{"id":991,"date":"2008-04-24T23:47:44","date_gmt":"2008-04-24T21:47:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=991"},"modified":"2008-04-24T23:47:44","modified_gmt":"2008-04-24T21:47:44","slug":"ken-bruen-jason-starr-flop-bust","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=991","title":{"rendered":"Blut- und Busenliteratur"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/bilder\/bruen_starr_flop.jpg\" style=\"float: right; margin-left: 15px;\" alt=\"Flop von Ken Bruen und Jason Starr\"><strong>Ken Bruen und Jason Starr: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Flop<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Auf den ersten Blick treffen zwei Welten aufeinander: Der Ire Ken Bruen, der unter anderem in seiner Serie um den Ex-Polizisten und Privatdetektiv Jack Taylor ein bitterb\u00f6ses Sittenbild des modernen Irlands zeichnet, und der in Brooklyn geborene Jason Starr, dessen d\u00fcstere Geschichten neurotische Figuren im Moloch New York zeigen. Der zweite Blick jedoch verr\u00e4t, das wir es hier mit zwei Autoren zu tun haben, die vor allem ihre Vorliebe f\u00fcr tiefschwarzen Humor verbindet und dieser Humor scheint auch anzukommen. Immerhin haben Bruen und Starr mittlerweile drei Romane gemeinsam geschrieben. In der \u00e2\u20ac\u0153Max-und-Angela\u00e2\u20ac\u0153-Serie um den skrupellosen Gesch\u00e4ftsmann Max Fisher und seine kaltbl\u00fctige Geliebte Angela Petrakos soll im kommenden Herbst nach den Romanen <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Bust\u00e2\u20ac\u0153<\/span> und <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Slide\u00e2\u20ac\u0153<\/span> der dritte Streich mit dem Titel <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153The Max\u00e2\u20ac\u0153<\/span> erscheinen. W\u00e4hrend in den USA die Fans also auf den dritten Band warten, k\u00f6nnen wir uns hier in Deutschland  zumindest \u00fcber den ersten Roman in der \u00dcbersetzung von Richard Betzenbichler freuen. <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Flop\u00e2\u20ac\u0153<\/span>, so der deutsche Titel, ist eine rasanter und fast schon zeitloser Hardboiled-(Alb)traum.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Bruen und Starr treiben ihre Figuren in einen gnadenlosen und f\u00fcr einige von ihnen auch aussichtslosen \u00dcberlebenskampf. Der schon erw\u00e4hnte Max Fisher ist bislang einer der Gl\u00fcckspilze der New Economy gewesen. Mit seiner IT-Firma &#8222;NetWorld&#8220; scheffelt er ordentlich Kohle, die er unter anderem gerne in Striplokalen verprasst, schlie\u00dflich steht er auf gro\u00dfe Titten. Die wiederum bieten ihm weder seine Frau, noch seine heimliche Geliebte Angela Petrakos, eine Irin mit griechischen Vorfahren. Dennoch hat auch Angela ihre Reize, die Max soweit treiben, dass er f\u00fcr sie seine holde Gattin abmurksen lassen will. Er engagiert daf\u00fcr den ehemaligen IRA-K\u00e4mpfer Dillon, der sich  Popeye nennt und wiederum mit Angela unter einer Decke steckt, sowohl im w\u00f6rtlichen wie auch im \u00fcbertragenen Sinne. Das irische Liebes- und Gangsterpaar will nicht nur Mrs. Fisher um die Ecke bringen, sondern auch Mr. Fisher, um so an sein Geld zu kommen. Vierter im Gruselkabinett gest\u00f6rter Gro\u00dfstadtmenschen ist Bobby Rosa, ein an den Rollstuhl gefesselter Golfkriegsveteran, der wie Max gro\u00dfe Br\u00fcste bevorzugt und diese vor allem mit der Kamera abschie\u00dft. <\/p>\n<p>Die Wege der Vier kreuzen sich und schon l\u00e4uft der Plan vom schnellen Geld aus dem Ruder. Als Dillon die Ehefrau von Max erschie\u00dfen will, ist leider auch ihre Nichte im Haus und die muss dann gleich mit dran glauben. Au\u00dferdem hinterl\u00e4sst Dillon im noblen Hause Fisher einen gro\u00dfen Schei\u00dfhaufen, was Max mehr st\u00f6rt als der ungeplante Tod der Nichte. Doch noch gr\u00f6\u00dferer \u00c4rger bahnt sich an: Als sich Max heimlich mit Angela zu einem kleinen Sch\u00e4ferst\u00fcndchen in einem Hotel getroffen hat, wurden die beiden vom Spanner Bobby \u00fcberrascht, der sie nat\u00fcrlich auch gleich in flagranti fotografiert. Das bislang geheime Techtelmechtel zwischen Max und Angela k\u00f6nnte auffliegen, also soll Max zahlen. Derweil steigt auch bei Angela die Nervosit\u00e4t, denn ihr durchgeknallter Freund Dillon erschie\u00dft einen der ermittelnden Polizisten. Das Morden hat gerade erst begonnen.<\/p>\n<p><strong>Grandiose Sinnlosigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Schon das Figuren-Quartett aus aalglattem Gesch\u00e4ftsmann, zwielichtiger Femme fatal, psychopathischem Profikiller und kaltschn\u00e4uzigem Erpresser ist eine Besetzung wie aus dem Krimi-Lehrbuch. Dazu covern die beiden Autoren auf rasante Weise so ziemlich jedes Hardboiled- und Noir-Klischee und zwar aus allen Bereichen der Popul\u00e4rkultur: Musik, Comic oder Pulp-Trash. Dazu zitieren sie zahlreiche Kollegen \u00e2\u20ac\u201c von Allan Guthrie \u00fcber Joe R. Lansdale bis zu Daniel Woodrell \u00e2\u20ac\u201c zu Anfang jedes Kapitels. Dies alles wird von den beiden Autoren perfekt abgemischt, unterlegt mit einem treibenden Erz\u00e4hlbeat, getragen vom tiefschwarzen Humor des Iren und des New Yorkers. Dazu eine v\u00f6llig durchgedrehte Handlung, deren grandiose Sinnlosigkeit mit dem Leser Achterbahn f\u00e4hrt. <\/p>\n<p>Das ist grandioser Hardboiled-Trash, den man in der lahmarschigen deutschen Krimikultur eher selten trifft. Bei Bruen und Starr wird ehrlich ausgeteilt, hier wird gehasst, gelogen und gefickt, hier wird das neurotische Ego gepflegt und das alles nur, um zu unterhalten. Keine Psychothriller-Pappe, keine gedrechselten Hochliteraturerg\u00fcsse, keine tief sch\u00fcrfenden Charakterstudien. Statt dessen ist <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Flop\u00e2\u20ac\u0153<\/span> ein urspr\u00fcngliches, ein reines und vor allem ein sehr geiles Leseverg\u00fcngen. Blut- und Busenliteratur der Sonderklasse.  <\/p>\n<blockquote><p><strong>Ken Bruen und Jason Starr: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Flop<\/span><\/strong>. &#8211; \u00dcbersetzt von Richard Betzenbichler. &#8211; Berlin : Rotbuch Verlag, 2008<br \/>\nISBN 978-3-86789-023-6<br \/>\n(Hard Case Crime; 003)<\/p>\n<p>US-Amerikanische Ausgabe:<br \/>\n<strong>Ken Bruen and Jason Starr: <span style=\"font-variant: small-caps;\">Bust<\/span><\/strong>. &#8211; New York : Dorchester, 2006<br \/>\nISBN 0-8439-5591-0<br \/>\n(Hard Case Crime; 020)<\/p>\n<p>Buch bestellen bei:<br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3867890234\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2701&amp;type=text&amp;tnb=8&amp;pid=3867890234\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2176&amp;type=text&amp;tnb=3&amp;pid=3867890234\">\u00bb buch24.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=3867890234\" target=\"_blank\">\u00bb buecher.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Links:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/973\/hard-case-crime-interview-mit-lisa-kuppler.html\">\u00e2\u2020\u2019 \u00e2\u20ac\u0153Politisch korrekt geht es da nat\u00fcrlich nicht immer zu\u00e2\u20ac\u009d &#8211; Interview mit der Herausgeberin und Lektorin Lisa Kuppler zum Start der \u00e2\u20ac\u0153Hard Case Crime\u00e2\u20ac\u009d-Reihe in deutscher \u00dcbersetzung<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.kenbruen.com\/\">\u00e2\u2020\u2019 Homepage von Ken Bruen<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.jasonstarr.com\/\">\u00e2\u2020\u2019 Homepage von Jason Starr<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/hardcasecrime.de\/\">\u00e2\u2020\u2019 hardcasecrime.de &#8211; Internetseite zur deutschen Reihe<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/hardcasecrime.com\/\">\u00e2\u2020\u2019 hardcasecrime.com &#8211; Internetseite zur US-amerikansichen Reihe<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ken Bruen und Jason Starr: Flop Auf den ersten Blick treffen zwei Welten aufeinander: Der Ire Ken Bruen, der unter anderem in seiner Serie um den Ex-Polizisten und Privatdetektiv Jack Taylor ein bitterb\u00f6ses Sittenbild des modernen Irlands zeichnet, und der in Brooklyn geborene Jason Starr, dessen d\u00fcstere Geschichten neurotische Figuren im Moloch New York zeigen. 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