{"id":475,"date":"2006-05-03T19:44:22","date_gmt":"2006-05-03T17:44:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/475\/interview-lena-blaudez.html"},"modified":"2006-05-03T19:44:22","modified_gmt":"2006-05-03T17:44:22","slug":"interview-lena-blaudez","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=475","title":{"rendered":"\u00e2\u20ac\u017eIch beschreibe Realit\u00e4t&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/lena_blaudez1.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"Lena Blaudez - copyright protected\" \/><br \/>\n<strong>Eine Begegnung mit Lena Blaudez<\/strong><\/p>\n<p>Sie ist eine schlanke, gro\u00dfe Frau mit einem wachen Blick. In elegantes Schwarz gekleidet kommt Lena Blaudez freundlich l\u00e4chelnd auf mich zu. F\u00fcr das Interview k\u00f6nnen wir uns in das leere und ruhige Hotelrestaurant zur\u00fcckziehen. Angesichts der hoch politischen Bez\u00fcge ihrer zwei Kriminalromane \u00e2\u20ac\u017eSpiegelreflex&#8220; und \u00e2\u20ac\u017eFarbfilter&#8220;, f\u00e4llt der Einstieg ins Gespr\u00e4ch nicht schwer. Schlie\u00dflich ist der deutsche Bundespr\u00e4sident erst k\u00fcrzlich durch einige L\u00e4nder Afrikas gereist und hat festgestellt: \u00e2\u20ac\u017eWir im Norden brauchen Afrika.&#8220; Doch ist dies nicht eine reichlich sp\u00e4te Einsicht, m\u00f6chte ich von der Autorin wissen, die lange Zeit in verschiedenen afrikanischen L\u00e4ndern gelebt und gearbeitet hat.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eIch denke, die Einsicht kommt extrem sp\u00e4t und nat\u00fcrlich brauchen wir Afrika. Nat\u00fcrlich h\u00e4ngen wir schon ganz lange mit dem afrikanischen Kontinent zusammen. Heute erscheint mir das eher wie eine Art Notbremsung, nachdem erkannt wird, dass die gigantischen Probleme dieses Kontinents uns auf negative Art und Weise jetzt auch betreffen. Also ist Handlungsbedarf, also wird Afrika \u00e2\u20ac\u017eentdeckt&#8220;. Aber in Wirklichkeit, denke ich, ist es die Politik, die total hinterher ist. Die Wirtschaft hat Afrika schon lange entdeckt. Die Rohstoffe sind immens, der Reichtum dieses Kontinents ist gigantisch und seit Jahrzehnten, seit man von diesen Rohstoffen wei\u00df, wird sich darum bekriegt und werden die Kriege, die in diesen Staaten stattfinden, auch eben von Gro\u00dfm\u00e4chten und Industrienationen letztendlich mit verursacht. Durch Finanzierung, durch Kampf um Einflusssph\u00e4ren und eben Kampf um die Bodensch\u00e4tze. Das hei\u00dft, Afrika ist in puncto Wirtschaft nie nicht entdeckt gewesen. Das ist jetzt nur die Politik und die \u00f6ffentliche Meinung, die eigentlich hinterher hinken und etwas darstellen wollen, was so \u00fcberhaupt gar nicht ist. Wenn wir zum Beispiel sehen, was in S\u00fcdspanien und in Nordmarroko passiert, weil uns pl\u00f6tzlich die Probleme \u00fcberrennen, wird auf einmal davon geredet. Da ist es schon immer gewesen und immer ganz nah.&#8220; <\/p>\n<p>Lena Blaudez selbst hat schon als Kind den afrikanischen Kontinent f\u00fcr sich entdeckt. \u00e2\u20ac\u017eEin bisschen war es wie eine fr\u00fchkindliche Pr\u00e4gung.&#8220; sagt sie. \u00e2\u20ac\u017eIch hatte ein wundersch\u00f6nes Kinderbuch, das hie\u00df \u00e2\u20ac\u017eIm Schatten des Baobab&#8220; (Anm.: Autor ist Alex Wedding). Dieses Buch enth\u00e4lt ganz herrliche, philosophische Parabeln um den Spinnenmann Kwaku Anansi. Die haben mich als Kind total fasziniert, ich liebte dieses Buch. Ich hatte schon immer, ganz, ganz fr\u00fch, diesen Wunsch nach Afrika. Ich nehme mal an, dass es damit zusammenh\u00e4ngt. Ich konnte das nicht realisieren, weil ich in der DDR gro\u00df geworden bin und dann 1985 ausreisen konnte. Dank einer Scheinheirat mit einem Franzosen, der so nett war. Schon ein knappes Jahr sp\u00e4ter bin ich dann das erstemal in Afrika gewesen. Danach immer wieder und immer l\u00e4nger. Das hat mich schlagartig fasziniert, dass ich davon nicht mehr los gekommen bin.&#8220;<\/p>\n<p>Ada Simon hei\u00dft die Hauptfigur in den Romanen von Lena Blaudez. Ada ist in verschiedenen westafrikanischen L\u00e4ndern als Fotografin unterwegs und ger\u00e4t immer wieder in gef\u00e4hrliche Situationen. Zuviel Zufall, lautet eine oft geh\u00f6rte Kritik an ihren Romanen. Doch wie stark spielt der Zufall wirklich eine Rolle und ist es f\u00fcr Europ\u00e4er wirklich so gef\u00e4hrlich? \u00e2\u20ac\u017eNein, nat\u00fcrlich ist es  nicht so gef\u00e4hrlich, sondern man kann dort wunderbar leben.&#8220; lautet ihre energische Antwort. \u00e2\u20ac\u017eIch habe viele Jahre in Afrika gelebt und hatte, au\u00dfer in Lagos, wo ich mal in eine ziemlich zugedr\u00f6hnte Millit\u00e4rpatroullie geraten bin, keine lebensbedrohlichen Erlebnisse, die von au\u00dfen kamen, au\u00dfer Krankheiten. Bei Ada Simon habe ich das ein bisschen \u00fcberspitzt dargestellt. Der Zufall hat immer eine gro\u00dfe Rolle gespielt. Ich denke, weil sie sich immer in eine bestimmte Richtung bewegt, insofern ist es gar nicht so sehr Zufall, sondern entwickelt sich ein wenig schicksalshaft, weil sie auf die Dinge und Probleme zugeht. So sucht sie im zweiten Band zum Beispiel einen Umweltsch\u00fctzer, der sehr gro\u00dfe Problem hat, weil er solche Aktionen macht und damit sehr bedeutenden und wichtigen Menschen auf die F\u00fc\u00dfe tritt. Sie wei\u00df schon, worauf sie sich einl\u00e4sst. Das es immer etwas \u00fcberspitzt und drastisch zu geht, ist einfach das Genre Krimi. Das macht auch Spa\u00df und geh\u00f6rt f\u00fcr mich auch dazu. Doch die Linie, der rote Faden sind nicht Zuf\u00e4lle, die sich h\u00e4ufen. Die Dinge passieren aufgrund von Adas Art und Weise, wie sie an das Land, die Probleme und die Leute herangeht, wie sie Kontakte mit Leuten kn\u00fcpft, also doch nicht so ganz zuf\u00e4llig.&#8220;<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/spiegelreflex.jpg\" align=\"right\" hspace=\"5\" alt=\"Spiegelreflex\" \/><br \/>\n<strong>\u00e2\u20ac\u017eSchon gar nicht mit dem erhobenen Zeigefinger&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Dennoch wurde manchmal moniert, in ihren Romanen sei zu wenig Logik. Wo doch gerade der Krimi im klassischen Sinn ein Genre ist, das viel mit Logik zu tun hat. Also m\u00f6chte ich von Lena Blaudez wissen, ob dies nicht vielleicht eine sehr westliche Sichtweise auf Kriminalliteratur sei?<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eDas sollte jedem selbst \u00fcberlassen bleiben.&#8220; meint Lena Blaudez. \u00e2\u20ac\u017eKrimi ist nicht ein Metier, wo man sagt, da geht es los, dass ist A, B, und C, einer ist b\u00f6se, bringt einen um und dann wird es aufgekl\u00e4rt, sondern es gibt Tausende von M\u00f6glichkeiten, Geschichten zu erz\u00e4hlen. Ich wollte Geschichten erz\u00e4hlen, die in Afrika spielen, in verschiedenen afrikanischen L\u00e4ndern und wo aufgrund der Dynamik der einzelnen Menschen, die Ada dort kennenlernt, sich immer wieder etwas entwickelt. Ich finde, das kann man so betrachten, dass es sich so entwickeln kann. Man kann \u00fcberspitzen, trotzdem den roten Faden verfolgen und alle Sachen, die geschehen, kl\u00e4ren sich irgendwann, irgendwie auf. Es ist nicht so, dass einfach etwas passiert und Schluss. Insofern denke ich, man kann es m\u00f6gen oder nicht m\u00f6gen, das ist Sache des Betrachters.&#8220;<\/p>\n<p>Betrachter ist ein gutes Stichwort, denn ihre Heldin Ada Simon ist Fotografin. Ein starkes Bild: Jemand, der den Blick durch die Kamera wirft und dadurch eine gewisse Distanz zu dem hat, was sie durch den Sucher sieht. Also habe sie Ada ganz bewusst diesen Beruf gegeben. Schlie\u00dflich h\u00e4tte Ada ja auch, wie Lena Blaudez selbst, Entwicklungshelferin sein k\u00f6nnen, frage ich nach.<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eGanz genau.&#8220; stellt Lena Blaudez fest. \u00e2\u20ac\u017eSie ist Fotografin und sie ist auch zun\u00e4chst distanziert und das ist eine Art Symbol f\u00fcr mich. Als Wei\u00dfe ist man dort distanziert, man f\u00e4llt immer auf, man ist immer ein bisschen au\u00dferhalb. Auch die Entwicklung der Person Ada Simon ist so: Gerade durch ihre Kamera ist sie erst distanziert, bewegt sich dann aber im Laufe der B\u00fccher immer mehr auf die Leute zu. Sie gibt ihre Distanzhaltung auf und ver\u00e4ndert ihren Charakter ganz stark. Das finde ich, ist eine wichtige Sache. Dadurch, dass sie die Leute und ihre Probleme dort kennenlernt und Freundschaften schlie\u00dft, ver\u00e4ndert sie sich notgedrungen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Anderseits habe ich auch gedacht, das gerade dieses fotografische Herangehen mir entspricht in der Art des Schreibens. Ich beschreibe etwas. Ich beschreibe ein Bild, ich beschreibe Realit\u00e4t. Der Betrachter guckt sich das an und empfindet etwas dabei. Das ist seine subjektive Sicht auf dieses Bild. Ich will nicht irgend etwas erkl\u00e4ren oder sagen das ist gut, das ist schlecht, sondern ich m\u00f6chte es zeigen, wie Bilder, die aneinander gereiht, eine Geschichte ergeben. Insofern passt das Metier Fotografie sehr gut.&#8220; <\/p>\n<p>Bereits in einem Interview mit Thomas W\u00f6rtche hatte Lena Blaudez auf diese Schreibhaltung hingewiesen. Die Moral soll im Auge des Betrachters liegen. Also m\u00f6chte sie in ihren B\u00fcchern nicht kommentieren, hake ich nach. \u00e2\u20ac\u017eM\u00f6glichst nicht. Ich denke, hin und wieder ist es mir dann doch durch gerutscht &#8211; ich musste viel streichen nach dem ersten Buch &#8211; aber, das m\u00f6chte ich \u00fcberhaupt nicht. Nat\u00fcrlich ist es immer subjektiv, was man schreibt, trotzdem m\u00f6chte ich so weit wie m\u00f6glich einfach darstellen, wenig erkl\u00e4ren und nichts erl\u00e4utern und schon gar nicht mit dem erhobenen Zeigefinger sagen, so hat es auszusehen.&#8220;<\/p>\n<p>Bleibt die Frage, wie sie schreibt. Es ist immer wieder beeindruckend, wie gekonnt Lena Blaudez scharfe Kontraste setzt. Da ist zum Beispiel das langsame Leben in der dr\u00fcckenden Hitze im Gegensatz zu der fast ruhelos wirkenden Ada. Ob sie diese Kontraste bewusst setzt oder passiert dies einfach beim Schreiben, m\u00f6chte ich wissen. \u00e2\u20ac\u017eVieles ereignet sich einfach so beim Schreiben.&#8220; antwortet sie. \u00e2\u20ac\u017eIch habe es nicht von vorne bis hinten durch gestylt, das passiert beim Schreiben. Gegens\u00e4tze finde ich immer sehr spannend, ob es nun das Klima und die Aktion von einzelnen Personen ist oder auch verschiedene Charaktere. Gegens\u00e4tze sind immer sehr spannend, daraus entsteht ja immer irgend etwas. Deswegen reizt mich das auch sehr, diese Gegens\u00e4tze darzustellen. Au\u00dferdem ist es einfach so, wenn man dort ist, das die Hitze und das Leben so drastisch anders ist, als das, was man in Europa gew\u00f6hnt ist. Es dr\u00e4ngt sich f\u00f6rmlich auf, diese Gegens\u00e4tze darzustellen. Es macht ja auch was mit dir, wenn du dich dort bewegst.&#8220;<\/p>\n<p><strong>\u00e2\u20ac\u017eDas sind mafi\u00f6se Strukturen.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Dabei spannt sie in ihrem zweiten Roman einen weiten Bogen von Mecklenburg-Vorpommern bis nach Kamerun. Also sind ihre Romane auch ein Beitrag zum \u00e2\u20ac\u017eglobal Crime&#8220;, zum weltweit vernetzten Verbrechen? <\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eJa, ganz genau.&#8220; erkl\u00e4rt Lena Blaudez. \u00e2\u20ac\u017eIn meinen Krimis geht es sich nicht so sehr darum, dass ein b\u00f6ser Mensch ein Verbrechen begeht und das wird dann aufgekl\u00e4rt. Sondern es ist vielmehr ein Konglomerat von ganz verschiedenen Sachen, die dazu f\u00fchren, das viele Verbrechen geschehen. Es ist ein Netzwerk, gerade wenn man Afrika betrachtet und besonders die rohstoffreichen L\u00e4nder. Es ist eine globale Geschichte. Es geht nicht um Einzelne, es geht um ein Netzwerk von einheimischen Politikern, von Milit\u00e4rs, von multinationalen Konzernen, die eine Rolle spielen, von internationalen Gesch\u00e4ftsm\u00e4nnern und Firmen, die zusammen letztlich daf\u00fcr sorgen, dass es globalisiertes Verbrechen gibt. Das ist nicht leicht zu durchschauen und aufzukl\u00e4ren, weil es die Wirtschaft ist. Die Wirtschaft ist politisch sanktioniert, da kann man nicht sagen, einzelne Verbrechen &#8211; einzelne Aufl\u00f6sung. Es gibt einen UNO-Bericht, gerade \u00fcber die Situation im Kongo und dem Erzschmuggel mit Coltan, der ja auch im Krimi vorkommt, der spricht von Elitenetzwerken, die am Wirken sind. Das sind mafi\u00f6se Strukturen, die alles durchziehen. Das ist heute so: globalisierte Welt und globalisiertes Verbrechen. Das wollte ich auch darstellen.&#8220;<\/p>\n<p>Somit ist dieses globale Verbrechen auch ein Thema f\u00fcr den Kriminalroman, was ihn auch wieder ver\u00e4ndern kann, wenn man auf die Anf\u00e4nge der Kriminalliteratur schaut, werfe ich ein.<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eIch denke auf jeden Fall, weil es eben so ist. Dass Drahtzieher in Mecklenburg sitzen, ist zwar fiktiv, aber dass der Handel von Coltan aus dem Ostkongo \u00fcber Kigali nach Deutschland, USA und andere L\u00e4nder illegal l\u00e4uft, ist real. Da stecken ganz viele drin: Milit\u00e4rs, die Rebellengruppen, die Steuern abziehen, wenn sie das Coltan verkaufen, da stecken einheimische Politiker ganz dick mit drin, weil sie Unmengen verdienen, das ist eine unvorstellbare Menge Geld und Profit, das durch Coltan verdient wird, das sind gigantische Zahlen. Da geht es um Finanzierung des Milit\u00e4rs, das von Ruanda gesteuert den Ostkongo besetzt, um an diese ganzen Erze, an Gold und Diamanten heran zu kommen. Es geht auch um die rechtlichen Bedingungen: Wie kann es sein, dass dieses illegal herausgeholte Coltan \u00fcber Milit\u00e4r, politische Unterst\u00fctzung, Gesch\u00e4ftsleute, bei uns in Deutschland ankommt und verarbeitet wird? Es gibt diverse Firmen. Wir kaufen sch\u00f6ne, billige Handys und kein Mensch wei\u00df, wie das alles zustande kommt. Genauso ist es beim Tropenholz: Es gibt, glaube ich, weltweit kein einziges Land, das klare gesetzliche Richtlinien hat, die verhindern, das Tropenholz illegal au\u00dfer Landes geschafft wird. Insofern ist alles nah beieinander: Deutschland, Kamerun, Kongo, Ruanda h\u00e4ngen eng zusammen. Ohne die Einwirkung von au\u00dfen w\u00fcrde es nie zu solch verherrenden Kriegen in Zentralafrika kommen, wie sie jetzt zur Zeit auch noch stattfinden. Das vergisst man oft. Nat\u00fcrlich werden von Gro\u00dfm\u00e4chten immense Geldmittel und milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung in einzelne L\u00e4nder gesteckt. Der Rohstoffhandel nat\u00fcrlich auch, der heizt den Krieg extrem an, nur dadurch ist er m\u00f6glich.&#8220; <\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/farbfilter.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"Farbfilter\" \/><br \/>\n<strong>\u00e2\u20ac\u017eDer Staat existiert nicht mehr&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Es sind sehr realistische Kriminalromane, die Lena Blaudez schreibt. Dies gilt auch f\u00fcr den Vodou, der in ihren Romanen auftaucht. <\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eAls ich das erste Mal nach Benin, der Wiege des Vodou, kam, dachte ich: Ist ja verr\u00fcckt, dieser Aberglaube.&#8220; erz\u00e4hlt sie. \u00e2\u20ac\u017eAber im Laufe der Zeit habe ich immer mehr Respekt davor bekommen. Weil es mich so umgehauen hat, das Leute aus allen Schichten an Vodou glauben, egal ob es Leute sind, die in Paris oder wo auch immer studiert haben, oder eben Bauern, die nie aus ihrem Dorf herausgekommen sind. Es geht durch alle Schichten. Es spielt jeden Tag eine ganz immense Rolle. Peu \u00e0 peu habe ich mich dem ein wenig angen\u00e4hert und habe mitbekommen, dass Vodou eine gewollte Struktur oder Methode ist, die das Soziale aufrecht erh\u00e4lt. Vodou ist ein Riesenbegriff. In jedem Dorf, in jeder Region, selbst in ganz kleinen Ecken, gibt es verschiedene Gottheiten, verschiedene Regeln, welche die soziale Struktur aufrecht erhalten. Priester sind oft starke, enorme Pers\u00f6nlichkeiten, die sehr viel Wissen haben und die das auch steuern. Das h\u00e4ngt ganz tief mit der Gesellschaft zusammen. Es ist beeindruckend, das zu sehen. Andererseits denke ich, gibt es neben dem Vodou  diverse Glaubensrichtungen, der Hexenglauben, der Geisterglauben, und auch viele christlich-fundamentalistische Freikirchen, die mich ein wenig erschreckt haben, und die ein Riesengeschrei machen, den Weltuntergang prognostizieren und die auch einen enormen Zulauf haben. Die ganzen diversen Richtungen sind sehr stark ausgepr\u00e4gt. Ich denke, das h\u00e4ngt auch damit zusammen, dass soviele Menschen in so einer hoffnungslosen Situation sind. Das kennt man auch in Europa, das Sekten einen enormen Zulauf haben, wenn Menschen verunsichert sind, keine Arbeit haben, Kriege drohen oder sehr arm sind und Existenz\u00e4ngste haben. Dann haben solche Richtungen enormen Zulauf. Ich denke, das h\u00e4ngt auch damit zusammen. In Afrika ist es nicht verwunderlich. In Westafrika, wo ich war &#8211; Togo, Benin, Nigeria, Kamerun &#8211; ist der Vodou sehr pr\u00e4sent. Aufgrund der Situation ist das verst\u00e4ndlich.&#8220; <\/p>\n<p>Trotz vieler realistischer Bez\u00fcge bleiben die Romane von Lena Blaudez wunderbar spannende und erfundene Geschichten. Geschichten, die ein sehr vielschichtiges Bild von Afrika zeigen, die aber reale Kriminalit\u00e4t nicht ausblenden. \u00e2\u20ac\u017eDas Verbrechen, um dass es mir geht, ist eben die Rohstoffkriminalit\u00e4t und was damit zusammenh\u00e4ngt.&#8220; stellt sie noch einmal klar. \u00e2\u20ac\u017eWenn man zum Beispiel Interviews mit Manganos, den Coltan-Sch\u00fcrfern im Kahuzi-Biega-Nationalpark, liest, dann ist das unvorstellbar. Der Staat existiert nicht mehr, er kann nicht mehr eingreifen. Es gibt nur noch Kriminalit\u00e4t, Drogen, Prostitution, Alkohol, Mord &#8211; es ist au\u00dfer Rand und Band. Es gibt keine M\u00e4rkte, es gibt keine Landwirtschaft, Sch\u00fcler und Lehrer graben nach dem Zeug, weil sie eben so viel verdienen, wie sie nie verdient haben. Das Gleiche gilt f\u00fcr Gold- oder Diamantenmienen. Wir nutzen dieses Zeug, es kommt irgendwie, auf dubiosen Wegen, nach Europa und wir leben auch davon. Diese Struktur ist das Verbrechen, dass ich auch darstellen m\u00f6chte und was ganz real ist, bis in die Einzelheiten, wie die Wege verlaufen.&#8220; <\/p>\n<blockquote><p>Die B\u00fccher von Lena Blaudez:<\/p>\n<p><strong>Lena Blaudez: Spiegelreflex <\/strong>: Ada Simon in Cotonou. &#8211; Z\u00fcrich : Unionsverlag, 2005<br \/>\nISBN: 3-293-00344-3<\/p>\n<p>Buch bestellen bei:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3293003443\/ludgerslesezeich\/\" target=\"_blank\">\u00bb amazon.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2701&#038;type=text&#038;tnb=8&#038;pid=3293003443\" target=\"_blank\">\u00bb libri.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2176&#038;type=text&#038;tnb=3&#038;pid=3293003443\" target=\"_blank\">\u00bb buch24.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Lena Blaudez: Farbfilter<\/strong> : Ada Simon in Douala. &#8211; Z\u00fcrich : Unionsverlag, 2006<br \/>\nISBN-10: 3-293-00357-5<br \/>\nISBN-13: 978-3-293-00357-6<\/p>\n<p>Buch bestellen bei:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3293003575\/ludgerslesezeich\/\" target=\"_blank\">\u00bb amazon.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2701&#038;type=text&#038;tnb=8&#038;pid=3293003575\" target=\"_blank\">\u00bb libri.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2176&#038;type=text&#038;tnb=3&#038;pid=3293003575\" target=\"_blank\">\u00bb buch24.de<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Begegnung mit Lena Blaudez Sie ist eine schlanke, gro\u00dfe Frau mit einem wachen Blick. 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