{"id":425,"date":"2006-02-26T16:47:18","date_gmt":"2006-02-26T15:47:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/425\/magdalen-nabb-eine-japanerin-in-florenz.html"},"modified":"2006-02-26T16:47:18","modified_gmt":"2006-02-26T15:47:18","slug":"magdalen-nabb-eine-japanerin-in-florenz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=425","title":{"rendered":"Nostalgisches Krimihandwerk"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/eine_japanerin_in_florenz.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"eine_japanerin_in_florenz.jpg\" \/><br \/>\n<strong>Magdalen Nabb: Eine Japanerin in Florenz<\/strong><\/p>\n<p>Zwischen all den paranoiden Verschw\u00f6rungsthrillern und den bluttriefenden Serienm\u00f6rderschm\u00f6kern nehmen sich die Kriminalromane von Magdalen Nabb wie kleine Oasen f\u00fcr gestre\u00dfte Leser aus. Wer ein wenig Ruhe, Abstand und vor allem Besinnung braucht, der sollte einen kurzen Leseurlaub in Florenz einlegen. Dort l\u00e4sst die geb\u00fcrtige Engl\u00e4nderin Nabb ihren Salva Guarnaccia, Maresciallo bei den Carabinieri, gem\u00fctlich durch die Viertel bummeln. Doch auch im sommerlichen Florenz ist die Welt nicht mehr in Ordnung. W\u00e4hrend eines Streifzugs durch sein Viertel wird er zu einer Leiche gerufen. Gefunden wurde die Tote in einem Brunnen in den beliebten Boboli-G\u00e4rten. Eine Leiche ohne Gesicht, denn die Frau hat schon l\u00e4ngere Zeit in dem Brunnen gelegen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Fische haben die Frau entstellt, die gesichtslose Tote gibt dem Maresciallo R\u00e4tsel auf. Eine bei der Leiche entdeckte Handtasche mit Papieren f\u00fchrt ihn zun\u00e4chst in die Irre. Die Besitzerin der Tasche lebt und hat, wenn auch anonym, den Leichenfund gemeldet. Dem Maresciallo hilft dies nur wenig, die Identit\u00e4t der Toten bleibt ihm zun\u00e4chst verborgen. Kleidungsst\u00fccke und ein Schuh des Opfers f\u00fchren ihn schlie\u00dflich auf eine erste Spur. Der Schuh stammt von dem knurrigen und kauzigen Schuhmacher Peruzzi. Hier findet der Maresciallo die L\u00f6sung: Bei der Toten handelt es sich um die bildh\u00fcbsche Japanerin Akiko, die bei dem Handwerker eine Lehre absolvierte. <\/p>\n<p>Akiko, zu Lebzeiten eine junge, ehrgeizige Frau, war aus der Enge und den Pflichten ihres japanischen Elternhauses geflohen. In Florenz fand sie durch die Ausbildung bei Peruzzi endlich die Freiheit, die sie sich gew\u00fcnscht hatte. Zudem war sie, wie der Schuhmacher erz\u00e4hlt, sehr talentiert. Wof\u00fcr andere f\u00fcnf Jahre brauchten, lernte Akiko innerhalb eines Jahres. Verst\u00e4ndlich, dass der alte und kranke Peruzzi dran dachte, seine Werkstatt und seinen Laden ihr zu \u00fcberlassen. Doch in letzter Zeit sorgte ein junger Mann f\u00fcr einige Aufregung. Akiko hatte einen unbekannten Freund und sie war, wie die Autopsie zeigt, schwanger. Der Maresciallo macht sich auf die Suche nach diesem Freund und erlebt dabei eine traurige \u00dcberraschung.<\/p>\n<p><strong>Erinnerungen an Maigret <\/strong><\/p>\n<p>In seinem dreizehnten Fall erscheint Maresciallo Guarnaccia einmal mehr mit all seinen menschlichen St\u00e4rken und Schw\u00e4chen. Magdalen Nabb r\u00e4umt ihm, seinen Gedanken und seiner Familie wie gewohnt viel Platz ein. Dabei spielt zum Beispiel sein Verh\u00e4ltnis zu seinen beiden S\u00f6hnen, die in oder kurz vor der Pubert\u00e4t stecken, eine wichtige Rolle. Die Entfremdung innerhalb der Familie ist ebenso pr\u00e4sent wie die Entfremdung, die der Maresciallo in seinem Viertel erleben muss. Als geb\u00fcrtigen Sizillianer und ermittelnden Beamten schlagen ihm auf einmal Misstrauen und Argwohn entgegen, obwohl er seit Jahren dort lebt und sich eigentlich als Einheimischer f\u00fchlte. Ein Trugschluss, wie sich herausstellt. <\/p>\n<p>Das Motiv der Fremdheit durchzieht den Roman noch in einer anderen, fein ausgearbeiteten Facette: Die junge Japanerin, die sich in der ihr fremden Kultur schnell zurecht gefunden hat, aber durch die Liebe zu ihrem Freund an ihre Grenzen stie\u00df. Das sie als gesichtslose Leiche ohne Identit\u00e4t gefunden wird, und ihr erst durch den Maresciallo diese Identit\u00e4t wiedergegeben wird, ist nur einer der grandiosen Schachz\u00fcge, die Magdalen Nabb in ihren Roman einbaut. In einer klaren, schn\u00f6rkellosen Sprache erkundet die Autorin das Verh\u00e4ltnis von Fremde und Heimat sowie von Vertrauen und Misstrauen zwischen den Generationen, ohne dabei einfache Antworten zu liefern. Dies alles vor der Kulisse der alten, florentinischen Mauern, die scheinbar st\u00e4ndig restauriert werden und, wie in einem Fall, mit rosa Kacheln verschandelt werden. Eine alte Stadt, die sich in einem schnellen Tempo wandelt, so dass einige der dort lebenden Menschen mit diesem Tempo nicht Schritt halten k\u00f6nnen oder wollen.<\/p>\n<p>Magdalen Nabb sp\u00fcrt diesen Menschen mit ihrer schlichten, bedachten Prosa nach, entdeckt die Flicken und Br\u00fcche und zeichnet ein liebevolles und gelungenes Portr\u00e4t. Das mag man altmodisch oder nostalgisch nennen. Es ist zugleich tr\u00f6stlich, dass zwischen all den Geheimb\u00fcnden, Psychopathen und Pathologen immer noch Platz ist f\u00fcr traditionelles Krimihandwerk, das an Georges Simenon und seinen Kommissar Maigret erinnert und in dessen Mittelpunkt vor allem die allt\u00e4glichen Dramen stehen, die uns n\u00e4her sind als CIA oder FBI. <\/p>\n<blockquote><p><strong>Magdalen Nabb: Eine Japanerin in Florenz<\/strong> : Guarnaccias dreizehnter Fall; Roman \/ Aus dem Englischen von Ursula K\u00f6sters-Roth. &#8211; Z\u00fcrich : Diogenes, 2006<br \/>\nISBN 3-257-06524-8<\/p>\n<p>Originalausgabe: <strong>Magdalen Nabb: The Innocent<\/strong>. &#8211; New York : Soho Press, 2005<\/p>\n<p><strong>Buch bestellen bei:<\/strong><\/p>\n<p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3257065248\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2701&#038;type=text&#038;tnb=8&#038;pid=3257065248\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2176&#038;type=text&#038;tnb=3&#038;pid=3257065248\">\u00bb buch24.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Link:<\/strong><br \/>\n&rarr; <a href=\"http:\/\/www.magdalennabb.com\/\">Homepage von Magdalen Nabb<\/a>\n<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Magdalen Nabb: Eine Japanerin in Florenz Zwischen all den paranoiden Verschw\u00f6rungsthrillern und den bluttriefenden Serienm\u00f6rderschm\u00f6kern nehmen sich die Kriminalromane von Magdalen Nabb wie kleine Oasen f\u00fcr gestre\u00dfte Leser aus. 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