{"id":828,"date":"2007-07-17T23:07:39","date_gmt":"2007-07-17T21:07:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/828\/ein-deutsches-krimimarchen.html"},"modified":"2007-07-17T23:07:39","modified_gmt":"2007-07-17T21:07:39","slug":"rainer-martin-mittl-bruederchen-komm-stirb-mit-mir","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=828","title":{"rendered":"Ein deutsches Krimim\u00e4rchen"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/bruederchen_komm_stirb_mit_mir.jpg\" style=\"float: right; margin-left: 15px;\" alt=\"Br\u00fcderchen komm stirb mit mir von Rainer Martin Mittl\"> <strong>Rainer Martin Mittl: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Br\u00fcderchen komm stirb mit mir<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Es gibt erz\u00e4hlerische Tricks in Kriminalromanen, die sind einfach nicht tot zu kriegen, obwohl sie uralt sind und Generationen von Autoren sie bereits hundertfach durchgenudelt haben. Zum Beispiel bei einem klassisch erz\u00e4hlten Wer-war-es-Krimi, bei dem die Ermittler schon fr\u00fch eine Aussage oder einen Aspekt als richtig oder wahr annehmen und weitgehend ihre ganze Ermittlung  darauf aufbauen, um dann kurz vor Schluss feststellen zu m\u00fcssen, dass sie sich gleich am Anfang geirrt haben oder einer Fehleinsch\u00e4tzung aufgesessen sind. Dementsprechend verquer laufen oft die Ermittlungs- und Handlungsstr\u00e4nge in solchen Romanen und nicht selten wird es abstrus. <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eBr\u00fcderchen komm stirb mit mir&#8220;<\/span>von Rainer Martin Mittl ist so ein Roman. Der zweite Krimi des 1960 in Stuttgart geborenen Autors wartet mit einer reichlich wirren Rachephantasie auf, die ihre Spannung vor allem daraus sch\u00f6pfen kann, dass die beiden Ermittler gleich zu Beginn eine Zeitangabe nicht ausreichend hinterfragen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Frieder Kindlein und Konrad Morgenthaler hei\u00dfen diese beiden Ermittler, arbeiten bei der Mannheimer Mordkommission und haben es mit einem verst\u00fcmmelten, m\u00e4nnlichen Leichnam zu tun. Im alten Strandbad wird der Tote entdeckt und recht schnell identifiziert: Es handelt sich um Frank Bahlbach, Besitzer einer Gro\u00dfb\u00e4ckerei, die er von seinen Eltern \u00fcbernommen hat. Kindlein und Morgenthaler befragen, wie es sich geh\u00f6rt, Bahlbachs Frau und seine beiden Eltern. Auch die Mitarbeiter seiner Firma werden vernommen und die Polizisten erhalten so ein Portr\u00e4t von Frank Bahlbach, das wenig schmeichelhaft ist. Kaum hatte er die v\u00e4terliche B\u00e4ckerei \u00fcbernommen, schmi\u00df er langj\u00e4hrige Mitarbeiter raus und verwandelte den gem\u00fctlichen Familienbetrieb zu einem gewinnorientierten Unternehmen. Feinde schuf sich Bahlbach aber nicht nur als widerlicher Chef, auch privat kriselte es zwischen ihm und seiner Frau.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche M\u00f6rder gibt es also zur Gen\u00fcge, dumm nur, dass Kindlein und Morgenthaler den Hinweis des Gerichtsmediziners nicht ganz so ernst nehmen, wie sie vielleicht sollten. Der datiert den Todeszeitpunkt wesentlich fr\u00fcher und auf jeden Fall noch vor der Zeit, zu der Frank Bahlbach von mehreren Personen noch lebend gesehen wurde. Aber auch Gerichtsmediziner k\u00f6nnen schlie\u00dflich mal irren und so tappen Kindlein und Morgenthaler munter in die falsche Richtung, w\u00e4hrend der M\u00f6rder seinen Racheplan weiter ausf\u00fchren kann. Er terrorisiert die Familie des Verstorbenen mit gruseligen Gaben, wie einer abgeschnittenen Hand oder einem Foltervideo, auf dem der Tote zu sehen ist. Dann jedoch meldet sich ein vermeintlich Verr\u00fcckter im l\u00e4ndlichen Buchen, der behauptet ein Freund von ihm sein entf\u00fchrt und ermordet worden. Was hat dieser Verschwundene mit dem toten Bahlbach zu tun? Morgenthaler und Kindlein forschen weiter und decken die perfide Vergeltungsaktion, bei der unter anderem eine ungewollte Schwangerschaft, eine frustrierte Krankenschwester, eine Vergewaltigung sowie eine geheime, lesbische Liebe eine Rolle spielen, nach und nach auf. <\/p>\n<p><strong>Sympathische Polizisten, ins Gespr\u00e4ch vertieft<\/strong><\/p>\n<p>Das sind Geschichten, wie sie das Leben nur selten schreibt, daf\u00fcr aber deutsche Kriminalschriftsteller. Immerhin muss man Rainer Martin Mittl zugestehen, dass er seine abstruse Story von Liebe und Rache so konsequent durchzieht, dass es wirklich mutig ist. Man k\u00f6nnte allerdings auch sagen, er habe sich verrannt und ist diesem uralten Trick, wie bereits oben erw\u00e4hnt, einfach auf dem Leim gegangen. Sicherlich war das vom Autor gut gedacht, da wird schlie\u00dflich ein \u00e2\u20ac\u017eTwist&#8220; nach dem anderen abgeliefert. Was soviel bedeutet, dass es immer wieder neue Wendungen im Fortgang der Geschichte gibt, die f\u00fcr den Leser v\u00f6llig unerwartet um die Ecke kommen. Dumm ist es dann allerdings, wenn man die L\u00f6sung mehr oder weniger schon im Titel verr\u00e4t. Von wegen \u00e2\u20ac\u017eBr\u00fcderchen&#8220; und so. <\/p>\n<p>Verschlimmert wird das alles noch durch die penetrant gute Botschaft, die Mittl so gnadenlos platt einflie\u00dfen l\u00e4sst. Globalisierung ist einfach irgendwie bl\u00f6de, macht sie doch aus harmlosen S\u00f6hnen verbiesterte Chefs von Gro\u00dfb\u00e4ckereien, die charakterlich einfach nur verk\u00fcmmern k\u00f6nnen. Wenn wundert es da noch, dass die irgendwann zerst\u00fcckelt im alten Strandbad liegen. Wie sch\u00f6n, dass man \u00fcber all diese kapitalistischen Ausw\u00fcchse dann auch noch zwei super sympathische Polizisten philosophieren lassen kann und zwar in Dialogen, die vermuten lassen, dass der Autor von Lehrb\u00fcchern f\u00fcr angehende Ordnungsh\u00fcter und deren trockener Juristensprache inspiriert wurde. Die Andeutung von polizeilicher Wirklichkeit bleibt dem Leser &#8211; Gott sei Dank! &#8211;  weitgehend erspart, daf\u00fcr ist das Buch ein ganz klein wenig splatterig, herrlich altbacken gestrickt &#8211; Christie und Co. h\u00e4tten es nicht besser hingekriegt &#8211; und vor allem immer politisch korrekt. Deutsche Krimim\u00e4rchen sind halt nicht tot zu kriegen. <\/p>\n<blockquote><p><strong>Rainer Martin Mittl: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Br\u00fcderchen komm stirb mit mir.<\/span><\/strong> &#8211; K\u00f6ln : Emons, 2007<br \/>\nISBN 978-3-89705-488-2<br \/>\n(Der Badische Krimi; 10)<\/p>\n<p>Buch bestellen bei:<\/p>\n<p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3897054884\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2701&amp;type=text&amp;tnb=8&amp;pid=3897054884\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2176&amp;type=text&amp;tnb=3&amp;pid=3897054884\">\u00bb buch24.de<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rainer Martin Mittl: Br\u00fcderchen komm stirb mit mir Es gibt erz\u00e4hlerische Tricks in Kriminalromanen, die sind einfach nicht tot zu kriegen, obwohl sie uralt sind und Generationen von Autoren sie bereits hundertfach durchgenudelt haben. Zum Beispiel bei einem klassisch erz\u00e4hlten Wer-war-es-Krimi, bei dem die Ermittler schon fr\u00fch eine Aussage oder einen Aspekt als richtig oder [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[129,171,562,276,435],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/828"}],"collection":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=828"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/828\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=828"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=828"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=828"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}