{"id":765,"date":"2007-06-02T18:37:25","date_gmt":"2007-06-02T16:37:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/765\/daniel-stashower-the-beautiful-cigar-girl.html"},"modified":"2007-06-02T18:37:25","modified_gmt":"2007-06-02T16:37:25","slug":"daniel-stashower-the-beautiful-cigar-girl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=765","title":{"rendered":"Der Tod einer sch\u00f6nen Tabakverk\u00e4uferin"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/the_beautiful_cigar_girl.jpg\" style=\"float:right; margin-left:20px\" alt=\"The Beautiful Cigar Girl\" \/><br \/>\n<strong>Daniel Stashower: <span style=\"font-variant: small-caps;\">The beautiful cigar girl : Mary Rogers, Edgar Allan Poe, and the invention of murder<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Es gibt Kriminalf\u00e4lle, von denen man bis heute nicht wei\u00df, ob sie \u00fcberhaupt ein Kriminalfall sind. Der immer noch ungekl\u00e4rte Tod von Mary Rogers geh\u00f6rt dazu. Am 28. Juli 1841 wurde die Leiche der jungen Frau in Hoboken, in der N\u00e4he von New York, aus dem Hudson geborgen. Wie Mary Rogers, die als Tabakverk\u00e4uferin arbeitete und eine ausnehmende Sch\u00f6nheit gewesen sein soll, ums Leben kam, ist bis heute ein R\u00e4tsel, das \u00f6fters auch auf literarische Weise gel\u00f6st werden sollte. Edgar Allan Poes Erz\u00e4hlung <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eThe Mystery of Marie Rog\u00eat&#8220;<\/span> (dt.: <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eDas Geheimnis um Marie Rog\u00eat&#8220;<\/span>) d\u00fcrfte mit Abstand das ber\u00fchmteste Werk sein, in dem der jungen Mary ein Denkmal gesetzt wurde. In Poes Erz\u00e4hlung versucht sein Detektiv Auguste Dupin die Umst\u00e4nde des Todes von Mary Rogers aufzukl\u00e4ren, allerdings r\u00e4umlich nach Paris versetzt. Wie Poe aus dem realen Fall der Mary Rogers das fiktive Geheimnis der Marie Rog\u00eat geschaffen hat, wie sein Dupin zu einer &#8211; nicht unumstrittenen \u00e2\u20ac\u201c L\u00f6sung kam und welchen Einfluss die damalige Berichterstattung in den Zeitungen hatte, diesen Fragen geht der US-amerikanische Autor Daniel Stashower in seinem Buch <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eThe beautiful cigar girl&#8220;<\/span> nach. In einer Mischung aus Kriminal-, Kultur- und Literaturgeschichte zeigt er auf, wie aus einem mutmasslichen Verbrechen ein literarischer Mordfall wurde, und liefert zugleich auch ein facettenreiches Bild des fr\u00fchen Boulevardjournalismus.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nIm ersten Teil seines Buches beschreibt Daniel Stashower zun\u00e4chst abwechselnd die Lebensl\u00e4ufe von Mary Cecillia Rogers und Edgar Allen Poe. Akribisch schildert er die teils unklaren Familienverh\u00e4ltnisse, denen Mary Rogers entstammt, zeichnet ihren Weg vom l\u00e4ndlichen Conneticut, wo sie 1820 geboren wurde, bis ins pulsierende New York nach, wohin Mary zusammen mit ihrer Mutter 1837 zog. W\u00e4hrend ihre Mutter Phoebe eine Pension unterhielt, arbeitete Mary als Verk\u00e4uferin im Tabakgesch\u00e4ft von John Anderson. Der wohlhabende Gesch\u00e4ftsmann hatte offenbar ein Auge auf die sch\u00f6ne Mary geworfen, die mit ihrem dunkelh\u00e4utigen Teint und ihrem L\u00e4cheln den M\u00e4nnern in seinem Gesch\u00e4ft den Kopf verdrehte. Ob zwischen Mary und John Anderson eine Liaison entstanden ist, bleibt eines jener R\u00e4tsel, die das Leben von Mary umranken. Sicher ist nur, dass in Andersons Gesch\u00e4ft auch zahlreiche Literaten verkehrten, darunter James F. Cooper, Washington Irving und der junge Edgar Allan Poe, der 1837 das erste Mal nach New York kam.<\/p>\n<p>Poe kannte also die junge Frau, die einige Jahre sp\u00e4ter Vorlage f\u00fcr eine seiner literarischen Figuren werden sollte. Auch Poes Lebensgeschichte wird von Daniel Stashower nachgezeichnet, wobei er den Schwerpunkt auf Poes Schaffen als Dichter, Kritiker und Herausgeber von Zeitschriften legt. Das Auf und Ab in Poes Leben, wie zum Beispiel der fr\u00fche Verlust der Eltern, das gest\u00f6rte Verh\u00e4ltnis zu seinem Pflegevater John Allan, die schwere Erkrankung seiner Frau und nat\u00fcrlich seine Alkoholsucht, fand auch in seiner beruflichen Laufbahn ihren Niederschlag. Streitbarer und gef\u00fcrchteter Literaturkritiker, gefeierter Lyriker oder verarmter Lebensk\u00fcnstler &#8211; Stashower leuchtet die Biografie Poes exakt und ohne \u00dcberzeichnung aus. <\/p>\n<p><strong>Das geheimnisvolle Verschwinden<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/mary_rogers_1.jpg\" style=\"float:left; margin-right:20px\" alt=\"Mary Rogers - Das sch\u00f6ne Tabakm\u00e4dchen\" \/>Als im Sommer 1841 der Tod von Mary Rogers die New Yorker ersch\u00fctterte, lebte Poe in Philadelphia, schlug sich als Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften durch und tr\u00e4umte davon, seine eigene Zeitschrift unter dem Titel <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eThe Stylus&#8220;<\/span> herauszubringen. Den mutmasslichen Mord an Mary Rogers verfolgte er \u00e2\u20ac\u201c wie sp\u00e4ter sein Detektiv Dupin in der Erz\u00e4hlung \u00e2\u20ac\u201c vor allem durch die Lekt\u00fcre von Zeitungsberichten. Die amerikanische Presse erlebte zu diesem Zeitpunkt einen revolution\u00e4ren Umbruch: Die so genannten \u00e2\u20ac\u017ePenny Papers&#8220; sorgten daf\u00fcr, dass Zeitungslesen nicht mehr das Vorrecht der gehobenen Schichten blieb. Arbeiter und Angestellte konnten sich \u00e2\u20ac\u201c dank des niedrigen Preises von einem Cent \u00e2\u20ac\u201c nun auch Zeitungen leisten, die nat\u00fcrlich auch \u00fcber den vermeintlichen Mord an Mary Rogers ausf\u00fchrlich berichteten. <\/p>\n<p>Zum Zeitpunkt ihres Todes hatte Mary, aufgrund ihrer Sch\u00f6nheit, eine gewisse Ber\u00fchmtheit in New York, das damals etwa 300.000 Einwohner z\u00e4hlte, erlangt. Schon einmal, im Oktober 1838, sorgte das kurzzeitige Verschwinden von Mary f\u00fcr einiges Aufsehen. Doch Mary fand sich schnell wieder im Hause ihrer Mutter ein. Im Sommer 1841 verhielt sich das anders. Am Sonntag, den 25. Juli 1841, verschwand sie  erneut und dieses Mal sollte sie nicht wiederkehren. Drei Tage sp\u00e4ter wurde Mary Rogers Leiche aus dem Hudson gefischt. <\/p>\n<p>Da bei einer ersten Leichenbeschau Druckmale von Fingern an ihrem Hals nachgewiesen wurden, ging man von Erdrosseln als Todesursache aus. Die \u00e2\u20ac\u017ePenny Papers&#8220; spekulierten ausf\u00fchrlich \u00fcber die m\u00f6glichen T\u00e4ter. Federf\u00fchrend dabei war der Verleger James Gordon Bennett senior, der in seinem Massenblatt \u00e2\u20ac\u017eNew York Herald\u00e2\u20ac\u017e der Polizei Unt\u00e4tigkeit vorwarf und die T\u00e4ter bei kriminellen Banden, den \u00e2\u20ac\u017eGangs of New York&#8220;, ausmachte. Bennett gr\u00fcndete sogar ein B\u00fcrgerkomitee, das eine Belohnung f\u00fcr die Ergreifung der T\u00e4ter aussetzte. Andere Zeitungen wiederum nannten konkrete Namen oder spekulierten dar\u00fcber, dass Mary Rogers gar nicht tot sei, da eine Wasserleiche nicht innerhalb von drei Tagen wieder auftauchen w\u00fcrde. <\/p>\n<p><strong>Dramatische Wendungen<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/mary_rogers_2.jpg\" style=\"float:right; margin-left:20px\" alt=\"Mary Rogers - Das sch\u00f6ne Tabakm\u00e4dchen\" \/> Die Polizei hingegen nahm vor allem Marys fr\u00fchere Verehrer Alfred Crommelin, Archibald Padley und  William Kiekuck ins Visier. Alle drei M\u00e4nner waren Mieter in der Pension von Marys Mutter und alle drei hatten Mary einst den Hof gemacht. Besonders verd\u00e4chtig  erschien der Verlobte von Mary, der Korkschneider Daniel Payne, der ebenfalls in der Pension zur Miete wohnte. Paynes Alibi, der zum Zeitpunkt von Marys Verschwinden zusammen mit seinem Bruder in Bars unterwegs gewesen sein soll, wurde vor allem von der Presse in Frage gestellt. Als der Druck auf Payne immer gr\u00f6\u00dfer wurde, legte er bei Zeitungen Erkl\u00e4rungen von Zeugen vor, die seine Angaben best\u00e4tigten. <\/p>\n<p>Der Fall Mary Rogers nahm schlie\u00dflich eine erste dramatische Wendung, als am 25. August 1841 spielende Kinder in einem Geb\u00fcsch verschiedene Kleidungst\u00fccke und ein Taschentuch mit dem Monogram \u00e2\u20ac\u017eM.R.&#8220; fanden. Die Kinder waren die S\u00f6hne der Wirtin Frederica Loss, die in der N\u00e4he von Hoboken eine Gastwirtschaft betrieb. Es dauerte einige Tage, bevor Frederica Loss die Polizei benachrichtigte. Als die Beamten sie verh\u00f6rten, verstrickte sich die Wirtin  in Widerspr\u00fcche, erinnerte sich dann aber pl\u00f6tzlich daran, Mary Rogers am Tag ihres Verschwindens in Begleitung eines \u00e2\u20ac\u017edunkelh\u00e4utigen Mannes&#8220; gesehen zu haben. Wiederum st\u00fcrzten sich die Zeitungen auf den Fund und die Aussagen der Wirtin, die polizeilichen Ermittlungen kamen aber kaum vom Fleck.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste tragische Ereignis war der Tod von Daniel Paynes, Marys Verlobten, der am 7. Oktober 1841 in Hoboken auftauchte, sich in der Wirtschaft von Frederica Loss betrank, und sich schlie\u00dflich am Fundort der Kleidungsst\u00fccke mit Laudanum vergiftete. Paynes Selbstmord wurde nicht als Schuldgest\u00e4ndnis gewertet, vielmehr sah man in seinem Suizid die Tat eines liebeskranken Mannes, der ohne Mary nicht mehr leben wollte. Es sollte etwa ein Jahr dauern, bis das n\u00e4chste Ereignis eine neue Spur in den Fall Mary Rogers brachte \u00e2\u20ac\u201c ein Fall, mit dem sich mittlerweile auch Edgar Allan Poe besch\u00e4ftigte. <\/p>\n<p><strong>Wahrheiten und Widerspr\u00fcche<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/mary_rogers_3.jpg\" style=\"float:left; margin-right:20px\" alt=\"Mary Rogers - Das sch\u00f6ne Tabakm\u00e4dchen\" \/> Im Sommer 1842 hatte sich Poe \u00fcber Mary Rogers und ihren Tod informiert und bot dem Verleger Joseph Evans Snodgrass eine Fortsetzung zu seiner Erz\u00e4hlung <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eMurders in the Rue Morgue&#8220;<\/span> (dt.: <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eDer Doppelmord in der Rue Morgue&#8220;<\/span>) an, die in Snodgrass Zeitschrift <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eGraham\u00e2\u20ac\u2122s Magazin&#8220;<\/span> erschienen war. <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eThe Mystery of Marie Rog\u00eat&#8220;<\/span> sollte sich auf \u00e2\u20ac\u017eden wirklichen Mord an Mary Cecilla Rogers&#8220; st\u00fctzen, wie Poe seinem Verleger in einem Brief ank\u00fcndigte. Doch Snodgrass lehnte ab, ebenso wie ein weiterer Verleger, dem Poe seine Erz\u00e4hlung ebenfalls angeboten hatte. Schlie\u00dflich fand er doch noch einen Verleger und so erschien der erste Teil von <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eMarie Rog\u00eat&#8220;<\/span> im November 1842 in <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eLadies\u00e2\u20ac\u2122 Companion&#8220;<\/span>. Da Poes Erz\u00e4hlung recht lang geworden war, sollte sie in drei Teilen erscheinen. <\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt nahm der Fall Mary Rogers eine erneute Wendung: Die Wirtin Frederica Loss wurde von einem ihrer S\u00f6hne aus Versehen angeschossen. Mehr als zwei Wochen lag Loss auf dem Sterbebett und gestand, dass Mary Rogers an ihrem Todestag zusammen mit einem \u00e2\u20ac\u017edunkelh\u00e4utigen&#8220; Mann in der Wirtschaft erschienen sei und dort eine Abtreibung vornehmen lies, an deren Folgen sie letztlich starb. Um den verbotenen Schwangerschaftsabbruch zu vertuschen, wurde Marys Leiche in den Fluss geworfen. Das Gest\u00e4ndnis der sterbenden Wirtin brachte also eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung, dennoch blieben Fragen offen, wie zum Beispiel nach den Druckmalen am Hals von Marys Leiche. <\/p>\n<p>Auch Edgar Allan Poe hatte in seiner bereits fertigen Erz\u00e4hlung eine andere L\u00f6sung des Mordfalls Mary Rogers resp. Marie Rog\u00eat vorgesehen. Zudem waren die ersten beiden Teile seiner Erz\u00e4hlung bereits ver\u00f6ffentlicht, nur der dritte Teil stand noch aus. Poe schrieb daraufhin den letzten Teil um und erg\u00e4nzte ihn um Fussnoten. So deutete er die M\u00f6glichkeit an, dass Mary\/Marie im Hause der Madam Deluc, die der realen Wirtin Frederica Loss entspricht, Opfer einer \u00e2\u20ac\u017eBande&#8220; geworden sei. An seiner eigentlichen L\u00f6sung h\u00e4lt er jedoch auch nach seinen \u00c4nderungen fest: Demnach k\u00f6nnte Marie von einem ungenannten Seemann ermordet worden sein, mit dem sie bereits vor drei Jahren bei ihrem ersten Verschwinden ein Verh\u00e4ltnis gehabt habe. Poes Erz\u00e4hlung endet f\u00fcr eine Detektivgeschichte recht offen und wage, kommt daher der Wahrheit aber vielleicht n\u00e4her als all die Spekulationen, die sein Dupin aus den Zeitungen kennt und die er so wunderbar widerlegt. Somit bleibt der Tod der \u00e2\u20ac\u017esch\u00f6nen Tabakverk\u00e4uferin&#8220; Mary Rogers auch heute noch ein ungel\u00f6ster Fall, m\u00f6glicherweise war es sogar kein Mord sondern ein t\u00f6dlich verlaufener Schwangerschaftsabbruch. <\/p>\n<p><strong>Poe und die \u00e2\u20ac\u017ePenny Papers&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/mary_rogers_4.jpg\" style=\"float:right; margin-left:20px\" alt=\"Mary Rogers - Das sch\u00f6ne Tabakm\u00e4dchen\" \/> Daniel Stashower beschreibt diesen recht verworrenen \u00e2\u20ac\u017eKriminalfall&#8220; sehr anschaulich und \u00e4u\u00dferst spannend. In den Mittelpunkt stellt er dabei die Lebensgeschichten der beiden Hauptfiguren: Mary Rogers, die allein durch ihre Sch\u00f6nheit zu einer New Yorker Ber\u00fchmtheit wurde und deren ungekl\u00e4rter Tod ihr zu einer Unsterblichkeit verholfen hat, wie wir sie in der Regel sonst nur von gro\u00dfen Pers\u00f6nlichkeiten kennen, und Edgar Allan Poe, dessen Leistungen als Dichter und Literaturkritiker oftmals durch seine tragischen Lebensumst\u00e4nde \u00fcberlagert werden. Stashower verzichtet gl\u00fccklicherweise darauf und konzentriert sich auf die Vorgeschichte, die Entstehung und die Wirkung der Erz\u00e4hlung <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eThe Mystery of Marie Rog\u00eat&#8220;.<\/span> Anschaulich zeigt er die Verflechtung von Dichtung und Wahrheit auf, stellt die Wechselwirkung von Fiktion und Wirklichkeit heraus und verdeutlicht, wie sich Realit\u00e4t und Imagination gegenseitig bedingen und beeinflussen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass Stashower ein deutlich n\u00fcchterneres Bild von Edgar Allan Poe entwirft, als es einige andere Biografen getan haben. Angenehm unaufgeregt wird der Dichter portr\u00e4tiert und in einen faszinierenden Kontrast zu Mary Rogers gesetzt, die Vorbild f\u00fcr eine seiner literarischen Figuren wurde. Anhand ihrer Biografien entwirft Stashower zugleich ein farbenfrohes, detailliertes Portr\u00e4t der Stadt New York mit ihren sozialen Problemen, mit ihrer kulturellen und gesellschaftlichen Vielfalt und mit ihrer aufbl\u00fchenden Presselandschaft. Gerade letztere ist sehr wichtig f\u00fcr den \u00e2\u20ac\u017eFall&#8220; Mary Rogers gewesen und zwar aus zwei Gr\u00fcnden. Zum einen sind die Artikel die Hauptquelle f\u00fcr die damaligen Ereignisse, denn es hat zum Beispiel nie einen Gerichtsprozess gegeben. Zum anderen haben vor allem die \u00e2\u20ac\u017ePenny Papers&#8220; den Tod der Mary Rogers zu einem \u00e2\u20ac\u017eFall&#8220; gemacht und die Grundlagen f\u00fcr das gelegt, was wir heute Sensationsjournalismus nennen.  <\/p>\n<blockquote><p><strong>Stashower, Daniel: <span style=\"font-variant: small-caps;\">The beautiful cigar girl : Mary rogers, Edgar Allan Poe, and the invention of murder<\/span><\/strong>. &#8211; New York : Dutton, 2006<br \/>\nISBN 0-525-94981-X<\/p>\n<p>Eine deutsche \u00dcbersetzung ist mir bislang nicht bekannt. <\/p>\n<p><strong>Buch bestellen bei:<\/strong><\/p>\n<p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/052594981X\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2701&amp;type=text&amp;tnb=8&amp;pid=052594981X\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2176&amp;type=text&amp;tnb=3&amp;pid=052594981X\">\u00bb buch24.de<\/a><\/p>\n<p>Anmerkung: <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;The beautiful cigar girl&#8220;<\/span> war nominiert f\u00fcr den <a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/579\/krimipreise-nominees-fur-die-edgar-allan-poe-awards-2007.html#fact\">Edgar Allen Poe Award 2007<\/a> in der Kategorie &#8222;Fact Crime&#8220;<\/p>\n<p><strong>Links:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.stashower.com\/\">&rarr; Homepage von Daniel Stashower<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.crimelibrary.com\/notorious_murders\/classics\/mary_rogers\/index.html\">&rarr; Informationen \u00fcber den Fall Mary Rogers bei Crimelibrary<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gasl.org\/refbib\/Poe__Works__Vol_1.pdf\">&rarr; E-Text: Edgar Allan Poe: <span style=\"font-variant: small-caps;\">The Mystery of Marie Rog\u00eat<\/span>. In: The Works of Edgar Allan Poe. Edited by John H. Ingram. London: A. &#038; C. Black, Soho Square, 1899. Volume 1. (PDF-Dokument)<\/a>. Abrufbar bei der <a href=\"http:\/\/www.gasl.org\/\">&rarr; Gesellschaft der Arno-Schmidt-Leser<\/a>\n<\/p><\/blockquote>\n<p><font size=\"-1\">Abbildungen:<br \/>\n1. Umschlag eines Romans, der nach dem Fall Mary Rogers geschrieben wurde und 1844 ver\u00f6ffentlicht wurde.<br \/>\n2. Illustration aus <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;A Confession of the Awful and Bloody Transactions in the Life of Charles Wallace&#8220;<\/span>, ver\u00f6ffentlicht 1851<br \/>\n3. Aus der Zeitung &#8222;Herald&#8220; (New York), ver\u00f6ffentlicht am 17. September 1841. Die Abbildung zeigt die Gastwirtschaft von Frederica Loos.<br \/>\n4. Illustration zu <span style=\"font-variant: small-caps;\">The Mystery of Marie Rog\u00eat<\/span> aus einer Edition von Poe-Erz\u00e4hlungen, ver\u00f6ffentlicht 1852. <\/font><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daniel Stashower: The beautiful cigar girl : Mary Rogers, Edgar Allan Poe, and the invention of murder Es gibt Kriminalf\u00e4lle, von denen man bis heute nicht wei\u00df, ob sie \u00fcberhaupt ein Kriminalfall sind. Der immer noch ungekl\u00e4rte Tod von Mary Rogers geh\u00f6rt dazu. Am 28. 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