{"id":150,"date":"2005-06-04T17:29:22","date_gmt":"2005-06-04T15:29:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/?p=150"},"modified":"2005-06-04T17:29:22","modified_gmt":"2005-06-04T15:29:22","slug":"wechselspiele-medizin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=150","title":{"rendered":"Wechselspiele der Wirklichkeit"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/bilder\/segur_yagudins_rueckkehr.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"Yagudins R\u00fcckkehr\" \/><strong>Philippe S\u00e9gur: Yagudins R\u00fcckkehr<\/strong><\/p>\n<p>Zehn Tage nach den verheerenden Anschl\u00e4gen des 11. Septembers 2001 ereignet sich am Freitag, dem 21. September 2001, gegen 10.18 Uhr im franz\u00f6sischen Toulouse eine furchtbare Explosion in der Chemiefabrik AZF. 29 Menschen wurden get\u00f6tet, 34 lebensgef\u00e4hrlich verletzt, \u00fcber 2.400 Menschen erlitten Schnittverletzungen durch herumfliegende Glassplitter. Ein Ungl\u00fcck, wie die Beh\u00f6rden recht schnell versichern &#8211; angesichts der allgemeinen Terror-Hysterie im Herbst 2001 kein Wunder. Eine Explosion, die das Leben von Nils Immarskj\u00f6ld Dugay in seinen Grundfesten ersch\u00fctterte. Ein Leben, das bislang eher langweilig und eint\u00f6nig verlief. Dugay arbeitet als angesehener Rechtsprofessor an der Universit\u00e4t in Toulouse und f\u00fchrt zusammen mit seiner Frau Alice und seinen beiden T\u00f6chtern Marnie und \u00c9meline ein beschauliches Familienleben. <\/p>\n<p>Abends erz\u00e4hlt Dugay seinen T\u00f6chtern gruselige und grausame Geschichten vom M\u00f6rder Yagudin, einer norwegischen Sagengestalt. Gehasst und gejagt vom norwegischen K\u00f6nig, zieht Yagudin mordend und sch\u00e4ndend durch das Land, verbreitet Angst und Schrecken. Er lockt seine Verfolger in die nordische Eisw\u00fcste, wo er sie von B\u00e4ren jagen und schlie\u00dflich erfrieren l\u00e4sst. Yagudin verf\u00fcgt \u00fcber Macht. Soviel Macht, dass Yagudin auch in Dugays Leben immer mehr Einfluss gewinnt. Es f\u00e4ngt harmlos an: Pl\u00f6tzlich passen dem Professor die Schuhe nicht mehr, seine Kleidung wird zu eng, seine Stirn wird gr\u00f6\u00dfer. Dann beginnen die anonymen Anrufe und Drohbriefe. Das so beschauliche Leben ger\u00e4t aus den Fugen, als sich der Professor &#8211; ganz gegen seinen Willen &#8211; in eine junge Studentin verliebt und ein Rendezvous mit ihr hat. Als schlie\u00dflich im weit entfernten New York die beiden Flugzeuge ins World Trade Center fliegen, steht Dugay vor einem geheimnisvollen Haus, in dem ein gewisser Yagudin wohnen soll. Zehn Tage sp\u00e4ter verliert er alles, was ihm lieb ist: Seine Frau und seine beiden T\u00f6chter. <\/p>\n<p>Eine d\u00fcstere, schaurige und phantastische  Geschichte, die der Rechtsprofessor Philippe S\u00e9gur mit \u00e2\u20ac\u017eYagudins R\u00fcckkehr&#8220; zu Papier gebracht hat. Seine Figur des Dugay ist ein Durchschnittsmensch, den der Autor durchschnittlich schildert &#8211; w\u00e4ren da nicht immer wieder kurze S\u00e4tze, die wie feste, harte Hammerschl\u00e4ge den Erz\u00e4hlrhythmus unterbrechen und wunderbar verst\u00f6rend wirken. Eine lakonisch und kurzweilige Geschichte \u00fcber Alltag und Imagination, \u00fcber Moderne und Mythen, \u00fcber den Eskapismus und seine Gef\u00e4hrlichkeit. Dugay verstrickt sich &#8211; \u00e4hnlich wie so manche Highsmith-Figur &#8211; in den L\u00fcgen seiner eigenen Phantasie, aus der es schlie\u00dflich kein Entkommen gibt. S\u00e9gur erz\u00e4hlt eine Geschichte, die immer mehr an Tempo und Fahrt gewinnt und schlie\u00dflich ein furioses, grausames und ern\u00fcchterndes Ende haben wird, eine Aufl\u00f6sung, die sicher manchen Leser w\u00fctend zur\u00fcck l\u00e4sst. So ist das also, mag man am Ende denken. Ein dummes Ende, ein phantasieloses Ende, mit einem dummen Wortspiel. Allein daf\u00fcr w\u00fcnscht man dem Autor den b\u00f6sen Yagudin an den Hals. Sehr, sehr schade, denn S\u00e9gur hat bis auf die letzten Seiten einen spannenden und aufregenden Roman \u00fcber die Wechselspiele von Phantasie und Wirklichkeit geschrieben. Am Ende holt den Leser die Wirklichkeit ein &#8211; und die ist nicht wirklich interessant, sondern medizinisch. Warum? Lesen Sie selbst. <\/p>\n<p>P.S.: Das Bild auf dem Buchumschlag ist \u00fcbrigens d\u00e4mlich und unpassend. <\/p>\n<blockquote><p><strong>Philippe S\u00e9gur: Yagudins R\u00fcckkehr<\/strong> \/ Aus dem Franz\u00f6sischen von Natalie Freund-Giesbert. &#8211; Wien : Picus Verlag, 2005.<br \/>ISBN 3-85452-488-9<\/p>\n<p>Originaltitel: Philippe S\u00e9gur: La po\u00e9tique de l\u00e2\u20ac\u2122\u00e9gorgeur. &#8211; Paris : \u00c9ditiones Buchet Chastel, 2004<\/p>\n<p>Buch bestellen bei:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3854524889\/ludgerslesezeich\/\" target=\"_blank\">\u00bb amazon.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2701&#038;type=text&#038;tnb=8&#038;pid=3854524889\" target=\"_blank\">\u00bb libri.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2176&#038;type=text&#038;tnb=3&#038;pid=3854524889\" target=\"_blank\">\u00bb buch24.de<\/a>\n<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Philippe S\u00e9gur: Yagudins R\u00fcckkehr Zehn Tage nach den verheerenden Anschl\u00e4gen des 11. 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