{"id":411,"date":"2006-02-19T12:41:21","date_gmt":"2006-02-19T11:41:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/411\/simon-beckett-die-chemie-des-todes.html"},"modified":"2006-02-19T12:41:21","modified_gmt":"2006-02-19T11:41:21","slug":"simon-beckett-die-chemie-des-todes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=411","title":{"rendered":"Der Doktor und die lieben Maden"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/die_chemie_des_todes.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"die_chemie_des_todes.jpg\" \/><br \/>\n<strong>Simon Beckett: Die Chemie des Todes<\/strong><\/p>\n<p>Haben Sie es gemerkt? Am letzten Freitag gab es eine weltweite Buchpremiere. Noch vor der offiziellen Ver\u00f6ffentlichung in Gro\u00dfbritannien Anfang M\u00e4rz ist seit dem 17. Februar das neue Buch von Simon Beckett \u00e2\u20ac\u017eDie Chemie des Todes&#8220; in den deutschen Buchhandlungen lieferbar. Dass eine \u00dcbersetzung noch vor dem Original erscheint, wenn auch in einem sehr kurzen, zeitlichen Abstand, ist ein seltenes Ereignis in der deutschen Verlagswelt und wird normalerweise mit ziemlich viel Werbeaufwand begleitet. Mancher erinnert sich vielleicht noch an das Tamtam, als 1996 der sechsb\u00e4ndige Fortsetzungsroman \u00e2\u20ac\u017eThe Green Mile&#8220; von Stephen King weltweit gleichzeitig ver\u00f6ffentlicht wurde. Nun ist Simon Beckett nicht Stephen King: Bislang ist der britische Autor, der in seiner Heimat vier Romane ver\u00f6ffentlicht hat, bei uns nicht aufgefallen. \u00e2\u20ac\u017eDie Chemie des Todes&#8220; ist sein f\u00fcnfter Roman und ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr, wie mit schlechtem Marketing ein schlechter Roman unter die Leserschaft gejubelt werden soll. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Becketts Buch kommt inhaltlich aus dem Baukasten \u00e2\u20ac\u017eForensiker vs. Serienm\u00f6rder&#8220;: Ich-Erz\u00e4hler Dr. David Hunter war einst Englands renommiertester forensischer Anthropologe. Nach dem Unfalltod seiner Frau und seiner Tochter zieht er sich als Arzt in den kleinen Ort Manham in Devonshire zur\u00fcck. Drei Jahre lebt er dort, ohne dass seine neuen Nachbarn \u00fcber seine berufliche Vergangenheit etwas wissen. Im Dorf bleibt er ein Au\u00dfenseiter. Dann jedoch wird die verweste Leiche der Schriftstellerin Sally Palmer entdeckt. Dem Opfer wurden zwei Schwanenfl\u00fcgel angesteckt. Zun\u00e4chst ger\u00e4t Hunter unter Verdacht, die Schriftstellerin ermordet zu haben. Als jedoch die Polizei erf\u00e4hrt, dass Hunter einst ein anerkannter Rechtsmediziner war, spannt sie ihn in ihre Ermittlungen und Nachforschungen ein. <\/p>\n<p>Die anderen Dorfbewohner erfahren nichts \u00fcber seine heimliche Unterst\u00fctzung der Polizeiarbeit und so kommen Ger\u00fcchte auf: Warum holt ihn der ermittelnde Inspektor immer wieder in seiner Praxis ab? Besonders dem konservativen Dorfpfarrer Scarsdale ist Hunter ein Dorn im Auge, und so sch\u00fcrt der Geistliche in seinen Predigten eine Atmosph\u00e4re der Angst und der Schuld. Die Paranoia steigert sich als eine zweite Frau aus dem Dorf verschwindet. Mittlerweile ist es Hunter gelungen den Todeszeitpunkt des ersten Opfers halbwegs einzugrenzen. Danach hielt der T\u00e4ter sein Opfer drei Tage am Leben und folterte es, bevor er es ermordete. H\u00e4lt sich der Serienm\u00f6rder an sein Muster, so bliebe auch dem neuen Opfer nicht mehr viel Zeit zum \u00dcberleben. Die Suche nach der Frau in den nahe gelegenen W\u00e4ldern und Wiesen wird durch aufgestellte Fallen erschwert, die vermutlich der M\u00f6rder gelegt hat. Dann wird eine zweite Leiche gefunden, allerdings von einem jungen Mann. Der Fall wird komplizierter. <\/p>\n<p><strong>Flickwerk und falsche F\u00e4hrten<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/the_chemistry_of_death.jpg\" align=\"right\" hspace=\"5\" alt=\"the_chemistry_of_death.jpg\" \/>Beckett mischt seinen Forensik-Thriller mit der d\u00fcsteren Atmosph\u00e4re eines kleinen, englischen Dorfes und einer tr\u00e4nenreichen Liebesgeschichte. Ein bekanntes Design: L\u00e4ndliche Idylle hinter der sich so manche Geheimnisse, Obsessionen und Rachegel\u00fcste verbergen. Dazu der ambivalente Held Hunter, zerrissen zwischen der Trauer um seine tote Frau und Tochter und einer aufkeimenden Liebe zu einer jungen Lehrerin aus dem Ort. Es kommt nat\u00fcrlich, wie es kommen muss: Der Serienkiller schnappt sich auch noch die junge Lehrerin und Hunter muss endlich handeln &#8211; auch gegen den Willen der Polizei &#8211; um seine neue Geliebte aus den Klauen der Bestie zu befreien. Ein platter Plot, erz\u00e4hlt in einem platten Stil.<\/p>\n<p>Da n\u00fctzen auch die ersten beiden Seiten des Romans nichts, in denen Beckett ein Stilleben der Verwesung entwirft. N\u00fcchtern beschreibt er, was so geschieht, wenn man stirbt:<\/p>\n<blockquote><p><em>&raquo;Kaum ist das Leben aus dem K\u00f6rper gewichen, wird er zu einem gigantischen Festschmaus f\u00fcr andere Organismen. Zuerst f\u00fcr Bakterien, dann f\u00fcr Insekten. Fliegen. Aus den gelegten Eiern schl\u00fcpfen Larven, die sich an der nahrreichen Substanz laben und dann abwandern. Sie verlassen die Leiche in Reih und Glied und folgen einander in einer ordentlichen Linie, die sich immer nach S\u00fcden bewegt. Manchmal nach S\u00fcdosten oder S\u00fcdwesten, aber niemals nach Norden. Niemand wei\u00df, warum.&laquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist billige Effekthascherei, die Beckett gl\u00fccklicherweise nur noch einmal im Buch anwendet. Billig sind auch die penetrant eingebauten Cliffhanger, mit denen der Autor versucht, seine platte Erz\u00e4hlung zusammen zu kleben. S\u00e4tze wie <em>&raquo;Ohne dar\u00fcber nachzudenken, traf ich eine Entscheidung, die nicht nur die kommenden Wochen bestimmen sollte, sondern die mein Leben und das Leben anderer ver\u00e4ndern sollte.&laquo;<\/em> oder <em>&raquo;Damals wusste ich es noch nicht, aber das sollte sich bald auf eine Weise bewahrheiten, die ich am wenigsten erwartet h\u00e4tte.&laquo;<\/em> oder <em>&raquo;In den kommenden Tagen sollte ich an diesen Nachmittag als einen letzten Silberstreif am Horizont zur\u00fcckdenken, bevor der Sturm losbrach.&laquo;<\/em> sind nichts als schlechtes und kitschiges Flickwerk, deren Aufgabe es ist, der abgedroschenen Handlung so etwas wie Spannung zu verleihen. <\/p>\n<p>Ein schlecht konstruierter und geschriebener Roman also, der weder dem Forensik-Thema noch dem Serienkiller-Motiv wirklich etwas Neues abgewinnt. Dazu kommt ein miserables Marketing: Wenn es schon eine solche Premiere gibt, dann darf man als Verlag auch darauf hinweisen &#8211; selbst wenn das Buch grottenschlecht ist. Ungl\u00fccklich ist ebenfalls die Wahl des Buchtitels, denn das Wort \u00e2\u20ac\u017eChemie&#8220; f\u00fchrt offenbar einige potentielle Leser auf eine falsche F\u00e4hrte. Die vermuten n\u00e4mlich ein Sachbuch dahinter. Bleibt die schlichte Gestaltung des Schutzumschlags, die auf den ersten Blick raffiniert erscheint. Schwarzer Rand, schwarze Schrift, wei\u00dfer Hintergrund. Das erinnert an eine Todesanzeige oder an einen Trauerbrief, der einem mitteilt, dass jemand gestorben ist. Eine unangenehme Assoziation, die zwischen den vielen bunten Covern auf den Neuerscheinungstischen zudem untergeht. Was bei diesem Buch kein Verlust ist.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Simon Beckett: Die Chemie des Todes<\/strong> : Thriller \/ Deutsch von Andree Hesse. &#8211; Reinbeck bei Hamburg : Wunderlich, 2006<br \/>\nISBN-13: 978-3-8052-0811-6<br \/>\nISBN-10: 3-8052-0811-1<\/p>\n<p>Originalausgabe: <strong>Simon Beckett: The Chemistry of Death<\/strong>. &#8211; London : Bantam, 2006 (Offiziell lieferbar ab 1. M\u00e4rz 2006)<\/p>\n<p><strong>Buch bestellen bei:<\/strong><\/p>\n<p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3805208111\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2701&#038;type=text&#038;tnb=8&#038;pid=3805208111\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2176&#038;type=text&#038;tnb=3&#038;pid=3805208111\">\u00bb buch24.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Links<\/strong><br \/>\n&rarr; <a href=\"http:\/\/simonbeckett.com\/\">Homepage von Simon Beckett<\/a><br \/>\n&rarr; <a href=\"http:\/\/web.utk.edu\/~anthrop\/index.htm\">Homepage des Forensic Anthropology Center der University of Tennessee, der sogenannten &#8222;Body Farm&#8220;. Beckett hat hier vor Ort f\u00fcr sein Buch recherchiert.<\/a>\n<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Simon Beckett: Die Chemie des Todes Haben Sie es gemerkt? Am letzten Freitag gab es eine weltweite Buchpremiere. Noch vor der offiziellen Ver\u00f6ffentlichung in Gro\u00dfbritannien Anfang M\u00e4rz ist seit dem 17. Februar das neue Buch von Simon Beckett \u00e2\u20ac\u017eDie Chemie des Todes&#8220; in den deutschen Buchhandlungen lieferbar. 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