming&#8220;<br \/>\nRoman: Hansj\u00f6rg Schneider f\u00fcr &#8222;Hunkeler macht Sachen&#8220;<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Jetzt wissen wir mehr, das Geheimnis ist endlich gel\u00fcftet. Aber halt: So ganz einfallslos ist das Syndikat ja nicht. Zu jeder und jedem Preistr\u00e4ger\/in gab es eine &#8211; mal k\u00fcrzere, mal l\u00e4ngere &#8211; Laudatio, in der die Jury ihr Urteil begr\u00fcndete. Nachlesen kann man dies irgendwann sicher auf der Homepage des Syndikats. Wie war das mit der Meldung am Montag, die niemanden mehr interessiert? Selbst im Publikum trat bei der Verlesung der Begr\u00fcndung Schweigen ein (man ist ja h\u00f6flich), dann wurde brav geklascht und sehns\u00fcchtig die n\u00e4chste Musik erwartet. Die war spannender, frischer und einfallsreicher, als die m\u00fcde vorgetragenen Lobpreisungen von Kollegen auf Kollegen.<\/p>\n<p>Was bleibt also als Fazit? Zweierlei: Der Hochsauerlandkreis und die Menschen, die f\u00fcr ihn arbeiten, haben sich reichlich M\u00fche gegeben, viel Zeit und Kraft investiert und organisatorisch gute Arbeit geleistet. Nur so als Randbemerkung: Das ganze Spektakel hat den Kreis 95.000 Euro Steuer- und Sponsorengelder gekostet (unter anderem daf\u00fcr, dass es sich rund 160 Krimiautor\/innen f\u00fcr zwei, drei Tage haben gut gehen lassen) . F\u00fcr den HSK eine hoffentlich gute Investition, weil damit reichlich Werbung f\u00fcr die Region verbunden ist. Zudem hat man sich kulturell von einer interessante Seite gezeigt, gastfreundlich, offen und mit sauerl\u00e4ndischem Charme. Die ber\u00fchmten zwei Fliegen. Der eigens ausgeschriebene Jugendwettbewerb soll \u00fcbrigens weiter bestehen &#8211; eine gute Entscheidung. Das Syndikat hingegen hat sich einmal mehr von seiner lahmen, langweiligen und selbstherrlichen Art gezeigt. Eine Vereinigung, deren einziger Verdienst (nach au\u00dfen hin) es ist, einmal im Jahr ein solches Festival zu organisieren (mit finanz- und tatkr\u00e4ftiger Hilfe der Gastgeberregion), die f\u00fcr sich in Anspruch nimmt, den deutschsprachigen Krimi zu repr\u00e4sentieren, die lieb- und kraftlos Krimipreise vergibt, hat sich in meinen Augen disqualifiziert und \u00fcberlebt. Angesichts knapper Haushaltskassen, angesichts der Sparzw\u00e4nge gerade im Kulturbereich sollten sich die verantwortlichen Politiker durchaus \u00fcberlegen, ob sie 160 Autor\/innen mal ein paar sch\u00f6ne Tage g\u00f6nnen, oder ob das Geld nicht in n\u00e4here und qualitativ bessere Projekte (wie zum Beispiel einem Jugendschreibwettbewerb, wie ihn der HSK nun fortsetzten m\u00f6chte)  stecken wollen. Interessante Krimilesungen kann man auch anders organisieren &#8211; daf\u00fcr braucht&#8217;s kein Syndikat. <\/p>\n<p><center><strong>Eindr\u00fccke<\/strong><br \/>\n<img src=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/bilder\/mnoizl_brass.jpg\" alt=\"Mnozil Brass\" \/><br \/>\nDie Stars des Abends waren nicht die Krimiautoren, sondern Mnozil Brass.<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/bilder\/polizeiorchester.jpg\" alt=\"Big Band\" \/><br \/>\nSie swingten locker mit: Die Big Band des Landespolizeiorchesters NRW <\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/bilder\/slupetzky_noll.jpg\" alt=\"Slupetzky Noll\" \/><br \/>\nPreistr\u00e4ger unter sich: Stefan Slupetzky und Ingrid Noll <\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/bilder\/ludwig_schneider1.jpg\" alt=\"Ludwig Schneider\" \/><br \/>\nNoch mehr Preistr\u00e4ger: Sabine Ludwig und Hansj\u00f6rg Schneider <\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/bilder\/ingrid_noll1.jpg\" alt=\"Ingrid Noll\" \/><br \/>\nCharmante Dame mit Mordgel\u00fcsten: Ingrid Noll mit ihrem Ehrenglauser <\/p>\n<p><\/center><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Jungs hatten es drauf: Eine furiose Mischung aus Mancini, &#8222;Star Wars&#8220; und Liebesliedern bliesen und sangen Mnozil Brass aus Wien den Zuh\u00f6rern im Kulturzentrum Arnsberg-H\u00fcsten kr\u00e4ftig ins Ohr. 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