{"id":62,"date":"2005-02-22T16:21:31","date_gmt":"2005-02-22T15:21:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/?p=62"},"modified":"2005-02-22T16:21:31","modified_gmt":"2005-02-22T15:21:31","slug":"nebelmaschine","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=62","title":{"rendered":"Nebelmaschine"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/bilder\/teufelsbrut.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"Teufelsbrut\" \/><strong>Bettina Gundermann: Teufelsbrut<\/strong><\/p>\n<p>Das Etikett \u00e2\u20ac\u017eNoir&#8220; wird mittlerweile (wieder) gerne auf Kriminalromane geklebt. Noir ist chic, Noir ist \u00e2\u20ac\u017ein&#8220; und Noir, so scheint es, ist per se ein Qualit\u00e4tszeichen f\u00fcr gute Kriminalliteratur. Nicht alles, was unter diesem Label dann verkauft wird, hat auch ernsthaft etwas mit Noir zu tun. J\u00fcngstes Beispiel ist Bettina Gundermanns Roman \u00e2\u20ac\u017eTeufelsbrut&#8220;, der in der neuen Reihe <a href=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/index.php?p=55\">\u00e2\u20ac\u017eDie Dunklen Seiten bei nymphenburger&#8220;<\/a> erschienen ist. <\/p>\n<p>Bitte wundern Sie sich nicht: Ich wei\u00df sehr wohl, das \u00e2\u20ac\u017edunkel&#8220; als Adjektiv klein geschrieben werden m\u00fcsste, w\u00e4hrend Nymphenburger als Eigenname gro\u00df zu schreiben w\u00e4re, es steht aber so mehrfach auf und in dem Buch. Das haben sich vermutlich kluge Marketingstrategen beim Verlag ausgedacht, ist vielleicht chic oder modern &#8211; ich find\u00e2\u20ac\u2122s d\u00e4mlich. Aber wer achtet nach der Verwirrung durch neue und alte Rechtschreibung schon auf solche Kleinigkeiten &#8211; Kleingeister wie ich, vermutlich. <\/p>\n<p>Der Autorin kann dies sicher nicht angelastet werden, genauso wie der tolle Klappentext auf ihrem Buch, der \u00e2\u20ac\u017eein in der Tradition der \u00e2\u20ac\u017eserie noire&#8220; stehenden Psychothriller&#8220; verspricht. Was also erwarte ich? Eine realit\u00e4tsnahe, gesellschaftskritische Erz\u00e4hlung, einen dunklen Roman, der die Schrecken der Seele offenbart, aufzeigt oder irgendwie greifbar werden l\u00e4sst. Geschundene Seelen gibt es in der Tat reichlich in dem Buch. Gleich am Anfang gibt\u00e2\u20ac\u2122s eine Vergewaltigungsszene in der \u00e2\u20ac\u017eHeiligen Nacht&#8220;. Neun Monate sp\u00e4ter bringt Ambra, das Opfer, die \u00e2\u20ac\u017eFolgen&#8220; der b\u00f6sen Tat zur Welt: Die Zwillinge Luca und Raphael. Es handelt sich um engelsgleiche Wesen, folgt man der Wahrnehmung von Zardok (\u00e2\u20ac\u017eder Gerechte&#8220;). Zardok, vermeintlicher Onkel der beiden Geschwister, lebt in einem Dorf und zieht die beiden Kinder gro\u00df. <\/p>\n<p><strong>Kitschig-klebrige Psychostory<\/strong><\/p>\n<p>Jahre sp\u00e4ter begegnet die junge Sara dem geheimnisvollen Zardok, als sie entt\u00e4uscht von ihrem Leben in der Stadt in eben jenes Dorf fl\u00fcchtet, in dem kurz zu vor eine junge Frau von den Dorfbewohnern zu Tode gehetzt wurde. Sara verliebt sich in Zardok, der diese Liebe jedoch nur deshalb erwidert, weil Sara ihn an Luca erinnert. Luca und ihr Bruder Raphael sind hingegen verschwunden. <\/p>\n<p>Sara entdeckt bei Zardok die Tageb\u00fccher von Ambra, in dem die Mutter das Geheimnis ihrer \u00e2\u20ac\u017eTeufelsbrut&#8220; niedergeschrieben hat. Sara kommt auch Zardok auf die Schliche und l\u00fcftet nach und nach ein Geheimnis, in dem Inzest, Kindesmissbrauch, Mord und Hetze eine wichtige Rolle spielen. <\/p>\n<p>Mit Noir hat das herzlich wenig zu tun: Bettina Gundermann erz\u00e4hlt ihre krude Geschichte in einer furchtbar manieristischen Sprache, haut dem Leser platte Dialoge um die Ohren und setzt k\u00fcnstliche Mythen, wie etwa drei Kr\u00e4hen, aufdringlich ein. Auch sonst scheint die Autorin ein Faible f\u00fcr Nebelmaschinen (es wabbert kr\u00e4ftig) und billige Effekte zu haben. So f\u00e4llt zum Beispiel das Wort \u00e2\u20ac\u017eKinderficker&#8220; mindestens drei Mal &#8211; was als Provokation gedacht ist, entpuppt sich jedoch nur als widerlicher Possenrei\u00dfer. Jeder B-Movie verspr\u00fcht mehr Esprit als Gundermanns kitschig-klebrige Psychostory. Noir ist hier gar nichts, h\u00f6chstens eine (vom Verlag aufgesetzte?) Attit\u00fcde, weil es gerade angesagt ist. Klare Empfehlung: Lesen Sie lieber ordentliche Noir-Romane. <a href=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/index.php?p=30\">Davon gibt\u00e2\u20ac\u2122s ja reichlich. <\/a><\/p>\n<p><strong>Bettina Gundermann: Teufelsbrut<\/strong>\/ Roman. &#8211; M\u00fcnchen : Nymphenburger, 2005<br \/>\nISBN 3-485-01039-1<br \/>\n(Die Dunklen Seiten bei nymphenburger)<\/p>\n<p>Buch bestellen bei:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3485010391\/ludgerslesezeich\/\" target=\"_blank\">\u00bb amazon.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2701&#038;type=text&#038;tnb=8&#038;pid=3485010391\" target=\"_blank\">\u00bb libri.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&#038;site=2176&#038;type=text&#038;tnb=3&#038;pid=3-485-01039-1\" target=\"_blank\">\u00bb buch24.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bettina Gundermann: Teufelsbrut Das Etikett \u00e2\u20ac\u017eNoir&#8220; wird mittlerweile (wieder) gerne auf Kriminalromane geklebt. 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