{"id":746,"date":"2007-04-21T17:50:20","date_gmt":"2007-04-21T15:50:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/746\/das-schweigen-der-autoren.html"},"modified":"2007-04-21T17:50:20","modified_gmt":"2007-04-21T15:50:20","slug":"das-schweigen-der-autoren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=746","title":{"rendered":"Das Schweigen der Autoren"},"content":{"rendered":"<p>In diesen Stunden feiern sich die Mitglieder des Syndakts, das ist die Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur, wieder einmal  selbst. Neustadt an der Weinstra\u00dfe ist dieses Jahr der Austragungsort der \u00e2\u20ac\u017eCriminale&#8220;, ein als Festival getarntes internes Treffen der Autoren inklusive Vollversammlung, ungef\u00e4hr so spektakul\u00e4r wie die Jahreszusammenkunft der Vereinigung deutscher Wasserinstallateure. Mit dem Unterschied, dass die Wasserinstallateure ihr Treffen aus eigener Tasche bezahlen, w\u00e4hrend sich die deutschsprachigen Krimiautoren ihr Treffen gro\u00dfz\u00fcgig sponsern lassen.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>In diesem Jahr durfte der Verein \u00e2\u20ac\u017eZum Wohl. Die Pfalz e.V.&#8220;, dessen Aufgabe es ist, Marketing f\u00fcr Pf\u00e4lzer Wein zu betreiben, eine Summe locker machen, die knapp unter oder knapp im sechsstelligen Bereich liegt. Genaue Zahlen werden nicht ver\u00f6ffentlicht, <a href=\"http:\/\/www.das-syndikat-pressebuero.de\/Leere_Kassen_ddp.pdf\">&rarr; diese \u00e4ltere Pressemeldung (PDF)<\/a> gibt aber einen Anhaltspunkt. Weil jeder teilnehmende \u00e2\u20ac\u017eSyndiakts&#8220;-Autor dort auch mindestens einmal f\u00fcr die Allgemeinheit aus seinem Werke lesen muss &#8211; worin einige Zeitgenossen entweder eine Bel\u00e4stigung oder platte Buchwerbung sehen &#8211; klebt man ganz schnell das Etikett \u00e2\u20ac\u017eKULTUR&#8220; auf dieses Autorentreffen und schon hat der Pf\u00e4lzer Winzer ein gutes Gef\u00fchl, denn Dank seines Mitgliedbeitrags im Verein \u00e2\u20ac\u017eZum Wohl. Die Pfalz e.V.&#8220; hat er nicht nur was f\u00fcr Bildung und Kultur getan, er hat auch daf\u00fcr gesorgt, dass es sich rund 170 hungerleidende Autoren f\u00fcr ein paar Tage gut gehen lassen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Schade ist nur, dass die f\u00fcr den Winzer eigentlich wichtigste Botschaft &#8211; n\u00e4mlich Werbung f\u00fcr Wein und Region zu machen, denn das ist der haupts\u00e4chliche Sinn eines solchen Sponsorings &#8211; die Landesgrenzen kaum \u00fcberschreitet. Klar, regionale Medien berichten \u00fcber das &#8222;gro\u00dfe Event&#8220;, weil sie als Medienpartner mit im Boot sitzen, doch jenseits der Weinstra\u00dfe, in Hamburg, Berlin oder M\u00fcnchen zum Beispiel, da bekommt der Zeitungsleser, Radioh\u00f6rer oder Fernsehzuschauer kaum etwas davon mit. Die \u00e2\u20ac\u017eCriminale&#8220; findet, medial gesehen, im Provinz-Nirvana statt. Das es in der Pfalz guten Wein und sch\u00f6ne Landschaft gibt, wissen die Pf\u00e4lzer und ihre unmittelbaren Nachbarn selbst am besten. Sie m\u00f6chten ja eigentlich, dass dies auch die Hamburger, Berliner oder M\u00fcnchener erfahren. Das die Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren daf\u00fcr allerdings nicht als Zugpferd taugt, werden die Winzer sp\u00e4testens am Montagmorgen in den \u00fcberregionalen Zeitungen sehen: Gerade mal eine 15-Zeilen-Meldung der dpa &#8211; das ist alles. Und daf\u00fcr der ganze Aufwand und das Geld? Vielleicht w\u00e4re ein Topmodel als Weink\u00f6nigin doch werbewirksamer gewesen?<\/p>\n<p>Doch das Syndikat eignet sich noch aus einem anderen Grund kaum als Sympathietr\u00e4ger f\u00fcr eine erfolgreiche PR-Kampagne. Vor ein paar Tagen erreichte mich unaufgefordert eine E-Mail, abgesendet von einem kostenlosen E-Mail-Account. Diese E-Mail enthielt eine weitergeleitete Nachricht. Darin \u00e4u\u00dferte sich eine nicht ganz unbekannte deutschsprachige Krimiautorin \u00fcber mich in beleidigenden Worten. Eigentlich h\u00e4tte mir das alles herzlich egal sein k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich habe ich mich ge\u00e4rgert und in dieser Wut kurzschlussartig entsprechende Nachricht ver\u00f6ffentlicht. Was dann geschah, kann man <a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/744\/zensiert.html\">&rarr; hier nachlesen<\/a>. Allerdings h\u00e4tte ich nicht damit gerechnet, dass dies eine Art Dammbruch war. Pl\u00f6tzlich kamen hier E-Mails an, in denen mir weitere Nachrichten und Texte weitergeleitet wurden, in denen nicht nur ich aufs \u00dcbelste beleidigt und beschimpft wurde. Alles Texte, die von einer offenbar internen Liste stammen, die allerdings im Kopf immer als \u00e2\u20ac\u017e\u00f6ffentlich&#8220; gekennzeichnet sind. <\/p>\n<p>Erschrocken habe ich mich \u00fcber verschiedene Dinge. Da ist zum einen die Wortwahl, derer sich einige Syndikatsmitglieder bedienen, wenn sie \u00fcber Kritiker (und damit meine ich nicht mich, denn ich bin kein Kritiker), \u00fcber Verleger oder auch Kollegen schreiben. Da ist zum einen die Tatsache, dass es innerhalb des Syndikats offenbar mehrere Maulw\u00fcrfe gibt, die durch ihre \u00e2\u20ac\u017eOffenheit&#8220; einige ihrer Kollegen und Kolleginnen in rechtliche Schwierigkeiten gebracht haben. Das Wort \u00e2\u20ac\u017eIntrigantenstadel&#8220;, das dpr (vom Ab-Watsching-Blog) <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2007\/04\/schleimiges-grinsen.php\">&rarr; in einem anderen Zusammenhang<\/a> an anderer Stelle benutzt, trifft es nicht mal halbwegs. <\/p>\n<p>Das eigentlich Schlimme ist, dass die Damen und Herren Krimiautoren in einem Netzwerk zur F\u00f6rderung der Kriminalliteratur \u00fcber alles M\u00f6gliche sabbeln: Vom richtigen Umgang miteinander auf Buchmessen, wie man prominenten Mitautoren gegen\u00fcber treten soll, gelegentlich zwanghafte Blogger beschimpfen oder dar\u00fcber streiten, wieviel Geld man f\u00fcr eine neue Internetpr\u00e4senz ausgeben soll. Alles harmlos. \u00dcber Kriminalliteratur, \u00fcber gute und schlechte Krimis, \u00fcber Krimis der Kollegen &#8211; egal ob nun Syndikatsmitglied oder nicht &#8211; wird nicht ein einziges Wort verloren. Nichts, nada, niente. Wen wundert es da noch, dass die Au\u00dfenwirkung des Syndikats immer schlechter wird &#8211; wenn es \u00fcberhaupt noch wahrgenommen wird. Letztlich ist n\u00e4mlich alles nur eine gro\u00dfe, aufgeblasene H\u00fclle, in der nichts als stickige, hei\u00dfe Luft steckt. Jeder Kaninchenz\u00fcchterverein kann mehr inhaltliche und fachliche Substanz auf seinem Gebiet aufweisen, als der Haufen von etwa 300 deutschsprachigen Krimiautoren. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesen Stunden feiern sich die Mitglieder des Syndakts, das ist die Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur, wieder einmal selbst. Neustadt an der Weinstra\u00dfe ist dieses Jahr der Austragungsort der \u00e2\u20ac\u017eCriminale&#8220;, ein als Festival getarntes internes Treffen der Autoren inklusive Vollversammlung, ungef\u00e4hr so spektakul\u00e4r wie die Jahreszusammenkunft der Vereinigung deutscher Wasserinstallateure. 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