{"id":980,"date":"2008-04-05T20:15:32","date_gmt":"2008-04-05T18:15:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=980"},"modified":"2008-04-05T20:15:32","modified_gmt":"2008-04-05T18:15:32","slug":"carlo-fruttero-frauen-die-alles-wissen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=980","title":{"rendered":"Munteres Geplapper"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/frauen_die_alles_wissen.jpg\" style=\"float: right; margin-left: 15px;\"><strong>Carlo Fruttero: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Frauen, die alles wissen<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Er habe genug gehabt \u00e2\u20ac\u0153von all den Commissari und Carabinieri\u00e2\u20ac\u009d \u00e2\u20ac\u201c so wird der italienische Autor Carlo Fruttero im Klappentext zu seinem aktuellen Roman <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Frauen, die alles wissen\u00e2\u20ac\u009d<\/span> zitiert. \u00e2\u20ac\u0153Auf dem Krimi-Genre lasten so viele Klischees, dass man neue Wege gehen muss\u00e2\u20ac\u009d behauptet der 81-j\u00e4hrige Schriftsteller, der einst zusammen mit seinem Kollegen Franco Lucentini so doppelb\u00f6dige und spannende Kriminalromane wie <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Die Sonntagsfrau\u00e2\u20ac\u009d<\/span>, <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Wie weit ist die Nacht\u00e2\u20ac\u009d<\/span> oder <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Die Wahrheit \u00fcber den Fall D.\u00e2\u20ac\u009d<\/span> verfasst hat. Lucentini starb 2002, nun also schickt sich Fruttero alleine an m\u00f6glichst neue Pfade im Krimi-Genre zu beschreiten. Seine Weggef\u00e4hrtinnen: Zun\u00e4chst sieben, sp\u00e4ter dann acht Frauen, die alle etwas zu dem Mordfall an der jungen Rum\u00e4nin Milena Masserano zu sagen haben.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIn Frutteros Roman haben diese Frauen alle ihre eigene, individuelle Stimme: Die Hausmeisterin Covino, die die Leiche der jungen Milena in einem Stra\u00dfengraben entdeckt hat, die Barbesitzerin Mara, die ebenfalls am Fundort der Leiche gesehen wurde sowie die Carabiniera Rita, die sich in der m\u00e4nnerdominierten italienischen Polizei durchk\u00e4mpfen muss und in dem Fall der Toten ermittelt. Dabei ger\u00e4t auch die angeheiratete Familie von Milena ins Visier der Polizistin und auch hier reihen sich einige Damen ein, die etwas zu sagen haben: Camilla, Tochter eines angesehenen Bankiers, mit dem die tote Milena verheiratet war. Au\u00dferdem Beatrice, eine Freundin des Hauses und \u00e2\u20ac\u201c wie sich sp\u00e4ter herausstellt &#8211; Geliebte des Bankiers. Dazu kommen noch eine Fernsehjournalistin, die f\u00fcr ein Boulevard-TV-Magazin allzu gerne im Dreck anderer Leute w\u00fchlt und Lucia, eine ehrenamtlich Mitarbeiterin eines kirchlichen Rehabilitationszentrum, in dem die ermordete Milena einst Zuflucht gefunden hatte. Denn Milena hatte in ihrem kurzen Leben das Schicksal erlebt, dass leider vielen Frauen aus dem ehemaligen Ostblock widerf\u00e4hrt, wenn sie sich auf den Weg in den angeblich gelobten Westen machen: Sie ging auf den Strich. <\/p>\n<p>Lucia und ihre Kollegen vom Rehabilitatinoszentrum schafften es, Milena von der Stra\u00dfe zu holen und als Kinderm\u00e4dchen in die vornehme Bankiersfamilie zu vermitteln \u00e2\u20ac\u201c nat\u00fcrlich ohne etwas \u00fcber Milenas Vergangenheit als Prostituierte zu verraten. Zu dumm, dass ausgerechnet auf ihrer pomp\u00f6sen Hochzeit mit dem Bankier ihr ehemaliger albanischer Zuh\u00e4lter hereinplatzt und Milena als Nutte beschimpft. Der Skandal in der feinen Turiner Gesellschaft ist perfekt. So perfekt, dass offenbar nur ein Mord die Schande tilgen kann und die Tote so aufgefunden wird, als sei sie gerade vom Anschaffen gekommen. Je mehr die sieben Frauen \u00fcber Milena, den Mord und seine Vorgeschichte sprechen, desto mehr kommt scheinbar Licht in die Sache \u00e2\u20ac\u201c bis eine geheimnisvolle achte Frau (fast) alles \u00fcber den Haufen wirft. <\/p>\n<p><strong>Kein Erneuerer<\/strong><\/p>\n<p>Die neuen Wege, die Fruttero beschw\u00f6rt, sucht man in seinem Roman <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Frauen, die alles wissen\u00e2\u20ac\u009d<\/span> vergebens. Einen Mordfall und seine Aufkl\u00e4rung aus mehreren Perspektiven zu betrachten und zu erz\u00e4hlen mag kein ausgetrampelter Pfad sein, eine wirklich neue Richtung schl\u00e4gt der italienische Autor damit aber auch nicht ein. Immerhin schafft es Fruttero seinen acht Frauen durch innere Monologe einpr\u00e4gsame, eigene Stimmen zu verleihen \u00e2\u20ac\u201c allerdings f\u00fchren diese Monologe durch schnelle Perspektivwechsel und kurze Kapitel zu einer richtungslosen Kakophonie. Oder um es kurz zu sagen: Acht Frauen plappern und schnattern munter durcheinander. Das ist ganz am\u00fcsant, sicher aber keine literarische Offenbarung. Zudem l\u00e4sst nicht nur dieses Geplapper den Roman eher blass erscheinen. Es ist vor allem auch Frutteros Plot, der schlichtweg viel zu d\u00fcnn und d\u00fcrftig ist. Eine ehemalige Prostituierte, die durch eine Hochzeit in die feine Gesellschaft aufsteigt und dadurch Neid und Begehrlichkeiten bei anderen Frauen weckt, ist auf der kriminalliterarischen Landkarte nun wirklich ein platt und breit getrampelter Weg. <\/p>\n<p>Man kann nur mutma\u00dfen: Vielleicht hat Carlo Fruttero durch den Tod seines ehemaligen Schreibpartners etwas die Orientierung oder den Schwung verloren, was verst\u00e4ndlich w\u00e4re. Immerhin hat das Duo mehr als 20 B\u00fccher innerhalb von fast vier Dekaden ver\u00f6ffentlicht.  Das literarische Gewicht, das zeigt der aktuelle Roman, ist auf jeden Fall geringer geworden. Ein Erneuerer der Kriminalliteratur ist Carlo Fruttero heute nicht mehr. <\/p>\n<blockquote><p><strong>Carlo Fruttero: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Frauen, die alles wissen<\/span><\/strong> \/ Aus dem Italienischen von Luis Ruby. &#8211; M\u00fcnchen : Piper, 2008<br \/>\nISBN 978-3-492-05139-2<\/p>\n<p>Originalausgabe: <strong>Carlo Fruttero: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Donne informate sui fatti<\/span><\/strong>. &#8211; Mailand : Arnoldo Mondadori Editore S .p.A., 2006<\/p>\n<p>Buch bestellen bei:<br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3492051391\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2701&amp;type=text&amp;tnb=8&amp;pid=3492051391\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2176&amp;type=text&amp;tnb=3&amp;pid=3492051391\">\u00bb buch24.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=3492051391\" target=\"_blank\">\u00bb buecher.de<\/a><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Carlo Fruttero: Frauen, die alles wissen Er habe genug gehabt \u00e2\u20ac\u0153von all den Commissari und Carabinieri\u00e2\u20ac\u009d \u00e2\u20ac\u201c so wird der italienische Autor Carlo Fruttero im Klappentext zu seinem aktuellen Roman \u00e2\u20ac\u0153Frauen, die alles wissen\u00e2\u20ac\u009d zitiert. \u00e2\u20ac\u0153Auf dem Krimi-Genre lasten so viele Klischees, dass man neue Wege gehen muss\u00e2\u20ac\u009d behauptet der 81-j\u00e4hrige Schriftsteller, der einst zusammen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[94,221,228,562,276],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/980"}],"collection":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=980"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/980\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=980"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=980"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=980"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}