{"id":907,"date":"2007-12-13T17:48:27","date_gmt":"2007-12-13T16:48:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/907\/krimi-retrospektiv-die-krimi-veranstaltungen-des-jahres-2007.html"},"modified":"2007-12-13T17:48:27","modified_gmt":"2007-12-13T16:48:27","slug":"krimi-retrospektiv-die-krimi-veranstaltungen-des-jahres-2007","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=907","title":{"rendered":"Krimi retrospektiv: Die Krimi-Veranstaltungen des Jahres 2007"},"content":{"rendered":"<p>M\u00f6rder, Macher, Moderatoren \u00e2\u20ac\u201c das Krimijahr 2007 war auch ein Jahr der Events, wie Veranstaltungen zeitgem\u00e4\u00df heute genannt werden. Kaum ein Monat, in dem nicht irgendwo zum Krimi-Festival geladen wurde oder Krimi-Tage im Kulturkalender einer Stadt dick angestrichen waren. Ob Metropolen wie Berlin, M\u00fcnchen und Hamburg oder l\u00e4ndliche Regionen wie Eifel und Ostfriesland \u00e2\u20ac\u201c im Land der Regionalgrimmis und Hochglanz-Blutschmonzetten bestimmte in vielen Orten munteres Vorlesen das kriminelle Kulturgeschehen. Und nat\u00fcrlich waren und sind da die Stimmen, die mit Recht vor einer \u00e2\u20ac\u017eEventisierung\u00e2\u20ac\u0153 warnen. Denn wer auf die Festivals und Tage des Jahres 2007 zur\u00fcck schaut, der wird schnell den Eindruck erhalten, dass \u00f6fter das Nebens\u00e4chliche \u00e2\u20ac\u201c ungew\u00f6hnliche Leseorte wie Pathologie oder Gerichtss\u00e4le, merkw\u00fcrdige Kombinationen aus \u00e2\u20ac\u017eKrimi + Essen\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017eKrimi + Wein\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017eKrimi + Dessous\u00e2\u20ac\u0153 oder ein fr\u00f6hlich-langweiliges Showprogramm \u00e2\u20ac\u201c im Vordergrund stand als der kriminalliterarische Text. Es ist erstaunlich, dass Texte, die auch und manche sogar ausschlie\u00dflich einen Unterhaltungsanspruch haben, durch zus\u00e4tzliches, m\u00f6glichst buntes und grelles Brimborium dem geneigten Publikum n\u00e4her gebracht werden m\u00fcssen. Liegt das an der Schw\u00e4che der Texte? Ganz bestimmt. Liegt es an der Ignoranz des Publikums, dessen Reizschwelle so hoch ist, dass es den Allerwertesten nur noch vom Sofa erhebt, wenn es jede Menge Gruselspa\u00df in gruseliger Atmosph\u00e4re von gruseligen Autoren vorgetragen bekommt und dies durch besonders gruselige Moderationen zusammen geklascht wird? Auch m\u00f6glich. Krimi, verkommen zum Entertainment-Monster, das auf \u00f6ffentlichem Parkett nur als Super-Mega-Firlefanz-Event funktioniert? Nur ertragbar f\u00fcr einen, der auszog, das Gruseln zu lernen?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise gab es auch in diesem Jahr Ausnahmen. Etwa diese wunderbar schr\u00e4ge Vorstellung, die <a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/708\/krimipodcast-nr-7-interview-mit-nury-vittachi.html\">Nury Vittachi<\/a> im M\u00e4rz w\u00e4hrend des M\u00fcnchener Krimifestivals im Ampere ablieferte. Ein Moderator, der sich dezent im Hintergrund hielt, ein Schauspieler, der exzellent las und ein Autor, der keine Silbe aus seinem Buch vortrug, daf\u00fcr aber einen gl\u00e4nzenden und unterhaltsamen Einblick in die Welt seines Fengshui-Detektivs Wong liefert. Eine One-Man-Literaturshow, die aber nur funktionierte, weil Vittachi seine Literatur lebt, zumindest vor Publikum. Ja, das war auch Unterhaltung \u00e2\u20ac\u201c aber fest in der Literatur, die sie vermitteln will, verankert. Kein \u00fcberfl\u00fcssiger Firlefanz, keine Pathologie \u00e2\u20ac\u201c einfach nur ein Mann, der gute Geschichten erz\u00e4hlt und so seine Zuh\u00f6rer \u00fcber zwei Stunden in Bann h\u00e4lt \u00e2\u20ac\u201c welcher Autor schafft das schon?<\/p>\n<p>Ebenfalls sehr schr\u00e4g war der Abend mit Friedrich Ani und Oliver Bottini w\u00e4hrend des Hamburger Krimifestivals im November. Wer die Romane der beiden Autoren kennt, wei\u00df, wovon eigentlich die Rede sein sollte. In den Krimis geht es um Existenzielles, um Gott suchende Ex-M\u00f6nche, die als Polizisten arbeiten, um Selbstm\u00f6rder, sexuelle Gewalt, D\u00e4monen bek\u00e4mpfende Ex-Alkoholikerinnen, Balkankriege \u00e2\u20ac\u201c das Elend der Welt geballt. Literatur, die \u00e2\u20ac\u201c wie die Welt \u00fcberhaupt \u00e2\u20ac\u201c ohne Antidepressiva kaum zu ertragen ist. Was aber machen die beiden daraus? Setzen sich in die Kulissen eines Krimitheaters, die unfreiwillig komisch war, und lassen sich von einem Moderator, der an dem Abend den dr\u00f6gen Norddeutschen gibt, unsinnige Frage stellen und feiern ein Feuerwerk bayerischer Lausbubenstreiche ab. Dadaismus reloaded. Ja, sie haben aus ihren B\u00fcchern gelesen \u00e2\u20ac\u201c und vielleicht war das der gr\u00f6\u00dfte Fehler des Abends, denn ihre B\u00fccher kann man auch immer noch zu Hause aufschlagen. Ihre gemeinsame Freakshow hingegen war in ihrer wunderbaren Absurdit\u00e4t klasse. Wer braucht da noch Wein oder Dessous?<\/p>\n<p>Zwei Ausnahmeveranstaltungen, die so unertr\u00e4gliche, egomanische Selbstdarsteller wie Ulrich Wickert \u00e2\u20ac\u201c f\u00fcr seine Moderation der Er\u00f6ffnungsveranstaltung des Hamburger Krimifestivals ist eine Ehrenplatzpatrone f\u00e4llig \u00e2\u20ac\u201c vergessen machen. Gerade weil sie sich von der Literatur f\u00fcr ein paar Stunden gel\u00f6st haben, trugen sie mehr zum Verst\u00e4ndnis der Romane bei, als so mancher einschl\u00e4fernder Autorenvortrag oder manche geistlose Frage-Antwort-Runde. Auf solche Lesungen freue ich mich im n\u00e4chsten Jahr. <\/p>\n<p>Mehr Krimi retrospektiv gibt es in den n\u00e4chsten Tagen \u00e2\u20ac\u201c dann lasse ich noch mal meine Begegnungen mit den Menschen Revue passieren, die ich in diesem Jahr zum Thema Krimi getroffen habe oder mich dieses Jahr besonders beeindruckt haben. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00f6rder, Macher, Moderatoren \u00e2\u20ac\u201c das Krimijahr 2007 war auch ein Jahr der Events, wie Veranstaltungen zeitgem\u00e4\u00df heute genannt werden. Kaum ein Monat, in dem nicht irgendwo zum Krimi-Festival geladen wurde oder Krimi-Tage im Kulturkalender einer Stadt dick angestrichen waren. 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