{"id":72,"date":"2005-03-01T15:53:04","date_gmt":"2005-03-01T14:53:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/?p=72"},"modified":"2005-03-01T15:53:04","modified_gmt":"2005-03-01T14:53:04","slug":"glauser-folge-4","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=72","title":{"rendered":"Glauser &#8211; Folge 4"},"content":{"rendered":"<p>Die Preise sind noch gar nicht vergeben, da <a href=\"http:\/\/f27.parsimony.net\/cgi-bin\/topic-flat.cgi?Nummer=66304&#038;ThreadNummer=10256\" target=\"_blank\">gibt es (alle Jahre wieder m\u00f6chte man sagen) eine Diskussion<\/a> um den Friedrich-Glauser-Krimipreis. Verschw\u00f6rungstheorien kursieren in Bezug auf die <a href=\"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/index.php?p=67\">Nominierungen in der Kategorie Kurzgeschichte<\/a>, der <a href=\"http:\/\/www.grafit.de\/\" target=\"_blank\">Grafit-Verlag<\/a>  ist eigentlich die deutsche Antwort auf die Cosa Nostra, der in geheimen Hinterzimmern die Jury besticht. Dazu kommt die Klage \u00fcber mangelnde Transparenz (klar, die b\u00f6sen Krimiautoren lassen sich nicht gerne in die Karten gucken).  Alles altbekannte Thesen, denen &#8211; fast wie jedes Jahr &#8211; die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen vom Syndikat reflexartig mit den bekannten Argumenten begegnen. Es werden eben nicht nur Syndikats-Mitglieder mit dem Glauser bedacht, sondern durchaus Krimiautorinnen und -autoren, die bislang nicht dieser Vereinigung angeh\u00f6rten. Auch in Australien hat man sich Gedanken gemacht und Marcus Starck &#8211; der in diesem Jahr in der Jury sitzt und dies immer wieder gerne betont &#8211; packt endlich aus: <a href=\"http:\/\/marcusstarck.blogspot.com\/2005\/03\/glauser-die-schockierende-wahrheit.html\" target=\"_blank\">&#8222;Glauser \u00e2\u20ac\u201d die schockierende Wahrheit!&#8220;<\/a> hei\u00dft sein Beitrag, der klar und deutlich macht &#8211; ja was eigentlich? <strong>Der Glauser ist unspektakul\u00e4r, bedeutungslos und unwichtig.<\/strong> Keine Bestechungen (wie langweilig), keine Erpressungen, keine Drohungen. Sechs Juroren in den Kategorien Roman und Deb\u00fct, sowie sechs andere Juroren in der Kategorie Kurzgeschichte, lesen ganz harmlos vor sich hin, diskutieren danach miteinander um dann die jeweiligen Nominees und schlie\u00dflich den Gewinner bekannt zu geben. <\/p>\n<p>Zur Preisverleihung gibt&#8217;s eine nette Rede auf die Gewinner &#8211; das war es dann f\u00fcr dieses Jahr. Anfang Mai ist das ganze harmlose Spektakel vorbei, zusammen mit der Criminale.<\/p>\n<p> Offenbar entgeht den Verantwortlichen des Syndiakts, welche Aussenwirkungen ihr k\u00fcnstliches Gehabe, ihre Wichtigtuerei auf den normalen Krimileser hat: Es interessiert ihn nicht. Wer hat wirklich noch die Gewinner der letzten Jahre auf der Reihe: Thomas Glavinic, Bernhard Jaumann, Gabriele  Wolff? Haben ihre B\u00fccher die Bestsellerlisten gest\u00fcrmt? Ist der Glauser tats\u00e4chlich das &#8222;Qualit\u00e4tsurteil&#8220;, als dass ihn die Syndikats-Leute gerne sehen w\u00fcrden? Ist es ein gutes Verkaufsargument f\u00fcr den Buchhandel? Oder ist es, wie <a href=\"http:\/\/f27.parsimony.net\/forum66304\/messages\/10281.htm\" target=\"_blank\">Jan Zweyer<\/a> bei Tom schreibt einfach nur eine &#8222;Meinung&#8220;, ein &#8222;Geschmacksurteil&#8220;? Im gleichen Beitrag l\u00e4sst sich Jan Zweyer \u00fcbrigens zu folgendem Statement hinrei\u00dfen: <\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;&#8230; die verschiedenen Glauser-Entscheidungen sind eine Auszeichnung f\u00fcr die nach<br \/>\nu n s e r e r Meinung besten Beitr\u00e4ge zur Kriminalliteratur des Jahres. Keiner muss die Meinung der Jury teilen. Macht eure eigenen, individuellen Hitlisten, wenn ihr wollt.&#8220; <\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><\/p>\n<p>Eine Haltung gegen\u00fcber Lesern, die ich so auch noch nicht gelesen habe. Es geht hier nicht um ein <strong>Miteinander<\/strong>, es geht nicht darum, auf manche berechtigte Kritik der eh&#8216; wenigen, engagierten Leser einzugehen, es geht auch nicht um Selbstkritik beim Syndikat &#8211; es geht eigentlich nur um die eigene Pr\u00e4senz und Arroganz. <strong>Wir, die Autoren, stellvertretend durch eine Jury, haben gesagt, dass sind die besten Krimis dieses Jahres. Wenn Euch das nicht passt, macht doch Eure eigenen Listen, veranstaltet angeblich dubiose Abstimmungen im Internet, aber kritisiert blo\u00df nicht unsere Entscheidung!<\/strong> Das ist der Tiefpunkt jeglicher Kommunikation,  es zeigt eine Arroganz gegen\u00fcber Lesern, die mir unverst\u00e4ndlich ist. Zudem eine Haltung, wie sie von Autorenseite gerne den professionellen Krimikritikern vorgeworfen wird, die aber weit davon entfernt sind. Gute Kritiker versuchen wenigstens, ihren Lesern halbwegs argumentativ klar zu machen, warum dieses oder jenes Buch gut, weniger gut oder schlecht ist. Sie versuchen, klare Kriterien zur Beurteilung eines literarischen Textes anzulegen. Was machen die Krimiautoren laut Jan Zweyer: Sie geben ihren Geschmack wieder. <\/p>\n<p>Seit Jahren begleite ich die Vergabe des Glausers, seit Jahren lese ich die Begr\u00fcndungen, seit Jahren versuche ich, daraus halbwegs nachvollziebare Argumente zu ziehen, um zu verstehen, warum dieses oder jenes Buch w\u00fcrdig ist, den Glauser zu bekommen. Seit Jahren kann ich &#8211; angesichts der Urteile &#8211; oft nur mit der Schulter zucken. <\/p>\n<p>Das Syndikat ist &#8211; nur noch mal als Hinweis &#8211; eine Autorenvereinigung, die einmal im Jahr den Glauser vergibt und die Criminale veranstaltet. Eine ernom wichtige Truppe, von der man als Leser sonst wenig h\u00f6rt. Was tut sie sonst? Wie sieht die Pflege der Autoren aus, wie der Kontakt mit den Lesern? Wachen die Syndikatsleute einmal Anfang Januar auf, um dann \u00fcber den Glauser abzustimmen, bleiben sie dann bis April halbwegs wach, um sich auf der Criminale in den n\u00e4chsten Tiefschlaf zu saufen? Wo ist die Kontinuit\u00e4t, wo die Kommunikation? Eben &#8211; sie gibt es nur f\u00fcr die beteiligten Autoren, die Leser d\u00fcrfen einmal im Jahr die Brotkrummen vom gro\u00dfen, kleinen Glauser-Spektakel ehrerbietig aufheben. <\/p>\n<p>Das alles w\u00e4re nicht so wichtig und \u00e4rgerlich, w\u00fcrde es in diesem Lande eine gute und funktionierende Krimikultur geben. Die Amis und auch die Engl\u00e4nder haben zig Krimipreise, darunter auch Preise, die von Autor\/innen an ihre Kolleg\/innen vergeben werden, und das ist auch gut so.  Dazu Zeitschriften, Foren, riesige Krimibuchhandlungen, diverse Treffen etc.  Hier in Deutschland hat das Syndikat fast eine Monopolstellung in Sachen Krimi. Welche ernsthafte Alternative &#8211; f\u00fcr Leser &#8211; gibt es schon? Es gibt die verstreuten Besprechungen der professionellen Literaturkritiker, es gibt rund zehn ernstzunehmende Internetseiten, und ab und zu gibt es eine Tagung zum Thema. Mehr nicht. Kein Wunder also, dass sich die grauenvolle \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Syndikats da in den Vordergrund spielen kann &#8211; es gibt eben keine wirkliche Alternative. Statt den Diskurs zu suchen, fl\u00fcchten sich die Verantwortlichen beim Syndikat in die g\u00e4ngigen Floskeln: \u00dcber 400 Mitglieder, Tausende von Besuchern bei der Criminale, blah, blah, blah&#8230;. \u00dcber <strong>Qualit\u00e4t, Qualit\u00e4tskriterien, \u00fcber Entwicklungen, \u00fcber Schreibstil, \u00fcber Textarbeit<\/strong> kein einziges Wort. F\u00fcr Autoren mag das Syndikat eine wichtige Einrichtung sein, genau wie der Glauser (schlie\u00dflich gibt es Geld daf\u00fcr) &#8211; den Lesern ist es weitgehend egal. Die behelfen sich mit gegenseitigen Tipps in Foren, diskutieren dar\u00fcber oder veranstalten gemeinsame Leserunden. Das dabei oft der Geschmack im Vordergrund steht, keine Frage. Aber es herrscht ansatzweise so etwas wie eine Diskussionsbereitschaft und der Versuch, Kriterien und Qualit\u00e4t gemeinsam herauszuarbeiten. Sprich: Die Leser sind eigentlich schon viel weiter, als die Damen und Herren beim Syndikat. Die feiern sich lieber selbst und ihre Wichtigkeit mit unwichtigen Krimipreisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Preise sind noch gar nicht vergeben, da gibt es (alle Jahre wieder m\u00f6chte man sagen) eine Diskussion um den Friedrich-Glauser-Krimipreis. Verschw\u00f6rungstheorien kursieren in Bezug auf die Nominierungen in der Kategorie Kurzgeschichte, der Grafit-Verlag ist eigentlich die deutsche Antwort auf die Cosa Nostra, der in geheimen Hinterzimmern die Jury besticht. 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