{"id":250,"date":"2005-10-06T03:00:28","date_gmt":"2005-10-06T01:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=250"},"modified":"2005-10-06T03:00:28","modified_gmt":"2005-10-06T01:00:28","slug":"platzpatrone-folge-2-von-teeflecken-und-anderen-schweinereien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=250","title":{"rendered":"Platzpatrone &#8211; Folge 2: Von Teeflecken und anderen Schweinereien"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/blog.der-buecherfreund.de\/images\/der_menschen_dunkles_sehnen.jpg\" align=\"left\" hspace=5\"alt=\"Der Menschen dunkles Sehnen\" \/><br \/>\n<strong>Susan Hill: Der Menschen dunkles Sehnen<\/strong><\/p>\n<p>Sp\u00fcren Sie es auch, dieses dunkle Sehnen? Mich \u00fcberkommt es manchmal bei einigen B\u00fcchern, die ich nach qu\u00e4lend langer Lekt\u00fcre endlich dem Rei\u00dfwolf zum Fressen \u00fcberantworten m\u00f6chte. Tue ich nat\u00fcrlich nicht, schlie\u00dflich macht \u00e2\u20ac\u017eman&#8220; das mit B\u00fcchern nicht. Dennoch bleibt dieses finstere Verlangen, den Autor oder die Autorin irgendwie zu bestrafen &#8211; f\u00fcr geraubte Zeit, f\u00fcr grausam platte S\u00e4tze, f\u00fcr qu\u00e4lende Langeweile und f\u00fcr den Verrat an mir, dem Leser. J\u00fcngstes Beispiel in meiner Lesebiografie ist der Deb\u00fctroman der britischen Autorin Susan Hill, die \u00fcbrigens nichts mit Reginald Hill zu tun hat. \u00e2\u20ac\u017eThe Various Haunts of Men&#8220; hei\u00dft der Roman im englischen Original, was frei \u00fcbersetzt etwa \u00e2\u20ac\u017eDie mannigfaltigen Heimsuchungen des Menschen&#8220; bedeuten k\u00f6nnte. Eine Heimsuchung ist dieses Buch auf jeden Fall und eine ganz \u00fcble noch dazu.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eDer Menschen dunkles Sehnen&#8220; wurde die deutsche \u00dcbersetzung betitelt. Ein wunderbarer Titel, etwa so aussagekr\u00e4ftig wie \u00e2\u20ac\u017eDenn sie betr\u00fcgt man nicht&#8220; oder \u00e2\u20ac\u017eWer Zwietracht s\u00e4t&#8220;. Schwammig, religi\u00f6s angehaucht und dicke Nebelschwaden, diese Titel. Die N\u00e4he zu Elizabeth George oder Ruth Rendell ist dann wohl auch bewu\u00dft gew\u00e4hlt. Allerdings: Wenn Ihnen Ruth Rendell zu wenig klischeehaft ist, wenn Ihnen die Romane einer Minette Walters doch zu sozialkritisch erscheinen oder Sie die B\u00fccher von P.D. James f\u00fcr zu aufregend halten, dann d\u00fcrfte Susan Hill genau das Richtige f\u00fcr Sie sein. <\/p>\n<p>Das bisschen Handlung, die es in diesem Roman gibt, ist schnell erz\u00e4hlt. Im idyllischen Lafferton verschwinden auf mysteri\u00f6se Weise drei Frauen. Die ermittelnde Detective Sergeant Freya Graffham findet kaum Anhaltspunkte, was mit den Frauen geschehen ist. Als Neuzugang bei der \u00f6rtlichen Polizei hat sie nat\u00fcrlich nicht immer einen leichten Stand, schon gar nicht bei ihrem Chef, Detective Chief Inspektor Simon Serrailler. Auf den hat sie n\u00e4mlich ein Auge geworfen und der gutaussehende Herzensbrecher reagiert nicht auf ihre zaghaften und sch\u00fcchternen Ann\u00e4herungsversuche. Schlie\u00dflich hat es der gute Simon auch nicht leicht gehabt. Stammt er doch aus einer Familie, in der alle \u00c4rzte oder \u00c4rztinnen geworden sind &#8211; nur er als Polizist ist das schwarze Schaf.<\/p>\n<p><strong>Arztroman, die britische Variante<\/strong><\/p>\n<p>Simons Schwester, Cat Deerborn, ist so eine \u00c4rztin und nat\u00fcrlich mit einem Arzt verheiratet. W\u00fcrde man ihr das Adjektiv \u00e2\u20ac\u017eengagiert&#8220; zuordnen, w\u00e4re dies wohl noch untertrieben. Sie ist die Turbo-Mega-Medizinerin, immer da, immer in Bereitschaft und ihren Haushalt kriegt sie auch noch irgendwie auf die Reihe. Eine Powerfrau, die sich mit Freya Graffham ein wenig anfreundet. Neben all den Kranken k\u00fcmmert sich Cat auch noch um die Quacksalber, die sich in und um Lafferton vermehrt niedergelassen haben. Psychochirurgen, Heiler und anderes, esoterisches Gesocks sind Cat ein Dorn im Auge. Nur mit einigen ausgew\u00e4hlten Alternativ-Medizinern, etwa einem Akupunkteur oder einem Osteopathen, unterh\u00e4lt sie berufliche Kontakte. Ihr Kampf gegen die anderen Kurpfuscher bringt sie dann auch bei den polizeilichen Ermittlungen wieder ins Spiel. Einer dieser dubiosen Heiler hat eine der verschwunden Frauen behandelt. Wei\u00df er etwas \u00fcber ihren Verbleib?<\/p>\n<p>Klingt alles nach einer Mischung aus Arzt- und Liebesroman und ist es auch. Als 80-Seiten-Heftchen beim Cora-Verlag w\u00fcrde sich das sicher ganz gut machen. Nur leider w\u00e4lzt Mrs. Hill ihren d\u00fcrftigen Plot \u00fcber 550 Seiten im Hardcover bei Knauer aus. Zahlreiche Nebenfiguren und -Handlungen bev\u00f6lkern das so idyllische Lafferton, das man ganz verwirrt ist, wer denn nun f\u00fcr die Krimihandlung wichtig ist. Die krebskranke Freundin von Cat? Die alte Dame, deren Nachbarin verschwunden ist? Oder gar das Oberhaupt der Familie Serrailler, der verbitterte alte Vater von Cat und Simon? Dazu dieser putzige Ort Lafferton: Ein h\u00fcbsches St\u00e4dtchen mit eigener Kathedrale und aktivem Gemeinschaftsleben. So haben wir uns englisches Landleben doch immer vorgestellt. Idyllisch, man trinkt gemeinsam Tee, i\u00dft Scones, pa\u00dft aufeinander auf und singt gemeinsam im Chor. Pure Harmonie, w\u00e4re da nicht der B\u00f6sewicht, der Frauen verschleppt und umbringt. <\/p>\n<p><strong>Immer diese Psychopathen&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Irgendein kluger Kopf hat mal gesagt, das Kriminalliteratur von Konflikten lebt. Die gibt es aber im malerischen Lafferton gar nicht: Alle gehen nett und freundlich miteinander um, selbst die Quacksalber habe nur das Gute im Sinn, schlie\u00dflich wollen sie Menschen heilen. Nur der B\u00f6se&#8230; aber das hatten wir ja schon. Jedenfalls ist der so b\u00f6se, dass am Ende die gute Freya dran glauben muss. Diese furchtbaren Psychopaten machen aber auch vor keinem Halt, nicht mal vor der Polizei. Da fiel mir glatt mein Teet\u00e4sschen aus der Hand, als ich das gelesen habe. So eine Schweinerei aber auch. Nach \u00fcber 500 Seiten lahmen Landschafts- und Figurenzeichnungen holt Mrs. Hill den kriminellen Vorschlaghammer raus. Irgendwie war ihr vielleicht auch zuviel Harmonie drin, da haut man schnell mal drauf. <\/p>\n<p>Zur\u00fcck bleibt ein verratener Leser, der mit Bedauern feststellen muss, dass Mrs. Hill kein Gesp\u00fcr f\u00fcr Sprache, f\u00fcr Handlung, f\u00fcr Figuren und schon gar nicht f\u00fcr das richtige Timing hat. \u00dcber Witz und Humor h\u00fclle ich mich lieber in Schweigen. \u00e2\u20ac\u017eDer Menschen dunkles Sehnen&#8220; ist ein nervt\u00f6tender Abklasch eines britischen Who-Done-It, den selbst eine Elizabeth George besser hinkriegt &#8211; und die ist Amerikanerin. Ach ja, h\u00e4tte ich mir doch den neusten Cora-Arztroman geholt &#8211; da wei\u00df ich schlie\u00dflich, was mich erwartet. Der Teefleck auf dem Boden w\u00e4re mir erspart geblieben und billiger w\u00e4re es auch gewesen.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Susan Hill: Der Menschen dunkles Sehnen <\/strong>\/ Aus dem Englischen von Susanne Aeckerle. &#8211; M\u00fcnchen : Knaur, 2005<br \/>\nISBN 3-426-66146-2<br \/>\nISBN-13  978-3-426-66146-8<\/p>\n<p>Originalausgabe: <strong>Susan Hill: The Various Haunts of Men<\/strong>. &#8211; London : Chatto &#038; Windus, 2004<\/p>\n<p>Deutsche Ausgabe bestellen bei:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3426661462\/ludgerslesezeich\/\" target=\"_blank\">\u00bb amazon.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2701&#038;type=text&#038;tnb=8&#038;pid=3426661462\" target=\"_blank\">\u00bb libri.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2176&#038;type=text&#038;tnb=3&#038;pid=3426661462\" target=\"_blank\">\u00bb buch24.de<\/a>\n<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/250"}],"collection":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=250"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/250\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=250"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=250"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=250"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}