{"id":97,"date":"2005-03-30T21:19:07","date_gmt":"2005-03-30T19:19:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.der-buecherfreund.de\/?p=97"},"modified":"2005-03-30T21:19:07","modified_gmt":"2005-03-30T19:19:07","slug":"hefte-raus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=97","title":{"rendered":"Du sollst nicht langweilen!"},"content":{"rendered":"<p>Ein kleiner Ansatz zur der <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/03\/crime-school-hefte-raus-klassenarbeit.php\" target=\"_blank\">Hausaufgabe in der Crime-School<\/a>. Was habe ich in den Tiefen des Archivs entdeckt? Zum Beispiel einen Artikel zur Geschichte des Detektivromans <\/p>\n<hr noshade style=\"width:300px; color:#000080; height:3px; text-align:center; border:1px solid black;\"\/>\n<p>Was eigentlich ein Detektivroman ist, hat viele Autoren und Literaturkritiker besch\u00e4ftigt. Einige Autoren haben sich \u00e2\u20ac\u017eSpielregeln&#8220; f\u00fcr den Detetivroman ausgedacht. So etwa Ronald Knox, der 1924 in seinem \u00e2\u20ac\u017eDetective Story Decalogue&#8220; zehn Regeln aufstellte, oder S.S. Van Dine (Pseudonym f\u00fcr W.H. Wright), der 1928 in seinen \u00e2\u20ac\u017eTwenty Rules for Writing Detective Stories&#8220; zwanzig Regeln f\u00fcr das Verfassen von Detektivgeschichten aufstellte. Das Problem der \u00e2\u20ac\u017eRegeln&#8220;,die sich besonders im \u00e2\u20ac\u017eGoldenen Zeitalter&#8220; verbreitet haben, ist nur, dass sich Schriftsteller selten an Regeln halten wollen und Schreiben \u00e2\u20ac\u017eein Beruf ist, in dem es keine Regeln gibt&#8220; wie Agatha Christie bemerkte. <\/p>\n<p><strong>&rarr; Der Detektivroman hat au\u00dferdem im Laufe der Zeit eine Entwicklung erfahren, die es gar nicht erlaubt, von einer bestimmten Definition des Detektivromans zu sprechen.<\/strong><br \/>\n<br \/>\nSo grenzt etwa Richard Alewyn in seinem Aufsatz \u00e2\u20ac\u017eAnatomie des Detektivromans&#8220; <strong>den Detektivroman vom Kriminalroman<\/strong> ab. F\u00fcr Alewyn ist der Detektivroman eine Geschichte, die gegen die Zeit erz\u00e4hlt wird, das hei\u00dft am Anfang steht die Entdeckung der bereits geschehen Tat (der Mord), ein Mordopfer wird gefunden, die ungekl\u00e4rten Umst\u00e4nde der Tat werden im Laufe der Erz\u00e4hlung geschildert, das Tatmotiv wird gesucht und gefunden, schlie\u00dflich wird am Ende das Verbrechen aufgekl\u00e4rt.  <\/p>\n<p><strong>Beim Kriminalroman hingegen wird, nach der Auffassung von Richard Alewyn, parallel zur Handlung erz\u00e4hlt<\/strong>: Die Figuren werden eingef\u00fchrt, es gibt zwischen ihnen Motive und Beweggr\u00fcnde (Eifersucht, Neid, Ha\u00df etc.), die zu einer Mordtat f\u00fchren. Obwohl ich diese strenge Abgrenzung von Detektiv- und Kriminalroman durch Alewyn nicht teilen kann (ich pers\u00f6nlich w\u00fcrde den Detektivroman als eine Unterart des Kriminalromans sehen, die neben anderen Arten wie zum Beispiel dem Thriller, Hard-boiled-Krimi etc. steht, die sich zum Teil aus dem Detektivroman abgespaltet haben), zeigt er doch wichtige Elemente eines Detektivromans auf. Um weitere Erz\u00e4hlelemente heraus zu arbeiten ist es sinnvoll, einmal auf die Geschichte und die Entwicklung des Genre zu schauen.   <\/p>\n<p><strong>\u00e2\u20ac\u017eThe Murders in the Rue Morgue&#8220; <\/strong>(dt. \u00e2\u20ac\u017eDie Morde in der Rue Morgue&#8220;, erstmals erschienen 1841) von Edgar Allan Poe (1809-1849) wird in der Literatur oft als die erste \u00e2\u20ac\u017erichtige&#8220; Detektivgeschichte gesehen. Nat\u00fcrlich weisen einige fr\u00fchere Romane, Erz\u00e4hlungen und Berichte einzelne Merkmale einer Detektivgeschichte auf, n\u00e4mlich die Darstellung eines Mordes oder eines Verbrechens, ein Detektiv oder Polizist, der diesen Fall untersucht und schlie\u00dflich den T\u00e4ter \u00fcberf\u00fchren kann, aber in Poes Erz\u00e4hlung sind diese und andere wichtige Elemente erstmals zusammengefa\u00dft.    <\/p>\n<p>So gibt es nat\u00fcrlich schon in der Bibel Mord und Totschlag (Kain und Abel), in den Erz\u00e4hlungen aus \u00e2\u20ac\u017eTausendundeiner Nacht&#8220; finden sich Verbrechen und erw\u00e4hnt wird immer wieder die Sammlung von Gerichtsf\u00e4llen von Francois Gayot de Pitaval &#8211; kurz \u00e2\u20ac\u017ePitaval&#8220; genannt, den man als Vorl\u00e4ufer unsere heutigen \u00e2\u20ac\u017eTrue-Crime-Stories&#8220; sehen k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>Aber Poes Geschichte enth\u00e4lt die wichtigsten Zutaten, die eine Detektivgeschichte ausmachen. Was aber sind nun diese Elemente, die sich bei Poe finden?  <\/p>\n<p>Ein Mord hat sich ereignet, zudem in einem verschlossenen Raum (somit ist dies auch der erste Fall eines sogenannten \u00e2\u20ac\u017elocked room mystery&#8220;). Der Mord geschah, bevor die eigentliche Handlung einsetzt &#8211; der Detektiv Dupin erf\u00e4hrt aus zweiter Hand (in diesem Beispiel aus der Zeitung) von dem Verbrechen. Alle wichtigen \u00e2\u20ac\u017eclues&#8220; (Hinweise) werden dem Leser pr\u00e4sentiert, wodurch das \u00e2\u20ac\u017efair play&#8220; zwischen Detektiv und Leser gegeben ist. Weiterhin wird der Leser durch \u00e2\u20ac\u017ered herrings&#8220; (falsche F\u00e4hrten) in die Irre gef\u00fchrt, dadurch wird das L\u00f6sen des R\u00e4tsels zu einer intellektuellen Herausforderung (Denksportaufgabe). Der T\u00e4ter wird mit Hilfe einer Falle, die der Detektiv stellt, \u00fcberf\u00fchrt. Die L\u00f6sung des Falls wird dem Leser erst am Ende der Geschichte pr\u00e4sentiert. Und sollte der Leser den falschen F\u00e4hrten gefolgt sein, ist die L\u00f6sung eine \u00dcberraschung f\u00fcr ihn. Weiteres wichtiges Element der Erz\u00e4hlung ist der Assistent oder Helfer, den Dupin hat, und dem er seine Schlu\u00dffolgerungen berichten kann.  <\/p>\n<p>Zusammengefa\u00dft sind die wichtigsten Elemente der Detektivgeschichte:   <\/p>\n<p><strong><\/p>\n<ul>\n<li>Verbrechen: In der Regel ein Mord, der vor dem eigentlichen Einsetzen der Handlung begangen wird.<\/li>\n<li> Detektiv: Es gibt einen (Amateur-)Detektiv, der &#8211; mehr oder weniger zuf\u00e4llig &#8211; auf den Fall st\u00f6\u00dft und ihn l\u00f6sen will und dazu oft einen Helfer braucht, dem er seine intellektuellen Schlu\u00dffolgerungen schildern kann. <\/li>\n<li>Distanz: Der Detektiv hat ein rein intellektuelles Interesse an dem Fall, er ist nicht pers\u00f6nlich betroffen. <\/li>\n<li>Hinweise: Alle Hinweise (clues) werden dem Leser mitgeteilt, wodurch er in die Lage versetzt wird, den T\u00e4ter zu \u00fcberf\u00fchren &#8211; das \u00e2\u20ac\u017efair play&#8220; zwischen Detektiv und Leser. <\/li>\n<li>Falsche F\u00e4hrten: Der Leser wird auf falsche F\u00e4hrten (red herrings) gelockt, die ihn verwirren sollen.<\/li>\n<li>Zusammenf\u00fchrung der Hinweise: Der Detektiv l\u00f6st den Fall, in dem er alle \u00e2\u20ac\u017eclues&#8220; zusammenf\u00fchrt und dem T\u00e4ter eine Falle stellt.<\/li>\n<li> Aufl\u00f6sung am Ende: Die Aufl\u00f6sung erfolgt am Ende der Geschichte, oftmals als ein \u00dcberraschungsmoment.<\/li>\n<\/ul>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Daran l\u00e4\u00dft sich auch der zeitliche Verlauf  einer Detektivgeschichte erkennen, wie sie auch Alewyn aufzeigt: Das Verbrechen ist bereits geschehen (Vergangenheit), Einzelheiten der Tat werden im Laufe der Erz\u00e4hlung St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck berichtet, die clues werden durch den Detektiv zusammengef\u00fchrt, es folgt ein H\u00f6hepunkt, bei dem der T\u00e4ter in eine Falle gelockt wird und der Detektiv, dank seiner intellektuellen \u00dcberlegenheit, den T\u00e4ter entlarven kann. Somit gibt es einen linearen Spannungsverlauf:  <\/p>\n<p> <strong><br \/>\nEntdeckung der Tat &rarr; Ermittlung &rarr; Rekonstruktion der Tat &rarr; Zusammenf\u00fchrung der clues &rarr; Falle &rarr; \u00dcberf\u00fchrung des T\u00e4ters <\/strong> <\/p>\n<p>Weiterhin gibt es bestimmte Figuren, die ein Detektivroman enth\u00e4lt: Einen T\u00e4ter, eine m\u00f6glichst geschlossene Gruppe von m\u00f6glichen Tatverd\u00e4chtigen und Zeugen, einen Detektiv sowie seinen Helfer. Wenn man sich heutige Krimis anschaut, so fallen nat\u00fcrlich sofort Unterschiede auf: Es gibt manchmal mehrere T\u00e4ter, oft bleibt es nicht bei einem Mord und der Detektiv kann durchaus auch ein Polizist, Kriminalbeamter, Psychologe oder Gerichtsmediziner sein und er muss nicht unbedingt einen Helfer haben &#8211; und wenn er einen oder mehrere Helfer hat, so k\u00f6nnen diese im Team zusammen einen Fall l\u00f6sen. Regelrecht entgegen konstruiert sind zum Beispiel Krimis, in denen der T\u00e4ter gleich zu Anfang bekannt ist, wo der Leser den T\u00e4ter bei seinen Taten begleitet und wo er mit dem T\u00e4ter gegen dessen Aufdeckung \u00e2\u20ac\u017emitf\u00fcrchtet&#8220;. Ein sch\u00f6nes und gelungenes Beispiel sind etwa die <strong>Ripley-Romane<\/strong> von <strong>Patrica Highsmith <\/strong>(1921-1995).  Auch das \u00e2\u20ac\u017efair play&#8220; ist nicht immer gegeben, die Figur des T\u00e4ters oder auch des Ermittlers wird psychologisch ausgemalt etc.  <\/p>\n<p>Eine <strong>Ausweitung einer Detektivgeschichte zu einem Detektivroman<\/strong> zeigt sich etwa bei <strong>Wilkie Collins<\/strong> (1824-1889) in seinen Romanen \u00e2\u20ac\u017eThe Moonstone&#8220; (1868, dt. \u00e2\u20ac\u017eDer Monddiamant&#8220;) und \u00e2\u20ac\u017eThe Woman in White&#8220; (1860, dt. \u00e2\u20ac\u017eDie Frau in Wei\u00df&#8220;). So gibt es zwar in \u00e2\u20ac\u017eThe Moonstone&#8220; einen kriminellen Fall (der Diebstahl des Monddiamanten) und auch ein Detektiv tritt auf (Sergeant Cuff), allerdings ist der Anteil der eigentlichen Kriminalgeschichte eher gering, um den Krimiplot herum wird eine Liebesgeschichte erz\u00e4hlt. Bei Collins \u00e2\u20ac\u017eMonddiamant&#8220; handelt es sich eher um eine geheimnisvolle Liebesgeschichte. Zum ersten Mal in der Geschichte des Detektivromans finden sich bei Collins <strong> subjektive Berichte<\/strong> des Geschehen: In beiden erw\u00e4hnten Romanen l\u00e4sst Collins die Geschichte durch Berichte der beteiligten Figuren schildern. Durch das Fehlen eines allwissenden Erz\u00e4hlers schafft Collins N\u00e4he aber auch Verwirrung beim Leser. Welcher Schilderung kann man glauben? <\/p>\n<p>Weiterentwickelt wurde die Detektivgeschichte durch <strong>Arthur Conan Doyle<\/strong> (1859-1930) mit seinen bekannten \u00e2\u20ac\u017eSherlock Holmes&#8220;-Geschichten und -Romanen (etwa \u00e2\u20ac\u017eA Study in Scarlet&#8220;, 1887, dt. \u00e2\u20ac\u017eEine Studie in Scharlachrot&#8220;; \u00e2\u20ac\u017eThe Sign of the Four&#8220;, 1890, dt. \u00e2\u20ac\u017eDas Zeichen der Vier&#8220;; \u00e2\u20ac\u017eThe Hound of the Baskervilles&#8220;, 1901\/1902, dt. \u00e2\u20ac\u017eDer Hund der Baskervilles&#8220;, sowie diverse Erz\u00e4hlungen, die urspr\u00fcnglich im \u00e2\u20ac\u017eStrand Magazin&#8220; erschienen sind und anschlie\u00dfend in Anthologien zusammengefa\u00dft wurden, wie etwa \u00e2\u20ac\u017eThe Adventures of Sherlock Holmes&#8220;, 1892, dt. \u00e2\u20ac\u017eDie Abenteuer des Sherlock Holmes&#8220; etc.)    <\/p>\n<p>Arthur Conan Doyle, eigentlich Arzt, vertrieb sich die Zeit mit Schreiben von Detektivgeschichten &#8211; und erlangte damit Weltruhm. Ihm selber wurde sein Held Sherlock Holmes immer mehr zur Last, so dass er ihn in \u00e2\u20ac\u017eThe Final Problem&#8220; (1894, dt. \u00e2\u20ac\u017eDas letzte Problem&#8220;) in die Reichenbachf\u00e4lle st\u00fcrzen lie\u00df &#8211; doch die Emp\u00f6rung der Leser war so gro\u00df, dass Doyle seinen Held wiederbeleben mu\u00dfte und zwar in \u00e2\u20ac\u017eThe Empty House&#8220; (1894, dt. \u00e2\u20ac\u017eDas leere Haus&#8220;).   <\/p>\n<p>W\u00e4hrend Poes Dupin recht spr\u00f6de seine F\u00e4lle vom Sessel aus analysiert und den T\u00e4ter \u00fcberf\u00fchrt, ist Doyles Sherlock Holmes eine unterhaltsame Figur, nicht zuletzt durch seinen Gehilfen Dr. Watson, mit dem er zusammen die F\u00e4lle l\u00f6st. Und Holmes ist auch kein \u00e2\u20ac\u017eArmchair Detective&#8220; mehr &#8211; er agiert, er bewegt sich, belauscht und ergreift den T\u00e4ter. Aber auch er schlu\u00dffolgert aus den gegebenen \u00e2\u20ac\u017eclues&#8220; und setzt seine Logik ein. Holmes strahlt die St\u00e4rke und Sicherheit eines Experten aus, der genau wei\u00df, wie er an einen Fall heranzugehen hat. Zudem ist er ein aristokratischer Held, der sich die Frage nach dem \u00e2\u20ac\u017eWarum?&#8220; eigentlich nie stellt &#8211; Fragen der Moral oder die Hintergr\u00fcnde einer Tat interessieren in nicht.   <\/p>\n<p>Quasi als Antwort auf den \u00e2\u20ac\u017eHelden&#8220; Holmes erschuf <strong>Gilbert Keith Chesterton<\/strong> (1874-1936) seinen Pater Brown (\u00e2\u20ac\u017eThe Innocence of Father Brown&#8220;, 1911, dt. \u00e2\u20ac\u017eFather Browns Einfalt&#8220;; \u00e2\u20ac\u017eThe Wisdom of Father Brown&#8220;, 1914, dt. \u00e2\u20ac\u017eFather Browns Weisheit&#8220;; \u00e2\u20ac\u017eThe Incredulity of Father Brown, 1926, dt. \u00e2\u20ac\u017eFather Browns Ungl\u00e4ubigkeit&#8220;; \u00e2\u20ac\u017eThe Secret of Father Brown&#8220;, 1927, dt. \u00e2\u20ac\u017eFather Browns Geheimnis&#8220; sowie \u00e2\u20ac\u017eThe Scandal of Father Brown&#8220;, 1935, dt. \u00e2\u20ac\u017eFather Browns Skandale&#8220;). Pater Brown ist ein unscheinbarer Geistlicher, der die Kriminalf\u00e4lle aus der Sicht des Geistlichen und Seelsorgers l\u00f6st. Zwar ermittelt er auch den T\u00e4ter, aber f\u00fcr ihn sind die T\u00e4ter S\u00fcnder, das Seelenheil seiner Sch\u00e4fchen ist im wichtiger. Oft entgehen sie der weltlichen Gerechtigkeit &#8211; Pater Brown vertraut auf die Bestrafung durch Gott.   <\/p>\n<p>Weitere Gegenentw\u00fcrfe zum Helden Sherlock Holmes finden sich etwa bei <strong>Edmund C. Bentley<\/strong> (1875-1956) in \u00e2\u20ac\u017eTrent&#8217;s Last Case&#8220; (1912), in dem er seinen Detektiv, der mit der gleichen Vorgehensweise wie Holmes arbeitet, scheitern l\u00e4\u00dft. Und auch <strong>Maurice Leblancs<\/strong> (1864-1941) Held Ars\u00e8ne Lupin ist eine Karikatur von Holmes (etwa in \u00e2\u20ac\u017eArs\u00e8ne Lupin contre Sherlock Holmes, 1908)  <\/p>\n<p>Nachdem Ersten Weltkrieg befindet sich der Detektivroman im Umbruch, die oben erw\u00e4hnten Regeln werden aufgestellt und Schriftsteller gr\u00fcnden 1929 in London den \u00e2\u20ac\u017eDetection Club&#8220;. 1920 erscheint der Roman \u00e2\u20ac\u017eThe Mysterious Affair at Styles&#8220; (dt. \u00e2\u20ac\u017eDas fehlende Glied in der Kette&#8220;) von <strong>Agatha Chistie<\/strong> (1890-1976) und damit wird das \u00e2\u20ac\u017eGoldene Zeitalter&#8220; des Krimis eingel\u00e4utet. Christies Krimis (\u00fcber 100 Titel) weisen in der Regel die gleiche Struktur auf. Es geschieht ein Verbrechen, meistens ein Mord, es folgt die Fahndung nach dem Verbrecher (den Verbrechern), die Rekonstruktion des Tathergangs, die Suche und Aufkl\u00e4rung des (Mord-)motives, die L\u00f6sung des Falls und \u00dcberf\u00fchrung des T\u00e4ters. Christies Romane sind somit \u00e2\u20ac\u017eR\u00e4tselkrimis&#8220; und \u00e2\u20ac\u017eCozies&#8220;, in denen die durch das Verbrechen verursachte Unordnung durch den Detektiv wieder in Ordnung gebracht wird. Ihre Detektive wie etwa Hercule Poirot oder Miss Marple verf\u00fcgen \u00fcber analytisches Denken, tragen die \u00e2\u20ac\u017eclues&#8220; gewissenhaft zusammen, kommen aber auch manchmal an Grenzen. Dabei sind sie als skurrile Gestalten angelegt, die das Interesse des Lesers wecken. Weitere Roman von Agatha Christe sind etwa \u00e2\u20ac\u017eThe Murder of Roger Ackroyd&#8220; (1926, dt. \u00e2\u20ac\u017eAlibi&#8220;), \u00e2\u20ac\u017eThe Murder in the Vicarage&#8220; (1930, dt. \u00e2\u20ac\u017eMord im Pfarrhaus&#8220;), \u00e2\u20ac\u017eMurder on the Orient Express&#8220; (1934, dt. \u00e2\u20ac\u017eDer rote Kimono&#8220; bzw. \u00e2\u20ac\u017eMord im Orient Express&#8220;) und \u00e2\u20ac\u017eThe ABC Murders&#8220; (1936, dt. \u00e2\u20ac\u017eDie Morde des Herrn ABC&#8220;). W\u00e4hrend die englischen Originalausgaben bereits in den 20er und 30er Jahren erschienen, kam die erste deutsche \u00dcbersetzung  \u00e2\u20ac\u017eR\u00e4chende Geister&#8220; erst 1947 heraus und die eigentliche Rezeption von Agatha Christie in Deutschland erfolgte in den 50er Jahren(!).   <\/p>\n<p>Eine weitere wichtige Autorin des \u00e2\u20ac\u017eGoldenen Zeitalters&#8220; ist <strong>Dorothy L. Sayers<\/strong> (1893-1957), die mit ihrem Lord Peter Wimsey eine Paradefigur des Dandys als Detektivs geschaffen hat. Wimsey geh\u00f6rt der obersten Schicht an und da er dort keine Funktion erf\u00fcllen muss, widmet er sich aus reinem Vergn\u00fcgen der Verbrecherjagd. Wichtige Romane sind \u00e2\u20ac\u017eClouds of Witness&#8220; (1926, dt. \u00e2\u20ac\u017eDiskrete Zeugen&#8220;), \u00e2\u20ac\u017eThe Unpleasentness at the Bellona Club&#8220; (1928, dt. \u00e2\u20ac\u017e\u00c4rger im Bellona-Club&#8220;), \u00e2\u20ac\u017eWhose Body?&#8220; (1930, dt. \u00e2\u20ac\u017eEin Toter zuwenig&#8220;) \u00e2\u20ac\u017eHave His Carcase&#8220; (1932, dt. \u00e2\u20ac\u017eZur fraglichen Stunde&#8220;) \u00e2\u20ac\u017eMurder must Advertise&#8220; (1933, dt. \u00e2\u20ac\u017eMord braucht Reklame&#8220;) und \u00e2\u20ac\u017eGaudy Night&#8220; (1935, dt. \u00e2\u20ac\u017eAufruhr in Oxford&#8220;). <strong>\u00e2\u20ac\u017eGaudy Night&#8220; ist ein besonderer Detektivroman &#8211; z\u00e4hlt er doch zu den sogenannten &#8222;Oxfordkrimis&#8220; und einige Kritiker sehen in ihm gar keinen richtigen Krimi. <\/strong>So gibt es keinen Mord, das Verbrechen besteht hier in Drohbriefen und Verleumdungen, welche die Studentinnen und Dozentinnen eines Oxforder Colleges bekommen bzw. ausgesetzt sind. Harriet Vane, eine Freundin von Wimsey und ehemalige Studentin in Oxford, ermittelt im College ohne Erfolg, so dass Lord Wimsey zur Hilfe gerufen wird und Harriet Vane vor einem Mordanschlag retten kann. <strong>Entscheidend bei \u00e2\u20ac\u017eGaudy Night&#8220; ist, dass die beiden Detektive nicht mehr von au\u00dfen die T\u00e4terermittlung durchf\u00fchren, sie sind derart in die Handlung verstrickt und pers\u00f6nlich davon betroffen, dass sie die \u00dcberf\u00fchrung des T\u00e4ters als beteiligte Figuren erleben und diese auch f\u00fcr sie lebensnotwendig ist.<\/strong> &#8222;Gaudy Night&#8220; z\u00e4hlt weiterhin zu den Krimis mit gehobenen literarischen Anspr\u00fcchen, viele Elemente im Krimi sind romanhaft, die Darstellung des Lebens im College nimmt sehr viel Raum ein. <\/p>\n<p>Ein weiterer Vertreter des \u00e2\u20ac\u017eGoldenen Zeitalters&#8220; ist <strong>John Dickson Carr<\/strong> (1906-1977), der mit seinem Roman \u00e2\u20ac\u017eThe Hollow Man&#8220; (1935, dt. \u00e2\u20ac\u017eDer verschlossene Raum&#8220;) ein Paradebeispiel f\u00fcr ein \u00e2\u20ac\u017elocked-room-mystery&#8220; liefert. Es gibt eine Reihe von Autoren die noch zu nennen w\u00e4ren, wie etwa <strong> Ellery Queen <\/strong> (wohinter sich die Autoren Frederic Dannay (1905-1982) und Manfred B. Lee (1905-1971) verbergen), <strong>Josephine Tey<\/strong> (1897-1951), <strong>S.S. van Dine <\/strong>(Pseudonym f\u00fcr Williard Huntington Wright, 1888-1939), <strong>Margery Allingham <\/strong>(1904-1966) oder <strong>Rex Stout<\/strong> (1886-1975), der mit seinem Nero Wolfe einen klassischen \u00e2\u20ac\u017eArmchair Detective&#8220; erschuf.   <\/p>\n<p>Das Ende des \u00e2\u20ac\u017eGoldenen Zeitalters&#8220; wird oft mit dem Jahr 1939, also dem Beginn des zweiten Weltkriegs, datiert. Trotzdem wurde die Tradition des Detektivromans auch bis in unsere Zeit fortgef\u00fchrt, zum Teil mit Varianten, aber der Kern (Mord, Mordermittlung, Aufkl\u00e4rung, T\u00e4ter\u00fcberf\u00fchrung) blieb bestehen. Zu den wichtigen Autorinnen, die der Tradition des Detektivromans verpflichtet sind, geh\u00f6ren unter anderem <strong>Margaret Millar, P.D. James<\/strong> oder aber<strong> Martha Grimes <\/strong>.   <\/p>\n<p>Eine weitere Variante des Detektivromans liefert <strong>Georges Simenon<\/strong> (1903-1989) mit seinen \u00e2\u20ac\u017eMaigret&#8220;-Romanen. Maigret ist kein \u00fcberheblicher Detektiv, er ist tief verbunden mit dem kleinb\u00fcrgerlichen Milieu, in dem er ermittelt. Die Opfer erscheinen bei Simenon oft als schlechte Charaktere, so dass der Leser mit dem T\u00e4ter sympathisieren kann. Maigret ist kein Superheld wie etwa Sherlock Holmes, er ist sehr menschlich, hat Launen und kann sehr kurz angebunden sein. Ihn interessiert bei seiner Ermittlungsarbeit nicht so sehr das \u00e2\u20ac\u017eWer war es?&#8220; (Whodunit?) &#8211; sondern das \u00e2\u20ac\u017eWarum?&#8220;, das Motiv der Tat und die psychologischen Hintergr\u00fcnde. \u00c4hnliche Strukturen lassen auch die Krimis von <strong>Friedrich Glauser<\/strong> (1896-1938) erkennen, der mit Wachmeister Studer ebenfalls einen kleinb\u00fcrgerlichen Detektiv erfunden hat. <\/p>\n<p>Und die Entwicklung des Detektivromans ging weiter: <del>So kann man heute etwa zwischen Frauenkrimis, Kinderkrimis, Gerichtskrimis, Katzenkrimis, historischen Krimis oder Krimis unterscheiden, die in einem bestimmten Milieu spielen, wie etwa in Bibliotheken oder Universit\u00e4ten, im Milieu des Pferdesports oder in schwulen Kreisen.<\/del> <strong>Ob dies alles sinnvoll ist, sei einmal dahin gestellt.<\/strong><\/p>\n<p>Doch neben all diesen Varianten, die mehr oder weniger dem Detektivroman nahe stehen, entwickelten sich auch eigene Unterarten des Kriminalromans, die mit dem Detektivroman nicht mehr viel gemeinsam haben. So etwa der Thriller, die Hard-boiled-Krimis oder etwa die Spionage- und Agententhriller. <\/p>\n<hr noshade style=\"width:300px; color::#000080; height:3px; text-align:center; border:1px solid black;\"\/>\n<p>Nun, was soll der &#8211; sehr verk\u00fcrzte &#8211;  Ausflug in die Geschichte? Zeigt er doch, dass am Anfang der Mord war, der aufgekl\u00e4rt werden musste, eine Ordnung, die kurzzeitig ins Chaos st\u00fcrzte, wurde am Ende wieder hergestellt, es war alles wieder heile. So simpel sind heute Kriminalromane gl\u00fccklicherweise nicht mehr. <\/p>\n<p><strong>Was aber erwarte ich als Leser von einem Kriminalroman?<\/strong><br \/>\nSpannung, \u00fcberraschende Wendungen, glaubhafte Figuren, glaubhafter Plot, passende, gelungene Sprache, Verwirrung, surreales Erz\u00e4hlen, Reflexionen zur Zeit, Gesellschaftskritik, Statement, Denkanreiz, fremde Welten, die glaubhaft dargestellt werden, Sex, Erotik, Exotik, Liebesgeschichte, Unterhaltung&#8230;.??? Wie stellt dpr im <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/03\/crime-school-hefte-raus-klassenarbeit.php\" target=\"_blank\">Hinternet-Weblog<\/a> fest:<\/p>\n<p><em><\/p>\n<blockquote><p>Well, that\u00e2\u20ac\u2122s fucking Hochliteratur indeed, wie man es in fr\u00fcheren, besseren Zeiten nennen durfte, als nicht an\u00e4mische Ich-Forscher, Befindlichkeitshanseln und Icke-hab-ne-Botschaft-Posaunisten die stolze Galeere enterten, auf der sich die Meister keuchend in die Riemen legten. Heutzutage segelt das Schiffchen harmlos \u00fcber die Meere des Flachsinns, die Ozeane der geistigen Untiefe, vom schwinds\u00fcchtigen Atem der Literaturkritik in die Segel gepustet. Doch lassen wir das.<\/p><\/blockquote>\n<p><\/em><br \/>\nNee, genau das sollten wir nicht lassen, enth\u00e4lt dieser Auszug, wenn auch ex negativo, einen guten Ansatz, wie Kriminalliteratur nicht sein sollte. Sach ich jetzt mal so&#8230;.<\/p>\n<p><strong>Entwickelt sich der Krimi weiter?<\/strong><br \/>\nHoffentlich tut er das. Der Blick \u00fcber den deutschen Tellerrand hinaus zeigt, dass es durchaus spannende Entwicklungen gibt &#8211; siehe etwa Lateinamerika, siehe Asien, siehe Afrika. Selbst im tr\u00fcben, deutschen Krimieinerlei, zwischen Plagiaten,  Abgekupfertem, Ausgelutschtem,  regionalem-Hund-Katze-Klosett-Krimi, finden sich Perlen. Wir werden sehen, wie es weiter geht. Wenn zur Entwicklung das Spiel mit dem Genre und seinen Regeln n\u00f6tig ist (es ist n\u00f6tig), dann bitte: Ich lasse mich \u00fcberraschen. But that&#8217;s not my business &#8211; ich schreibe keine Krimis, ich lese sie nur.  <strong>Warum zerbreche ich mir eigentlich mein zartes K\u00f6pfchen mit Dingen, \u00fcber die sich ganz andere Damen und Herren mal verst\u00e4rkt Gedanken machen sollten?<\/strong> Dennoch, eine Regel gilt f\u00fcr Krimiautor\/innen auf jeden Fall, ob traditionell, modern, postmodern oder wie auch immer:<\/p>\n<p><strong><center>DU SOLLST NICHT LANGWEILEN!<\/center><\/strong><br \/>\n<br \/>Und jetzt geh&#8216; ich Krimi lesen &#8211; hab&#8216; ich mir verdient&#8230;.<\/p>\n<p>P.S.: Gaaaaanz wichtiger Link:<a href=\"http:\/\/members.aol.com\/MG4273\/classics.htm\" target=\"_blank\"> <strong>A Guide to Classic Mystery and Detection<\/strong><\/a>. Immer einen Klick wert.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein kleiner Ansatz zur der Hausaufgabe in der Crime-School. Was habe ich in den Tiefen des Archivs entdeckt? Zum Beispiel einen Artikel zur Geschichte des Detektivromans Was eigentlich ein Detektivroman ist, hat viele Autoren und Literaturkritiker besch\u00e4ftigt. Einige Autoren haben sich \u00e2\u20ac\u017eSpielregeln&#8220; f\u00fcr den Detetivroman ausgedacht. 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