{"id":391,"date":"2006-02-02T22:34:27","date_gmt":"2006-02-02T21:34:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/391\/ruth-rendell-der-duft-des-bosen.html"},"modified":"2006-02-02T22:34:27","modified_gmt":"2006-02-02T21:34:27","slug":"ruth-rendell-der-duft-des-boesen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=391","title":{"rendered":"Kratzer in der Krone"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/krimiblog.de\/images\/der_duft_des_boesen_rendell.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"Der Duft des B\u00f6sen\" \/><br \/>\n<strong>Ruth Rendell: Der Duft des B\u00f6sen<\/strong><\/p>\n<p>An diesen kalten Wintertagen wollen drei gro\u00dfe Damen des britischen Kriminalromans f\u00fcr wohlige Schauer sorgen. Mitte Februar 2006 erscheint <strong>P.D. James\u00e2\u20ac\u2122<\/strong> bislang letzter Roman \u00e2\u20ac\u017eThe Lighthouse&#8220; unter dem Titel <strong>\u00e2\u20ac\u017eWo Licht und Schatten ist&#8220;<\/strong> in deutscher \u00dcbersetzung. Etwa zur gleichen Zeit d\u00fcrfte dann auch \u00e2\u20ac\u017eThe Devil&#8217;s Feather&#8220; von <strong>Minette Walters<\/strong> unter dem Titel \u00e2\u20ac\u017e<strong>Des Teufels Werk&#8220;<\/strong> vorliegen. Dritte im Bunde dieses kriminellen Damenkr\u00e4nzchens ist Vielschreiberin <strong>Ruth Rendell<\/strong>, die in 42 Jahren \u00fcber 40 Romane verfasst hat und dabei sind die 12 Romane, die sie unter ihrem Pseudonym Barbara Vine ver\u00f6ffentlicht hat, noch nicht mitgez\u00e4hlt. Allen drei Ladies wurde des \u00d6fteren der Titel \u00e2\u20ac\u017eQueen of Crime&#8220; angedichtet, wobei Minette Walters die J\u00fcngste und P.D. James die \u00c4lteste im erlauchten Kreis der Krimi-K\u00f6niginnen ist. In der Mitte steht also Ruth Rendell, nicht nur aufgrund ihres Alters. Mit ihrem Roman \u00e2\u20ac\u017e<strong>Der Duft des B\u00f6sen&#8220;<\/strong>, der seit Anfang des Jahres in deutscher \u00dcbersetzung vorliegt, zeigt sie, dass ihre Krimi-Krone nicht ohne Kratzer ist.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Schauplatz ihres betulich erz\u00e4hlten Kriminalromans ist das Gesch\u00e4ft \u00e2\u20ac\u017eStar Antiquit\u00e4ten&#8220; im Westen der Londoner Innenstadt, nicht weit entfernt vom Bahnhof Paddington. Die Besitzerin Inez Ferry betreibt in dem dreist\u00f6ckigen Reihenhaus ihr Gesch\u00e4ft und lebt in der Wohnung dar\u00fcber. Die restlichen Wohnungen im Haus hat sie vermietet: An die exzentrische Ludmilla Gogol, die regelm\u00e4\u00dfig von ihrem Liebhaber Freddy Perfect besucht wird, an den geistig zur\u00fcckgebliebenen Will Cobbett sowie an den freundlichen Computerspezialisten Jeremy Quick. Zu dieser Runde gesellt sich noch die h\u00fcbsche Verk\u00e4uferin Zeinab, unp\u00fcnktlich aber mit einem beeindruckenden Verkaufstalent ausgestattet, sowie eine ganze Reihe von weiteren Nebenfiguren. Kurz: Wir befinden uns in der Dekoration und mitten im Ensemble einer Seifenoper, gegen deren K\u00fcnstlichkeit \u00e2\u20ac\u017eCoronation Street&#8220; oder \u00e2\u20ac\u017eLindenstra\u00dfe&#8220; als brutal realistische Soziodramen erscheinen. <\/p>\n<p>F\u00fcr die n\u00f6tige Unruhe in dieser Kulisse sorgt ein Serienm\u00f6rder, der bislang f\u00fcnf Frauen ermordet hat. Presse und \u00d6ffentlichkeit sind in Aufruhr, denn der \u00e2\u20ac\u017eRottweiler&#8220;, wie er aufgrund einer angeblichen Bisswunde bei einem der Opfer genannt wird, ist noch nicht gefasst. Von jedem seiner Opfer beh\u00e4lt er eine kleine Troph\u00e4e zur\u00fcck, eine Kette, ein Feuerzeug oder eine Taschenuhr. Es kommt, wie es kommen muss: Inez entdeckt in ihrem Laden eines dieser Souverniers. Der M\u00f6rder k\u00f6nnte also einer ihrer Kunden oder gar einer ihrer Mieter sein. Nach einem 141 Seiten langen und langatmigen Prolog erf\u00e4hrt es der Leser dann endlich: Der M\u00f6rder ist einer der Mieter. Erst jetzt beginnt Rendell mit dem, was sie angeblich am besten kann &#8211; der Psychologie. <\/p>\n<p><strong>Gepflegte Langeweile<\/strong><\/p>\n<p>Nach und nach entbl\u00e4ttert Rendell sein Geheimnis und den Grund f\u00fcr seine Morde. Doch auch die anderen Bewohner des Hauses werden unter die Lupe genommen, denn alle scheinen ein Doppelleben zu f\u00fchren. Ob Inez, die ihrem verstorbenen Mann, einem Schauspieler, nachtrauert und abends seine Filme schaut, ob der bemitleidenswerte Will, der in seiner kindlichen Naivit\u00e4t an einen Schatz glaubt, den er in einem Kinofilm gesehen hat, ob Jeremy, der sich eine Verlobte samt schwerkranker Mutter erfindet oder Freddy, der Umgang mit kleinen Gaunern pflegt &#8211; sie alle haben ihre kleinen Mysterien. <\/p>\n<p>Hier ist nicht nur die Dekoration aus Pappmaschee, die handelnden Figuren sind es auch. Tiefe, Lebendigkeit oder ausgefeilte Psychogramme sucht man bei Rendell vergeblich. Daf\u00fcr gibt es reichlich Betroffenheitshascherei, zum Beispiel mit dem armen Will, der so sehr an seiner Tante Becky h\u00e4ngt und die dar\u00fcber so verzweifelt ist, dass sie erst einen Liebhaber sausen l\u00e4sst und dann immer tiefer ins Glas schaut. Ein Liebesroman ist nichts dagegen. Dazu serviert Rendell eine gro\u00dfe Portion gepflegter Langeweile. Wer 141 von rund 440 Seiten braucht, um sein Personal und sein Setting einzuf\u00fchren, der hat offensichtlich ein Problem mit Tempo und Erz\u00e4hlaufbau. Ganz abgesehen von den zahlreichen Zuf\u00e4llen, die Rendell ben\u00f6tigt, um ihrer Handlung wenigstens den Anschein von Logik und Bewegung zu geben.<\/p>\n<p>Als psychologischer Kriminalroman ist \u00e2\u20ac\u017eDer Duft des B\u00f6sen&#8220; gescheitert. Kriminalliterarische Fiktion, so wie sie von Rendell erz\u00e4hlt wird, verlangt Stringenz und Glaubw\u00fcrdigkeit, sonst findet sie sich in der Abteilung Trash, Studienratsgattinnen-Lekt\u00fcre oder verkappter Schund wieder. Deshalb darf durchaus bezweifelt werden, ob Ruth Rendell immer noch zu den K\u00f6niginnen der britischen Kriminalliteratur geh\u00f6rt. Bleibt abzuwarten, womit ihre beiden Kolleginnen James und Walters die Leser &#8211; und vermutlich vor allem die Leserinnen &#8211; \u00fcberraschen werden. Es kann eigentlich nur besser werden. <\/p>\n<blockquote><p><strong>Ruth Rendell: Der Duft des B\u00f6sen<\/strong> \/ Ins Deutsche \u00fcbertragen von Eva L. Wahser. &#8211; M\u00fcnchen : Blanvalet, 2006<br \/>\nISBN-10: 3-7645-0117-0<br \/>\nISBN-13: 978-3-7645-0117-4<\/p>\n<p>Originalausgabe: <strong>Ruth Rendell: The Rottweiler<\/strong>. &#8211; London : Hutchinson, 2003<\/p>\n<p><strong>Buch bestellen bei:<\/strong><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3764501170\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2701&#038;type=text&#038;tnb=8&#038;pid=3764501170\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2176&#038;type=text&#038;tnb=3&#038;pid=3764501170\">\u00bb buch24.de<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ruth Rendell: Der Duft des B\u00f6sen An diesen kalten Wintertagen wollen drei gro\u00dfe Damen des britischen Kriminalromans f\u00fcr wohlige Schauer sorgen. 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