{"id":1529,"date":"2008-12-17T17:29:18","date_gmt":"2008-12-17T16:29:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=1529"},"modified":"2008-12-17T17:29:18","modified_gmt":"2008-12-17T16:29:18","slug":"zoran-zivkovic-das-letzte-buch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=1529","title":{"rendered":"Eine postmoderne Verwirrung"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/bilder\/das_letzte_buch.jpg\" style=\"float: right; margin-left: 15px;\" alt=\"Das letzte Buch\"><strong>Zoran \u00c5\u00bdivkovi\u00c4\u2021: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Das letzte Buch<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Das Lesen von Romanen ist eine verdammt gef\u00e4hrliche T\u00e4tigkeit. Mal schweben die Figuren des Romans in Lebensgefahr und sind abh\u00e4ngig von der Geschicklichkeit des Lesers, wie etwa in Giwi Margwelaschwilis letztem Roman <span style=\"font-variant: small-caps;\"><a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/926\/giwi-margwelaschwili-officer-pembry.html\">&#8222;Officer Pembry&#8220;<\/a><\/span>. Mal ist es der Autor, der von seinen Figuren an den Abgrund des Todes gef\u00fchrt wird, wie im j\u00fcngsten Kriminalroman <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Und dann gab&#8217;s keinen mehr\u00e2\u20ac\u009d<\/span> des Briten Gilbert Adair, der auf wunderbar versponnene Weise die Hassliebe zwischen Autor und Figur thematisiert. Dritter in diesem \u00e2\u20ac\u201c sehr lockeren \u00e2\u20ac\u201c postmodernen Bunde ist der Serbe Zoran \u00c5\u00bdivkovi\u00c4\u2021, der hierzulande ein \u00e4hnliches Geheimtipp-Schicksal f\u00fchrt wie die beiden anderen Autoren. <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Das letzte Buch\u00e2\u20ac\u009d<\/span> ist sein kurzer Roman betitelt, der in diesem Herbst in deutscher \u00dcbersetzung erschienen ist und in dem es um die t\u00f6dliche Macht des Lesens geht. Im Falle von \u00c5\u00bdivkovi\u00c4\u2021 sind es die Leser selbst, die durch ihre Lekt\u00fcre in Gefahr geraten, denn hier wird Lesen zu einer absolut todbringenden Angelegenheit.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nUngekl\u00e4rte Todesf\u00e4lle in der kleinen Buchhandlung \u00e2\u20ac\u0153Papyrus\u00e2\u20ac\u009d rufen Kommissar  Dejan Luki\u00c4\u2021 auf den Plan. Eigentlich hat er Literatur studiert und ist nur bei der Polizei gelandet, weil es dort Arbeit gab. Nun kommt ihm sein Studium zupass, denn gemeinsam mit der Buchh\u00e4ndlerin Vera Gavrilovi\u00c4\u2021  versucht er den Grund f\u00fcr die geh\u00e4uften Todesf\u00e4lle in der Buchhandlung zu finden. Eine Buchhandlung, die weit entfernt ist von der literarischen Massenabfertigung \u00e0 la Hugendubel oder Thalia. Eine Buchhandlung mit Seele, in der die B\u00fccher nach Titeln sortiert werden und in deren engen G\u00e4ngen zwei verschrobene Buchh\u00e4ndlerinnen sonderbare Kunden bedienen, die sie \u00e2\u20ac\u0153Patienten\u00e2\u20ac\u009d nennen. Einige von diesen \u00e2\u20ac\u0153Patienten\u00e2\u20ac\u009d sterben \u00e2\u20ac\u201c ein alter Klavierlehrer, eine alleinstehende Frau, ein junger Student. Die Gerichtsmediziner stehen vor einem R\u00e4tsel, denn ein Todesursache im medizinischen Sinne l\u00e4sst sich nicht nachweisen. Der Grund f\u00fcr den Tod muss in der Literatur zu finden sein. <\/p>\n<p>Kommissar Luki\u00c4\u2021 und Buchh\u00e4ndlerin Gavrilovi\u00c4\u2021 begeben sich auf die gemeinsame Suche und kommen sich dabei n\u00e4her. W\u00e4hrend sie ihre gegenseitige Zuneigung entdecken, geht das Sterben um sie herum weiter. Ein erster Verdacht, jemand vergifte die Seiten der B\u00fccher &#8211; \u00e4hnlich wie in Umberto Ecos Roman <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Der Name der Rose\u00e2\u20ac\u009d<\/span> &#8211; kann sich nicht erh\u00e4rten. Luki\u00c4\u2021 und Gavrilovi\u00c4\u2021 geraten selbst in das Visier der Ermittler, denn schon l\u00e4ngst hat sich der Staatsschutz eingeschaltet. Schlie\u00dflich f\u00fchrt die Spur zu einer kuriosen Weltuntergangssekte und ihrer geheiligten Suche nach dem \u00e2\u20ac\u0153letzten Buch\u00e2\u20ac\u009d der Menschheit. In einer Villa halten die Sektenmitglieder Rituale ab und als sich  Luki\u00c4\u2021 zu einer solchen Zeremonie einschleicht, bricht pl\u00f6tzlich die H\u00f6lle los.<\/p>\n<p><strong>Frech- und Freiheiten<\/strong><\/p>\n<p>Eine kurzweilige, postmoderne Verwirrung k\u00f6nnte man den Roman nach dem recht typischen Schluss nennen. <em>\u00e2\u20ac\u0153Und was w\u00e4re ein Detektivroman ohne L\u00f6sung?\u00e2\u20ac\u009d<\/em> l\u00e4sst Autor \u00c5\u00bdivkovi\u00c4\u2021 am Ende seinen Kommissar Luki\u00c4\u2021 fragen. Einmal mehr, so scheint es, ist der Detektivroman, und mit ihm auch der Kriminalroman, ein Fels in der Brandung der literarischen Beliebigkeiten. Mit seiner seit Jahrzehnten gepflegten Dramaturgie von Mord, Ermittlung und Aufkl\u00e4rung ist er eine sichere Bank f\u00fcr Autoren, f\u00fcr Leser und auch f\u00fcr Verlage. Wie zweifelhaft jedoch diese Sicherheit ist, zeigt  \u00c5\u00bdivkovi\u00c4\u2021 auf am\u00fcsante und kurzweilige Art. Seine literarischen Anspielungen halten sich \u00e2\u20ac\u201c f\u00fcr einen postmodernen Roman erstaunlich \u00e2\u20ac\u201c in Grenzen. Seine Sprache ist eher spr\u00f6de bis antiquiert,  selten verspielt. Seine Figuren wirken schon von Anfang an so, wie sie seien sollten \u00e2\u20ac\u201c Stellvertreter des Lesers in einem Roman. Und dennoch ist dem Serben ein wunderbarer, doppelb\u00f6diger Text gelungen, denn \u00c5\u00bdivkovi\u00c4\u2021 nimmt sich als Autor selbst nicht so wichtig. So macht er sich zum Beispiel \u00fcber seine eigene, eigentlich recht platte Anspielung auf Eco lustig. Das hat in der Tat Stil \u00e2\u20ac\u201c sowie der ganze Roman ein wunderbares Kaleidoskop von literarischen Frech- und Freiheiten ist.<\/p>\n<p>Nichts und niemand ist vor dem feinen Spot des Serben sicher: Da bekommen Gerichtsmediziner und Polizisten ebenso ihr Fett weg, wie all die verschrobenen Verschw\u00f6rungstheorie-Schm\u00f6ker und M\u00f6chtegern-Politik-Thriller. Dazu verschwinden nach und nach die Grenzen zwischen Fiktion und Realit\u00e4t und vor allem zwischen Leser und Autor. Wer hier am Schluss was ist \u00e2\u20ac\u201c wer vermag es zu sagen? Lesen, das zeigt \u00c5\u00bdivkovi\u00c4\u2021 eindrucksvoll, ist verdammt gef\u00e4hrlich, weil es verwirrt, weil es Leben und Gedanken durcheinander bringt, weil es ein gro\u00dfes Abenteuer ist. Ein Abenteuer, dass aber auch verdammt viel Spa\u00df machen kann. <\/p>\n<blockquote><p><strong>Zoran \u00c5\u00bdivkovi\u00c4\u2021: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Das letzte Buch<\/span><\/strong> \/ Aus dem Serbischen von Astrid Philippsen. &#8211; M\u00fcnchen : dtv, 2008<br \/>\nISBN 978-3-423-21103-1<\/p>\n<p>Original: <strong>Zoran \u00c5\u00bdivkovi\u00c4\u2021: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Poslednja knjiga<\/span><\/strong><br \/>\nKeine weiteren Angaben<\/p>\n<p><strong>Link<\/strong><br \/>\nHomepage\/Blog des Autors: <a href=\"http:\/\/zoranzivkovic.com\/\">&rarr; zoranzivkovic.com<\/a><\/p>\n<p>Buch bestellen bei:<br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3423211032\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2701&amp;type=text&amp;tnb=8&amp;pid=3423211032\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2176&amp;type=text&amp;tnb=3&amp;pid=3423211032\">\u00bb buch24.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=3423211032\" target=\"_blank\">\u00bb buecher.de<\/a><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/bilder\/das_letzte_buch_100.jpg\" style=\"float: right; margin-left: 15px;\" alt=\"Das letzte Buch\"><strong>Zoran \u00c5\u00bdivkovi\u00c4\u2021: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Das letzte Buch<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Das Lesen von Romanen ist eine verdammt gef\u00e4hrliche T\u00e4tigkeit. Mal schweben die Figuren des Romans in Lebensgefahr und sind abh\u00e4ngig von der Geschicklichkeit des Lesers, wie etwa in Giwi Margwelaschwilis letztem Roman <span style=\"font-variant: small-caps;\"><a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/926\/giwi-margwelaschwili-officer-pembry.html\">&#8222;Officer Pembry&#8220;<\/a><\/span>. Mal ist es der Autor, der von seinen Figuren an den Abgrund des Todes gef\u00fchrt wird, wie im j\u00fcngsten Kriminalroman <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Und dann gab&#8217;s keinen mehr\u00e2\u20ac\u009d<\/span> des Briten Gilbert Adair, der auf wunderbar versponnene Weise die Hassliebe zwischen Autor und Figur thematisiert. Dritter in diesem \u00e2\u20ac\u201c sehr lockeren \u00e2\u20ac\u201c postmodernen Bunde ist der Serbe Zoran \u00c5\u00bdivkovi\u00c4\u2021, der hierzulande ein \u00e4hnliches Geheimtipp-Schicksal f\u00fchrt wie die beiden anderen Autoren. <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Das letzte Buch\u00e2\u20ac\u009d<\/span> ist sein kurzer Roman betitelt, der in diesem Herbst in deutscher \u00dcbersetzung erschienen ist und in dem es um die t\u00f6dliche Macht des Lesens geht.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[221,562,276,414,462,555],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1529"}],"collection":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1529"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1529\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1529"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1529"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1529"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}