{"id":518,"date":"2006-08-13T18:09:37","date_gmt":"2006-08-13T16:09:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/518\/malcolm-pryce-aberystwyth-mon-amour.html"},"modified":"2006-08-13T18:09:37","modified_gmt":"2006-08-13T16:09:37","slug":"malcolm-pryce-aberystwyth-mon-amour","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=518","title":{"rendered":"Schmunzeln statt Schenkelklopfen"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/aberystwyth_mon_amour.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"Aberystwyth Mon Amour\" \/><br \/>\n<strong>Malcolm Pryce: Aberystwyth Mon Amour<\/strong><\/p>\n<p>D\u00fcster und deprimierend &#8211; Adjektive, die oft der Noir-Literatur angeh\u00e4ngt werden. Es sind Etiketten, die den jeweiligen Romanen vor allem im Verkauf zu schaffen machen. Da mag die Kritik noch so jubeln, die Leser wollen die schwarzen B\u00fccher mit ihrer desillusionierenden und oftmals radikalen Sicht auf die Welt nicht kaufen, jedenfalls nicht in Massen. Inwieweit Verlage, Autoren und Kritiker eine Mitschuld dran tragen, vermag ich nicht zu beurteilen. Auff\u00e4llig ist aber, dass Noir-Literatur h\u00e4ufig so unters lesende Volk gebracht werden soll: schwarze oder dunkle Cover, ein paar finstere Andeutungen im Klappentext &#8211; das pr\u00e4gt sich ein und schreckt gleichzeitig ab. Dabei k\u00f6nnen Noir-Romane durchaus humorvoll, witzig oder bissig-ironisch sein. Doch dieser Aspekt f\u00e4llt leider oft unter den Tisch. Jonathan Gash und Joe R. Lansdale seien hier beispielhaft als Autoren genannt. Das kleine und junge <a href=\"http:\/\/www.epilog.de\/shayol\/\">Verlagskollektiv Shayol<\/a> aus Berlin hat sich jetzt diesem Aspekt angenommen und eine Reihe mit dem Titel <a href=\"http:\/\/www.epilog.de\/shayol\/3900\/index.html\">&#8222;Funny Crimes&#8220;<\/a> gestartet.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Gleich mit den ersten beiden Romanen haben Herausgeber Richard Betzenbichler und seine Kollegen (Achtung! Wortspielh\u00f6lle) voll ins Schwarze getroffen. Ein fr\u00fcher Roman von Joe R. Lansdale mit dem Titel \u00e2\u20ac\u017eWilder Winter&#8220;, der auf Anhieb in der <a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/516\/krimiwelt-bestenliste-fur-august-2006.html\">aktuellen KrimiWelt-Bestenliste<\/a> vertreten ist, und der Deb\u00fctroman eines Autors, der hierzulande als Geheimtipp gilt: Malcolm Pryce. Mit seinem Erstling \u00e2\u20ac\u017eAberystwyth Mon Amour&#8220; schrieb Pryce, in Shrewsbury geboren und im walisischen Aberystwyth aufgewachsen, eine schr\u00e4ge, leichte und sehr am\u00fcsante Mischung aus Persiflage und Hommage an den Noir-Roman. \u00e2\u20ac\u017eAberystwyth Mon Amour&#8220; bildet den Auftakt zu einer Serie um den Privatdetektiv Louie Knight, der in seinem ersten Fall eine Mordserie an Schulkindern aufkl\u00e4ren soll. <\/p>\n<p><strong>Kuschelkrimi trifft Hard-Boiled-School<\/strong><br \/>\n<img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/aberystwyth_mon_amour_engl.jpg\" align=\"right\" hspace=\"5\" alt=\"Aberystwyth Mon Amour Englische Ausgabe\" \/><br \/>\nLouie Knight ist eigentlich alles das, was wir von den klassischen Privatermittlern kennen: einsam und st\u00e4ndig abgebrannt. Aber Louie ist auch anders: Statt sich flaschenweise den Whisky hinter die Binde zu kippen, schleckt er lieber Eis. Er ist gepflegt und es widert ihn an, als er sich im Rahmen seiner Ermittlungen in einen stinkenden Penner verwandeln muss. Sein B\u00fcro befindet sich nicht in einer englischen oder us-amerikanischen Gro\u00dfstadt, sondern eben in <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aberystwyth\">Aberystwyth<\/a>, einem Ort, der von den kriminellen Druiden beherrscht wird und in dem es ein abgewracktes Nachtlokal gibt, in dem die S\u00e4ngerin Myfanwy Montez Abend f\u00fcr Abend die M\u00e4nner bet\u00f6rt. Auch Louie kann ihr nicht widerstehen, erst recht nicht, als sie ihn beauftragt, nach ihrem verschwundenen Cousin Evans the Boot zu suchen. Seine Nachforschungen f\u00fchren Louie unter anderem zu einem streng geheimen Schulaufsatz, gestrickten Teew\u00e4rmern und vor allem auf die Spur des b\u00f6sen Walisisch-Lehrers Lovespoon, der ein gar schreckliches Komplott geschmiedet hat. Insbesondere das englische Schulsystem ger\u00e4t ins Visier des Privatschn\u00fcfflers, der sein eigenes Trauma aus Schulzeiten mit diesem Fall aufarbeitet. Selbstverst\u00e4ndlich gibt es am Ende einen actionreichen Showdown, bei dem ganz Aberystwyth auf dem Spiel steht. <\/p>\n<p>Pryce erz\u00e4hlerischer Trick ist dabei auf den ersten Blick recht einfach: Er verr\u00fcckt ein wenig die Perspektive. Figuren sind nicht das, was sie eigentlich scheinen, g\u00e4ngige Klischees aus PI-Novels werden durch andere ersetzt. Der englische Kuschelkrimi trifft hier auf die amerikanische Hard-Boiled-School und aus dieser Kreuzung entsteht ein witziger, stellenweise v\u00f6llig sinnloser Roman-Bastard, der vor allem eines will: gut unterhalten. Das ist Pryce gelungen: Seine lockere, lakonische Erz\u00e4hlweise, seine absurden eingestreuten Nebengeschichten und sein spitzer Humor verf\u00fchren den Leser zum Schmunzeln, gl\u00fccklicherweise nicht zum Schenkelklopfen. Verfechter des \u00e2\u20ac\u017eechten&#8220; Noir d\u00fcrften vielleicht aufheulen, denn die d\u00fcstere Weltsicht r\u00fcckt hier in den Hintergrund, ohne dabei ganz verloren zu gehen. Pryce spielt unverfroren und gekonnt mit g\u00e4ngigen Versatzst\u00fccken, macht sich dar\u00fcber lustig und nimmt sich nicht so ernst. Dabei ist keine gro\u00dfe Noir-Literatur herausgekommen &#8211; ohne die es wiederum diesen Roman sicher nicht g\u00e4be &#8211; aber eine recht am\u00fcsante und interessante Variation \u00fcber Klassiker und Klischees des Privatdetektivromans.  <\/p>\n<p>Nicht so gelungen ist allerdings die Covergestaltung der deutschen Ausgabe: Wer die englischen Originalausgaben anschaut, die im typischen Pulp-Stil gehalten sind, d\u00fcrfte sich fragen, warum die deutsche \u00dcbersetzung in ein so langweiliges und \u00f6des Buchkleid versteckt wurde. Hier h\u00e4tte der deutsche Verlag ruhig die englischen Originale verwenden k\u00f6nnen &#8211; passender und augenf\u00e4lliger sind sie auf jeden Fall. <\/p>\n<blockquote><p><strong>Pryce, Malcolm: Aberystwyth Mon Amour<\/strong> \/ Deutsch von Richard Betzenbichler und Katrin Mrugalla. &#8211; Berlin : Shayol, 2006<br \/>\n(Funny Crimes; 3901)<br \/>\nISBN 3-926126-59-0<\/p>\n<p>Originalausgabe: <strong>Pryce, Malcolm: Aberystwyth Mon Amour<\/strong>. &#8211; London : Bloomsbury, 2001<\/p>\n<p><strong>Buch bestellen bei:<\/strong><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3926126590\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2701&amp;type=text&amp;tnb=8&amp;pid=3926126590\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2176&amp;type=text&amp;tnb=3&amp;pid=3926126590\">\u00bb buch24.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Links<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.louieknight.com\/\" target=\"_blank\">&rarr; louieknight.com &#8211; Homepage von Malcolm Pryce<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.welshlitabroad.org\/features.cfm?lan=g&#038;switch=dsp&#038;feature_id=24&#038;featuretype=3\" target=\"_blank\">&rarr; Der walisische Roman Noir &#8211; Artikel von Tony Bianchi<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Malcolm Pryce: Aberystwyth Mon Amour D\u00fcster und deprimierend &#8211; Adjektive, die oft der Noir-Literatur angeh\u00e4ngt werden. Es sind Etiketten, die den jeweiligen Romanen vor allem im Verkauf zu schaffen machen. Da mag die Kritik noch so jubeln, die Leser wollen die schwarzen B\u00fccher mit ihrer desillusionierenden und oftmals radikalen Sicht auf die Welt nicht kaufen, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/518"}],"collection":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=518"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/518\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=518"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=518"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=518"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}