{"id":1429,"date":"2008-12-09T11:54:28","date_gmt":"2008-12-09T10:54:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=1429"},"modified":"2008-12-09T11:54:28","modified_gmt":"2008-12-09T10:54:28","slug":"diskussionskultur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=1429","title":{"rendered":"Diskussionskultur"},"content":{"rendered":"<p>Die Zeiten werden h\u00e4rter, der Wind wird rauer. Besonders kr\u00e4ftiger weht er derzeit durch die deutsche Krimiblog- und Krimikritik-&#8222;Szene&#8220;. Beliebt in diesen st\u00fcrmischen Zeiten: Leser beschimpfen und Kollegen herunter putzen. Was mancher vielleicht als \u00e2\u20ac\u017eDiskussionskultur\u00e2\u20ac\u0153 sieht, l\u00f6st bei mir eher Erschrecken aus. Der Ton, der da mittlerweile angeschlagen wird, schwankt zwischen Aggressivit\u00e4t und Beleidigung. <\/p>\n<p>So erstaunt es mich schon, dass Dieter Paul Rudolph, bekannt auch unter seinem K\u00fcrzel dpr, immer wieder auf die Leser eindrischt. Seit vergangenem Samstag k\u00f6nnen wir etwa beim <a href=\"http:\/\/www.titel-magazin.de\/modules.php?op=modload&#038;name=News&#038;file=article&#038;sid=7602&#038;mode=thread&#038;order=0&#038;thold=0&#038;POSTNUKESID=c1b1d777c55f0a74fcea8213c79e9ea7\">&rarr; \u00e2\u20ac\u0153Titel-Magazin\u00e2\u20ac\u0153<\/a> folgende Feststellung lesen:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u00e2\u20ac\u0153Der Patient, der da seinen Verstand aushaucht und auf gr\u00f6bste Wiederherstellung hofft, ist der Leser.\u00e2\u20ac\u0153 <\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><br \/>\ndpr verkauft seinen Text zu Stieg Larson als Polemik. In seinem Blog \u00e2\u20ac\u017ewatching the detectives\u00e2\u20ac\u0153 <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2008\/12\/mr-mrs-right.php\">&rarr; lesen wir<\/a>: <\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;LeserInnen folgen nicht nur gerne der gro\u00dfen Herde und vertrauen darauf, dass wer im Fernsehen B\u00fccher anpreist \u00fcber einen absolut guten Geschmack verf\u00fcgen muss (sonst w\u00e4re der oder die ja nicht im Fernsehen!), sie lieben es auch, im eigenen Saft zu schmoren.\u00e2\u20ac\u0153<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Schon im Oktober konnten wir unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2008\/10\/warum-ich-krimis-hasse.php\">&rarr; &#8222;Warum ich Krimis hasse&#8220;<\/a> ein besonderes Schmankerl des \u00e2\u20ac\u0153scharfen\u00e2\u20ac\u0153 Kritikers aus dem Saarland genie\u00dfen:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u00e2\u20ac\u0153Wer Krimis zum blo\u00dfen Am\u00fcsement liest, f\u00fcgt sich fr\u00f6hlich in die gro\u00dfe Volksverdummung, ohne die eine Demokratie \u00fcberhaupt nicht funktionieren kann. (&#8230;) Krimis werden notorisch von M\u00f6rdern gelesen. Das ist so. M\u00f6rder, die sich als Opfer f\u00fchlen. Sie suhlen sich pudelwohl in der Diktatur der Hirnerweichung, sie fressen ihren Spargel, ihre Lendchen, sie saufen ihren Wein, ihren Cognac, w\u00e4hrend um sie herum Krimi gespielt wird, w\u00e4hrend das gro\u00dfe Abschlachten endlich jenen Eventcharakter erreicht hat, der auch von Analphabeten, Nichtdenkern und sonstigen Gro\u00dfkotzen &#8222;verstanden&#8220; werden kann, weil man keinen Verstand dazu braucht. \u00e2\u20ac\u0153<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>In diesem letzten Text geht es um die &#8211; in der Tat furchtbare &#8211; Krimikombinatorik: Mord + Wein, Leiche + lecker Essen, usw. Das sind ekelhafte Ausw\u00fcchse und Kritik ist mehr als angebracht. Ebenso schlimm sind die \u00e2\u20ac\u017elustigen\u00e2\u20ac\u0153 Events, mit denen diese \u00e2\u20ac\u017eKriminalliteratur\u00e2\u20ac\u0153 unters Volk gebracht werden soll. Ja, das ist furchtbar \u00e2\u20ac\u201c aber es ist auch nicht neu. Berechtigt dies einen Kritiker dazu, das Publikum zu beschimpfen? Eine Publikumsbeschimpfung, die sich vermutlich selbst ganz toll findet, die aber auf den \u00e2\u20ac\u0153verdummten\u00e2\u20ac\u0153 und verdutzten  Leser einfach nur abschreckend wirkt. Niemand will so beschimpft werden und niemand wird sich diesen Schuh anziehen. Aufr\u00fctteln \u00e2\u20ac\u201c ja, unbedingt. Beleidigen \u00e2\u20ac\u201c nein, danke!<\/p>\n<p>Man mag ja als Kritiker oft genervt und entt\u00e4uscht sein \u00fcber das, was &#8222;das Publikum&#8220; (wie auch immer das genau aussieht) in der breiten Masse liest. Ja, ich finde es zum Beispiel auch furchtbar, dass eine Elizabeth George mit ihren Krimischmonzetten regelm\u00e4\u00dfig die Bestsellerliste erklimmt. Dass dieser Unsinn in Foren wie der Krimi-Couch auch noch in aller Breite diskutiert wird \u00e2\u20ac\u201c bei mir l\u00f6st es Kopfsch\u00fctteln aus. Aber: Das alles gibt mir noch lange nicht das Recht, die Leser und Leserinnen dieser Literatur pauschal als Nichtdenker oder gar \u00e2\u20ac\u0153M\u00f6rder\u00e2\u20ac\u0153 zu beschimpfen. Von oben herab. Das ist nicht nur eitel und selbstverliebt, das ist schlichtweg unversch\u00e4mt. <\/p>\n<p>Noch dreister wirkt eine solche Beschimpfung, wenn man sieht, dass Dieter Paul Rudolph seit einiger Zeit auch hoch gelobter Krimiautor und Mitherausgeber des Krimijahrbuchs ist. Keine Frage: Der Mann hat sich durch seine \u00e2\u20ac\u0153alten Krimis\u00e2\u20ac\u0153, durch die \u00e2\u20ac\u017eCriminalbibliothek\u00e2\u20ac\u0153 und durch das \u00e2\u20ac\u0153Krimijahrbuch\u00e2\u20ac\u0153 um die Kriminalliteratur und die Krimikultur verdient gemacht.  Doch seine aktuellen Entgleisungen, die wom\u00f6glich als Polemik oder Kritik verstanden werden wollen, letztlich aber einfach nur unbefriedigte Eitelkeit offenbaren, beeintr\u00e4chtigen diesen guten Ruf &#8211; egal, ob als Kritiker, Herausgeber oder Krimischaffender. <\/p>\n<p><strong>Schreien, Stampfen oder P\u00f6beln<\/strong><\/p>\n<p>Nun kann man recht schadlos gegen eine anonyme Masse poltern und draufschlagen. Doch es sind nicht nur \u00e2\u20ac\u0153die Leser\u00e2\u20ac\u0153, die die dpr\u00e2\u20ac\u2122sche Verachtung trifft. Auch auf Kollegen wird neuerdings von dpr aus einer \u00e2\u20ac\u201c vermeintlichen \u00e2\u20ac\u201c erhobenen Position eingedroschen. Die immer wiederkehrenden Sticheleien gegen mich (<em>\u00e2\u20ac\u017efrustierter Gelegenheitsblogger\u00e2\u20ac\u0153<\/em>, <em>\u00e2\u20ac\u017e&#8230; und der &#8222;Ripper Award&#8220; ist wohl nur f\u00fcr ihn erfunden worden, um Stoff f\u00fcr die Menke&#8217;sche Entr\u00fcstung zu liefern.\u00e2\u20ac\u0153<\/em>) haben nichts mit inhaltlicher Auseinandersetzung zu tun. Woher sie r\u00fchren, wei\u00df ich nicht. Auch wenn er es immer wieder betont und verzweifelt \u00e2\u20ac\u0153Auseinandersetzung\u00e2\u20ac\u0153 ruft und um Reaktionen bettelt: Um eine sachliche Auseinandersetzung geht es dpr offensichtlich schon l\u00e4ngst nicht mehr.  <\/p>\n<p>Um es klar zu sagen: Wer austeilt, muss auch einstecken k\u00f6nnen. Daher ringen mir diese Seitenhiebe nur ein m\u00fcdes L\u00e4cheln ab. Genauso, wie die dann doch eher bescheidenen Reaktionen auf seine Aufrufe nach \u00e2\u20ac\u0153Diskussion\u00e2\u20ac\u0153. Wer solche S\u00e4tze, wie die oben zitierten, schreibt und bloggt, der darf sich nicht wundern, dass den meisten Leuten die Lust an einer Auseinandersetzung vergeht. Kommunikation \u00e2\u20ac\u201c eines der Zauberw\u00f6rter aus der dpr&#8217;schen Denkfabrik \u00e2\u20ac\u201c funktioniert nicht durch Schreien, Stampfen oder P\u00f6beln. <\/p>\n<p>Doch das Repertoire des dpr umfasst noch eine h\u00e4rtere Gangart:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u00e2\u20ac\u017eHoffen wir, dass Bussmers Vorstellungen von Kriminalliteratur Bussmers Vorstellungen von Kriminalliteratur bleiben und nicht etwa zur &#8222;Konvention&#8220; werden. Man m\u00fcsste das Lesen von Literatur sonst n\u00e4mlich glatt einstellen.\u00e2\u20ac\u0153<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Gefallen sind diese S\u00e4tze in einer \u00e2\u20ac\u0153Diskussion\u00e2\u20ac\u0153 um das Buch \u00e2\u20ac\u0153Sterbezeit\u00e2\u20ac\u0153 von Norbert Horst. Sie beziehen sich auf <a href=\"http:\/\/kriminalakte.wordpress.com\/2008\/11\/28\/kommissar-kirchenbergs-enttauschender-vierter-auftritt\/\">&rarr; Ausf\u00fchrungen von Axel Bussmer<\/a>, der in einer Kritik zu eben jenem Buch das ungl\u00fcckliche Bild von einem &#8222;Vertrag zwischen Autor und Leser&#8220; gew\u00e4hlt hat. Das ist auch in meinen Augen von Axel ein Missgriff, so wie sein ganzer Text meiner Meinung nach eher verungl\u00fcckt ist. Kenne ich. Ist mir auch schon passiert. Diskussionsbedarf? Ja, gerne. Denn bei der Vorstellung von einer Literatur, die durch &#8222;Vertr\u00e4ge&#8220; bestimmt wird, gruselt es mich auch. <\/p>\n<p>Aber: Man kann nicht nur, man muss das auf einer sachlichen Ebene und vor allem gleichberechtigt diskutieren. <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2008\/11\/verrat-am-publikum.php\">&rarr; Bei Dieter Paul Rudolph<\/a> jedoch bekommt seit einiger Zeit jeder verbal \u00e2\u20ac\u017eeins in die Fresse\u00e2\u20ac\u0153 (um es mit einem ber\u00fchmten deutschen Krimikritiker zu sagen), der sich dem dpr\u00e2\u20ac\u2122schen Gebot vom &#8222;richtigen Lesen\u00e2\u20ac\u0153 und &#8222;richtigen Lesarten&#8220; nicht unterwirft. Jeder, der es auch nur wagt, Texte anders als der Meister selbst zu lesen \u00e2\u20ac\u201c das hei\u00dft, sie zu interpretieren &#8211;  dem wird jegliche Legitimation abgesprochen. Das ist hochgradig verletzend, selbstherrlich und verachtend. Die oben zitierten S\u00e4tze sind einfach nur schlimm. Um so mehr bewundere ich Axel daf\u00fcr, dass er trotzdem in diese &#8222;Diskussion&#8220; eingestiegen ist. Letztlich kann er sie aber nur verlieren.<\/p>\n<p>Dem Blogger, Kritiker und Krimiautor aus dem Saarland ist es offenbar mittlerweile sehr wichtig, sich gegen das lesende Krimiprekariat und unliebsame Blogger-Kollegen knallhart abzugrenzen und seine \u00dcberheblichkeit zu pflegen. Dabei mag eine gewisse Arroganz ja noch ganz charmant sein \u00e2\u20ac\u201c schlie\u00dflich kann und darf Bloggen auch ein Egotrip sein. Aber es gibt Grenzen \u00e2\u20ac\u201c sp\u00e4testens im Umgang mit Andersdenkenden &#8211;  und die \u00fcberschreitet dpr seit einiger Zeit immer wieder. Noch schlimmer wird diese Entwicklung, wenn dann auch noch einige seiner Mitstreiter in den P\u00f6bel-Chor mit einstimmen. Da f\u00e4llt einem sonst so sprachverliebten Georg nichts anderes als ein albernes  \u00e2\u20ac\u0153Boing!\u00e2\u20ac\u0153 ein. Bernd baut emsig meterhohe Barrikaden aus Zitaten auf, hinter denen man sich dann wunderbar verstecken kann und wo eine eigene Meinung nicht n\u00f6tig ist. Anobella schlie\u00dflich tut das, was sie immer schon gut konnte: Belanglosigkeiten einwerfen und jeden Ansatz von ernsthafter Diskussion mit L\u00e4cherlichkeiten abw\u00fcrgen. Der einzige, der sich im Zuge dieser wirklich uns\u00e4glichen Diskussion um \u00e2\u20ac\u017eVertr\u00e4ge\u00e2\u20ac\u0153 respektvoll gegen\u00fcber Axel verhalten hat, war Claus. Wenn das Eure Art ist, in der in Zukunft diskutiert werden soll &#8211;  macht das. Ich m\u00f6chte damit nichts zu tun haben. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeiten werden h\u00e4rter, der Wind wird rauer. Besonders kr\u00e4ftiger weht er derzeit durch die deutsche Krimiblog- und Krimikritik-&#8222;Szene&#8220;. Beliebt in diesen st\u00fcrmischen Zeiten: Leser beschimpfen und Kollegen herunter putzen. Was mancher vielleicht als \u00e2\u20ac\u017eDiskussionskultur\u00e2\u20ac\u0153 sieht, l\u00f6st bei mir eher Erschrecken aus. Der Ton, der da mittlerweile angeschlagen wird, schwankt zwischen Aggressivit\u00e4t und Beleidigung. <\/p>\n<p>So erstaunt es mich schon, dass Dieter Paul Rudolph, bekannt auch unter seinem K\u00fcrzel dpr, immer wieder auf die Leser eindrischt. Seit vergangenem Samstag k\u00f6nnen wir etwa beim <a href=\"http:\/\/www.titel-magazin.de\/modules.php?op=modload&#038;name=News&#038;file=article&#038;sid=7602&#038;mode=thread&#038;order=0&#038;thold=0&#038;POSTNUKESID=c1b1d777c55f0a74fcea8213c79e9ea7\">&rarr; \u00e2\u20ac\u0153Titel-Magazin\u00e2\u20ac\u0153<\/a> folgende Feststellung lesen:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u00e2\u20ac\u0153Der Patient, der da seinen Verstand aushaucht und auf gr\u00f6bste Wiederherstellung hofft, ist der Leser.\u00e2\u20ac\u0153 <\/em><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[70,142,562,276,287],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1429"}],"collection":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1429"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1429\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1429"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1429"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1429"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}