{"id":747,"date":"2007-04-22T15:24:58","date_gmt":"2007-04-22T13:24:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/747\/harry-hol%e2%80%99-schon-mal-den-wagen.html"},"modified":"2007-04-22T15:24:58","modified_gmt":"2007-04-22T13:24:58","slug":"harry-hol-schon-mal-den-wagen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=747","title":{"rendered":"Harry, hol\u00e2\u20ac\u2122 schon mal den Wagen"},"content":{"rendered":"<p>Es ist Zeit f\u00fcr eines meiner Lieblingszitate: <em>&#8222;Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.&#8220; <\/em> Hanns Joachim Friedrichs sagte das einst und pochte damit auf journalistische Neutralit\u00e4t. Dazu geh\u00f6rt in meinen Augen zum Beispiel auch die Trennung der beruflichen T\u00e4tigkeit als Journalist von privatem Engagement. Zu schnell k\u00f6nnte es da ein &#8211; wie man in Schwaben sagt &#8211; &#8222;Geschm\u00e4ckle&#8220; geben. Doch in der bunten, schrillen und vor allem lauten Medienwelt scheint dies kaum noch jemanden zu interessieren. Zum Beispiel den Nachrichten-CvD (Chef vom Dienst) bei FOCUS Online.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der hei\u00dft <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/intern\/impressum\/autoren?id=270\">&rarr; Harry Luck<\/a> und ist in seiner Freizeit <a href=\"http:\/\/harryluck.de\/\">&rarr; Hobby-Krimi-Autor<\/a>. So ist es sicher kein Zufall, dass Harry Luck die sogenannte <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/kultur\/buecher\/krimikolumne\">&rarr; FOCUS-Online-Mordkommission<\/a> leitet.  Sch\u00f6n, wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann. Sch\u00f6n auch, wenn man f\u00fcr dieses Hobby eine eigene Vereinigung hat, die sich Syndikat nennt und in der sich ein Teil der deutschen Krimiautoren zusammengeschlossen hat. Sch\u00f6n auch, wenn man als verantwortlicher Nachrichten-CvD bei FOCUS Online einigen seiner ehrenwerten Mordskollegen kleine Jobs verschaffen kann. Zum Beispiel das Schreiben von Rezensionen. Seit Januar 2006 ver\u00f6ffentlichen bei FOCUS Online Oliver Bottini, Anne Chaplet, Horst Eckert, Henrike Heiland, Ralf Kramp, Manuela Martini und nat\u00fcrlich Harry Luck selbst Texte, die sie Rezensionen nennen. Gut. Wenn Kollegen \u00fcber Kollegen schreiben, ist dies ja nichts Anr\u00fcchiges. Seltsam ist nur, dass alle FOCUS-Online-Mordkommissions-Mitglieder auch Mitglieder im Syndikat sind. Alles Zufall oder doch nur ehrenwerte Verbindungen?<\/p>\n<p>Nun schreibt der Harry Luck nicht nur f\u00fcr die FOCUS-Online-Mordkommission, er berichtet zum Beispiel auch von der \u00e2\u20ac\u017eCriminale&#8220;, die ja wiederum auch vom Syndikat organisiert wird. So hat der Harry Luck &#8211; sein K\u00fcrzel lautet \u00e2\u20ac\u017ehal&#8220; &#8211; gestern zum Beispiel einen <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/kultur\/buecher\/syndikat_aid_54195.html\">&rarr; Artikel bei FOCUS Online<\/a> ins Netz gestellt, der eine mordsm\u00e4\u00dfig tolle \u00dcberschrift hat<\/p>\n<p><center><strong><font size=\"+2\">&#8222;Krimiautoren greifen Verleger an&#8220;<\/strong><\/center><\/font><\/p>\n<p>Wow! Die BILD h\u00e4tte es nicht sch\u00f6ner formulieren k\u00f6nnen. In seinem Artikel erz\u00e4hlt der Harry Luck uns die traurige Geschichte (und das &#8222;traurig&#8220; ist ohne Ironie gemeint) von der Elisabeth Herrmann, die sich mit ihrem &#8222;neuen&#8220; Verleger herumschlagen muss, der sie &#8222;einzusch\u00fcchtern&#8220; versucht, weil sie nicht mehr bei ihm verlegt werden will. Das ist eine sehr ernste Geschichte, zu deren Hintergr\u00fcnden ich im Folgenden eine kleine Zusammenfassung liefere. Das muss ich auch, denn aus der Geschichte, die uns der Harry Luck da erz\u00e4hlt, versteht man nicht, worum es eigentlich geht. <\/p>\n<p>Im Februar 2007 wurde bekannt, dass der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rotbuch_Verlag\">&rarr; Rotbuch-Verlag<\/a> durch die bisherigen Eigent\u00fcmer Irmela und Axel R\u00fctters an die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eulenspiegel-Verlag\">&rarr; Eulenspiegel-Verlagsgruppe<\/a> verkauft wurde. Dies sorgte f\u00fcr reichlich Emp\u00f6rung bei den bisherigen Rotbuch-Autoren, schlie\u00dflich wurden und werden in der Eulenspiegel-Verlagsgruppe B\u00fccher auch von ehemaligen DDR-Gr\u00f6\u00dfen wie Egon Krenz oder Markus Wolf verlegt. Bisherige Rotbuch-Autoren wie <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herta_M%C3%BCller\">&rarr; Herta M\u00fcller <\/a>oder <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thomas_Brasch\">&rarr; Thomas Brasch<\/a> f\u00fchlen sich durch den Verkauf hintergangen und sehen sich, wie es <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peter_Schneider_%28Schriftsteller%29\">&rarr; Peter Schneider<\/a> im <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/literatur\/0,1518,468465,00.html\">&rarr; SPIEGEL formulierte<\/a>, &#8222;im Bett des Todfeinds.&#8220; <\/p>\n<p>Der offene Protest einiger namhafter Rotbuch-Autoren f\u00fchrte dazu, dass Eulenspiegel-Verleger Matthias Oehme einigen der Autoren zusicherte, ihnen die Rechte an ihren bisherigen Rotbuch-Ver\u00f6ffentlichungen zur\u00fcck zu geben. Schlie\u00dflich, <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2007\/03\/03\/a0174.1\/text\">&rarr; so Oehme in der \u00e2\u20ac\u017etaz&#8220;,<\/a> wolle er \u00e2\u20ac\u017ekeinen Autor zwingen, im Verlag zu bleiben&#8220;. Wie komplex ein solcher Vorgang ist, zeigen die <a href=\"http:\/\/www.boersenblatt.net\/138905\/\">&rarr; Ausf\u00fchren von Verleger Klaus Wagenbach<\/a> im &#8222;B\u00f6rsenblatt&#8220;, der erkl\u00e4rt, warum es 1973 bei der Gr\u00fcndung des Rotbuch-Verlags ein K\u00fcndigungsrecht der Autoren gab. Ob dies heute so noch g\u00fcltig ist, scheint laut Wagenbach unklar zu sein und ein Fall f\u00fcr die Juristen. Da k\u00f6nnte es zum Beispiel darum gehen, ob in den jeweiligen Vertr\u00e4gen eines Rotbuch-Autors eine K\u00fcndigungsklausel steht. Jedenfalls zeigt Wagenbach, dass man an das Problem auch ganz ruhig und ohne Aufregung herangehen kann. <\/p>\n<p>Dies ist kurz zusammen gefasst der Hintergrund einer Diskussion, die in der kleinen, und selten feinen Verlagswelt derzeit f\u00fcr Unruhe sorgt. Betroffen davon ist eben auch die Krimiautorin Elisabeth Herrmann, deren Roman \u00e2\u20ac\u017eDas Kinderm\u00e4dchen&#8220; 2005 bei Rotbuch erschienen ist. Wie viele andere Rotbuch-Autoren auch, m\u00f6chte sie ihre B\u00fccher nicht mehr in diesem Verlag ver\u00f6ffentlichen. Das ist verst\u00e4ndlich. Letztlich aber ist das alles ein zwar juristisch komplexer, dennoch normaler Vorgang. Der ist f\u00fcr die betroffene Autorin nervenaufreibend und nicht sch\u00f6n, leider kommt so etwas dennoch manchmal vor. Irgendwie aber macht es sich gut, wenn eine Autorenvereinigung, von der man sonst selten h\u00f6rt, eine Resolution verabschiedet und laut \u00e2\u20ac\u017eSolidarit\u00e4t!&#8220; schreit. Schlie\u00dflich hat der Verleger eine Kollegin bedroht. Wie diese Bedrohung genau aussah, erz\u00e4hlt uns der Harry Luck in seinem Artikel nicht. <\/p>\n<p>Genauso wenig erkl\u00e4rt uns der Harry Luck warum, wie die \u00dcberschrift suggeriert, die Krimiautoren einen Verleger angreifen. Genau das tun sie n\u00e4mlich nicht, sondern sie solidarisieren sich \u00f6ffentlichkeitswirksam mit einer Kollegin, die nach ihren Aussagen angegriffen wurde. Diese Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rung wirkt allerdings so, als wolle man sich an die Aufregung um den Rotbuch-Verkauf einfach mal dran h\u00e4ngen. Zudem bleibt die Frage, ob eine etwas leisere, dezentere Herangehensweise f\u00fcr Frau Herrman nicht n\u00fctzlicher und vor allem nervenschonender gewesen w\u00e4re. Vielleicht sollten ihr die &#8222;Syndikats&#8220;-Kollegen einfach einen guten Rechtsanwalt suchen und sie eher von der \u00d6ffentlichkeit abschotten, als sie auch noch durch unverst\u00e4ndliche, journalistische Texte bei FOCUS Online ins Rampenlicht zu zerren. Und vielleicht sollte der Harry Luck einfach mal den Wagen holen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Zeit f\u00fcr eines meiner Lieblingszitate: &#8222;Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.&#8220; Hanns Joachim Friedrichs sagte das einst und pochte damit auf journalistische Neutralit\u00e4t. 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