{"id":929,"date":"2008-01-19T22:58:53","date_gmt":"2008-01-19T21:58:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/929\/deutscher-krimipreis-2008.html"},"modified":"2008-01-19T22:58:53","modified_gmt":"2008-01-19T21:58:53","slug":"deutscher-krimipreis-2008","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=929","title":{"rendered":"Deutscher Krimipreis 2008"},"content":{"rendered":"<p>Zum 24. Mal wurden die Preistr\u00e4ger des Deutschen Krimipreises bekannt geben. Der nicht dotierte Preis wird unter der organisatorischen Obhut des Bochumer Krimiarchivs vergeben. Die Jury hat getagt und meint, dass folgende Titel die besten Krimis des vergangenen Jahres sind:<\/p>\n<p><strong>National:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>1. Platz: <a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/897\/interview-mit-andrea-maria-schenkel.html\">Andrea Maria Schenkel<\/a>: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Kalteis<\/span> (Edition Nautilus )<\/li>\n<li>2. Platz: Heinrich Steinfest: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Die feine Nase der Lilli Steinbeck<\/span>(Piper)<\/li>\n<li>3. Platz: Jan Costin Wagner: <span style=\"font-variant: small-caps;\"><a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/825\/jan-costin-wagner-das-schweigen.html\">Das Schweigen<\/a><\/span> (Eichborn Berlin)<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>International:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>1. Platz: James Sallis: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Driver<\/span> (Drive) &#8211; Deutsch von J\u00fcrgen B\u00fcrger (Liebeskind)<\/li>\n<li>2. Platz: Martin Cruz Smith: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Stalins Geist<\/span> (Stalin&#8217;s Ghost) &#8211; Deutsch von Rainer Schmidt (C. Bertelsmann)<\/li>\n<li>3. Platz: Matti R\u00f6nk\u00e4: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Der Grenzg\u00e4nger<\/span> (Tappajan n\u00e4k\u00f6inen mies) Deutsch von Gabriele Schrey-Vasara (Grafit)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Begr\u00fcndungen im Einzelnen:<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong>1. Platz National<br \/>\nAndrea Maria Schenkel: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Kalteis<\/span><br \/>\nEdition Nautilus, Hamburg<\/strong><\/p>\n<p>M\u00fcnchen, Ende der 30er Jahre: S\u00fc\u00df und sehns\u00fcchtig ist der Traum vom Gl\u00fcck in der gro\u00dfen Stadt \u00e2\u20ac\u201c auch Kathie tr\u00e4umt ihn und entflieht der Enge des d\u00f6rflichen Lebens. Manch eine ist hier schon unter die R\u00e4der gekommen, aber sie wird es schon schaffen. Oder? Dunkelhaarig, kr\u00e4ftig und h\u00fcbsch ist sie, wie die Frauen, die seit einiger Zeit in M\u00fcnchen und Umgebung spurlos verschwinden. Der Teufel scheint auf dem Fahrrad unterwegs zu sein. <\/p>\n<p>Der gro\u00dfartig komponierte Roman, der im Wechsel der Erz\u00e4hlperspektive am Beispiel einer jungen Frau blitzlichthaft das Gesellschaftspanorama einer Epoche beleuchtet, ist von einer unwiderstehlichen Sogwirkung.<br \/>\n(Wolfgang Platzeck, WAZ)<\/p>\n<p>Andrea Maria Schenkel lebt in Nittendorf (Lkr. Regensburg).<\/p>\n<p><strong>2. Platz National<br \/>\nHeinrich Steinfest: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Die feine Nase der Lilli Steinbeck<\/span> (Piper, M\u00fcnchen)<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDas Auff\u00e4lligste an der ausgesprochen schlanken und eleganten Lilli Steinbeck ist ihre Nase. Eine Nase, die ihr eine Schar stark verunsicherter Bewunderer beschert. Als international anerkannte Spezialistin f\u00fcr Entf\u00fchrungsfragen wird sie von der Polizei in einen brisanten Fall eingeschaltet &#8211; in ein Spiel mit zehn lebenden Figuren, um die ein weltweit operierendes Verbrecherteam k\u00e4mpft. Auf allerh\u00f6chstem Niveau und zum Zeitvertreib. Es gewinnt, wer alle zehn Spieler get\u00f6tet hat &#8230; <\/p>\n<p><span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00bbDie feine Nase der Lilli Steinbeck\u00ab<\/span> beweist &#8211; noch klarer als andere Geschichten von Heinrich Steinfest &#8211; eines: Wenn einer nur den Willen und das Format dazu hat, dann ist, auch und gerade<br \/>\nheute, wo schon alles erz\u00e4hlt scheint, im Krimi, in der Erz\u00e4hlkunst, in der Literatur, ALLES  m\u00f6glich.<br \/>\n(Ulrich Noller, WDR)<br \/>\nHeinrich Steinfest lebt in Stuttgart<\/p>\n<p><strong>3. Platz National<br \/>\nJan Costin Wagner: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Das Schweigen<\/span> (Eichborn Berlin)<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Niemand wei\u00df besser als Kimmo Joentaa, wie es sich anf\u00fchlt, einen geliebten Menschen zu verlieren. Deshalb h\u00fctet sich der Kriminalkommissar aus Turku davor, den Eltern von Sinikka Vehkasalo zu widersprechen. Ihnen die Hoffnung zu nehmen, dass ihre Tochter noch leben k\u00f6nnte. Auch wenn er es besser wei\u00df. Wissen muss. Denn die Parallelen sind zu offensichtlich. Wenn dreiunddrei\u00dfig Jahre nach dem ungekl\u00e4rten Mord an einem jungen M\u00e4dchen an genau der gleichen Stelle ein anderes M\u00e4dchen unter \u00e4hnlichen Umst\u00e4nden verschwindet, muss es einen<br \/>\nZusammenhang geben.<\/p>\n<p>Der gesamte Roman ist aufgeladen mit Trauer, die Leute haben \u00bbeinen stillen Schmerz in den Augen\u00ab &#8211; ich schw\u00f6re: es ist der traurigste Kriminalroman, der je geschrieben wurde, und wem nicht sp\u00e4testens bei der Reaktion der Mutter die Tr\u00e4nen kommen, der sollte doch mal wieder mit<br \/>\njemandem sprechen. (G\u00fcnther Grosser, Berliner Zeitung)<\/p>\n<p>Jan Costin Wagner lebt in Hainburg in Hessen<\/p>\n<p><strong>1. Platz International: James Sallis: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Driver<\/span> (Drive)<br \/>\nDeutsch von J\u00fcrgen B\u00fcrger (Liebeskind)<\/strong><\/p>\n<p>Driver ist kein Verbrecher. Jedenfalls nicht im engeren Sinne. Er ist nur der beste Stuntfahrer, den man in Hollywood kriegen kann. Und manchmal f\u00e4hrt er bei Raub\u00fcberf\u00e4llen den Fluchtwagen, obwohl ihn das gar nicht so richtig interessiert. Genauso wenig wie die Hollywoodfilme. Eigentlich will er nur fahren. Aber dann l\u00e4uft einer dieser \u00dcberf\u00e4lle schief, und Driver findet sich in einem sch\u00e4bigen Motel in Arizona wieder, mit mehreren Leichen im Zimmer und einer Tasche voller Geldscheine. Eigentlich sollte auch er tot sein, denn der Raub\u00fcberfall war eine abgekartete Sache \u00e2\u20ac\u00a6<\/p>\n<p>Ein Buch, so knapp und so lakonisch wie ein fr\u00fcher Clint Eastwood-Film. <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00bbDriver\u00ab<\/span> ist das, was man noir nennt &#8211; eine Skizze aus der Welt jenseits des Gesetzes &#8211; die nach ihren ganz eigenen Regeln funktioniert. Noir ist auch eine Schreibhaltung &#8211; die James Sallis perfekt beherrscht: lakonisch, auf den Punkt, kein Wort, kein Satz zuviel. Aber auch kein Wort und keinen Satz zu wenig.<br \/>\n(Reinhard Jahn, Bochumer Krimi Archiv)<\/p>\n<p>James Sallis lebt in den USA<\/p>\n<p><strong>2. Platz International: Martin Cruz Smith: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Stalins Geist<\/span> (Stalin&#8217;s Ghost)<br \/>\nDeutsch von Rainer Schmidt (C. Bertelsmann)<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Ein Anruf, den Arkidi Renko zuf\u00e4llig auf dem Apparat eines Kollegen annimmt und der sich als Mordauftrag entpuppt, versetzt den Chefermittler der Moskauer Polizei mitten in dies ehrenwerte Gesellschaft der alten Seilschaften und der Mafia, deren Verbindungen bis ins Herz der Moskauer Polizei reichen. Renko folgt den Spuren der geheimnisumwitterten OMON, die im Tschetschenien- Krieg als ber\u00fcchtigte Elite-Einheit agierte, und st\u00f6\u00dft dabei auf diverse Leichen, grausige Relikte der Vergangenheit.<\/p>\n<p>In seinem Roman <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00bbGorki Park\u00ab<\/span> vor gut zwei Jahrzehnten inszenierte Martin Cruz Smith den kalten Pomp der Sowjetmacht. Jetzt versetzt er den Leser in das Moskau des Raubtierkapitalismus und erschreckt und verzaubert gleicherma\u00dfen. Ein brillantes Portr\u00e4t des von Putin gepr\u00e4gten Russland.<br \/>\n(Manfred Sarrazin, Krimibuchhandlung Alibi)<br \/>\nMartin Cruz Smith lebt in den USA<\/p>\n<p><strong>3. Platz Internat.: Matti R\u00f6nk\u00e4: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Der Grenzg\u00e4nger<\/span> (Tappajan n\u00e4k\u00f6inen mies)<br \/>\nDeutsch von Gabriele Schrey-Vasara (Grafit)<\/strong><\/p>\n<p>Viktor K\u00e4rpp\u00e4 ist russischer Emigrant &#8211; und ein Mann mit vielen F\u00e4higkeiten. Da sein Diplom der St. Petersburger Sportakademie in Finnland nichts wert ist und er seine kurze Karriere beim KGB geheim halten will, hat er in Helsinki ein Detektivb\u00fcro er\u00f6ffnet. Viktor nimmt Auftr\u00e4ge aller Art an und dient vielen Herren auf beiden Seiten der finnisch-russischen Grenze. F\u00fcr den Antiquar Aarne Larsson soll er dessen Ehefrau Sirje aufsp\u00fcren, die spurlos verschwunden ist. Ein Routineauftrag, denkt Viktor. Doch die Suche nach der jungen Frau st\u00f6rt die Kreise gnadenloser Gangster. Denn bald stellt sich heraus, dass Sirje die Schwester des estnischen Drogenk\u00f6nigs Jaak Lillepuu ist. <\/p>\n<p>Mit dem klassischen Setting des Detektivromans l\u00e4sst R\u00f6nk\u00e4 seine Geschichte beginnen, die er souver\u00e4n und dramaturgisch raffiniert weiterentwickelt. R\u00f6nk\u00e4s Sprache ist klar, erfrischend geradlinig, jegliche Manierismen sind ihr fremd. Da muss sich keiner beweisen, dass er schreiben kann. (Volker Albers, Hamburger Abendblatt)<br \/>\nMatti R\u00f6nk\u00e4 lebt in Finnland<\/p>\n<p>Kritik, Beschwerden und Fragen bitte an die Jury, deren Mitglieder <a href=\"http:\/\/deutscher-krimipreis.de\/\">&rarr; hier nachgelesen<\/a> werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum 24. Mal wurden die Preistr\u00e4ger des Deutschen Krimipreises bekannt geben. 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