{"id":2645,"date":"2009-06-10T11:39:06","date_gmt":"2009-06-10T10:39:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=2645"},"modified":"2009-06-10T11:39:06","modified_gmt":"2009-06-10T10:39:06","slug":"von-sesselpupsern-blockwartern-und-maulhelden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=2645","title":{"rendered":"Von Sesselpupsern, Blockw\u00e4rtern und Maulhelden"},"content":{"rendered":"<p><em>To whom it may concern<\/em><br \/>\nEs gibt Blogger, die beziehen das, was sie Wissen nennen, vor allem aus dem Internet. Deshalb schreiben sie vor allem auch \u00fcber das, was sie in anderen Blogs oder auf anderen Internetseiten lesen. Die schmieren ihre virtuellen Kladden voll mit wiedergek\u00e4utem \u00e2\u20ac\u017eWissen\u00e2\u20ac\u0153, kritzeln sinnlose Statistiken ins Netz und verf\u00fcgen \u00fcber eine Formulierungsgabe, die man begrenzt nennen muss. Sie schreiben \u00fcber \u00e2\u20ac\u017einternationale\u00e2\u20ac\u0153 Krimis und erkl\u00e4ren der Welt in h\u00f6lzernen Worten die US-amerikanische Verlagswelt \u00e2\u20ac\u201c vermutlich ohne je einen Verlagsmitarbeiter pers\u00f6nlich getroffen zu haben. Mitarbeiter aus der Presseabteilung, Lektoren oder Vertriebskollegen kennen sie, wenn \u00fcberhaupt, aus dem Internet. B\u00fccher lassen sie sich von amazon.de schicken. Auf Buchmessen, Tagungen oder Festivals trifft man diese Blogger nat\u00fcrlich nicht an. Hintergrundgespr\u00e4che, das Plaudern am Messestand, das \u00e2\u20ac\u017ephilosophieren\u00e2\u20ac\u0153 \u00fcber \u00e2\u20ac\u017eden Markt\u00e2\u20ac\u0153, die Klagen \u00fcber wirtschaftliche Zw\u00e4nge und Not, das gem\u00fctliche Beisammensein, das \u00e2\u20ac\u017ekomm\u00e2\u20ac\u2122 lass uns einen Kaffee trinken\u00e2\u20ac\u0153, die gemeinsame Zigarette, der Spaziergang durch den Park mit einem Verlagschef \u00e2\u20ac\u201c all das kennen sie nicht. Schlie\u00dflich m\u00fcsste man dazu den bequemen Sessel verlassen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nLustigerweise mokieren sich solche Blogger auch regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber die Qualit\u00e4t der Arbeit von anderen Bloggern und Journalisten. Sie, die vermutlich noch nie einem einzigen Autor hautnah gegen\u00fcber gestanden haben, wissen ganz genau, wie man Interviews plant, f\u00fchrt und schreibt. Ein selbst\u00e4ndig gef\u00fchrtes Interview haben sie selbstverst\u00e4ndlich noch nie ver\u00f6ffentlicht, weil sie auch daf\u00fcr ihren bequemen Sessel verlassen m\u00fcssten. <\/p>\n<p>Sie ahnen nicht, wie es sich zum Beispiel anf\u00fchlt, wenn man einem total \u00fcberm\u00fcdeten Krimiautor gegen\u00fcbersitzt, der gegen seinen Jetlag k\u00e4mpft und der immer dann, wenn das Mikro aus ist, in leisen Worten seine Selbstzweifel \u00e4u\u00dfert; der wei\u00df, dass sein neues Buch nicht wirklich gelungen ist, der unter Druck steht und gleichzeitig seine verletzte Seele verbergen und sch\u00fctzen will. Mit dem ich dann auf Englisch sprechen muss und ahne, dass jedes falsche Wort \u00e2\u20ac\u201c was in einer fremden Sprache schnell und unbeabsichtigt fallen kann- daf\u00fcr sorgt, dass er \u00e2\u20ac\u017edicht\u00e2\u20ac\u0153 macht. Im Hintergrund der Mitarbeiter aus der Verlagspresse, der auf die Uhr schaut. \u00e2\u20ac\u017eYou know, it\u00e2\u20ac\u2122s time..\u00e2\u20ac\u0153. Anderseits: Sie werden auch wohl nie das Gl\u00fccksgef\u00fchl nachempfinden k\u00f6nnen, wenn eine wirklich gro\u00dfe Dame der Kriminalliteratur Dir ihre Privatadresse mit ihrer Geheimnummer gibt: \u00e2\u20ac\u017eWenn Du mal in der Stadt bist, ruf an und komm\u00e2\u20ac\u2122 vorbei\u00e2\u20ac\u0153. <\/p>\n<p>Sie mussten wahrscheinlich auch noch nie die Eitelkeiten und Empfindlichkeiten so mancher Dichter- und Kritikerf\u00fcrsten am eigenen Leibe erleben. Wenn man etwa freundlich ist, und daf\u00fcr dann hinterr\u00fccks als \u00e2\u20ac\u017eSchleimer\u00e2\u20ac\u0153 verunglimpft wird. Wenn man jahrelang gedacht hat, ein \u00e2\u20ac\u017eKollege\u00e2\u20ac\u0153 unterst\u00fctzt Dich und dann l\u00e4sst er Dich auf dem Bahnhof einfach achtlos stehen. Aber: Auch immer die Freude, die man empfindet, wenn es \u00e2\u20ac\u017eDein\u00e2\u20ac\u0153 Autor oder \u00e2\u20ac\u017eDeine\u00e2\u20ac\u0153 Autorin in irgendwelche Bestenlisten schafft und er\/sie sich mit Dir dar\u00fcber freut. <\/p>\n<p>Diese Sesselpupser, f\u00fcr die Literatur nichts anderes ist als ein Versuchslabor, in dem sie mit ihrem Ma\u00dfband Texte vermessen und kategorisieren k\u00f6nnen, damit sie sie in Schubladen und Statistiken stecken k\u00f6nnen und das dann als kritische Textanalyse verkaufen, kotzen mich so an. Diese Blockw\u00e4rter, die aus Angst vor ihrer eigenen Unf\u00e4higkeit echten Streit und echte Auseinandersetzung scheuen wie der Teufel das Weihwasser und die immer sch\u00f6n auf die \u00e2\u20ac\u017eRuhe\u00e2\u20ac\u0153 in Bloghausen achten, sind mir so zuwider. Diese feigen Maulhelden, die ihre Dummheit und ihre Ideenlosigkeit hinter Bergen von Zitaten verstecken, und die mit ihren billigen, schmutzigen W\u00f6rtern versuchen, Dich in den Dreck zu ziehen, sto\u00dfen mich so ab. <\/p>\n<p>Bleibt einfach in Euren Versuchslaboren, Euren Kleingartenkolonien und Euren Sesseln und w\u00e4lzt Euch in Euren Exkrementen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Blogger, die beziehen das, was sie Wissen nennen, vor allem aus dem Internet. Deshalb schreiben sie vor allem auch \u00fcber das, was sie in anderen Blogs oder auf anderen Internetseiten lesen. Die schmieren ihre virtuellen Kladden voll mit wiedergek\u00e4utem &#8222;Wissen\u00e2\u20ac\u0153, kritzeln sinnlose Statistiken ins Netz und verf\u00fcgen \u00fcber eine Formulierungsgabe, die man begrenzt nennen muss. Sie schreiben \u00fcber \u00e2\u20ac\u017einternationale\u00e2\u20ac\u0153 Krimis und erkl\u00e4ren der Welt in h\u00f6lzernen Worten die US-amerikanische Verlagswelt \u00e2\u20ac\u201c vermutlich ohne je einen Verlagsmitarbeiter pers\u00f6nlich getroffen zu haben. Mitarbeiter aus der Presseabteilung, Lektoren oder Vertriebskollegen kennen sie, wenn \u00fcberhaupt, aus dem Internet. B\u00fccher lassen sie sich von amazon.de schicken. Auf Buchmessen, Tagungen oder Festivals trifft man diese Blogger nat\u00fcrlich nicht an. Hintergrundgespr\u00e4che, das Plaudern am Messestand, das \u00e2\u20ac\u017ephilosophieren\u00e2\u20ac\u0153 \u00fcber \u00e2\u20ac\u017eden Markt\u00e2\u20ac\u0153, die Klagen \u00fcber wirtschaftliche Zw\u00e4nge und Not, das gem\u00fctliche Beisammensein, das \u00e2\u20ac\u017ekomm\u00e2\u20ac\u2122 lass uns einen Kaffee trinken\u00e2\u20ac\u0153, die gemeinsame Zigarette, der Spaziergang durch den Park mit einem Verlagschef \u00e2\u20ac\u201c all das kennen sie nicht. 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