{"id":503,"date":"2006-06-21T12:02:48","date_gmt":"2006-06-21T10:02:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/503\/gastbloggerin-barbel-uber-die-arthur-ellis-awards.html"},"modified":"2006-06-21T12:02:48","modified_gmt":"2006-06-21T10:02:48","slug":"gastbloggerin-barbel-uber-die-arthur-ellis-awards","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=503","title":{"rendered":"Gastbloggerin B\u00e4rbel \u00fcber die Arthur Ellis Awards"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/dancing_man_1.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\"alt=\"Dancing Man 1\" \/><br \/>\nEin anderer Blickwinkel tut gut. Deshalb freut es mich sehr, dass B\u00e4rbel Reinke uns einen interessanten Einblick auf die Arthur Ellis Awards gibt. In einem Gastbeitrag macht sie sich Gedanken \u00fcber die diesj\u00e4hrige Preisvergabe bei dem wohl wichtigsten Krimipreis in Kanada. Regelm\u00e4\u00dfigen Besuchern des Krimiblogs d\u00fcrfte B\u00e4rbel bekannt sein. Sie arbeitet unter anderem f\u00fcr die sch\u00f6ne kanadische Krimizeitschrift &#8222;Alibis&#8220;. Hier also ihre Einsch\u00e4tzung des diesj\u00e4hrigen Preistr\u00e4gers in der Kategorie &#8222;Best Crime Writing in French&#8220;<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n<strong>Arthur Ellis Award &#8211; das Beste auf Franz\u00f6sisch?<\/strong><br \/>\n<em>Von B\u00e4rbel Reinke<\/em><br \/>\n<img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/dancing_man_2.jpg\" align=\"right\" hspace=\"5\" alt=\"Dancing Man 2\"\/><br \/>\nSo, die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Arthur Ellis Awards sind gew\u00e4hlt. Die <a href=\"http:\/\/crimewriterscanada.com\/\">Crime Writer of Canada<\/a> haben mich wieder einmal mit dem Preistr\u00e4ger des &#8222;<em>Best crime writing in french<\/em>&#8220; umgeworfen. Ich war ja letztes Jahr schon v\u00f6llig hin und weg, da\u00df ein zwar recht gut geschriebener, aber total unspannender und klischeehafter Krimi gewinnen konnte. Ich habe mehr und mehr den Eindruck, da\u00df die Jurymitglieder nur gebrochen Franz\u00f6sisch lesen, anders kann ich mir das Ergebnis auch dieses Jahres wirklich nicht erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Aber gehen wir der Reihe nach vor. Wer war nominiert?<br \/>\n<strong>Beno\u00eet Bouthillette<\/strong> mit seinem Erstlingswerk <em>&#8222;La Trace de l\u00e2\u20ac\u2122escargot&#8220;<\/em> (Die Schneckenspur). Bouthillette war die \u00dcberraschung des Jahres 2005 im quebecker Krimimilieu. Erstmal sind seine Protagonisten ganz hervorragend: In erster Linie Benjamin Sioui, ein Polizist indianischer Abstammung, gelegentlicher Kokainkonsument, Techno-Fan und Kunstspezialist f\u00fcr die Montr\u00e9aler Polizei. Sein fast aristokratischer Vorgesetzter, der ihn mit konfisziertem Kokain versorgt aus Angst ihn zu verlieren. Die Gerichts\u00e4rztin, die Laetitia Casta \u00e4hnelt und in die Benjamin (vorerst) hoffnungslos verliebt ist. Sein Krimiplot ist nicht der originellste, ein Serienm\u00f6rder, der die Werke von Francis Bacon mit seinen Morden nachstellt und den Kontakt zu Sioui sucht. Da gibt es die eine oder andere Unstimmigkeit, aber dank der Sprache und des urbanen Charakters dieser Schneckenspur, bleibt man bis zum Ende gefesselt und legt das Buch mit Bedauern aus der Hand. Dieser Krimi ist ganz sicher nicht perfekt, hat aber mehr Qualit\u00e4ten als Fehler.<br \/>\n<img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/dancing_man_3.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"Dancing Man 3\"\/><br \/>\nDer zweite auf der Liste ist von einem alten Hasen Quebecker Krimigesch\u00e4ft, <strong>Jacques C\u00f4t\u00e9<\/strong>, geschrieben worden, der schon 2003 mit dem Vorg\u00e4ngerband von <em>&#8222;La Rive noire&#8220;<\/em> (Das schwarze Ufer) <em>&#8222;Le Rouge id\u00e9al&#8220; <\/em>(Das ideale Rot) den Arthur Ellis Award gewonnen hat. Und damit war <strong>Jacques C\u00f4t\u00e9<\/strong> auch schon aus dem Rennen, es w\u00e4re wirklich merkw\u00fcrdig gewesen ihm gleich zweimal den Preis zuzugestehen. Auch wenn er ihn verdient h\u00e4tte. <em>&#8222;La Rive noire&#8220;<\/em> war technisch gesehen der beste der drei nominierten Krimis. Der Roman beginnt am 21. Mai  1980, einen Tag nach dem Referendum, mit dem die Separatisten Qu\u00e9becs vergeblich versucht haben die Unabh\u00e4ngigkeit Qu\u00e9becs zu erlangen. Der Krimiplot beginnt mit einem Nebenschauplatz, einem Baby, das von seinem Vater zu Tode gesch\u00fcttelt wurde. Danach folgt man dem Polizistenteam um Daniel Duval und deren unterschiedlichen Reaktionen auf das Ergebnis des Refendums. Die sind genauso breit gef\u00e4chert wie \u00fcberall in der quebecker Gesellschaft. Der eigentliche Kriminalfall beginnt mit der Exhumierung Florence Marquis, die die Frau von Charles Marquis, einem reichen Unternehmer, der sich als Kandidat zum B\u00fcrgermeister aufstellen l\u00e4\u00dft, war. Florence ist angeblich an Krebs gestorben, aber es besteht der Verdacht einer Vergiftung und die gerichtsmedizinische Untersuchung ergibt folgerichtig eine Arsenikvergiftung. Duval ermittelt und mu\u00df sich dabei mit einigen Vorurteilen, v.a. gegen\u00fcber Homosexuellen, der noch sehr katholischen 80er Jahre in der relativ kleinen Provinzhauptstadt Qu\u00e9bec auseinandersetzen. <em>&#8222;La Rive noire&#8220;<\/em> ist diese Art Krimi, die mit sehr wenig sehr viel Lesevergn\u00fcgen schafft, gleichzeitig habe ich eine Epoche in der j\u00fcngeren Quebecker Geschichte kennengelernt, die ich selbst nicht erlebt habe.<\/p>\n<p>Na und der letzte auf der Nominierungsliste schien mir nur aus Verlegenheit dorthin geraten zu sein. <em>&#8222;Motel Riviera&#8220;<\/em> von <strong>G\u00e9rald Galarneau<\/strong> habe ich genauso schnell vergessen wie ich ihn gelesen hatte. Ein ausgesprochen unsympatischer Mann beschlie\u00dft auf dem Heimweg in einer Topless-Bar anzuhalten, im gegen\u00fcber liegenden Motel sieht er das Auto seiner Frau, darin eine Frau \u00e2\u20ac\u00a6und ein Mann. Er folgt dem Wagen, dr\u00e4ngt ihn von der Stra\u00dfe ab in einen Flu\u00df. In Wirklichkeit t\u00f6tet er so seine Nichte und deren Freund, das wei\u00df er aber noch nicht. Einmal zuhause kommt die Polizei, um ihm den Unfalltod seiner Frau mitzuteilen \u00e2\u20ac\u201c bis dahin ist das f\u00fcr ihn keine \u00dcberraschung -, aber sie ist in einem anderen Wagen, an dem Tag gekauft, gestorben. Danach folgen sehr wirre innere Dialoge, Polizisten, die ihre Zeit damit verbringen zu raten und auf ihre Intuitionen zu h\u00f6ren statt zu vernehmen oder zu fahnden. Positiv an diesem Roman ist die relative K\u00fcrze!<br \/>\n<img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/dancing_man_4.jpg\" align=\"right\" hspace=\"5\" alt=\"Dancing Man 4\"\/><br \/>\nLanger Beschreibungen, kurzer (Un)sinn : <em>&#8222;Motel Riviera&#8220;<\/em> hat den Arthur Ellis Award f\u00fcr das beste franz\u00f6sischsprachige Werk erhalten. Das freut mich f\u00fcr den Autor, aber f\u00fcr die Glaubw\u00fcrdigkeit des Preises ist das keine gute Nachricht. Der Preis schl\u00e4gt sich in den Verkaufszahlen in Quebecker Buchhandlungen nicht nieder, insofern werden <em>&#8222;La Rive noire&#8220;<\/em> und <em>&#8222;La Trace de l\u00e2\u20ac\u2122escargot&#8220;<\/em> ihren erfolgreichen Weg weitergehen, beide sind schon nachgedruckt worden. Der Preistr\u00e4ger mu\u00df sich mit dem &#8222;tanzenden Mann&#8220; begn\u00fcgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein anderer Blickwinkel tut gut. Deshalb freut es mich sehr, dass B\u00e4rbel Reinke uns einen interessanten Einblick auf die Arthur Ellis Awards gibt. In einem Gastbeitrag macht sie sich Gedanken \u00fcber die diesj\u00e4hrige Preisvergabe bei dem wohl wichtigsten Krimipreis in Kanada. Regelm\u00e4\u00dfigen Besuchern des Krimiblogs d\u00fcrfte B\u00e4rbel bekannt sein. 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