{"id":983,"date":"2008-04-08T19:55:01","date_gmt":"2008-04-08T17:55:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=983"},"modified":"2008-04-08T19:55:01","modified_gmt":"2008-04-08T17:55:01","slug":"vorubergehende-beunruhigung-ein-beitrag-zur-criminale-in-wien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=983","title":{"rendered":"Vor\u00fcbergehende Beunruhigung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Beitrag zur diesj\u00e4hrigen \u00e2\u20ac\u0153Criminale\u00e2\u20ac\u0153 in Wien<\/strong><\/p>\n<p>Es wird Fr\u00fchling. Das merkt der geneigte Krimileser nicht nur am Berg Krimineuerscheinungen, die auf vollen Tischen in den Buchhandlungen um die Gunst buhlen oder daran, dass er erst eine Stunde sp\u00e4ter die Leselampe anschalten muss, weil es wieder l\u00e4nger hell bleibt. Er merkt es auch daran, dass sich das &#8222;Syndikat&#8220; aus dem fast ganzj\u00e4hrigen Winterschlaf erhebt, sich den Staub absch\u00fcttelt und f\u00fcr ein paar Tage so tut, als sei es der Nabel der kriminalliterarischen Welt \u00e2\u20ac\u201c zumindest im deutschsprachigen Teil davon.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nF\u00fcr alle die es nach fast einem Jahr vergessen haben, hier noch einmal die Erkl\u00e4rung, was das &#8222;Syndikat&#8220; ist: Eine &#8222;Vereinigung&#8220; deutschsprachiger Krimiautorinnen und \u00e2\u20ac\u201cautoren, die unter anderem den deutschsprachigen Krimi f\u00f6rdern will. Man darf das &#8222;Syndikat&#8220; nie und nimmer &#8222;Verein&#8220; nennen, weil es das erstens rein formal nicht ist (daf\u00fcr aber einen eigenen, separaten &#8222;F\u00f6rderverein&#8220; unterh\u00e4lt, in dessen Kasse jeder &#8222;Syndikatler&#8220; seinen Beitrag zahlen muss) und zweitens der Begriff &#8222;Verein&#8220; angeblich etwas Miefiges und Spie\u00dfiges transportiert \u00e2\u20ac\u201c jedenfalls glaubt man das beim &#8222;Syndikat&#8220;. \u00dcber solche marginalen Fragen wie &#8222;Verein&#8220; oder &#8222;Nicht-Verein&#8220; wird in der &#8222;Vereinigung&#8220; gerne und ausf\u00fchrlich diskutiert. Oder dar\u00fcber, mit welchem Tamtam man die allj\u00e4hrliche Preisverleihung des vereinigungseigenen Krimipreises begehen will. <\/p>\n<p>Genau diese Verleihung des &#8222;Friedrich-Glauser-Preises&#8220; steht jetzt wieder an. Mit dem &#8222;Glauser&#8220; wird der beste Roman, das beste Deb\u00fct und der beste Kurzkrimi des vergangen Jahres ausgezeichnet. Dazu wird auch noch der &#8222;Ehrenglauser&#8220; f\u00fcr das Lebenswerk einer Autorin oder eines Autors vergeben. Die Preisverleihung findet im Rahmen einer so genannten Gala, dem &#8222;Tango Criminale&#8220;, statt, der in diesem Jahr in Wien \u00fcber die B\u00fchne gehen soll.  Dort tagt das &#8222;Syndikat&#8220; ab n\u00e4chster Woche, bevor es dann wieder f\u00fcr ein Jahr vor sich her d\u00f6st. Ruhm, Ehre und vor allem Eintracht sollten in Wien eigentlich anstehen, doch hinter den Kulissen des &#8222;Syndikats&#8220; grummelt es.<\/p>\n<p>Schuld am Unmut ist ein Antrag von \u00fcber 40 Autoren, die den so genannten &#8222;Oscarmodus&#8220; bei der Preisverleihung wieder abschaffen m\u00f6chten. &#8222;Oscarmodus&#8220;  klingt wichtig und gro\u00df, weil man im &#8222;Syndikat&#8220; ja gerne in sehr gro\u00dfen Kategorien denkt. Den &#8222;Oscarmodus&#8220; hat man sich vor ein paar Jahren ausgedacht und beschlossen. Er ist angelehnt an den vielleicht wichtigsten Filmpreis der Welt. Kurz gesagt geht es darum, dass die Preistr\u00e4ger der jeweiligen Auszeichnungen erst an dem Abend w\u00e4hrend der Gala bekannt gegeben werden \u00e2\u20ac\u201c eben wie beim &#8222;Oscar&#8220;. Ein Laudator \u00f6ffnet den Briefumschlag \u00e2\u20ac\u201c ratsch \u00e2\u20ac\u201c und sagt halt &#8222;The winner is&#8230;&#8220;. Millionen von Fernsehzuschauern finden das jedes Jahr spannend und deshalb glaubt man beim &#8222;Syndikat&#8220;, dass m\u00fcsse doch auch beim &#8222;Glauser&#8220;-Preis funktionieren. Schlie\u00dflich kennen sich die &#8222;Syndikatler&#8220; ja mit Spannung aus.<\/p>\n<p><strong>Aus dem Sandkasten<\/strong><\/p>\n<p>Leider aber blieb trotz des &#8222;Oscarmodus&#8220; die Aufmerksamkeit der Presse f\u00fcr den &#8222;Glauser&#8220; und vor allem f\u00fcr die mediengeilen Autoren des &#8222;Syndikats&#8220; eher gering. Das dieser Preis verliehen wird und wer ihn bekommt, interessiert bis auf  ein paar Krimileser und Lokalmedien kaum jemanden. BILD und Spiegel haben tats\u00e4chlich die Chuzpe, dem &#8222;Syndikat&#8220; und seinem Preis nicht die Titelseiten zu widmen. Wenn es gut l\u00e4uft, dann berichtet vielleicht die Lokalzeitung dar\u00fcber (weil sie Medienpartner der \u00e2\u20ac\u0153Criminale\u00e2\u20ac\u0153 ist) oder auch der lokale Radiosender (weil er Medienpartner ist) und vielleicht sogar das Lokalfernsehen (genau: Medienpartner). Mit etwas Gl\u00fcck gibt es dann noch eine kurze, zwanzigzeilige dpa-Meldung. Das war es dann mit der Presse und der Aufmerksamkeit. Der &#8222;Oscarmodus&#8220; hat am medialen Desinteresse nichts ge\u00e4ndert. <\/p>\n<p>Darum also soll er wieder abgeschafft werden. Kaum ist dieser Vorschlag in der Welt, gibt es auch schon b\u00f6ses Blut: Einige wittern Verrat an den Organisationsteams, die bisher die Preisverleihung und die &#8222;Criminale&#8220; organisiert haben &#8211; beim &#8222;Syndikat&#8220; hei\u00dfen diese Teams &#8222;SOKO&#8220;. Deren Arbeit w\u00fcrde in den Dreck gezogen und \u00fcberhaupt w\u00fcrde sich kaum einer der im &#8222;Syndikat&#8220; organisierten Autoren wirklich in die gemeinsame Arbeit einbringen. Es w\u00e4ren halt immer die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen, die dort Blut und Wasser schwitzen, w\u00e4hrend die anderen an der Bar abh\u00e4ngen. <\/p>\n<p>Welche dramatischen Auswirkungen das haben kann, zeigt die Klage eines \u00e2\u20ac\u0153Syndikats\u00e2\u20ac\u0153-Mitglieds, das vor einigen Jahren f\u00fcr den &#8222;Glauser&#8220; nominiert war: Die lange Anfahrt zum &#8222;Tango Criminale&#8220; musste der potentielle Preistr\u00e4ger selber bezahlen. Am Ort des Geschehens eingetroffen musste er Eintritt bezahlen und wurde charmant aufgefordert, sich doch irgendwo einen Platz zu suchen &#8211;  wohlgemerkt als nominierter Autor. Kaum hat der betroffene Autor gegen\u00fcber seinen Kollegen sein Leid geklagt,  schon springen einige Kollegen auf  und beschimpfen ihn. Ein anderes &#8222;Syndikats&#8220;-Mitglied ist aufgrund des Antrags auf Abschaffung des &#8222;Oscarmodus&#8220; derart ver\u00e4rgert, dass es sein Ehrenamt, das es erst im letzten Jahr angetreten hat, niederlegen will. Wieder ein anderer beklagt die gegenseitige Respektlosigkeit unter den Damen und Herren Kriminalautoren und -autorinnen. Schlie\u00dflich taucht dann auch noch die Sorge auf, dass durch eine m\u00f6gliche Ver\u00e4nderung bei der Preisvergabe die k\u00fcnftigen, zahlenden Veranstalter \u00e2\u20ac\u201c in diesem Fall ist es die Stadt Singen, die 2009 die \u00e2\u20ac\u0153Criminale&#8220; austr\u00e4gt \u00e2\u20ac\u201c verschreckt werden. <\/p>\n<p>Wirklich wundern braucht man sich angesichts solcher &#8222;Auseinandersetzungen&#8220; nicht, dass es kaum jemanden interessiert, wer das &#8222;Syndikat&#8220; ist und wer den &#8222;Glauser&#8220; bekommt. W\u00e4hrend man sich im &#8222;Syndikat&#8220;-Sandkasten eifrig F\u00f6rmchen und Schippchen an den Kopf wirft, bleiben inhaltliche Fragen \u00e2\u20ac\u201c zum Beispiel zur Qualit\u00e4t des deutschen Kriminalromans \u00e2\u20ac\u201c au\u00dfen vor. Das ist nat\u00fcrlich beunruhigend \u00e2\u20ac\u201c vor\u00fcbergehend. Denn sp\u00e4testens wenn in ein paar Tagen &#8222;Criminale&#8220;, &#8222;Tango Criminale&#8220; und &#8222;Glauser&#8220; vorbei sind, legt sich die Aufregung ganz schnell wieder. Dann legt sich das &#8222;Syndikat&#8220; wieder schlafen \u00e2\u20ac\u201c bis zum n\u00e4chsten Fr\u00fchling. Zwischenzeitlich besch\u00e4ftigen wir uns mit den inhaltlichen Diskussionen \u00e2\u20ac\u201c das ganze Jahr \u00fcber. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag zur diesj\u00e4hrigen \u00e2\u20ac\u0153Criminale\u00e2\u20ac\u0153 in Wien Es wird Fr\u00fchling. Das merkt der geneigte Krimileser nicht nur am Berg Krimineuerscheinungen, die auf vollen Tischen in den Buchhandlungen um die Gunst buhlen oder daran, dass er erst eine Stunde sp\u00e4ter die Leselampe anschalten muss, weil es wieder l\u00e4nger hell bleibt. 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