{"id":314,"date":"2005-12-04T13:23:15","date_gmt":"2005-12-04T12:23:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=314"},"modified":"2005-12-04T13:23:15","modified_gmt":"2005-12-04T12:23:15","slug":"platzpatrone-folge-3-krimi-to-go","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=314","title":{"rendered":"Platzpatrone &#8211; Folge 3: Krimi to go"},"content":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/blog.der-buecherfreund.de\/images\/der_duft_des_kaffees.jpg' align=\"left\" hspace=\"5\" alt='Der Duft des Kaffees' \/><br \/>\n<strong>Gerhard J. Rekel: Der Duft des Kaffees : Die Geschichte einer Verschw\u00f6rung<\/strong><\/p>\n<p>Kaffee ist Kult. \u00dcberall in deutschen St\u00e4dten schie\u00dfen Coffeebars und Coffeeshops wie Pilze aus dem Boden. Gute alte Stehcaf\u00e9s werden durch trendige Starbucks oder Balzac-Shops verdr\u00e4ngt. Die kredenzen dann \u00e2\u20ac\u017eVanilla Latte&#8220; oder \u00e2\u20ac\u017eWhite Chocolate Mocha&#8220;: Hei\u00dfgetr\u00e4nke, bei denen die Geschmacksknospen der Kaffeepuristen rebellieren. Schlie\u00dflich beschr\u00e4nkt sich ein Kaffeekenner vor allem auf einen frischen Espresso mit einer leckeren Crema. Das zumeist junge Publikum sieht das alles nicht so eng, schnappt sich noch schnell einen \u00e2\u20ac\u017eCoffee to go&#8220; mit Karamellgeschmack in einem Plastikbecher und f\u00fchlt sich hip.<\/p>\n<p>Unter den Produkten der Krimiindustrie finden sich auch solche grauslichen Geschmacksverirrungen, die aber en vogue sind: schicke Verschw\u00f6rungsthriller zum Beispiel. Mal sind es christliche M\u00e4nnerb\u00fcnde, mal islamische Terroristen, die im Geheimen operieren, um irgendwann die Welt zu beherrschen oder unsere Erde dem Untergang zu zuf\u00fchren. Geradezu raffiniert erscheint da der Thrillerversuch des \u00f6sterreichischen Autors Gerhard J. Rekel, der beide Modeerscheinungen einfach kombiniert: Kaffee und Verschw\u00f6rung gleich in einem Buch. Kult im Doppelpack zum Sonderpreis! Dieser \u00e2\u20ac\u017eKrimi to go&#8220; mit Plastikgeschmack nennt sich \u00e2\u20ac\u017eDer Duft des Kaffees&#8220; und bietet eine Melange aus Kulturgeschichte, Kaffee, Komplott und Krimi. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>H\u00e4ppchenweise erz\u00e4hlt Rekel die Geschichte des schwarzen Getr\u00e4nks: Woher kommt Kaffee, welche Entwicklung nahm er, wie tricksen die gro\u00dfen Kaffeekonzerne ihre Kunden aus und warum ist fairer Kaffeehandel lebenswichtig f\u00fcr die Kaffeebauern in der sogenannten \u00e2\u20ac\u017eDritten Welt&#8220;? Fragen, die leidlich im Buch beantwortet werden. Rekel hat aber auch noch eine ganz wichtige These parat: Kaffee ist das Getr\u00e4nk der Revolution! Ohne Kaffee h\u00e4tte es die franz\u00f6sische Revolution vielleicht nie gegeben. Die USA haben ihre Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung vor allem dem Kaffee zu verdanken. Interessante These also, die in einem kulturhistorischen Aufsatz sicher spannend zu lesen w\u00e4re. <\/p>\n<p>Rekel schreibt aber auch einen Verschw\u00f6rungsthriller und da wird es dann uns\u00e4glich schlecht. Kurz vor Weihnachten ver\u00fcbt ein Unbekannter Anschl\u00e4ge auf den Kaffee der Kette \u00e2\u20ac\u017eDrachus&#8220;. Viele Menschen leiden nach dem Trinken des Kaffees unter lebensgef\u00e4hrlichen Herzrhythmusst\u00f6rungen. Der Kaffee ist vergiftet worden. Unter den Opfern ist auch Jakob, der Sohn des kleinen Kaffeeh\u00e4ndlers Hans Brioni. Brioni k\u00e4mpft schon lange gegen die Machenschaften der gro\u00dfen Konzerne und wittert nat\u00fcrlich eine Verschw\u00f6rung. Doch Brioni k\u00f6nnte nicht nur Opfer sein, er kommt auch als T\u00e4ter ins Frage. So sieht es zumindest Agathe, eine junge Frau, die als Praktikantin bei einem privaten Nachrichtensender arbeitet. <\/p>\n<p><strong>Kanzler ohne Kaffee<\/strong><\/p>\n<p>Sie will Brioni interviewen, der zeigt sich allerdings zun\u00e4chst zugekn\u00f6pft. Agathe l\u00e4\u00dft nicht locker und innerhalb weniger Tage entwickelt sich eine Beziehung, die immer wieder zwischen Ver- und Misstrauen schwankt. Als Brioni schlie\u00dflich von der Polizei ins Visier genommen wird, tauchen Hans und Agathe unter. Sie unternehmen eine abenteuerliche Flucht durch Deutschland und \u00d6sterreich. Nat\u00fcrlich versuchen sie dabei die wahren Hinterm\u00e4nner der Kaffeeverschw\u00f6rung zu finden. Abenteuerlich ist allerdings auch, wie schnell die Beiden die r\u00e4umlichen Distanzen &#8211; von Berlin nach Wien, von Wien nach Hamburg, von Hamburg nach Berlin und zur\u00fcck &#8211; innerhalb von wenigen Tagen zur\u00fccklegen. Das alles mit einem alten Lada und bei winterlichen Stra\u00dfenverh\u00e4ltnissen. Ein kleiner Sch\u00f6nheitsfehler, doch Rekel kann es noch viel schlechter.<\/p>\n<p>Da sind die Figuren, die frisch abgestaubt aus der Klamottenkiste der Krimiklischees entsprungen sind. Nat\u00fcrlich muss die weibliche Schn\u00fcffelnase \u00e2\u20ac\u017eAgathe&#8220; (!) hei\u00dfen und der kleine Kaffeer\u00f6ster ist mit dem Besitzer des ber\u00fchmten Wiener Caf\u00e9s Brioni verwandt. \u00dcber die Beschreibung der Arbeit bei einem privaten Nachrichtensender rege ich mich schon gar nicht mehr auf. Das Chefredakteure durchweg schwanzgesteuert sind und es besonders auf junge, weibliche Praktikantinnen abgesehen haben, wissen wir doch alle aus eigener (Lese-)Erfahrung. <\/p>\n<p>Da sind die Dialoge, die z\u00e4h vor sich hin blubbern und die nur dazu dienen, dass Kaffeekenner Brioni sein Wissen \u00fcber die Geschichte des schwarzen Getr\u00e4nks so richtig aufsch\u00e4umen kann. Da ist schlie\u00dflich die L\u00f6sung des Falles, bei der so manche Verschw\u00f6rungstheoretiker richtig neidisch werden. Hinter all dem vergifteten Kaffee steckt n\u00e4mlich &#8211; Achtung! Spoiler! &#8211; die Wirtschaftslobby, die unbedingt die \u00e2\u20ac\u017egro\u00dfe Reform&#8220; durchgedr\u00fcckt haben will und deshalb die Nation auf Koffeinentzug setzt. Ohne Koffein keine Revolution, ohne Kaffee keine Reformproteste &#8211; so einfach ist das. H\u00e4tte das doch mal einer dem Schr\u00f6der bei seiner \u00e2\u20ac\u017eAganda 2010&#8243; gesteckt &#8211; er w\u00e4re heute noch Kanzler. <\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eDer Duft des Kaffees&#8220; ist so sinnfrei wie der <a href=\"http:\/\/www.golyr.de\/hildegard-knef\/songtext-coffee-song-368449.html\">&rarr; \u00e2\u20ac\u017eCoffee Song&#8220; von Hildegard Knef<\/a>, in dem sie behauptet \u00e2\u20ac\u017e&#8230; denn in Brasilien gibt\u00e2\u20ac\u2122s nichts andres als Kaffee.&#8220; Doch im Gegensatz zu Rekels Machwerk ist der \u00e2\u20ac\u017eCoffee Song&#8220; nur knapp zwei Minuten lang und lustig. <\/p>\n<blockquote><p><strong>Gerhard J. Rekel: Der Duft des Kaffees : Die Geschichte einer Verschw\u00f6rung<\/strong>. &#8211; M\u00fcnchen : dtv, 2005<br \/>\n(dtv premium; 24505)<br \/>\nISBN 3-423-24505-0<\/p>\n<p>Buch bestellen bei:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3423245050\/ludgerslesezeich\/\" target=\"_blank\">\u00bb amazon.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2701&#038;type=text&#038;tnb=8&#038;pid=3423245050\" target=\"_blank\">\u00bb libri.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2176&#038;type=text&#038;tnb=3&#038;pid=3423245050\" target=\"_blank\">\u00bb buch24.de<\/a><\/p>\n<p>Links:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/derduftdeskaffees.de\/\">&rarr; Internetseite zum Buch<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.golyr.de\/hildegard-knef\/songtext-coffee-song-368449.html\">&rarr; Text &#8222;Coffee Song&#8220; von Hildegard Knef<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerhard J. 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