{"id":350,"date":"2005-12-30T17:21:42","date_gmt":"2005-12-30T16:21:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=350"},"modified":"2005-12-30T17:21:42","modified_gmt":"2005-12-30T16:21:42","slug":"der-wald-ist-schweigen-gisa-kloenne","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=350","title":{"rendered":"Flaches Schattenspiel"},"content":{"rendered":"<p><img align=\"left\" alt=\"Der Wald ist Schweigen\" title=\"Der Wald ist Schweigen\" src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/wp-content\/uploads\/2005\/12\/der_wald_ist_schweigen.jpg\" \/><br \/>\n<strong>Gisa Kl\u00f6nne: Der Wald ist Schweigen<\/strong><\/p>\n<p>Schon als Kind lernte ich bei den Gebr\u00fcdern Grimm, dass im Wald das B\u00f6se lauert. Gefr\u00e4\u00dfige W\u00f6lfe und garstige Hexen hausen zwischen den B\u00e4umen und f\u00fchren nichts Gutes im Schilde. Ein idealer Handlungsort f\u00fcr einen Kriminalroman, in dem es doch auch um das B\u00f6se und Schlechte in dieser Welt gehen soll. Das mag sich Gisa Kl\u00f6nne gedacht haben, als sie \u00fcber den Schauplatz ihres Deb\u00fctkrimis \u00e2\u20ac\u017eDer Wald ist Schweigen&#8220; sinniert hat. Allein: Ein finsterer Forst mit finsteren Figuren macht noch keinen guten Krimi aus.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIn diesem Fall liegt der unheimliche Wald im Bergischen Land. Auf einem Hochsitz wird eine nackte und entstellte M\u00e4nnerleiche gefunden. Rund um diesen Toten gruppiert Kl\u00f6nne ein weibliches Dreigestirn. Die junge F\u00f6rsterin Diana Westermann, die seit kurzer Zeit f\u00fcr das Revier zust\u00e4ndig ist und die Leiche entdeckt hat. Aus K\u00f6ln kommt Kriminalhauptkommissarin Judith Krieger zum Tatort geeilt. Dritte im Bunde ist die junge Laura, die im nahegelegenen Aschram \u00e2\u20ac\u017eSonnenhof&#8220; lebt. Gemeinsam ist allen drei Frauen, dass sie &#8211; ein Muss im Kriminalroman &#8211; einige Probleme haben. Kommissarin Krieger ist seit dem gewaltsamen Tod eines Kollegen psychisch stark angeschlagen. Ihr guter Freund und Kollege Patrick starb bei einem Einsatz, bei dem sie eigentlich vor Ort h\u00e4tte sein sollen, wegen einer Erkrankung aber das Bett h\u00fctete. Nun plagen sie Schuldgef\u00fchle, die dazu f\u00fchren, dass sie sich im aktuellen Fall einige Schnitzer leistet. Sie wird von dem Fall abgezogen und &#8211; wer h\u00e4tte es gedacht &#8211; von einem tumben Mann ersetzt. Krieger aber ermittelt  &#8211; auch das kennt man aus vielen Krimis &#8211; auf eigene Faust weiter.<\/p>\n<p>Diese privaten Ermittlungen f\u00fchren Krieger in den Aschram \u00e2\u20ac\u017eSonnenhof&#8220;, in dem einige Aussteiger abgeschieden von der Welt vor sich hin meditieren. Hierhin wurde die 17-j\u00e4hrige Laura von ihrer Mutter abgeschoben, nachdem Lauras Verh\u00e4ltnis mit einem Lehrer aufgeflogen war. Dieser Lehrer ist, wie sich bald herausstellt, der Tote vom Hochsitz. Um dem strengen Alltag des Aschrams zu entfliehen, freundet sich Laura mit der F\u00f6rsterin Diana Westermann an. Die wiederum ist eher genervt von Lauras Besuchen. Sie hat eigene Probleme: Drohanrufe, Einsch\u00fcchterungen und Mobbing durch andere Gr\u00fcnjacken machen Diana zu schaffen. Immer wieder wird sie zu Wildunf\u00e4llen gerufen, die aber gar nicht stattgefunden haben. Alleine im Wald f\u00fchlt sich die junge F\u00f6rsterin beobachtet. Offenbar ist jemand &#8211; nat\u00fcrlich ein Mann &#8211; neidisch auf ihren neuen Job. Dann wird eine zweite Leiche im Wald entdeckt.<\/p>\n<p><strong>Sprachliche Trickkiste<\/strong><\/p>\n<p>Spannung und Atmosph\u00e4re bietet Gisa Kl\u00f6nne durchaus in ihrem Roman. Der Wald ist dunkel und voller Geheimnisse, das Seelenleben der Figuren wird nach und nach offengelegt, die Verbrechen sind schauderhaft. Der Plot ist einfach und  &#8211; f\u00fcr reine Spannungsleser &#8211; sehr effektiv. Doch leider sieht man in diesem Roman den Krimi vor lauter Klischees nicht. Ob stereotype M\u00e4nner- und Frauenbilder und der immerw\u00e4hrende Geschlechterkampf bei der Polizei, ob \u00fcbliche Versatzst\u00fccke, wie etwa die suspendierte Kommissarin, die verbotenerweise ermittelt, ob das Spiel mit Ur\u00e4ngsten gegen\u00fcber dem bedrohlichen Wald &#8211; bei Kl\u00f6nne findet sich alles und reichlich. Dazu kommen schwache Figurenportr\u00e4ts ihrer drei Hauptprotagonistinnen, wobei die Beschreibung der Kommissarin besonders kraftlos ausgefallen ist.<\/p>\n<p>Da Kl\u00f6nne kaum mit wirklichen neuen Ideen aufwartet, greift sie in die sprachliche Trickkiste: Bis auf zwei kurze R\u00fcckblenden erz\u00e4hlt sie ihren Roman durchg\u00e4ngig im Pr\u00e4sens. Ein Kunstgriff, \u00fcber dessen Anwendung man gerne streiten kann. Zeitliche N\u00e4he und Unmittelbarkeit d\u00fcrfte ein Argument sein. Das erz\u00e4hlte Geschehen l\u00e4uft direkt vor den Augen des Lesers ab. Verst\u00e4rkt wird dies noch durch die Verwendung von Daten als Kapitel\u00fcberschriften. Der Roman ist wie das Tagebuch eines allwissenden Erz\u00e4hlers aufgebaut, die Handlung setzt am 26. November ein und endet am 16. November. Stilistisch geht Gisa Kl\u00f6nne somit zwar nicht neue, aber doch wenig benutzte Wege. Interessanter wird der Roman dadurch aber auch nicht.<\/p>\n<p>Besonders peinlich wirken die wiederholten Vergleiche, die Komissarin Krieger mit TV-Krimiserien zieht. St\u00e4ndig l\u00e4sst Kl\u00f6nne ihre Polizistin betonen, dass eine bestimmte Situation an einen \u00e2\u20ac\u017eTatort&#8220; oder an \u00e2\u20ac\u017eDerrick&#8220; erinnere, dennoch sei dies hier ja die harte Realit\u00e4t. Echte Polizeiarbeit versus Fiktion in der Fiktion. Ein lustiges Spielchen, das aber in dem ansonsten humorfreien Umfeld von Gisa Kl\u00f6nnes Roman albern und deplaziert ist. Kurzum: Ein Krimim\u00e4rchen aus deutschen Landen, das versucht, ein dunkler Spannungsroman zu sein, letztlich aber nur ein flaches Schattenspiel bleibt. Grimms M\u00e4rchen sind da tiefgr\u00fcndiger und interessanter.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Gisa Kl\u00f6nne: Der Wald ist Schweigen<\/strong> : Kriminalroman. &#8211; Berlin : Ullstein, 2005<br \/>\nISBN 3-550-08633-4<br \/>\nISBN-13 978-3-550-08633-5<\/p>\n<p><strong>Buch estellen bei:<\/strong><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3550086334\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2701&#038;type=text&#038;tnb=8&#038;pid=3550086334\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2176&#038;type=text&#038;tnb=3&#038;pid=3550086334\">\u00bb buch24.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Links<\/strong><\/p>\n<p><a title=\"Gisa Kl\u00f6nne\" target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.gisa-kloenne.de\/\">\u00bb Homepage von Gisa Kl\u00f6nne<\/a><\/p>\n<p><strong> <\/strong><strong> <\/strong><strong> <\/strong><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gisa Kl\u00f6nne: Der Wald ist Schweigen Schon als Kind lernte ich bei den Gebr\u00fcdern Grimm, dass im Wald das B\u00f6se lauert. 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