{"id":958,"date":"2008-03-06T14:25:16","date_gmt":"2008-03-06T13:25:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/958\/krimi-nostalgie-und-nackte-zahlen.html"},"modified":"2008-03-06T14:25:16","modified_gmt":"2008-03-06T13:25:16","slug":"krimi-nostalgie-und-nackte-zahlen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=958","title":{"rendered":"Krimi-Nostalgie und nackte Zahlen"},"content":{"rendered":"<p>Es scheinen l\u00e4ngst vergangene Zeiten zu sein. Zuf\u00e4llig bin ich beim Surfen auf einen \u00e4lteren Artikel aus der &#8222;Zeit&#8220; gesto\u00dfen. <a href=\"http:\/\/images.zeit.de\/text\/1971\/42\/Blut-und-Leichen-zu-kleinen-Preisen\">&rarr; &#8222;Blut und Leichen zu kleinen Preisen&#8220;<\/a> hei\u00dft der, wurde von Ingeborg Zaunitzer-Haase geschrieben und ist 1971 erschienen. Eine zeitgen\u00f6ssische Bestandsaufnahme der Kriminalliteratur  und ein kleiner Einblick in die Arbeit von Richard K. Flesch, dem damaligen Krimilektor bei Rowohlt, gerne auch als &#8222;Leichen-Flesch&#8220; betitelt. Ach, was findet sich da:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;\u00dcberhaupt sind \u00e2\u20ac\u017eBestseller&#8220; wie die Krimis des US-Autors Harry Kemelmann (Auflage \u00fcber 250 000) oder des schwarzh\u00e4utigen Amerikaners Chester Himes (etwa 140 000) in dieser Branche selten. Meist dr\u00e4ngen sich Erstauflagen unter 20 000 St\u00fcck in Kiosks und Buchhandlungen; Zweitauflagen sind schon Ausnahmen. Rororo druckt beispielsweise zuerst rund 17 500 St\u00fcck eines Titels, Goldmann &#8222;macht&#8220;  um die 15 000, Ullstein startet mit knappen 20 000 und Heyne findet seine Kostenrechnung bei etwa 16 000 Exemplaren.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Und dann solche Einsch\u00e4tzungen, die wie ein fernes Echo klingen:<\/p>\n<blockquote><p><em>Heyne leidet zur Zeit ein wenig unter Profilneurose. Georges Simenons Kommissar Maigret bringt keine Massenums\u00e4tze. So wird viel mit neuen Autoren gearbeitet wie John Mac Donald, Robert Crawford, Michel Lebrun. Reihenchef Werner M\u00fcller-Reymann meint: \u00e2\u20ac\u017eWir leiden unter der Crux aller Verlage: Die Zeit der gro\u00dfen Kriminalautoren scheint vorbei zu sein.&#8220;<\/p>\n<p>In Wahrheit ist nicht die Zeit, sondern die Gelegenheit vorbei: Als mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges auch das Ende des Lizenzverbots anbrach, gab es f\u00fcr Krimiverlage selige Zeiten. \u00e2\u20ac\u017eWir hatten einen halben Meter Carter Brown&#8220;, erinnert sich Jutta Wannemacher, \u00e2\u20ac\u017eheute sind die Reserven so gut wie aufgebraucht.&#8220;<\/p>\n<p>So versucht Ullstein sich zu behelfen, indem in Doppelb\u00e4nden ein bekannter mit einem noch unbekannten Autor zusammengebunden wird. \u00e2\u20ac\u017eAber&#8220;, sagt Frau Wannemacher, \u00e2\u20ac\u017eNewcomer zu lancieren, ist ein schwieriges Gesch\u00e4ft.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Es gibt auch nackte Zahlen:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Von den Autorenhonoraren in der Taschenkrimibranche ist noch kein Schreiber reich geworden. Relativ am besten bezahlt Heyne: Seine Krimiautoren bekommen ungef\u00e4hr 2400 bis 2700 Mark f\u00fcr 160 bis 180 Druckseiten. Dieses Honorar deckt eine Garantieauflage um&#8216; 20 000 St\u00fcck.<\/p>\n<p>Goldmann pflegt ausl\u00e4ndischen Autoren durchschnittlich 1350 f\u00fcr 15 000 gedruckte Exemplare zu zahlen. Geht das Buch so gut, da\u00df sich ein Nachdruck lohnt \u00e2\u20ac\u201d der bei mindestens 5000 Exemplaren liegt \u00e2\u20ac\u201d so erh\u00e4lt der Autor weitere 8 bis 9 Pfennig f\u00fcr jedes St\u00fcck, das die Erstauflage von 15 000 \u00fcberschreitet. Es gibt aber auch \u00e2\u20ac\u201d meist unbekannte, deutsche \u00e2\u20ac\u201d Autoren, die mit erheblich geringeren Honoraren vorlieb nehmen m\u00fcssen. Einem jungen Mann beispielsweise, der k\u00fcrzlich sein \u00e2\u20ac\u017eErstlingswerk&#8220; offerierte, bot Goldmann f\u00fcr 260 Schreibmaschinenseiten ganze 500 Mark.<\/p>\n<p>Ullstein zahlt seinen Krimiautoren rund 2100 Mark f\u00fcr bis zu 30 000 gedruckte Exemplare. Rowohlt-Honorare d\u00fcrften etwa in der gleichen Gr\u00f6\u00dfenordnung liegen. Desch gibt f\u00fcnf Prozent des Verkaufspreises und zahlt bei Vertragsabschlu\u00df einen Vorschu\u00df von tausend Mark. Faustregel und Durchschnitt aller Krimiverlage: 1500 Mark Honorar f\u00fcr je 15 000 Druckexemplare. Zahlungsweise: erste H\u00e4lfte bei Vertragsabschlu\u00df, Zweite H\u00e4lfte bei Erscheinen des Buches. Nebenrechte wie Einnahmen f\u00fcr Fernsehbearbeitungen oder Zeitungsvorabdrucke werden meist etwa im Verh\u00e4ltnis 50 : 50 oder 40 : 60 zwischen Verlag und Autor geteilt. Diese Nebenrechte gewinnen als Einnahmequelle st\u00e4ndig an Bedeutung.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Dann gibt es noch einen sch\u00f6nen, langen Exkurs \u00fcber ausl\u00e4ndische Krimis, \u00dcbersetzungen, Agenturen und Titelfindungen. Krimimachen war eben schon damals kein leichtes Gesch\u00e4ft. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es scheinen l\u00e4ngst vergangene Zeiten zu sein. Zuf\u00e4llig bin ich beim Surfen auf einen \u00e4lteren Artikel aus der &#8222;Zeit&#8220; gesto\u00dfen. &rarr; &#8222;Blut und Leichen zu kleinen Preisen&#8220; hei\u00dft der, wurde von Ingeborg Zaunitzer-Haase geschrieben und ist 1971 erschienen. Eine zeitgen\u00f6ssische Bestandsaufnahme der Kriminalliteratur und ein kleiner Einblick in die Arbeit von Richard K. 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