{"id":745,"date":"2007-04-19T12:41:13","date_gmt":"2007-04-19T10:41:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/745\/die-neider.html"},"modified":"2007-04-19T12:41:13","modified_gmt":"2007-04-19T10:41:13","slug":"die-neider","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=745","title":{"rendered":"Die Neider"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man als Leser oder Rezensent sich kritisch zu einem Krimi \u00e4u\u00dfert, dann kommt oft von Autoren der Vorwurf, der Leser oder der Kritiker sei &#8222;neidisch&#8220;. Noch viel schneller ist der Vorwurf bei der Hand, wenn es gar nicht um eine sachliche Argumentation geht, sondern um pers\u00f6nliche Angriffe. Ein Beispiel findet sich einen Eintrag tiefer, Kommentar Nummer 5. Was aber ist \u00fcberhaupt Neid? Die Wikipedia &#8211; immer mit Vorsicht zu benutzen &#8211; schreibt <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neid\">etwa<\/a>: <\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Unter Neid versteht man das ethisch vorwerfbare, gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfige (emotionale) Ver\u00fcbeln der Besserstellung konkreter Anderer. \u00c4hnlich, aber ungebr\u00e4uchlicher ist der Begriff Missgunst. Fehlt es am ethischen Vorwurf, spricht man auch von Unbehagen gegen\u00fcber \u00dcberlegenheit, die man selber gerne h\u00e4tte und nicht zu erreichen vermag. &#8222;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ein neidischer Leser oder Kritiker ver\u00fcbelt demnach einem Krimiautoren, dessen Werk er kritisiert, dass er besser gestellt w\u00e4re. Worin aber l\u00e4ge diese \u00dcberlegenheit? Neid setzt voraus, dass der Leser (oder Kritiker) etwas Gleiches oder doch \u00c4hnliches  erreichen will, das der Autor bereits erreicht hat &#8211; in der Regel hat er ein Krimi geschrieben und ver\u00f6ffentlicht. Der Neid &#8211; so die h\u00e4ufig geh\u00f6rte Argumentation &#8211; r\u00fchre also daher, dass man als Leser\/Kritiker dies noch nicht geschafft habe. Hier aber f\u00fchrt der Vorwurf &#8211; zumindest was mich betrifft &#8211; ins Absurde. Ich will gar keinen Krimi schreiben, ich habe das bisher nie getan und gedenke auch nicht, es in Zukunft zu tun. Daf\u00fcr habe ich zuviel Ehrfurcht vor dem K\u00f6nnen derer, die wirklich gute Kriminalromane geschrieben haben. Neid kann ich gegen\u00fcber Krimiautoren also gar nicht empfinden, weil ich nicht das erreichen m\u00f6chte, was sie erreicht haben oder glauben, erreicht zu haben. Ich m\u00f6chte nur <strong>\u00fcber <\/strong>Krimis schreiben &#8211; und das mit Leidenschaft und Liebe.<\/p>\n<p>&#8222;Aber was ist mit dem Ruhm?&#8220; mag man da einwenden. Schlie\u00dflich wusste schon Nepos &#8222;Invidia gloriae comes&#8220; &#8211; &#8222;Neid ist des Ruhmes Begleiter&#8220;. Ist man als Leser oder Kritiker also neidisch, weil der Krimiautor im Rampenlicht steht, weil er freundlich l\u00e4chelnden Lesern ihre B\u00fccher signiert, weil Kameras und Mikrofone auf ihn gerichtet sind? Es mag sein, dass es einzelne Leser oder Kritiker gibt, die dies anstreben. Noch \u00f6fter findet man dies wohl bei Autoren, die nicht schreiben, weil sie das Schreiben lieben, sondern die Vorstellung, ein Autor zu sein. Sie dr\u00e4ngen sich in jede Talkshow, quatschen in jedes Mikro, schreiben f\u00fcr jede Zeitung. F\u00fcr mich ist das nicht erstrebenswert, schlie\u00dflich arbeite ich seit \u00fcber 13 Jahren &#8211; mit Unterbrechungen &#8211;  beim Fernsehen, vermutlich einem der gr\u00f6\u00dften Jahrm\u00e4rkte der Eitelkeit und einer Brutst\u00e4tte des Neids. Wohlgemerkt hinter der Kamera. Das sch\u00e4rft den Blick auf die Verg\u00e4nglichkeit, die Flatterhaftigkeit und die Schnelllebigkeit des Ruhms. Das ist nichts, was ich pers\u00f6nlich anstrebe oder als begehrenswert wahrnehme und wof\u00fcr ich &#8211; oft eine Folge von Neid &#8211; Ehrgeiz entwickle. <\/p>\n<p>Was nicht hei\u00dft, dass ich mich nicht \u00fcber Aufmerksamkeit freue oder \u00fcber Blogleser, die hier vorbeischauen. Aber ich mache das vor allem f\u00fcr mich. Solange es mir Spa\u00df macht, solange ich Befriedigung darin finde. Bloggen hei\u00dft bei mir sein, bei den Dingen, die ich mag. Mit Neid auf erfolgreiche Krimiautoren &#8211; und wann ist man das? &#8211; hat das alles nichts zu tun. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man als Leser oder Rezensent sich kritisch zu einem Krimi \u00e4u\u00dfert, dann kommt oft von Autoren der Vorwurf, der Leser oder der Kritiker sei &#8222;neidisch&#8220;. Noch viel schneller ist der Vorwurf bei der Hand, wenn es gar nicht um eine sachliche Argumentation geht, sondern um pers\u00f6nliche Angriffe. 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