{"id":282,"date":"2005-11-02T11:54:21","date_gmt":"2005-11-02T10:54:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=282"},"modified":"2005-11-02T11:54:21","modified_gmt":"2005-11-02T10:54:21","slug":"die-jungfrau-und-der-schwule-bulle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=282","title":{"rendered":"Die Jungfrau und der schwule Bulle"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/blog.der-buecherfreund.de\/images\/reine_nervensache_arz.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\"  alt=\"Reine Nervensache\" \/><br \/>\n<strong>Martin Arz: Reine Nervensache : Pfeffers zweiter Fall<\/strong><\/p>\n<p>Schwule Kommissare sind eine Seltenheit in deutschen Krimis. Einer der wenigen Autoren, die eine solche Figur erfunden haben, ist der M\u00fcnchener Autor und Maler Martin Arz. Bekannt wurde er zun\u00e4chst durch seine Reihe um den schwulen Hobbydetektiv Felix von Schwind. Vier Romane mit dem gutaussehenden Kundenberater einer M\u00fcnchener Werbeagentur liegen bislang vor. 2004 ver\u00f6ffentlichte Arz dann den Auftakt zu einer neuen Krimiserie um den schwulen Kriminalrat Max Pfeffer. \u00e2\u20ac\u017eDas geschenkte M\u00e4dchen&#8220; hei\u00dft der erste Roman, in dem der Mord an einem Afrika-Experten den klugen Kommissar mit den Abgr\u00fcnden der deutschen Kolonialgeschichte konfrontiert. Nun liegt der zweite Fall f\u00fcr Pfeffer vor: \u00e2\u20ac\u017eReine Nervensache&#8220; lautet der Titel und diesmal ruft ein gek\u00f6pfter TV-Produzent Max Pfeffer auf den Plan.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Herbert Veicht produzierte zu Lebzeiten beliebte Doku-Soaps und Reality-Formate f\u00fcrs Privatfernsehen. W\u00e4hrend der Dreharbeiten zu \u00e2\u20ac\u017eVoll geschockt!&#8220;, eine Trash-Horror-Variante der versteckten Kamera, die Veicht fabrizierte, wird von drei Jugendlichen sein abges\u00e4gter Kopf in einer Tasche entdeckt. Der Reigen der Verd\u00e4chtigen ist bunt: Veichts Ehefrau, eine mit Botox aufgespritzte Sch\u00f6nheit und Drogendealerin und ihr russischer Liebhaber haben ebenso ein Motiv, wie Veichts Neffe, der angeblich von seinem Onkel sexuell missbraucht worden sein soll. Ein erzkonservativer Kardinal, der seit langem eine Kampagne gegen die Trivialit\u00e4t des deutschen Fernsehen f\u00e4hrt, z\u00e4hlt ebenfalls zu den Tatverd\u00e4chtigen. <\/p>\n<p>Es gibt also reichlich Spuren, denen Max Pfeffer mit seinem Team nachgehen muss. Pfeffer hat aber nicht nur einen Beruf, sondern auch ein Privatleben. Seit acht Jahren lebt er mit seinem schwulen Liebhaber Tim zusammen. Gemeinsam ziehen sie die beiden S\u00f6hne Cosmas und Florian auf, die aus Pfeffers erster Ehe stammen. Pfeffers Frau ist an Krebs gestorben und er selbst hat irgendwann seine Liebe zu M\u00e4nnern entdeckt. Durch Pfeffers zeitraubenden Job f\u00fchlen sich sowohl Mann wie auch Kinder von ihrem Max vernachl\u00e4ssigt. Es kommt, wie es kommen muss: Tim geht fremd und Cosmas, der \u00e4ltere Sohn, versucht sich gegen den Willen seines Vaters als Musiker und Soap-Star. <\/p>\n<p>Entt\u00e4uscht von seinem privaten Umfeld st\u00fcrzt sich Max Pfeffer in ein erotisches Abenteuer. Ein flotter Dreier mit der Botox-Sch\u00f6nheit und ihrem russischem Muskelpaket verspricht Abwechslung im tr\u00fcben Allerlei des schwulen Familienvaters. Dumm nur, dass die beiden zu den Tatverd\u00e4chtigen geh\u00f6ren und Max bei seinem Fehltritt heimlich fotografiert wird. Als ihm dann auch noch die Muttergottes erscheint zweifelt Max an seinem Verstand.<\/p>\n<p><strong>Grobschl\u00e4chtige Krimi-Soap<\/strong><\/p>\n<p>Waren die fr\u00fcheren Felix-Romane eine grelle, witzige und schwule Krimiparodie, so schl\u00e4gt Martin Arz in seinen Romanen um Max Pfeffer einen ruhigeren Ton an. Der M\u00fcnchener Autor unternimmt den Versuch, einen schwulen Kommissar jenseits der Tuntenklischees zu zeichnen. Das gelingt ihm auch recht gut, dennoch bleiben Schw\u00e4chen. Martin Arz\u00e2\u20ac\u2122 gr\u00f6\u00dftes Manko &#8211; auch schon bei den Felix-Krimis &#8211; sind die d\u00fcrftigen, wenig originellen Krimiplots. Ein ermordeter Fernsehproduzent, der aus materiellen, famili\u00e4ren oder religi\u00f6sen Gr\u00fcnden um die Ecke gebracht wurde, ist weder neu noch realit\u00e4tsnah. <\/p>\n<p>Der Krimi dient Arz im vorliegenden Buch nur als Mittel, mit dem er Seitenhiebe auf die Medienwelt oder die Moral der Kirche abfeuern kann. Leider sind die nicht immer gelungen. Es wirkt grobschl\u00e4chtig wenn Arz zum Beispiel direkten Bezug auf aktuelle Ereignisse, wie etwa den P\u00e4dophilen-Skandal im \u00f6sterreichischen Priesterseminar St. P\u00f6lten nimmt, oder sich lustig macht \u00fcber Fernsehformate wie das Dschungelcamp von RTL. Die Eleganz und der Wortwitz, die dieses Manko in den Felix-Romanen noch \u00fcberdeckten, fehlen in diesem Max-Pfeffer-Krimi fast g\u00e4nzlich. <\/p>\n<p>Daf\u00fcr sind die Fronten klar umrissen: Hier der schwule Familienvater, der zeigt, dass Kinder auch jenseits der traditionellen Ehe beh\u00fctet und umsorgt aufwachsen k\u00f6nnen, dort die katholische Kirche, die mit ihren \u00fcberlebten Moralvorstellungen gegen Homosexuelle wettert, gleichzeitig aber \u00fcber die P\u00e4dophilen in ihren eigenen Reihen das Deckm\u00e4ntelchen wirft. Das ist mir zu einfach gestrickt und erreicht leider nur das Niveau einer Krimi-Soap. Die ist durchaus unterhaltend, aber wenig \u00fcberraschend. Max Pfeffer ist eine relativ authentische Figur in einer sehr unglaubw\u00fcrdigen Geschichte. Dieses seltene Exemplar eines schwulen Kommissars h\u00e4tte ein besseres Umfeld verdient. <\/p>\n<blockquote><p><strong>Martin Arz: Reine Nervensache<\/strong> : Pfeffers zweiter Fall. &#8211; Leer : Leda-Verlag, 2005. 317 Seiten. &#8211; ISBN 3-934927-62-9<\/p>\n<p>Buch bestellen bei:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3934927629\/ludgerslesezeich\/\" target=\"_blank\">\u00bb amazon.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2701&#038;type=text&#038;tnb=8&#038;pid=3934927629\" target=\"_blank\">\u00bb libri.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2176&#038;type=text&#038;tnb=3&#038;pid=3934927629\" target=\"_blank\">\u00bb buch24.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Links:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.martin-arz.de\/\">&rarr; Homepage von Martin Arz<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.velspol.de\/\">&rarr; Verein lesbischer und schwuler Polizeibediensteter <\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Martin Arz: Reine Nervensache : Pfeffers zweiter Fall<br \/>\nSchwule Kommissare sind eine Seltenheit in deutschen Krimis. 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