{"id":50,"date":"2005-02-16T11:42:55","date_gmt":"2005-02-16T10:42:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/?p=50"},"modified":"2005-02-16T11:42:55","modified_gmt":"2005-02-16T10:42:55","slug":"so-ist-das","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=50","title":{"rendered":"Schmerz der Erkenntnis"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend <a href=\"http:\/\/terminus-der-roman.blogspot.com\/2005\/02\/bar-gesprche_15.html\" target=\"_blank\">anderswo<\/a> \u00fcber kriminelle Trends spekuliert wird, sagt Marcus, wie es ist: <a href=\"http:\/\/marcusstarck.blogspot.com\/2005\/02\/trends.html\" target=\"_blank\">&#8222;Ich schreibe, weil ich schreiben muss. &#8222;<\/a> Das ehrt ihn. Ich glaube ihm das auch. Es gibt sicher viele Autoren und Autorinnen die ihre Arbeit so oder \u00e4hnlich sehen. Es gibt aber leider auch die andere Seite: Verlage, die Krimis gegen Geld unter das lesende Volk bringen m\u00fcssen. Marketing nennt man das wohl. Sind also nur die Verlage daran schuld, dass eine Krimiwelle nach der anderen kommt? Nach den Skandinaviern nun die Russen oder die Asiaten? Historischer Krimi statt Regionalkrimi? Sind es die Autoren, die ihre Feder nach dem Winde ausrichten? Oder sind es die Leser, die einen Trend setzten, weil sie massenhaft Dan-Brown-Schwarten und deren Plagiate und Kopien nach Hause aufs Sofa schleppen und die guten Autoren links liegen lassen? Die Wahrheit wird wohl irgendwo in der Mitte liegen. <\/p>\n<p>Das zum Beispiel Hardboiled-Krimis oder Noir nur wenige Anh\u00e4nger unter den deutschen Lesern finden, liegt an der Vorstellung, die wohl die meisten Krimileser immer noch von ihrer Spannungsliteratur haben. Eben, es soll spannend sein. Ein berechtigter Wunsch, nachvollziehbar &#8211; gleichzeitig aber auch einengend und starr. Kriminalliteratur ist Eskapismus, Flucht, ein M\u00e4rchen f\u00fcr Erwachsene, weil das Gute am Ende siegt. Literarisch kann man dies gut oder schlecht umsetzen, keine Frage. <\/p>\n<p> Der Blick ins Ausland, zum Beispiel nach England ,zeigt, dass es dort nat\u00fcrlich auch viel Mainstream gibt. Aber er zeigt auch, dass die R\u00e4nder der kriminellen Unterhaltungswelt besser sortiert und bedient werden. Es ist nicht die Frage, ob es Hardboiled-Autoren im deutschsprachigen Raum gibt, es ist die Frage, ob sie &#8211; wie eine Elizabeth George oder ein Dan Brown &#8211; auch wahrgenommen werden. <\/p>\n<p>Die weitere Frage: Wieviel Realismus vertr\u00e4gt der Krimi? Sind sch\u00f6ne L\u00fcgen besser als harte Polit-Gesellschafts-Sozio-Kritische Krimis? Kriminalliteratur als Abbild der Verrohung unserer Sitten? <a href=\"http:\/\/www.anne-chaplet.de\" target=\"_blank\">Anne Chaplet<\/a> hat es k\u00fcrzlich in der <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/data\/2005\/01\/19\/390086.html\" target=\"_blank\">&#8222;Welt&#8220;<\/a> so formuliert: <\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Aber mu\u00df denn ein Kriminalroman \u00fcberhaupt realistisch sein? Wie oft wohl haben Menschen den perfekten Mord geplant und erfolgreich ausgef\u00fchrt &#8211; und wie oft im Vergleich haben Schriftsteller ihn erfunden? Die Attraktivit\u00e4t des Krimis in Worten, Bildern und Ton liegt nicht in seiner Wirklichkeitstreue, sofern damit die Statistik gemeint ist. Eine Mordrate, wie sie Mankell einem kleinen schwedischen \u00d6rtchen namens Ystad angedichtet hat, gibt es gottlob nirgendwo auf der Welt. Ein Kriminalroman f\u00fchrt uns, wenn es gut geht, Wirklichkeit auf ganz andere Weise vor Augen: er ist eine um ein Gewaltverbrechen kreisende Versuchsanordnung, in der Menschen unter Druck zeigen m\u00fcssen, was und wer sie sind. Der Krimi kreist um das Beste und die Bestie im Menschen. &#8222;<\/em><br \/> Anne Chaplet<\/p><\/blockquote>\n<p>Es geht also,  folgt man Anne Chaplet weiter, um das <strong>&#8222;Warum?&#8220;<\/strong>. Warum bringen Menschen einander um? Die Variationen dar\u00fcber sind vielf\u00e4ltig und auch hier sind Autoren und Autorinnen nicht vor Klischees und Postkartenidyllen gefeit. Vordergr\u00fcndig ein Gesellschaftsroman, wie Chaplet ihn einfordert, liefern doch viele Kriminalromane &#8211; siehe Elizabeth George &#8211; nichts anderes als sch\u00f6ne L\u00fcgen. Das lieben Leser und Leserinnen, Reflexionen zur Gegenwart gibt es am Rande, sind Begleitinstrumente f\u00fcr ein Orchester, das auf Dissonanzen weitgehend verzichtet, damit die sch\u00f6ne Melodie nicht kaputt geht. Beim Lesen bleibt die Idee der Fiktion, die R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten bietet. Es ist das &#8222;Es-k\u00f6nnte-passieren-aber-zum-Gl\u00fcck-gehts-mir-gut&#8220;, der angenehme Schauer, der auch harte Themen lesbar macht und aufweicht &#8211; ohne Konsequenzen, ohne Kater, ohne Blues. Aufkl\u00e4rung und der Schmerz der Erkenntnis &#8211; als solches kann man Kriminalliteratur auch sehen &#8211; bleibt au\u00dfen vor. Ich denke, ein Kennzeichen guter Kriminalliteratur ist nicht, dass sie vom Kopf her das Elend der Welt, die Dramen des Alltags sichtbar macht &#8211; sie muss sie f\u00fchlbar machen, unter die Haut bringen, die gro\u00dfen, kleinen menschlichen Trag\u00f6dien sp\u00fcrbar werden lassen. Auf eine ehrliche Weise und nicht verlogen. Wenn ein Autor oder eine Autorin deshalb den Drang versp\u00fcrt, er oder sie &#8222;m\u00fcsse&#8220; schreiben, kann das ein guter Ansatz sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend anderswo \u00fcber kriminelle Trends spekuliert wird, sagt Marcus, wie es ist: &#8222;Ich schreibe, weil ich schreiben muss. &#8222; Das ehrt ihn. Ich glaube ihm das auch. Es gibt sicher viele Autoren und Autorinnen die ihre Arbeit so oder \u00e4hnlich sehen. 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