{"id":456,"date":"2006-03-28T16:20:32","date_gmt":"2006-03-28T15:20:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/456\/p-d-james-wo-licht-und-schatten-ist.html"},"modified":"2006-03-28T16:20:32","modified_gmt":"2006-03-28T15:20:32","slug":"p-d-james-wo-licht-und-schatten-ist","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=456","title":{"rendered":"Dekorateurin von Krimilandschaften"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/wo_licht_und_schatten_ist.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"wo_licht_und_schatten_ist.jpg\" \/><br \/>\n<strong>P.D. James: Wo Licht und Schatten ist<\/strong><\/p>\n<p>Die konservative Leseerwartung vieler Krimileserinnen und Krimileser zeigt sich in den aktuellen Bestsellerlisten. Da finden sich Krimis von Minette Walters oder P.D. James wieder, die eben das bedienen, was eine durchschnittliche Krimileserin oder ein durchschnittlicher Krimileser so erwartet: Einen klassischen Whodunnit, einen R\u00e4tselkrimi, gerne in einer englischen Postkartenidylle angesiedelt. Eine Erwartungshaltung, die an kleine Kinder erinnert, die jeden Abend &#8211; immer und immer wieder &#8211; die gleiche Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen bekommen m\u00f6chten. Bis es irgendwann eine neue Geschichte sein darf, aber bitte so \u00e4hnlich wie die davor und vor allem mit Happy End. Schlie\u00dflich sollen die lieben Kleinen keine Alptr\u00e4ume bekommen. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Phillys Dorothy James, 1920 in Oxford geboren, ist eine Krimiautorin, die diese W\u00fcnsche nach der immer gleichen Geschichte schon seit Jahrzehnten erf\u00fcllt. Mit \u00e2\u20ac\u017eWo Licht und Schatten ist&#8220; legte sie ihren 17. Kriminalroman vor, der sich letztlich kaum unterscheidet von dem Roman davor (\u00e2\u20ac\u017eIm Saal der M\u00f6rder&#8220;) oder dem Roman davor (\u00e2\u20ac\u017eTod an heiliger St\u00e4tte&#8220;). Das Strickmuster ist \u00e4hnlich: Ein Mord in der oberen, vornehmen oder jedenfalls elit\u00e4ren Mittelschicht in England, eine kleine Gruppe Verd\u00e4chtiger und der sympathische Commander Adam Dalgliesh, der nicht nur M\u00f6rder stellt, sondern in seiner Freizeit auch noch Gedichte verfasst. Immerhin hat P.D. James ihrem Dalgliesh seit dem Roman \u00e2\u20ac\u017eTod an heiliger St\u00e4tte&#8220; eine kleine Liebesgeschichte geg\u00f6nnt, die im aktuellen Krimi, wenn auch nur als Randgeschichte, auftaucht.<\/p>\n<p>Man muss P.D. James zubilligen, dass ihre Romane durch eine starke, imagin\u00e4re Kraft beseelt sind. Sie ist eine meisterhafte Dekorateurin von nebelverhangenen Krimilandschaften, deren Beschreibungen von Orten und Menschen durch Leichtigkeit und Eleganz beeindrucken. Mit der Wirklichkeit hat dies allerdings kaum etwas zu schaffen. Es verwundert nicht, dass der Roman \u00e2\u20ac\u017eWo Licht und Schatten ist&#8220; auf einer fiktiven Insel spielt. Combe Island liegt vor der K\u00fcste Cornwalls und niemand wird sie auf einer Karte finden. Von der wechselvollen Geschichte der Insel &#8211; St\u00fctzpunkt gegen Eindringlinge, Feriensitz der wohlhabenden Familie Holcombe &#8211; ist zun\u00e4chst nicht viel zu lesen. Seit 1930 wird die Insel von einer Stiftung verwaltet, die daf\u00fcr sorgt, dass nur gutbetuchte und hochrangige Pers\u00f6nlichkeiten dort Zutritt erhalten, abgesehen vom Personal und der letzten \u00dcberlebenden der Familie Holcombe, der betagten Emily Holcombe, die ein Wohnrecht auf Lebenszeit hat und dort ihren Lebensabend verbringt. <\/p>\n<p><strong>Ein toter Dichter<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/the_lighthouse.jpg\" align=\"right\" hspace=\"5\" alt=\"the_lighthouse.jpg\" \/>Eine abgeschiedene Insel also, auf der exklusive G\u00e4ste Ruhe und Erholung finden. Unter ihnen ist auch der britische Schriftsteller Nathan Oliver, der auf der Insel geboren wurde und dadurch jederzeit Zutritt zur Insel erh\u00e4lt. Gerne wird er dort allerdings nicht gesehen. Der angesehene Dichter ist ein wahrer Qu\u00e4lgeist und hoffnungsloser Egozentriker. Darunter hat nicht nur das Personal von Combe Island zu leiden, auch seine einzige Tochter, Miranda Oliver, und sein Sekret\u00e4r und Lektor, David Tremlett, bekommen den Zorn des Schriftstellers zu sp\u00fcren. Beide begleiten ihn im Herbst auf die Insel und als Nathan entdeckt, das Miranda und David ein Verh\u00e4ltnis haben und heiraten wollen, bricht er mit seiner Tochter und entl\u00e4sst David. Beide sollen die Insel am n\u00e4chsten Tag verlassen, doch soweit kommt es nicht mehr. Am n\u00e4chsten Morgen ist Nathan Oliver tot. Erh\u00e4ngt wird er am Leuchtturm der Insel gefunden. <\/p>\n<p>Adam Dalgliesh und seine beiden Helfer, Kate Miskin und Francis Benton-Smith, werden zur Insel geflogen, um den unnat\u00fcrlichen Todesfall aufzukl\u00e4ren. Es wird schnell klar, dass Nathan Oliver keinen Selbstmord begangen hat, sondern erw\u00fcrgt wurde. Angesichts der abgeschiedenen Lage der Insel und der wenigen Menschen auf der Insel sollte es relativ einfach sein, den Fall zu kl\u00e4ren. Neben dem Personal und den Stammbewohnern &#8211; ein Arzt und seine Frau sowie Emily und ihr Butler &#8211; befinden sich nur noch zwei weitere G\u00e4ste auf der Insel: Mark Yelland, Direktor eines Labors, in dem auch Tierversuche durchgef\u00fchrt werden und der eine offene Feindschaft mit dem Dichter pflegte, und Dr. Speidel, ein ehemaliger deutscher Diplomat, der durch eine Familiengeschichte mit dem ermordeten Oliver verbunden ist. Ein gutes Dutzend Verd\u00e4chtige und einer muss der M\u00f6rder sein. Dennoch ziehen sich die Ermittlungen hin, bis es schlie\u00dflich einen zweiten Toten gibt und eine gef\u00e4hrliche Infektionskrankheit auf der Insel Einzug h\u00e4lt und ausgerechnet Dalgliesh ans Krankenbett gefesselt wird. <\/p>\n<p><strong>Eine Gute-Nacht-Geschichte<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/p_d_james.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"p_d_james.jpg\" \/>Wer den neuen Roman von P.D. James liest, ben\u00f6tigt Geduld. Die Autorin verwendet viel Zeit und viele Worte, um ihre Protagonisten einzuf\u00fchren und ihre kleinen und gro\u00dfen Geheimnisse langsam aufzuf\u00e4chern. Egal ob Polizist oder Verd\u00e4chtiger, jeder wird fein s\u00e4uberlich beschrieben. Das f\u00fchrt zwar zu plastischen Charakteren, bremst aber in diesem Fall auch die Dramaturgie stark aus. Allein der Prolog, in dem der Leser zun\u00e4chst nur die Polizsten kennenlernt, umfasst fast vierzig Seiten. Es schlie\u00dft sich die Vorstellung der Inselbewohner an und auf Seite 112 &#8211; etwa ein Viertel des ganzen Romans &#8211; wird der erste Tote entdeckt. Hier stimmt einfach die Gewichtung nicht. Die Handlung selbst steigert sich langsam und trotz der lebendigen Beschreibungen wirkt der Roman reichlich z\u00e4h. Die auftretende Infektionskrankheit, die zur Quarant\u00e4ne f\u00fcr die Inselbewohner f\u00fchrt, ist arg konstruiert, so, als wolle die Autorin auf den letzten Seiten noch einmal die Spannungsschraube anziehen, \u00fcberdreht sie dabei aber leider.<\/p>\n<p>Bleibt die Geschichte selbst: Die ist austauschbar und st\u00fctzt sich weitgehend auf die klassischen Elemente, die man schon aus vielen anderen Kriminalromanen kennt: Ein Mord in einer geschlossenen, kleinen Gesellschaft, drei, sehr unterschiedliche Ermittler und ein Haufen Verd\u00e4chtiger, von denen jeder ein Geheimnis hat, aber nur eines dann zum M\u00f6rder f\u00fchrt. Was bleibt, ist eine schleppende Story in einer liebevoll gestalteten Kulisse, eine weitere Variation einer kriminellen Gute-Nacht-Geschichte f\u00fcr Erwachsene, bei der mehr die Verpackung als der Inhalt z\u00e4hlt. Die meisten Krimileserinnen und -leser wird es freuen und Alptr\u00e4ume sind nicht zu bef\u00fcrchten. <\/p>\n<blockquote><p><strong>P[hillys] D[orothy] James: Wo Licht und Schatten ist<\/strong> \/ Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. &#8211; M\u00fcnchen : Droemer, 2006<br \/>\nISBN-10: 3-426-19717-0<br \/>\nISBN-13: 978-3-426-19717-2<\/p>\n<p>Originalausgabe: <strong>P[hillys] D[orothy] James: The Lighthouse<\/strong>. &#8211; London : Faber &#038; Faber, 2005<\/p>\n<p><strong>Buch bestellen bei:<\/strong><\/p>\n<p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3426197170\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2701&#038;type=text&#038;tnb=8&#038;pid=3426197170\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2176&#038;type=text&#038;tnb=3&#038;pid=3426197170\">\u00bb buch24.de<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>P.D. James: Wo Licht und Schatten ist Die konservative Leseerwartung vieler Krimileserinnen und Krimileser zeigt sich in den aktuellen Bestsellerlisten. Da finden sich Krimis von Minette Walters oder P.D. James wieder, die eben das bedienen, was eine durchschnittliche Krimileserin oder ein durchschnittlicher Krimileser so erwartet: Einen klassischen Whodunnit, einen R\u00e4tselkrimi, gerne in einer englischen Postkartenidylle [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/456"}],"collection":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=456"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/456\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=456"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=456"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=456"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}