{"id":303,"date":"2005-11-21T20:51:49","date_gmt":"2005-11-21T19:51:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=303"},"modified":"2005-11-21T20:51:49","modified_gmt":"2005-11-21T19:51:49","slug":"des-krimis-neue-kleider","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=303","title":{"rendered":"Des Krimis neue Kleider"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/blog.der-buecherfreund.de\/images\/berliner_blut.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"Berliner Blut\" \/><br \/>\n<strong>Ullrich Wegerich: Berliner Blut<\/strong><\/p>\n<p>Ziehen Sie doch einfach mal einen Krimis aus. Nein, nicht den Schutzumschlag herunterrei\u00dfen, auch nicht die Seiten vom Bucheinband abzupfen. Das meine ich nicht, Sie kleines Ferkel! Nehmen Sie aus einem Krimi einfach mal das alles weg, was Beiwerk und Etikett ist. Klauen Sie dem Regionalkrimi das Regional, betrachten Sie einen historischen Krimi ohne den ganzen geschichtlichen Firlefanz. Denken Sie sich bei Schafs-, Hunde-, oder Katzenkrimis das Viehzeug weg oder lesen Sie einen Psychothriller so, als ob Sie noch nie etwas von Psychologie geh\u00f6rt h\u00e4tten. Was dann da so mickrig, zitternd und fr\u00f6stelnd in Ihrer Hand liegt ist der Krimiplot, der Kern, die eigentliche Geschichte. Niedlich, gell? Der will Sie erschrecken, Ihnen Angst einjagen, der kleine Wurm. Bei vielen Krimis ist es ja nur noch ein Wurm, der da \u00fcbrig bleibt. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Zahlreiche Krimiautorinnen und -autoren sind wahre Meister darin, ihr nicht vorhandenes Erz\u00e4hltalent zu kaschieren. Nun ist das nicht verwunderlich in einer Branche, in der L\u00fcgen und Blenden zum Handwerkszeug geh\u00f6rt. Statt einen ordentlichen Plot zu entwickeln, fahren sie erst einmal viel bunte Maskerade und zahlreiche Kost\u00fcme auf. Dann klatschen sie kiloweise Make-up auf den kleinen Wurm. So aufgetakelt und in aufgeplusterte Klamotten gesteckt sieht er aus wie ein Prachtbursche, der Sie um den Schlaf bringen will. <\/p>\n<p>Im Vergleich zu diesem oft veranstalteten Popanz wirkt der Deb\u00fctkrimi von Ullrich Wegerich geradezu minimalistisch, karg und spr\u00f6de. Der Autor beschr\u00e4nkt sich n\u00e4mlich in seinem Roman \u00e2\u20ac\u017eBerliner Blut&#8220; fast ausschlie\u00dflich auf die Krimihandlung. Eine junge Frau liegt erschlagen in einem heruntergekommenen Mietshaus in Berlin Charlottenburg. Carmen Schwarzenau, so der Name des Mordopfers, war eine der letzten Mieterinnen in diesem Haus, das sich ein Immobilienhai unter den Nagel gerissen hat. Auf Senatskosten l\u00e4sst er es entmieten, um es anschlie\u00dfend abzurei\u00dfen und schicke Eigentumswohnungen zu bauen. Carmen hatte sich dagegen gewehrt &#8211; ist sie deshalb Opfer des gierigen Hausherrn geworden?<\/p>\n<p><strong>Konzentrierte Spannung<\/strong><\/p>\n<p>Ganz so einfach ist die Geschichte nat\u00fcrlich nicht gestrickt, denn Carmen hatte ein abwechslungsreiches Berufs- und Privatleben. Sie arbeitete als Schreinerin in einer Werkstatt, die zu einem betreutem Wohnprojekt f\u00fcr misshandelte M\u00e4dchen geh\u00f6rt. Kommissar Robert Mannheim und sein Team befragen die dort arbeitenden Betreuerinnen, die scheinbar nur wenig zu Aufkl\u00e4rung beitragen k\u00f6nnen. Aufschlu\u00dfreicher k\u00f6nnten die Aktfotos von Carmen sein, welche die Ermittler in der Wohnung der Toten finden. F\u00fcr wen hat sie sich so ablichten lassen? F\u00fcr ihren eifers\u00fcchtigen Ex-Liebhaber oder f\u00fcr ihren aktuellen Freund? Beide M\u00e4nner geben sich wortkarg und waren offenbar nicht die einzigen, mit denen Carmen das Bett teilte. Dann geschieht ein zweiter Mord&#8230;<\/p>\n<p>Es ist erstaunlich, wie sehr sich Ullrich Wegerich auf die Ermittlungsarbeit der Polizei beschr\u00e4nkt. Sicher gibt es kleine Abschweifungen, zum Beispiel zum Berliner Stadtbild irgendwann in den 1990er Jahren, als die deutsche Hauptstadt eine riesige Spielwiese f\u00fcr Immobilienspekulanten war. Zu diesen Abschweifungen geh\u00f6ren ebenfalls kurze Einblicke in das Privatleben der Ermittler &#8211; aber insgesamt konzentriert sich der Autor auf die eigentliche Krimihandlung und ihren Fortgang. Sein Ton ist dabei ruhig und fast schon spr\u00f6de. Er erz\u00e4hlt unterhaltsam, baut langsam Spannung auf, h\u00e4lt aber Distanz zu seinen Figuren. <\/p>\n<p>Keine Frage, es gibt den ein oder anderen kleinen Patzer in diesem Roman. Gerade zu Anfang holpert die Sprache noch ein wenig vor sich hin, das verl\u00e4uft sich aber im Laufe der Geschichte. Auch mit Ausrufezeichen darf der Autor in seinem n\u00e4chsten Krimi sparsamer umgehen. Letztlich aber hebt sich der Roman durch seine schn\u00f6rkellose Erz\u00e4hlhaltung und seinen spr\u00f6den Charme aus der g\u00e4ngigen Krimiproduktion hervor. Ohne viel Aufsehen und ohne \u00dcberfrachtung erz\u00e4hlt Wegerich eine spannende und authentische Geschichte. Es ist nicht der \u00e2\u20ac\u017eMega-Krimi&#8220; zum Thema Berliner Immobilienspekulation, es ist auch kein Berliner Regiokrimi mit einem Schuss Erotik. \u00e2\u20ac\u017eBerliner Blut&#8220; ist einfach eine Geschichte, die sich selbst tr\u00e4gt und kein \u00fcbertriebenes Make-up und bunte Kost\u00fcme braucht.  Verbl\u00fcffend, dass es solche Krimideb\u00fcts noch gibt. <\/p>\n<blockquote><p><strong>Ullrich Wegerich: Berliner Blut<\/strong>. &#8211; W\u00fcrzburg : K\u00f6nigshausen &#038; Neumann, 2005<br \/>\nISBN 3-8260-3054-0<\/p>\n<p>Buch bestellen bei:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3826030540\/ludgerslesezeich\/\" target=\"_blank\">\u00bb amazon.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2701&#038;type=text&#038;tnb=8&#038;pid=3826030540\" target=\"_blank\">\u00bb libri.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2176&#038;type=text&#038;tnb=3&#038;pid=3826030540\" target=\"_blank\">\u00bb buch24.de<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/blog.der-buecherfreund.de\/images\/berliner_blut.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"Berliner Blut\" \/><br \/>\n<strong>Ullrich Wegerich: Berliner Blut<\/strong><\/p>\n<p>Ziehen Sie doch einfach mal einen Krimis aus. 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