{"id":468,"date":"2006-04-24T15:54:20","date_gmt":"2006-04-24T13:54:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/468\/hamburger-lesetage-zwischenbilanz.html"},"modified":"2006-04-24T15:54:20","modified_gmt":"2006-04-24T13:54:20","slug":"hamburger-lesetage-zwischenbilanz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=468","title":{"rendered":"Hamburger Lesetage &#8211; Zwischenbilanz"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/hh_lesetage1.jpg\" alt=\"Lesung mit Arne Dahl und Camilla L\u00e4ckberg\" \/><br \/>\nHamburg ist keine gro\u00dfe B\u00fccherstadt. Das muss ich einfach mal feststellen. Im Vergleich zu anderen deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten wirkt das literarische Angebot &#8211; etwa was Lesungen, aber auch die Vielfalt der Buchhandlungen betrifft &#8211; eher provinziell. K\u00f6ln zum Beispiel hat die Lit.Cologne und viele, viele interessante Buchhandlungen. Von Frankfurt, M\u00fcnchen oder Berlin einmal ganz zu schweigen. Literatur findet in Hamburg eher im Verborgenen, im kleinen Rahmen statt. Das hat auch seinen Reiz, eine breite Masse von Lesern und Leserinnen wird aber selten angesprochen. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eine der wenigen Ausnahmen sind die Hamburger Lesetage, die j\u00e4hrlich im April stattfinden. Innerhalb von acht Tagen gab und gibt es in diesem Jahr 130 Veranstaltungen. Ein Marathon f\u00fcr einen Leser, der sich jeden Abend neu entscheiden muss, zu welcher der Lesungen er den gehen m\u00f6chte. Keine Frage: Das Programm ist vielf\u00e4ltig und interessant, zudem ist der Eintrittspreis f\u00fcr eine Lesung mit f\u00fcnf Euro erschwinglich. Geworben wird allerdings auch mit Lesungen an &#8222;ungew\u00f6hnlichen&#8220; Orten, und da offenbaren sich manchmal eben Schw\u00e4chen. So bei der Lesung mit Arne Dahl und Camilla L\u00e4ckberg am vergangenen Freitag. Ort des Geschehens: Der Fleethof, eine mit Glas \u00fcberdachte Einkaufs- und B\u00fcropassage in der Mitte der Hansestadt. Solche schicken Konsumtempel gibt es reichlich zwischen Alster und Elbe. Edle Boutiquen, Reiseb\u00fcros und Luxus-Fressbuden &#8211; der shoppingbegeisterte Hamburger liebt sie offensichtlich. <\/p>\n<p>Als Ort f\u00fcr eine Lesung allerdings h\u00f6chst ungeeignet. In dieser sterilen und unpers\u00f6nlichen Atmosph\u00e4re sa\u00dfen mehr als hundert Zuh\u00f6rer und wollten Camila L\u00e4ckberg und Arne Dahl lauschen. Doch es gab nur Rauschen. Ein k\u00fcnstlicher Wasserfall pl\u00e4tscherte den ganzen Abend \u00fcber munter vor sich hin. Verschlimmert wurde dies durch die grauenvolle Akustik, die solche Glaspal\u00e4ste nun einmal haben. Trotz Lautsprecher und Mikrofon kamen die gesprochenen Worte nur d\u00fcrftig in den hinteren Reihen an. Der geplagte Tontechniker, der w\u00e4hrend des ganzen Abend umher lief, gab sein Bestes. Es wurde schlie\u00dflich lauter, aber der Vortrag der beiden Autoren hatte, rein akustisch, den Charme einer Zugansage im Bahnhof. <\/p>\n<p>&#8222;Naja, f\u00fcr f\u00fcnf Euro Eintritt kann man sich ja wohl nicht beklagen.&#8220; meinte eine Dame zu mir. Grummelnd nickte ich ihr zu, zufrieden war ich trotzdem nicht. Es rauschte munter weiter und meine Konzentration wurde arg beansprucht. &#8222;Das soll eine Kulturveranstaltung sein? Ist ja l\u00e4cherlich.&#8220; erz\u00fcrnte sich eine andere, \u00e4ltere Dame w\u00e4hrend der Pause. &#8222;Also wenn die schon auf Schwedisch lesen, k\u00f6nnte man mindestens ein Videoband mit der simultanen deutschen \u00dcbersetzung einblenden!&#8220; Das lies mich dann doch staunend zur\u00fcck. Was hatte die gute Frau erwartet? Nat\u00fcrlich lesen schwedische Autoren in ihrer Muttersprache, zumal es offenbar reichlich Zuh\u00f6rer gab, die dieser Sprache m\u00e4chtig sind. Selbstverst\u00e4ndlich wurde die jeweilige Textpassage auch noch einmal gekonnt und mit viel K\u00f6rpereinsatz von dem Schauspieler Sebastian Dunkelberg vorgetragen. Nein, inhaltlich war der Abend gelungen, sowohl was die beiden Autoren betrifft, wie auch die Moderation durch die \u00dcbersetzerin Dagmar Mi\u00dffeldt. Nur dieses Wasserrauschen, das habe ich immer noch im Ohr. <\/p>\n<p>Foto oben (von links): Sebastian Dunkelberg, Arne Dahl, Dagmar Mi\u00dffeldt und Camila L\u00e4ckberg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hamburg ist keine gro\u00dfe B\u00fccherstadt. Das muss ich einfach mal feststellen. Im Vergleich zu anderen deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten wirkt das literarische Angebot &#8211; etwa was Lesungen, aber auch die Vielfalt der Buchhandlungen betrifft &#8211; eher provinziell. K\u00f6ln zum Beispiel hat die Lit.Cologne und viele, viele interessante Buchhandlungen. Von Frankfurt, M\u00fcnchen oder Berlin einmal ganz zu schweigen. 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