{"id":255,"date":"2005-10-11T21:38:43","date_gmt":"2005-10-11T19:38:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=255"},"modified":"2005-10-11T21:38:43","modified_gmt":"2005-10-11T19:38:43","slug":"solider-brit-noir","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=255","title":{"rendered":"Solider Brit-Noir"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/blog.der-buecherfreund.de\/images\/der_kreis_der_toten.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"Der Kreis der Toten\" \/><br \/>\n<strong>David Lawrence: Der Kreis der Toten<\/strong><\/p>\n<p>Der Londoner Stadtteil Notting Hill gilt als trendiger Ort mit schicken Gesch\u00e4ften und noblen Villen. Doch es gibt auch die sch\u00e4bige Seite, im Norden, wo auf der Stra\u00dfe Prostituierte ihre Dienste anbieten und Drogendealer den Tod auf Raten verkaufen. Detective Sergeant Stella Mooney kennt beide Seiten dieses Viertels. Sie arbeitet als Mitglied des AMIP, des \u00e2\u20ac\u017eArea Major Incident Pool&#8220; (auch als \u00e2\u20ac\u017eArea Major Investigation Pool&#8220; bekannt), einer Abteilung des Criminal Investigation Department (CID) der Londoner Polizei, die sich mit Schwerverbrechen besch\u00e4ftigt. Ein solches liegt vor, als Stella mit ihren Kollegen in die Wohnung eines \u00e4lteren Geschwisterpaares gerufen wird. Vier Tote sitzen im Kreis zusammen. Ein bizarres Bild, das Autor David Lawrence als Er\u00f6ffnungsszene seines Romans \u00e2\u20ac\u017eDer Kreis der Toten&#8220; gew\u00e4hlt hat.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eine erste L\u00f6sung ist schnell in Sicht. Drei der Toten waren Geschwister &#8211; ein Mann und zwei Frauen &#8211; und sie haben vermutlich aus gesundheitlichen und religi\u00f6sen Gr\u00fcnden Selbstmord begangen. Nur der vierte Tote, ein j\u00fcngerer Mann, gibt Stella und ihren Kollegen R\u00e4tsel auf. Er wurde mit einer Sonde, die ihm ins Herz getrieben wurde, get\u00f6tet. Der Tathergang l\u00e4sst auf einen Profikiller schlie\u00dfen. Der Tote, so stellt es sich heraus, war Jimmy Stone, ein kleiner Gauner, der sein Lebensunterhalt mit dem Handel von M\u00f6rdersouvenirs verdiente. Ein makaberes, aber legales Gesch\u00e4ft. Doch nebenbei verdingte sich Jimmy auch als Handlanger der Gangsterfamilie Tanner &#8211; und dies war offensichtlich sein Todesurteil.<\/p>\n<p>Schnell wird aus dem bizarren Fall von vier Toten im Kreis eine Geschichte \u00fcber organisiertes Verbrechen, M\u00e4dchen- und Drogenhandel, Autoschieberei und Auftragsmord. Die Familie Tanner betreibt in London ein gut funktionierendes und kriminelles Wirtschaftsunternehmen, gegen das die Polizei machtlos ist. Der Tod von Jimmy k\u00f6nnte dies \u00e4ndern, hofft Stella und setzt alles daran, Beweise gegen die Tanners zu sammeln. Helfen soll ihr dabei der Journalist John Delany, der \u00fcber Kontakte in die Londoner Unterwelt verf\u00fcgt. <\/p>\n<p><strong>Archaische Bilder und n\u00fcchterne Portr\u00e4ts<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/blog.der-buecherfreund.de\/images\/the_dead_sit_round_in_a_ring.jpg\" align=\"right\" hspace=\"5\" alt=\"The Dead sit round in a Ring\" \/>Darunter auch die Prostituierte Zuhra Had\u00c5\u00beic, eine Frau aus Bosnien, die das Grauen des Krieges am eigenen Leib erlebt hat. Ihre Familie wurde vor ihren Augen von Serben bestialisch hingemetzelt. Zuhras anschlie\u00dfende Flucht nach Gro\u00dfbritannien entpuppt sich als Falle: Menschenh\u00e4ndler haben sie &#8211; wie so viele andere Frauen auch &#8211; an die Familie Tanner verkauft. Sie ist von der einen H\u00f6lle in die n\u00e4chste geraten: Als Hure muss sie auf dem Stra\u00dfenstrich die Freier im F\u00fcnfzehn-Minuten-Takt bedienen. Kontrolliert wird sie von den Aufpassern der Familie Tanner, also M\u00e4nnern wie Jimmy Stone, der vermutlich zuviel \u00fcber die Tanners wusste. Zuhra, die Jimmy kannte, w\u00e4re eine wichtige Zeugin gegen die Tanners, doch sie hat Angst. Nicht nur vor der Polizei, sondern auch vor Ivo Peric, einem gesuchten Kriegsverbrecher, den Zuhra durch Zufall in London wieder trifft. Er ist der Mann, der ihre Familie ermordet hat und er ist ein Profikiller, der in London einen Auftrag hat.<\/p>\n<p>Wer nach der Eingangsszene auf den \u00fcblichen Psycho-Serienkiller-Quatsch wartet, wird von David Lawrence entt\u00e4uscht. Lawrence entwickelt einen d\u00fcsteren Thriller \u00fcber den Banden- und Stra\u00dfenkrieg in London. Eine ganze Phalanx von Hooligans, Kleinkriminellen, Mafiabossen, Kriegsverbrechern und korrupten Polizisten bev\u00f6lkern den Roman. Archaische und blutige Bilder wechseln sich ab mit n\u00fcchternen Zeichnungen der Opfer dieser Auseinandersetzungen. Lawrence schildert zum Beispiel die T\u00f6tung eines \u00e2\u20ac\u017eVerr\u00e4ters&#8220; durch die Schergen der Familie Tanner so teilnahmslos, dass einem der Atem stockt. Die Grenzen von Gut und B\u00f6se sind aufgehoben, London ein finsterer, ein seelenloser Ort. Ein kalter und distanzierter Erz\u00e4hlton, der durch den Roman schwingt, erh\u00f6ht die Sogwirkung und wird noch verst\u00e4rkt durch schnelle und heftige Schnitte und Szenenwechsel. <\/p>\n<p>David Lawrence, ein Pseudonym, hinter dem sich ein bekannter, britischer Drehbuchautor verbergen soll, hat mit \u00e2\u20ac\u017eDer Kreis der Toten&#8220; einen stimmigen und soliden Brit-Noir-Thriller abgeliefert. Ein dunkles Drama, das gerade wegen seines unterk\u00fchlten Stils recht nah an den Leser kommt. Von daher ist das Etikett \u00e2\u20ac\u017ePsychothriller&#8220;, das der deutsche Verlag dem Buch angeh\u00e4ngt hat, irref\u00fchrend. Die Gewaltorgien, die Lawrence schildert, haben nur wenig gemein mit den \u00fcblichen Serienkiller- und Thriller-Romanen, die sich einen Wettbewerb in den skurrilsten Mordarten und den psychopathischsten Psychopathen liefern. Lawrence ist hart, direkt, manchmal zynisch und eiskalt. Die Frage, warum einer wie Ivo Peric zum Kriegsverbrecher und Profikiller wird, bleibt unbeantwortet. Ein Killer ist ein Killer. <\/p>\n<p>Auch wenn manches \u00fcbertrieben wirkt, auch wenn gelegentlich der Zufall seine Hand im Spiel hat &#8211; Lawrence zeigt ein gutes Gesp\u00fcr f\u00fcr spannende Handlung und treffsichere Sprache, \u00fcbrigens auch in der \u00dcbersetzung. Er hat eine eigene Stimme entwickelt. Eine Stimme, die ausbauf\u00e4hig ist, die aber schon jetzt als eine der interessantesten unter den aktuellen, britischen Krimiautoren gilt. <\/p>\n<p>F\u00fcr Serien-Junkies noch eine kurze Nachbemerkung: Verwirrend ist auf den ersten Blick die \u00dcbersetzungsfolge der deutschen Ausgaben. Die Serie um DS Stella Mooney umfasst bislang drei Romane:<\/p>\n<ul>\n<li>The Dead sit round in a Ring (2002)<\/li>\n<li>Nothing Like the Night (2003)<\/li>\n<li>Cold Kill (2005)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Knaur-Verlag hat &#8211; aus welchen Gr\u00fcnden auch immer &#8211; im letzten Jahr zun\u00e4chst den zweiten Band \u00e2\u20ac\u017eNothing Like the Night&#8220; als ersten \u00fcbersetzten lassen. Er ist erschienen unter dem Titel \u00e2\u20ac\u017eDer Geruch des Todes&#8220;, ist aber eigentlich der Nachfolger von \u00e2\u20ac\u017eDer Kreis der Toten&#8220;. Wer also die Reihenfolge einhalten m\u00f6chte, sollte mit \u00e2\u20ac\u017eDer Kreis der Toten&#8220; beginnen. <\/p>\n<blockquote><p><strong>David Lawrence: Der Kreis der Toten<\/strong> : Psychothriller \/ Aus dem Englischen von Sigrid Langhaeuser. &#8211; M\u00fcnchen : Knaur, 2005. &#8211; 538 S.<br \/>\nISBN 3-426-62617-9<\/p>\n<p>Originalausgabe: <strong>David Lawrence : The Dead sit round in a Ring<\/strong>. &#8211; London : Michael Joseph, 2002<br \/>\nISBN 0-7181-4499-6<\/p>\n<p>Deutsche Taschenbuchausgabe bestellen bei:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3426626179\/ludgerslesezeich\/\" target=\"_blank\">\u00bb amazon.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2701&#038;type=text&#038;tnb=8&#038;pid=3426626179\" target=\"_blank\">\u00bb libri.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2176&#038;type=text&#038;tnb=3&#038;pid=3426626179\" target=\"_blank\">\u00bb buch24.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Links<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.penguin.co.uk\/nf\/Author\/AuthorPage\/0,,0_1000002834,00.html?sym=QUE\" target=\"_blank\">&rarr; Interview mit David Lawrence auf der Homepage des Verlages Penguin (engl.)<\/a>\n<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/blog.der-buecherfreund.de\/images\/der_kreis_der_toten.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"Der Kreis der Toten\" \/><br \/>\n<strong>David Lawrence: Der Kreis der Toten<\/strong><\/p>\n<p>Der Londoner Stadtteil Notting Hill gilt als trendiger Ort, mit schicken Gesch\u00e4ften und noblen Villen. Doch es gibt auch die sch\u00e4bige Seite, im Norden, wo auf der Stra\u00dfe Prostituierte ihre Dienste anbieten und Drogendealer den Tod auf Raten verkaufen. Detective Sergeant Stella Mooney kennt beide Seiten dieses Viertels. Sie arbeitet als Mitglied des AMIP, des \u00e2\u20ac\u017eArea Major Incident Pool&#8220; (auch als \u00e2\u20ac\u017eArea Major Investigation Pool&#8220; bekannt), einer Abteilung des Criminal Investigation Department (CID) der Londoner Polizei, die sich mit Schwerverbrechen besch\u00e4ftigt. Ein solches liegt vor, als Stella mit ihren Kollegen in die Wohnung eines \u00e4lteren Geschwisterpaares gerufen wird. Vier Tote sitzen im Kreis zusammen. Ein bizarres Bild, das Autor David Lawrence als Er\u00f6ffnungsszene seines Romans \u00e2\u20ac\u017eDer Kreis der Toten&#8220; gew\u00e4hlt hat.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/255"}],"collection":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=255"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/255\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=255"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=255"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=255"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}