{"id":452,"date":"2006-03-23T12:38:00","date_gmt":"2006-03-23T11:38:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/452\/gabriel-trujillo-munoz-tijuana-blues.html"},"modified":"2006-03-23T12:38:00","modified_gmt":"2006-03-23T11:38:00","slug":"gabriel-trujillo-munoz-tijuana-blues","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=452","title":{"rendered":"Geschichten eines Grenzg\u00e4ngers"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/tijuana_blues.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"Tijuana Blues\" \/><br \/>\n<strong>Gabriel Trujillo Mu&ntilde;oz: Tijuana Blues<\/strong><\/p>\n<p>Der sogenannte Boom lateinamerikanischer Literatur in den 70er und fr\u00fchen 80er Jahren des letzten Jahrhunderts brachte die Werke zahlreicher Autoren und Autorinnen in deutschen \u00dcbersetzungen \u00fcber den Atlantik. Vom magischen Realismus eines Gabriel Garcia M&aacute;rquez \u00fcber die barocke Sprachkunst eines Jos&eacute; Lezama Lima bis hin zu der experimentellen Literatur eines Julio Cort&aacute;zar reicht dabei die scheinbar unersch\u00f6pfliche Vielfalt. Kriminalliteratur war damals allerdings kaum vertreten, sieht man von Ausnahmen wie dem argentinischen Altmeister Jorge Luis Borges ab, der zudem eher der phantastischen Literatur zugerechnet werden kann. Erst in den letzten Jahren erreichte immer mehr lateinamerikanische Kriminalliteratur in \u00dcbersetzungen den deutschen Sprachraum. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wesentlichen Anteil an dieser Entdeckung hat bis heute der Herausgeber der <em>metro<\/em>-Reihe im Unionsverlag, Thomas W\u00f6rtche. Als \u00e2\u20ac\u017eliterarisches Tr\u00fcffelschwein&#8220;, wie er sich selbst in einem <a href=\"http:\/\/www.kaliber38.de\/woertche\/latino.htm\">Vortrag<\/a> nennt, hat er Autoren wie den Kubaner Leonardo Padura, den Brasilianer Rubem Fonseca oder den Kolumbianer Jorge Franco f\u00fcr deutsche Leser aufgesp\u00fcrt. Mit dem mexikanischen Autor Gabriel Trujillo Mu&ntilde;oz, dessen Romansammelband \u00e2\u20ac\u017eTijuana Blues&#8220; just in der <em>metro<\/em>-Reihe erschienen ist, setzt W\u00f6rtche  einen weiteren, neuen Akzent in dieser Reihe.<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eTijuana Blues&#8220; enth\u00e4lt vier Kurzromane des 1958 in Mexicali geborenen Autors Trujillo Mu&ntilde;oz. Mexicali ist neben Tijuana die Stadt im Norden Mexikos, unmittelbar an der Grenze zu den USA gelegen, in der die Gegens\u00e4tze zwischen Arm und Reich, zwischen angloamerikanischer und hispanoamerikanischer Kultur aufeinander prallen. In diesem Grenzgebiet sind auch die vier Kurzromane von Trujillo Mu&ntilde;oz angesiedelt, fest verwurzelt in dieser Umgebung, die gepr\u00e4gt ist von Menschenschmugglern und verarmten Immigranten, Drogen- und Organhandel, Korruption sowie grenz\u00fcberschreitender Kriminalit\u00e4t. Hauptfigur aller vorliegenden Romane ist Miguel &Aacute;ngel Morgado, seines Zeichens Rechtsanwalt f\u00fcr Menschenrechte. Morgado, wie sein Autor in Mexicali geboren, lebt eigentlich in Mexiko Stadt, wird aber immer wieder in den Norden von Baja California gerufen, um dort zu ermitteln. <\/p>\n<p><strong>Alte und neue Verbrechen<\/strong><\/p>\n<p>So beauftragt ihn in dem Roman \u00e2\u20ac\u017eMezquite Road&#8220; die Witwe des ermordeten Heriberto die Hintergr\u00fcnde der Tat aufzukl\u00e4ren. Ihr Mann, zu Lebzeiten Verwalter der Ranch Los Mezquites, soll bei einem Drogendeal erschossen worden sein. Doch die Witwe ist sich sicher, dass ihr Mann nie etwas mit Drogen zu tun hatte. Heribertos hoffnungslose Spielsucht f\u00fchrt Morgado dann auch auf eine andere Spur und zu einem l\u00e4nger zur\u00fcckliegenden Verbrechen, das seinen Ausgang auf eben jener Ranch Los Mezquites genommen hat. Eine Spur, die ihn schlie\u00dflich in einem blutigen Show-down gipfelt, bei dem er nur knapp mit dem Leben davon kommt. <\/p>\n<p>Ein l\u00e4nger zur\u00fcckliegendes Verbrechen steht auch im Mittelpunkt des Romans \u00e2\u20ac\u017eTijuana City Blues&#8220;. Der Kunsttischler G\u00fcero bittet Morgado, das Verschwinden seines Vaters Timothy Keller aufzukl\u00e4ren. Keller, geb\u00fcrtiger Amerikaner, lebte in den 1950er Jahren in Mexiko und geh\u00f6rte mit zu der Gruppe des Beatnik-Dichters William S. Burroughs, der 1951 auf einer Party in Mexiko Stadt seine Frau Joan im Alkoholrausch erschoss, als er die Wilhelm-Tell-Szene nachstellen wollte. Zwei Wochen nach der Tat wurde Burroughs aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen, da die mexikanische Justiz darin einen Unfall sah. Hier setzt nun die Fiktion ein: Burroughs f\u00e4hrt zu  Keller nach Tijuana und bittet diesen, an der Grenze von einem Freund  f\u00fcr ihn Geld zu holen. Burroughs Freund \u00fcbergibt Keller an der Grenze ein P\u00e4ckchen, doch in Tijuana kommt es zu einer Schie\u00dferei und Keller ist seitdem verschwunden. Morgado st\u00fcrzt sich in die Ermittlung und kann zusammen mit seinem Freund Harry vom FBI den Fall aufkl\u00e4ren. <\/p>\n<p>Der Roman \u00e2\u20ac\u017eLoverboy&#8220; spielt hingegen in der Gegenwart. Morgado macht sich auf die Suche nach einem skrupellosen Ring von Organh\u00e4ndlern, die mexikanische Kinder von der Stra\u00dfe entf\u00fchren, um ihre Organe f\u00fcr harte Dollar an reiche, amerikanische Eltern zu verkaufen. Der letzte Roman \u00e2\u20ac\u017eLaguna Salada&#8220; f\u00fchrt Morgado in die Gluthitze der mexikanischen W\u00fcste. Hier findet der Anwalt, der eigentlich illegale Grenzg\u00e4nger vor dem Verdursten sch\u00fctzen will, einen Sch\u00e4del im hei\u00dfen W\u00fcstensand. Wieder verkn\u00fcpft Trujillo Mu\u00f1oz meisterlich aktuelles Geschehen mit einem l\u00e4nger zur\u00fcckliegenden Verbrechen, dessen Ursprung im Kalten Krieg und in Spionaget\u00e4tigkeiten zu suchen ist. <\/p>\n<p><strong>\u00dcppig und farbenfroh<\/strong><\/p>\n<p>Die St\u00e4rke des Autors liegt zum einen in der kunstvollen Verkn\u00fcpfung von neuen und alten Verbrechen, die sein Morgado aufzukl\u00e4ren hat. Trujillo Mu&ntilde;oz tut dies in einer geschickt zusammengebauten Melange aus amerikanischer Hardboiled-School und mexikanischer Erz\u00e4hltradition. Kurze, straffe Dialoge, n\u00fcchtern erz\u00e4hlte Actionszenen und symbolhafte Beschreibungen der Landschaft &#8211; wie man sie etwa auch bei Juan Rulfo finden kann &#8211; treffen in diesem hei\u00dfen Schmelztiegel aufeinander und bilden eine sehr spannende Symbiose. Nicht zuf\u00e4llig kann Morgado seine F\u00e4lle oft nur dann zum Abschlu\u00df bringen, wenn ihn sein Freund Harry vom FBI, der Gringo, mit geheimen Informationen versorgt. Gegens\u00e4tze prallen hier nicht nur einfach aufeinander, sondern es entsteht etwas Verbindendes, bestimmt von dem gemeinsamen Wunsch nach Gerechtigkeit, egal, auf welcher Seite der Grenze man lebt. <\/p>\n<p>Zum anderen gelingt es Trujillo Mu&ntilde;oz in einer dichten Sprache und mit glaubhaft gezeichneten Figuren ein lebendiges, realit\u00e4tsnahes Portr\u00e4t dieser Grenzlandschaft und seiner Bewohner zu entwerfen. Sein Verdienst ist es, die mexikanische Kriminalliteratur weg vom Moloch der Hauptstadt zu f\u00fchren, hin zu der Grenzregion, die bisher in der mexikanischen Kriminalliteratur kaum zu finden war. Auch hier ist augenf\u00e4llig, dass sein Grenzdetektiv Morgado eigentlich in Mexiko Stadt lebt, seine Ermittlungen aber in Baja California, im Norden Mexikos, durchf\u00fchrt. <\/p>\n<p>Insgesamt sind diese vier Kurzromane exzellente, \u00fcppige und farbenfrohe Geschichten eines interessanten Grenzg\u00e4ngers, lokal verankert aber mit einem klaren Weitblick. Ein Autor, der nicht nur spannend erz\u00e4hlt, sondern der auch etwas zu erz\u00e4hlen hat.Gabriel Trujillo Mu&ntilde;oz ist eine tolle und lesenswerte Entdeckung!<\/p>\n<blockquote><p><strong>Gabriel Trujillo Mu&ntilde;oz: Tijuana Blues<\/strong> \/ Aus dem Spanischen von Sabine Giersberg. &#8211; Z\u00fcrich : Unionsverlag, 2006<br \/>\nISBN-10: 3-293-00359-1<br \/>\nISBN-13: 978-3-293-00359-0<br \/>\nDer Band enth\u00e4lt die vier Kurzromane Mezquite Road, Tijuana City Blues, Loverboy, Laguna Salada<\/p>\n<p>Originalausgabe: Die spanische Originalfassung der vier Kurzromane ist enthalten in: <strong>Gabriel Trujillo Mu&ntilde;oz: El festin de los cuervos<\/strong>. &#8211; Mexiko-Stadt : Norma Ediciones, 2002<\/p>\n<p><strong>Buch bestellen bei:<\/strong><\/p>\n<p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3293003591\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2701&#038;type=text&#038;tnb=8&#038;pid=3293003591\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2176&#038;type=text&#038;tnb=3&#038;pid=3293003591\">\u00bb buch24.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Link:<\/strong><br \/>\n&rarr;  <a href=\"http:\/\/trujillo.blogspot.com\/\">Block de hojas amarillas &#8211; das Blog von Gabriel Trujillo Mu&ntilde;oz<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gabriel Trujillo Mu&ntilde;oz: Tijuana Blues Der sogenannte Boom lateinamerikanischer Literatur in den 70er und fr\u00fchen 80er Jahren des letzten Jahrhunderts brachte die Werke zahlreicher Autoren und Autorinnen in deutschen \u00dcbersetzungen \u00fcber den Atlantik. 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