{"id":911,"date":"2007-12-31T20:02:14","date_gmt":"2007-12-31T19:02:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/911\/krimi-retrospektiv-lob-hudel-pauken-trompeten-2007.html"},"modified":"2007-12-31T20:02:14","modified_gmt":"2007-12-31T19:02:14","slug":"krimi-retrospektiv-lob-hudel-pauken-trompeten-2007","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=911","title":{"rendered":"Krimi retrospektiv: Lob &#038; Hudel, Pauken &#038; Trompeten 2007"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Dreh&#8216; Dich nicht um! Schau&#8216; nicht zur\u00fcck!&#8220; &#8211; zum Jahreswechsel versto\u00dfe ich gerne  gegen diese Krimigebote. Noch einmal lasse ich \u00e2\u20ac\u201c nat\u00fcrlich ganz pers\u00f6nlich &#8211; Revue passieren, welche B\u00fccher mich im Jahr 2007 beeindruckten und welche an meinen Nerven s\u00e4gten. <\/p>\n<p><strong>Lob &#038; Hudel: <\/strong><br \/>\nEine Entdeckung im Herbst war f\u00fcr mich Giwi Margwelaschwilis <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Officer Pembry&#8220;<\/span>. Ein Buch jenseits aller Genregrenzen, das Krimi, Thriller Science-Fiction, literarisches Spiel und Kulturkritik grandios vereint. Wie sich der echte Officer Pembry mit Hilfe des Beamten Meinleser von der Prospektiven Kriminalpolizei gegen die eigene Ermordung durch Hannibal Lecter wappnet, die  in dem hundert Jahre alten Roman <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Das Schweigen der L\u00e4mmer&#8220;<\/span> so detailliert beschrieben und vorweg genommen ist, das ist ein tolles Spiel mit Fiktion und Realit\u00e4t. Wer in Zukunft (!) \u00fcber \u00e2\u20ac\u017erealistische Kriminalliteratur\u00e2\u20ac\u0153 nachdenkt, kommt um die phantastische und spielerisch-ernste Gedankenwelt des Ontotextologen Margwelaschwili eigentlich nicht herum.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nSpielerisch auf ganz andere Weise verf\u00e4hrt Gilbert Adair in seinem zweiten Evadne-Mount-Roman <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Ein stilvoller Mord in Elstree&#8220;<\/span>. Wie schon im Vorg\u00e4nger <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Mord auf ffolkes Manor&#8220;<\/span> n\u00e4hert sich Adair mit einem liebevollen und gleichzeitig sehr kritischen Blick der Grand Dame des Kriminalromans, Agatha Christie. Wie ein hervorragender Stilist hier aus Liebe zum klassischen Kriminalroman \u00fcber seinen schriftstellerischen Schatten springt, das ist gro\u00dfes Kino. Womit gleich das Stichwort gefallen ist, denn der Roman spielt in der der englischen Filmwelt und da gibt es dann gleich auch noch ein wundersch\u00f6nes und schr\u00e4ges Portrait des Schreckenmeisters Alfred Hitchcock. Eine Klasse f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>Ein dritter Spieler, wieder anders. Pablo De Santis, gepr\u00e4gt durch Autoren wie Kafka, Borges oder Casares, inszenierte mit seinem Roman <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Die sechste Laterne&#8220;<\/span> eine glanzvolle Liebeserkl\u00e4rung an die Macht und Magie der Einbildungskraft. Das ist gro\u00dfartige Krimnalliteratur \u00fcber Literatur.<\/p>\n<p>Nicht vergessen werden sollte der sch\u00f6n gestaltete Katalog <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;anders denken \u00e2\u20ac\u201c Kr\u00e4hen-Krimis und Zeitprobleme: der Nest-Verlag von Karl Anders&#8220;<\/span>, der zur gleichnamigen Ausstellung erschienen ist. Die Kriminalliteratur in Deutschland entdeckt ihre Wurzeln und dieser Katalog ist dabei eine lustvolle Hilfe. <\/p>\n<p><strong>Pauken &#038; Trompeten<\/strong><br \/>\nZu den Nervens\u00e4gen des kriminalliterarischen Betriebs geh\u00f6rt zweifelsohne Stefan Maelck. Sein Roman <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;T\u00f6dliche Zugabe&#8220;<\/span>, in dem es irgendwie auch um den Mord an Musikern geht, ist einfach nur dumpfbackiges Geschreibsel, jenseits jeder Schmerzgrenze. Maelcks krampfhafter Versuch, auf Kosten der Opfer des Amoklaufs von Erfurt lustig zu sein, ist nicht einmal mehr peinlich, es ist einfach nur dumm. Im Vergleich zu dem Roman von Stefan Maelck ist Mario Barth intellektuelle Unterhaltung \u00e2\u20ac\u201c ehrlich.<\/p>\n<p>Dagegen wirkt Marcel Feiges Roman <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Wut&#8220;<\/span> ja geradezu noch niedlich. Feige, der sich unter anderem als Biograph von Nina Hagen einen Namen gemacht hat, tappt in seinem ersten Thriller in so ziemlich jedes Klischeen\u00e4pfchen, das schon hundert andere Autoren auch nicht ausgelassen haben. Er hat es bestimmt gut gemeint, sollte aber in Zukunft keine Thriller schreiben, die Berliner U-Bahn, Obdachlosigkeit, Klimawandel und perverse Serienkiller unter einen Hut bringen wollen. <\/p>\n<p>Als Beispiel f\u00fcr die zahlreichen Designerkrimis und -thriller, die mir 2007 unter die Augen gekommen sind, sei Gillian Flynns <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Cry Baby&#8220;<\/span> genannt. Ihr Frauen-, Familien- und Psycho-Roman ist mehr Produkt als Buch. Mit Literatur \u00e2\u20ac\u201c selbst mit schlechter \u00e2\u20ac\u201c hat das gar nichts mehr zu tun. Das ist Hochglanzelend pur. Ungef\u00e4hr so tragisch wie Britney Spears. <\/p>\n<p><strong>Auf ein gutes, spannendes und aufregendes 2008!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Dreh&#8216; Dich nicht um! Schau&#8216; nicht zur\u00fcck!&#8220; &#8211; zum Jahreswechsel versto\u00dfe ich gerne gegen diese Krimigebote. Noch einmal lasse ich \u00e2\u20ac\u201c nat\u00fcrlich ganz pers\u00f6nlich &#8211; Revue passieren, welche B\u00fccher mich im Jahr 2007 beeindruckten und welche an meinen Nerven s\u00e4gten. Lob &#038; Hudel: Eine Entdeckung im Herbst war f\u00fcr mich Giwi Margwelaschwilis &#8222;Officer Pembry&#8220;. 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