{"id":897,"date":"2007-11-11T00:20:06","date_gmt":"2007-11-10T23:20:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/897\/die-langsamkeit-des-schreckens.html"},"modified":"2007-11-11T00:20:06","modified_gmt":"2007-11-10T23:20:06","slug":"interview-mit-andrea-maria-schenkel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=897","title":{"rendered":"Die Langsamkeit des Schreckens"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/bilder\/andrea_maria_schenkel_2.jpg\" style=\"float: right; margin-left: 15px; alt=\"Andrea Maria Schenkel by Ludger Menke\" \/><strong>Ein Interview mit Andrea Maria Schenkel<\/strong><\/p>\n<p>Zwei durchsichtige Plastikt\u00fcten stehen neben Andrea Maria Schenkel auf der Bank. Sie war gerade  nebenan in der Buchhandlung einkaufen. \u00e2\u20ac\u017eWenn das mein Mann sieht, was ich hier wieder gekauft habe.\u00e2\u20ac\u0153 sagt sie. Wir sitzen uns im Caf\u00e9 des Hamburger Literaturhauses gegen\u00fcber. Im Raum, der mit dunklem Holz get\u00e4felt ist, herrscht Hektik. Noch knapp zwei Stunden bis zur Lesung, die hier nachher stattfinden soll. St\u00fchle und Tische m\u00fcssen wegger\u00e4umt werden, Kellner flitzen durch den Gang. Andrea Maria Schenkel hingegen strahlt eine sanfte Gelassenheit aus, nur ihr schlechtes Gewissen \u00e2\u20ac\u201c die zwei vollen B\u00fcchert\u00fcten stehen neben ihr \u00e2\u20ac\u201c scheint sie ein wenig zu besch\u00e4ftigen. Dann l\u00e4chelt sie mich an, wirft ihr langes, schwarzes Haar zur\u00fcck. Unser Interview kann beginnen.<br \/>\n<br clear=\"all\"><br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong><em>krimiblog.de:<\/strong> Als Sie begonnen haben <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eTann\u00f6d\u00e2\u20ac\u0153<\/span> zu schreiben, war Ihnen von Anfang an klar, dass das ein Krimi wird, der ja eigentlich ein sehr anderer Krimi ist?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Die Bezeichnung \u00e2\u20ac\u017eKrimi\u00e2\u20ac\u0153 f\u00fcr <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eTann\u00f6d\u00e2\u20ac\u0153<\/span> war f\u00fcr mich immer ein wenig hart. F\u00fcr mich war&#8217;s eine spannende Geschichte, die ich ganz gerne erz\u00e4hlen wollte und sie hat sich optimal angeboten, weil die Geschichte in einem beschr\u00e4nkten Raum, auf einem sehr kleinen Gebiet, innerhalb eines zeitlich sehr, sehr stark eingeschr\u00e4nkten, ja praktisch in einem Zeitfenster entstanden ist. Das war f\u00fcr mich nat\u00fcrlich ideal zu dem Zeitpunkt. <\/p>\n<p><strong><em>krimiblog.de:<\/strong>  Zeitfenster \u00e2\u20ac\u201c meinen Sie jetzt f\u00fcr sich selber beim Schreiben oder bezogen auf die Geschichte?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Die Geschichte des Zeitfensters, das war nat\u00fcrlich ideal. Das war ideal, um auszuprobieren wie man eine Geschichte erz\u00e4hlt, ob man einen Spannungsbogen halten kann. Die Geschichte war ideal daf\u00fcr. <\/p>\n<p><strong><em>krimiblog.de:<\/strong> Zumal es ja keine Geschichte \u00e2\u20ac\u201c wie auch in Ihrem zweiten Roman <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eKalteis\u00e2\u20ac\u0153<\/span> \u00e2\u20ac\u201c ist, die linear erz\u00e4hlt ist. Das wird Sie wahrscheinlich jeder fragen, aber warum haben Sie sich daf\u00fcr entschieden?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Das ist ganz, ganz furchtbar egoistisch, denn ich liebe Geschichten, die nicht linear erz\u00e4hlt werden, also als Leser. Ich finde es manchmal furchtbar langweilig, wenn eine Geschichte blo\u00df linear erz\u00e4hlt wird. Gut, es gibt sehr gute, sehr spannende, ganz phantastische, linear erz\u00e4hlte Geschichten, aber eigentlich tendiere ich doch mehr zu diesen Br\u00fcchen. Mir macht das mehr Spa\u00df. Es macht mehr Spa\u00df beim Arbeiten, es macht mehr Spa\u00df beim Schreiben und es macht mehr Spa\u00df beim Lesen, mir zumindest. <\/p>\n<p><strong>Bayerischer Dialekt w\u00fcrde hohl klingen<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>krimiblog.de:<\/strong> Ihre beiden Romane spielen ja in Bayern, der eine auf einem abgelegenen Hof, der andere in der Gro\u00dfstadt. Was auff\u00e4llt ist, dass nicht wirklich Bayerisch gesprochen wird. Ihre Figuren haben eine Sprache, bei der man als Leser das Bayerische merkt, es gibt Begriffe wie \u00e2\u20ac\u017eGrantler\u00e2\u20ac\u0153 oder \u00e2\u20ac\u017eDepp\u00e2\u20ac\u0153, auch von der Satzstellung f\u00e4llt das Bayerische auf, aber es ist nicht wirklich bayerischer Dialekt. Wie kommt es zu dieser Sprache?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Mit Dialekt ist es schwierig. Mir fallen nur ganz wenige Autoren  ein, die in bayerischem Dialekt schreiben konnten, ohne dass es l\u00e4cherlich wirkt. Wenn man Dialekt schreibt, rutscht man sehr leicht in diese l\u00e4cherliche Bauerntheater-Sache ab. Ich kann mir vorstellen, dass dies in Hamburg \u00e4hnlich ist. Wenn man hier Dialekt schreiben w\u00fcrde, w\u00e4re man schnell in einer Ecke, die man nicht unbedingt will. Man hat dann Angst, dass der Text in dieses Lustig-Komische rutscht, das man nun \u00fcberhaupt nicht haben will. <\/p>\n<p>Auf der anderen Seite: Ich beschreibe die Figuren ja nicht. Ich sag&#8216; ja nicht, diese Figur ist so und so gro\u00df, hat blonde Haare, blaue Augen, Warze auf der Nase. Ich beschreibe sie ja nicht. Aber irgendwie m\u00fcssen sie sich ja beschreiben und am besten beschreiben sie sich selbst durch die Sprache, durch die Eigenheit der Sprache, durch ihre Art und Weise, wie sie sich ausdr\u00fccken. Wenn man jetzt keinen Dialekt verwenden will, die Leute sich aber trotzdem beschreiben lassen will, muss man so eine Art Zwischending schreiben. Man darf sie nicht Hochdeutsch sprechen lassen, man muss etwas an den Dialekt anlehnen, ohne dabei richtig Dialekt zu schreiben. Das ist der Versuch gewesen. <\/p>\n<p><strong><em>krimiblog.de:<\/strong> Das stelle ich mir sehr schwierig vor. Zudem sind Ihre beiden Romane ja sehr d\u00fcster, sehr dunkel, da ist doch die Gefahr, dass dies ins Lustige abrutscht, doch gar nicht gegeben, oder?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Trotzdem, in Dialekt zu schreiben klingt h\u00e4ufig sehr hohl, sehr leer, sehr aufgesetzt und seltsam. Das wollte ich nicht. Ich habe einen Heidenrespekt davor gehabt. Ich habe kurzzeitig mit dem Gedanken gespielt, Dialekt zu schreiben, aber dann habe ich mir gedacht, dass ich lieber die Finger davon lasse. <\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/bilder\/tannoed_schenkel.jpg\" style=\"float: left; margin-right: 10px; alt=\"Andrea Maria Schenkel Tann\u00f6d\" \/><strong><em>krimiblog.de:<\/strong> Es gibt sowohl in <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eTann\u00f6d\u00e2\u20ac\u0153<\/span> wie auch in <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eKalteis\u00e2\u20ac\u0153<\/span> Szenen, die laufen wie in Slowmotion ab. Zum Beispiel in <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eTann\u00f6d\u00e2\u20ac\u0153<\/span>, als die Leichen entdeckt werden \u00e2\u20ac\u201c das geht unglaublich langsam. In <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eKalteis\u00e2\u20ac\u0153<\/span> ist es zum Beispiel diese Hinrichtungsszene. Das war Ihre Absicht?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Ja, das war meine Absicht. Ich wollt&#8216; diese Hinrichtungsszene. Und ich wollte sie \u00e2\u20ac\u201c g a n z \u00e2\u20ac\u201c f u r c h t b a r \u00e2\u20ac\u201c l a n g s a m. Wenn ich die Hinrichtungsszene bei einer Lesung  lese, dann lese ich sie auch \u00e2\u20ac\u201c f u r c h t b a r &#8211; l a n g s a m.  Mit vielen Pausen dazwischen. Ich stelle mir das so vor:  Wenn ich jetzt in seiner Situation w\u00e4re, w\u00fcsste, was mir bevorsteht, ich glaube nicht, dass in dem Moment die Zeit schnell vorbei eilt. Ich glaube, es ist eine Wartepositon und wie immer, wenn man auf etwas wartet \u00e2\u20ac\u201c es zieht sich alles. <\/p>\n<p>Eine ganz banale Situation \u00e2\u20ac\u201c in seiner Situation ist es eine Hinrichtung, das ist nat\u00fcrlich viel schlimmer: Angenommen, in der Fr\u00fch, man hat den Bus vers\u00e4umt, man steht da und wartet auf den Bus. Normalerweise vergehen zehn Minuten schnell. Man hat einen Termin, man steht an der Bushaltestelle und in dem Moment vergehen diese zehn Minuten \u00fcberhaupt nicht. Es sind die l\u00e4ngsten zehn Minuten, die es \u00fcberhaupt gibt. Diese Situation mit den zehn Minuten potenziert ist die Hinrichtungssituation. Es zieht sich ewig in die L\u00e4nge. Und das macht auch den Reiz aus, dass man die Zeit unterschiedlich darstellt, das man versucht, die L\u00e4nge unterschiedlich zu beschreiben, schon beim Schreiben. <\/p>\n<p><strong><em>krimiblog.de:<\/strong> War es schwierig so zu schreiben?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Nein, eigentlich nicht. Klar, es ist nicht die erste Version, es ist zwei-, dreimal \u00fcberarbeitet, manche Sachen sind gerafft worden, manche Sachen sind in die L\u00e4nge gezogen worden. Aber wenn man wei\u00df, was man will, ist es nicht schwierig.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Sie haben mich aber ganz sch\u00f6n aufs Glatteis gef\u00fchrt.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>krimiblog.de:<\/strong> In <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eKalteis\u00e2\u20ac\u0153<\/span> wird am Rande die Justiz im Nationalsozialismus angesprochen. Sie kratzen da an ein Thema, das eher wenig bearbeitet wurde. Eine bewusste Entscheidung von Ihnen?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Ich habe das bewusst gew\u00e4hlt, allerdings habe ich mich entschieden, nicht st\u00e4rker in das Thema einzusteigen. Denn ich finde, dass w\u00e4re ein Thema f\u00fcr ein ganz anderes Buch. Es ist ein interessantes Thema, ich pers\u00f6nlich finde es faszinierend, sich mit dieser Zeit auseinanderzusetzen. Es gibt viele Themen, die man da noch bearbeiten k\u00f6nnte. Es gibt unheimlich viele Geschichten aus dieser Zeit, die man noch erz\u00e4hlen k\u00f6nnte. <\/p>\n<p><strong><em>krimiblog.de:<\/strong> Dazu gibt es ja eher wenige deutsche Krimis&#8230;<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Es ist auch immer wieder erschreckend. Wie mir viele Leute auf Lesungen sagen, haben sie die Hinrichtung gelesen und dazu Nationalsozialismus, dann gehen sie automatisch davon aus, dass muss der Gute sein und die Anderen sind die B\u00f6sen. Es ist ganz interessant: Mich haben Leser angesprochen und gesagt \u00e2\u20ac\u017eSie haben mich aber ganz sch\u00f6n aufs Glatteis gef\u00fchrt, denn ich habe gemerkt, dass ich ihn unheimlich lange verteidigt hab&#8216; und zwar nur aus dem Grund, weil sein Gnadengesuch abgelehnt wurde und weil er hingerichtet wurde. Deshalb habe ich lange \u00e2\u20ac\u201c n\u00e4mlich dreiviertel des Buches \u00fcber \u00e2\u20ac\u201c gedacht: Das muss der Gute sein.&#8220; Man sieht also die Strukturen und es ist interessant das aufzubrechen. Ich glaube, dass dieses Thema literarisch bei weitem noch nicht aufgearbeitet ist. <\/p>\n<p><strong><em>krimiblog.de:<\/strong> Ist das auch ein Grund f\u00fcr Sie, historische Krimis zu schreiben? Interessiert Sie die Gegenwart nicht?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Nein, es ist nicht so, dass mich die Gegenwart nicht interessiert. Aber im Augenblick interessieren mich diese Themen einfach mehr. Es reicht ja bis in die Gegenwart rein. Ich war in der letzten Woche auf Lesereise, bin her\u00fcber gefahren von D\u00fcsseldorf nach Berlin, war zum ersten Mal wieder in Berlin seit 1988. Ich habe Berlin vor dem Mauerfall gesehen und jetzt. Ich war absolut beeindruckt. Manche Sachen haben ich sofort wiedererkannt, wie die Trib\u00fcnen auf der Avus oder das ICC. Dann f\u00e4hrt man vom Hotel weg, man f\u00e4hrt an der Ged\u00e4chniskriche vorbei und denkt \u00e2\u20ac\u017eAch, die gibt es ja auch noch\u00e2\u20ac\u0153. (lacht) Dann gibt es Ecken, die man vorher nicht gesehen hat oder nicht so gesehen hat. Dann das ganze Gebiet um den Potsdamer Platz, dass ja furchtbar \u00f6de war \u00e2\u20ac\u201c und jetzt&#8230; Dann bin ich von Berlin nach Dresden gefahren, ich bin zum ersten Mal diese Strecke gefahren und es war wahnsinnig interessant. Diese Weite, die man zum Teil hat, die man vorher so nicht gekannt hat. <\/p>\n<p>Auf dem Weg &#8218;r\u00fcber von D\u00fcsseldorf nach Berlin habe ich Joachim Fest <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eIch nicht\u00e2\u20ac\u0153<\/span> auf CD angeh\u00f6rt. Gerade die letzte Sequenz, in der es um die Wiedervereinigung geht, war sehr ergreifend, weil ich genau in dem Moment nach Berlin rein gefahren bin und mich daran erinnert hat, wie ich die Wiedervereinigung empfunden habe. Es war schon ein Wechselbad der Gef\u00fchle. Ich glaube, man kann aus der Zeit \u00e2\u20ac\u201c Drittes Reich bis 1989 \u00e2\u20ac\u201c unheimlich viele Geschichten erz\u00e4hlen. Denn f\u00fcr die eine Generation ist ja, nachdem Deutschland geteilt wurde, ihr Deutschland untergegangen. Und f\u00fcr meine, f\u00fcr unsere Generation ist Deutschland \u00e2\u20ac\u201c ich sag es mal in Anf\u00fchrungszeichen \u00e2\u20ac\u201c nochmal \u00e2\u20ac\u017euntergegangen\u00e2\u20ac\u0153, denn die Bundesrepublik, in der wir aufgewachsen sind, existiert so ja nicht mehr. Es wird einem so richtig bewusst, wenn man durchs Land f\u00e4hrt. Lesereisen bringen sehr, sehr interessante Erfahrungen mit sich.<\/p>\n<p><strong><em>krimiblog.de:<\/strong> Die sie auch als Autorin nutzen werden?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Die ich ohne weiteres auch als Autorin  nutzen kann und mir ist da auch Einiges dazu eingefallen. <\/p>\n<p><strong>&#8222;Es ist wie ein Meer mit lauter kleinen Inseln.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/bilder\/andrea_maria_schenkel_3.jpg\" style=\"float: right; margin-left: 15px; alt=\"Andrea Maria Schenkel by Ludger Menke\" \/> <strong><em>krimiblog.de:<\/strong> Das klingt spannend. Ihre Geschichten sind ja fragmentiert, es sind Einzelstimmen. Wie ist es, wenn Sie schreiben: Haben Sie den Plot, den roten Faden schon vorher im Kopf?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Ich habe den roten Faden, den groben Plot, relativ fr\u00fch. Der wird dann ausgearbeitet, hin und her gew\u00e4lzt, Notizen werden gemacht, umgedacht, weitergedacht. Ich \u00e4ndere dann an den kleinen Geschichten in der Geschichte etwas. Aber das gro\u00dfe Ganze steht fest. Es ist nicht so wie bei manchen Autoren, die sich hinsetzten mit einer wagen Idee und einfach anfangen zu schreiben. Schauen wir mal, wo mich die Figuren hinbringen. So ist das nicht. Es ist ein Leitfaden vorhanden.<\/p>\n<p><strong><em>krimiblog.de:<\/strong> Gibt es schon einen Leitfaden f\u00fcr ein drittes Buch?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Ja, aber leider keine Zeit (lacht). Gott sei Dank ist mein Mann nicht da und hat nicht mitgekriegt, wie ich bei der Buchhandlung zugeschlagen habe, sonst h\u00e4tte er wahrscheinlich gesagt: \u00e2\u20ac\u017eDa hast Du ja \u00fcberhaupt keine Zeit mehr zum Schreiben, wenn Du die ganze Zeit nur liest!\u00e2\u20ac\u0153 Aber es geh\u00f6rt dazu. Das eine geht ohne das andere nicht. Das Schreiben geht ohne das Lesen nicht. <\/p>\n<p><strong><em>krimiblog.de:<\/strong> Gibt es denn Autoren, die sie beeinflussen, die sie gerne lesen oder auch die sie nicht so m\u00f6gen?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Einen Autor, den ich \u00fcberhaupt nicht mag, mit dem ich mich nie anfreunden konnte, ist Thomas Mann. Ich werde immer aggressiv, wenn ich Thomas Mann lese. Es ist die Stimmung, es ist etwas in den Worten, es ist die Art und Weise, in der er schreibt, die mich w\u00fctend macht. Nicht w\u00fctend auf die Figuren im Buch, sondern auf Thomas Mann. Ich denke da immer: \u00e2\u20ac\u017eOh, Menschenskinder, ist der borniert. Ich w\u00fcrde ihn am liebsten packen und sch\u00fctteln. Vielleicht sehe ich das vollkommen falsch, aber ich habe Schwierigkeiten. Wenn ich Thomas Mann lesen, dann ist es nicht die Geschichte, die im Vordergrund steht, sondern der Autor schmuggelt sich nach vorne. Das Bild das Autors \u00fcberlagert die Geschichte und das macht mich w\u00fctend. Mit Klaus Mann oder mit Heinrich Mann habe ich \u00fcberhaupt keine Schwierigkeiten, es ist komischerweise nur der Thomas. <\/p>\n<p><strong><em>krimiblog.de:<\/strong> In ihren B\u00fcchern ist das ja auch nicht so. Sie als Autorin tauchen dort \u00e2\u20ac\u201c soweit ich das beurteilen kann \u00e2\u20ac\u201c auch nicht auf.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Vielleicht bin ich da ja \u00fcberempfindlich. Bei mir ist es Thomas Mann, mit dem ich nicht zurecht komme. Wen ich nach wie vor gerne hab&#8216; ist D\u00fcrrenmatt. Es war am Anfang eine sehr spr\u00f6de Zuneigung, mittlerweile habe ich ihn sehr gern. Als Kind in der Schule, als Schulliteratur, habe ich ihn nicht gemocht, sp\u00e4ter habe ich ihn dann gemocht. Ich lese ihn immer wieder gerne. Manche Autoren bleiben, manche, die mittlerweile fast unmodern geworden sind, wie Brecht. Da mag ich die Lyrik. Shakespeare liebe ich auch (lacht). <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eRichard III.\u00e2\u20ac\u0153<\/span> Es ist wie ein Meer mit lauter kleinen Inseln. Manche tauchen auf, die findet man toll, manche verschwinden nach einer Zeit wieder und manche bleiben immer da. <\/p>\n<p><strong><em>krimiblog.de:<\/strong> Aber ob das Einfluss auf Ihr eigenes Schreiben hat, k\u00f6nnen Sie vermutlich gar nicht sagen?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Nein, dass kann ich nicht sagen. Ich kann nicht sagen, den mag ich gerne, den bewundere ich, weil er das und das geschrieben hat. Es sind so Kleinigkeiten. Ich bewundere zum Beispiel Fruttero und Lucentini f\u00fcr ihr Buch <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eDu bist so bla\u00df\u00e2\u20ac\u0153<\/span>.  Ich finde das Buch gigantisch und toll! Es ist ganz schmal, ganz klein und es erz\u00e4hlt die Geschichte einer Frau, die ihrem eigenen Sterben einen Tag lang hinterher hinkt. Die vor lauter Terminen vergessen hat zu sterben. Ich finde die Geschichte skurril und nett. Ich wei\u00df nicht, ob ich sie noch so gut finden w\u00fcrde, wenn ich sie jetzt wieder lesen w\u00fcrde, aber in der Erinnerung ist sie toll. Ich finde, dass ist ein toller Einfall und eine tolle Idee und ich beneide sie darum. Es ist eine wundersch\u00f6ne Spielerei. Das m\u00fcssen Sie mal lesen.<\/p>\n<p>Manchmal hat man Sachen in Erinnerung, die viel Spa\u00df gemacht haben, die einem zu dem Zeitpunkt viel bedeutet haben und wenn man es nach Jahren wieder herausholt, dann stellt man fest \u00e2\u20ac\u017eUm Gottes Willen, der hat mir ja \u00fcberhaupt nichts mehr zu sagen.\u00e2\u20ac\u0153 Man ist eigentlich frustriert, mir geht es manchmal so. Mir ist es letztes Jahr so gegangen mit Hesse. Ich habe gedacht: \u00e2\u20ac\u017eAch, ich muss den <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u017eSteppenwolf\u00e2\u20ac\u0153<\/span> mal wieder lesen\u00e2\u20ac\u0153. Es ist ein totales Jugendbuch und ich habe gedacht, ich bin im falschen Film. Das legst du jetzt sofort wieder weg! Sonst zerst\u00f6rst du dir deine guten Erinnerungen. Obwohl: Damals war es ja ziemlich toll.<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/bilder\/kalteis_schenkel.jpg\" style=\"float: left; margin-right: 10px; alt=\"Andrea Maria Schenkel Kalteis\" \/><strong><em>krimiblog.de:<\/strong> Sie sind jetzt so viel unterwegs, f\u00fchren viele Interviews. Gibt es eine Frage, die ihnen noch nicht gestellt wurde, die sie aber gerne einmal beantworten m\u00f6chten?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Nein! (lacht) Nein! Mir f\u00e4llt jedenfalls keine spontan ein.<\/p>\n<p><strong><em>krimiblog.de:<\/strong> Viel Erfolg, auch mit dem neuen, geplanten Buch, zu dem sie wahrscheinlich nicht viel sagen werden?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Ja, es sind jetzt genau 20 Manuskriptseiten und ich komme nicht vorw\u00e4rts. Wenn man Mann jetzt die B\u00fccher sieht, wird er mich schimpfen und sagen: \u00e2\u20ac\u017eDu kommst wieder nicht vorw\u00e4rts\u00e2\u20ac\u0153. Muss er ja nicht wissen.<\/p>\n<p><strong><em>krimiblog.de:<\/strong> Frau Schenkel, vielen Dank f\u00fcr das Interview!<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrea Maria Schenkel:<\/em><\/strong> Vielen Dank!<\/p>\n<blockquote><p><strong>Die B\u00fccher:<\/strong><br \/>\n<strong>Andrea Maria Schenkel: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Tann\u00f6d<\/span><\/strong>. &#8211; Hamburg : Editon Nautilus, 2006<br \/>\nISBN: 3-89401-479-2<br \/>\nBuch bestellen bei:<br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3894014792\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2701&amp;type=text&amp;tnb=8&amp;pid=3894014792\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2176&amp;type=text&amp;tnb=3&amp;pid=3894014792\">\u00bb buch24.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=3894014792\" target=\"_blank\">\u00bb buecher.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Andrea Maria Schenkel: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Kalteis<\/span><\/strong>. &#8211; Hamburg : Edition Nautilus, 2007<br \/>\nISBN: 978-3-89401-549-7<br \/>\nBuch bestellen bei:<br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3894015497\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2701&amp;type=text&amp;tnb=8&amp;pid=3894015497\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2176&amp;type=text&amp;tnb=3&amp;pid=3894015497\">\u00bb buch24.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=3894015497\" target=\"_blank\">\u00bb buecher.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Die Homepage:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/andreamariaschenkel.de\/\">&rarr; andreamariaschenkel.de &#8211; offizielle Homepage<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[42,129,181,223,256,276,384,487,509,520],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/897"}],"collection":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=897"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/897\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=897"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=897"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=897"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}