{"id":88,"date":"2005-03-20T19:20:45","date_gmt":"2005-03-20T18:20:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/?p=88"},"modified":"2005-03-20T19:20:45","modified_gmt":"2005-03-20T18:20:45","slug":"nachsitzen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=88","title":{"rendered":"Nachsitzen"},"content":{"rendered":"<p>Der Alltag ist fast wieder da. Schnell noch die <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/03\/crime-school-lektion-1.php\" target=\"_blank\">erste<\/a> und die <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/03\/crime-school-lektion-2.php\" target=\"_blank\"> zweite<\/a> Lektion der Crime School beim <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/index.php\" target=\"_blank\">Hinternet<\/a> pauken.  Zur ersten Lektion kann ich gar nicht mal so viel sagen, au\u00dfer, dass ich mich mit meinen Erwartungen recht gut getroffen finde.  Den Satz <br \/>\n<em><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Es gibt eine Zielgruppe von Lesern, die eben NICHT erwartet, dass ein Text so konstruiert ist, dass er ausschlie\u00dflich ihre Unterhaltungsw\u00fcnsche erf\u00fcllt, sondern dass er sie selbst in irgendeiner Weise ver\u00e4ndert.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p><\/em> <br \/> unterschreibe ich gerne. Mir f\u00e4llt da ganz spontan das ber\u00fchmte (und leider recht ausgelutschte, sorry) Kafka-Zitat ein: <br \/>\n<em><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Das Buch mu\u00df die Axt sein f\u00fcr das gefrorene Meer in uns.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p><\/em>Oder noch mal Kafka <br \/>\n<em><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Ich glaube, man sollte nur solche B\u00fccher lesen, die einen bei\u00dfen und stechen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p><\/em><br \/>Damit w\u00e4re ich dann auch schon bei Lektion Nr. 2, in der es um die Kommunikation von\/durch\/mit Texten geht.  Lesen &#8211; auch wenn das leider oft nicht gerne gesehen wird &#8211; ist Arbeit, ist M\u00fche, manchmal Schinderei, &#8211; aber warum soll es mir als Leser besser gehen, als dem Autor, der sich vielleicht jahrelang mit seinen Texten geplagt hat.  Andererseits: Jeder Leser hat das gute Recht, Literatur auch als Eskapismus, als Unterhaltung, als Genuss zu sehen. Hier liegt ja doch das Spannungsfeld gerade der Kriminalliteratur. Wenn ich, sagen wir mal, Romane wie &#8222;Der Mann ohne Eigenschaften&#8220; oder &#8222;\u00c4sthetik des Widerstands&#8220; als Lekt\u00fcre aussuche, dann erwartet mich Textarbeit.  Wenn ich Unterhaltung suche &#8211; freilich eine Geschmacksangelegenheit &#8211; dann brauche ich damit erst gar nicht anfangen. Reine Unterhaltung  ist in der Tat ein Geschmacksmoment: Der eine liest SF, der andere Kriminalromane, der n\u00e4chste Horror &#8211; was gerade anliegt. Nun k\u00e4mpfen aber gerade diese Genres immer damit, dass sie per se in die Kategorie &#8222;Unterhaltung&#8220; gepackt werden &#8211; wobei es doch gerade immer wieder Texte gibt, die Unterhaltung und Kommunikation, Wissen, \u00c4sthetik, Sprachgef\u00fchl, Erz\u00e4hlen \u00fcber Welt&#8230;. miteinander verbinden. <\/p>\n<p>Postulate an den Kriminalroman, die mir aus der Lekt\u00fcre von verschiedenen Kritiken in den Sinn kommen:<\/p>\n<ul>\n<li>(Gute) Kriminalliteratur funktioniert nur als Kriminalliteratur.<\/li>\n<li>Kriminalliteratur soll &#8222;realit\u00e4tst\u00fcchtig&#8220; sein. <\/li>\n<li><em>&#8222;Ich glaube in der Tat, mit den Kirchenv\u00e4tern dieser Literatur, da\u00df der Kriminalroman die letzte noch m\u00f6gliche literarische Form ist, in der die Frage von Gut und B\u00f6se verhandelt wird. Doch ich beeile mich hinzuzuf\u00fcgen: Unterhalb eines bestimmten \u00e4sthetischen Niveaus sackt eine solche Verhandlung ab zum Volkshochschulkolleg und zur soziologischen Gartenlaube, das ist dann so, als hielte ein Mann, der wie Fidel Castro aussieht, eine Rede, die Helmut Kohl geschrieben hat.&#8220;<\/em> (J\u00f6rg Fauser)<\/li>\n<li>Kriminalliteratur hat eine eigene, vielf\u00e4ltige \u00c4sthetik entwickelt.<\/li>\n<li>Kriminalliteratur unterliegt strengen Regeln und hat einen bestimmten Aufbau.<\/li>\n<li>Die &#8222;goldenen Regeln&#8220; f\u00fcr Kriminalliteratur haben heute keinen Wert mehr.<\/li>\n<li>Was ist eigentlich Kriminalliteratur? Kann es \u00fcberhaupt eine feste, halbwegs greifbare Definition dieses Begriffs geben?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nur einige, zum Teil widerspr\u00fcchliche Gedanken, die mir durch den Kopf gehen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Alltag ist fast wieder da. Schnell noch die erste und die zweite Lektion der Crime School beim Hinternet pauken. Zur ersten Lektion kann ich gar nicht mal so viel sagen, au\u00dfer, dass ich mich mit meinen Erwartungen recht gut getroffen finde. 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