{"id":283,"date":"2005-11-04T15:21:03","date_gmt":"2005-11-04T14:21:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=283"},"modified":"2005-11-04T15:21:03","modified_gmt":"2005-11-04T14:21:03","slug":"dr-mabuses-feuchte-traume","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=283","title":{"rendered":"Dr. Mabuses feuchte Tr\u00e4ume"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/blog.der-buecherfreund.de\/images\/vincents_methode.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"Vincents Methode\" \/><br \/>\n<strong>R\u00fcdiger Janczyk: Vincents Methode : Niederrhein Krimi<\/strong><\/p>\n<p>Wenn der Onkel Doktor zum Stift greift, muss er nicht unbedingt rezeptpflichtige Medikamente verschreiben. Er kann zum Beispiel auch einen Krimi zu Papier bringen. R\u00fcdiger Janczyk ist Arzt und hat statt einem Medikamentenrezept seinen dritten Krimi geschrieben. \u00e2\u20ac\u017eVincents Methode&#8220; lautet der Titel und verspricht eine Geschichte \u00fcber das organisierte Verbrechen am Niederrhein. Leider eine Geschichte mit Nebenwirkungen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Hauptfigur des Romans ist eben jener Vincent Rosebud, ein eiskalter Psychotherapeut mit meerblauen Augen, der Leute umbringt oder umbringen l\u00e4sst. Warum er dies tut, erf\u00e4hrt man als Leser w\u00e4hrend der Lekt\u00fcre durch zahlreiche R\u00fcckblenden. Eine ungl\u00fcckliche Kindheit im Nachkriegsdeutschland, ein alkoholkranker Vater, die Nazi-Vergangenheit des Gro\u00dfvaters, eine ungl\u00fcckliche Liebe zu der Studienkollegin Lea und die Bekanntschaft mit deren geisteskrankem Bruder Ulrich, der sich f\u00fcr den Erzengel Gabriel h\u00e4lt, sind die Begleiter, die einen wie Vincent zum M\u00f6rder werden lassen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Psychotherapeut ein wenig Doktor Mabuse spielt, reihenweise Frauen vernascht und Kontakte zur Unterwelt unterh\u00e4lt, ermittelten Kommissarin Nadine Jansen und ihre Kollegen unterdessen im Fall Schulz. Polizeimeister Schulz liegt als Weihnachtsmann verkleidet erschossen im Stadtpark von M\u00f6nchengladbach. Als Kommissarin Jansen und ihr Kollege Sebastian Hoffmann zur Wohnung des Ermordeten fahren, um die Familie zu informieren, finden sie dort ein Blutbad vor. Schulz hat offenbar seine Frau und zwei seiner drei Kinder umgebracht. Alles deutet auf einen erweiterten Selbstmord hin. Nur die \u00e4lteste Tochter Tanja hat \u00fcberlebt und sitzt geschockt in einem Schlafzimmer. Nadine Jansen nimmt die verwaiste Tanja zu sich nach Hause. Ein Fehler, wie sich bald herausstellt, denn das M\u00e4dchen wird eines Nachts entf\u00fchrt.<\/p>\n<p>In einer Nebenhandlung erz\u00e4hlt Janczyk dann auch noch von der bisexuellen Psychotherapeutin Hanna Seligmann, Tochter eines angesehenen Lokalpolitikers. Sie behandelt nicht nur den geisteskranken Ulrich, sie hat auch eine Aff\u00e4re mit dem unheimlichen Vincent. Ach ja, und die russische Mafia spielt ebenfalls eine Rolle. Nur welche, das wird nicht so recht deutlich. Es geht um den Verkauf einer Firma, mehr erf\u00e4hrt man leider nicht.<\/p>\n<p><strong>Fatale Nebenwirkung<\/strong><\/p>\n<p>Reichlich rote F\u00e4den also, die diesen Roman durchziehen und dem Autor entgleiten. Der Bandbreite von Nebenfiguren, Nebenhandlungen, R\u00fcckblenden und Inneneinsichten ist Janczyk nicht gewachsen, au\u00dferdem \u00fcberlagern sie den mageren Krimiplot. Ab und zu tauchen ein paar Killer auf und nat\u00fcrlich hat der b\u00f6se Lokalpolitiker seine Finger im Spiel, aber der gro\u00dfe Zusammenhang fehlt. Statt einem handfesten Politthriller r\u00fchrt Janczyk eine unlogische und abstruse Geschichte zusammen, in der vor allem die Seelenzust\u00e4nde seiner Haupt- und Nebenfiguren im Mittelpunkt stehen. Vor lauter privater Tristesse vers\u00e4umt es Janczyk, eine stringente, spannende und auf sich abgestimmte Handlung zu entwickeln. Es ist halt grau und tr\u00fcb in M\u00f6nchengladbach, wie in den Seelen der Protagonisten. Vincent trauert seiner verlorenen Liebe nach, die irgendwann zu einem drogens\u00fcchtigen Monster mutiert ist, Nadine hat Probleme mit ihrer Tochter und die bisexuelle Hanna ist das schwarze Schaf ihrer angesehenen Eltern. Als ob sich in Kriminalromanen nicht schon gen\u00fcgend durchgeknallte Psychofritzen, genervte Kommissarinnen oder nymphomane Weibchen herumtreiben w\u00fcrden. <\/p>\n<p>Janczyks bem\u00fchte und k\u00fcnstliche Sprache kann dies kaum zusammenhalten.  Mal schreibt er ausschweifend, mal sehr knapp, Schachtels\u00e4tze wechseln sich mit kryptischen Wortfetzen ab und der Autor springt unmotiviert von einer Szene in die n\u00e4chste. Ein br\u00fcchiger Stil, dem man den Eifer und die Ambitionen des Autors deutlich anmerkt, und der gerade deshalb eher albern als \u00fcberzeugend wirkt. Besonders klar zeigt sich das Versagen des Autors in den reichlich vorhandenen erotischen Szenen. Sex k\u00f6nnen nur wenige Autoren und Autorinnen wirklich gut (be)schreiben. Janczyk erreicht hier gerade mal das Niveau eines pubertierenden Jungen, der seine feuchten Tr\u00e4ume im Tagebuch festh\u00e4lt. Letztlich bleibt eine Mixtur aus d\u00fcsteren und k\u00fcnstlichen Seelenlandschaften sowie einer manierierten Sprache, die beim Leser eine fatale Nebenwirkung hat: Langeweile. <\/p>\n<blockquote><p><strong>R\u00fcdiger Janczyk: Vincents Methode<\/strong> : Niederrhein Krimi. &#8211; K\u00f6ln : Emons Verlag, 2005. 208 S. &#8211; ISBN 3-89705-399-3<\/p>\n<p>Buch bestellen bei:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3897053993\/ludgerslesezeich\/\" target=\"_blank\">\u00bb amazon.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2701&#038;type=text&#038;tnb=8&#038;pid=3897053993\" target=\"_blank\">\u00bb libri.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2176&#038;type=text&#038;tnb=3&#038;pid=3897053993\" target=\"_blank\">\u00bb buch24.de<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00fcdiger Janczyk: Vincents Methode : Niederrhein Krimi Wenn der Onkel Doktor zum Stift greift, muss er nicht unbedingt rezeptpflichtige Medikamente verschreiben. Er kann zum Beispiel auch einen Krimi zu Papier bringen. R\u00fcdiger Janczyk ist Arzt und hat statt einem Medikamentenrezept seinen dritten Krimi geschrieben. \u00e2\u20ac\u017eVincents Methode&#8220; lautet der Titel und verspricht eine Geschichte \u00fcber das [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/283"}],"collection":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=283"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/283\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=283"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=283"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=283"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}