{"id":996,"date":"2008-05-05T16:09:04","date_gmt":"2008-05-05T14:09:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krimiblog.de\/?p=996"},"modified":"2008-05-05T16:09:04","modified_gmt":"2008-05-05T14:09:04","slug":"interview-mit-andrew-taylor","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/?p=996","title":{"rendered":"&#8222;Eine gute Kriminalgeschichte sch\u00e4rft die Sinne&#8220;"},"content":{"rendered":"<div align=\"center\"><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/andrew_taylor_1.jpg\" alt=\"Andrew Taylor. Photo by Ludger Menke\"><\/div>\n<p><strong>Ein Interview mit dem britschen Autor Andrew Taylor<br \/>\nVon Ludger Menke<\/strong><\/p>\n<p>Er ist einer der erfolgreichsten Kriminalschriftsteller in England: Andrew Taylor. Der 1951 geborene Autor hat \u00fcber 30 B\u00fccher ver\u00f6ffentlicht, neben Kriminalromanen auch Kinder- und Jugendb\u00fccher. Bei uns wurde Taylor unter anderem durch seine <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Roth&#8220;<\/span><\/em>-Triologie bekannt, in der er auf sehr realistische Weise das Leben im Londoner Vorort Roth erz\u00e4hlt und die in England unter dem Titel <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Fallen Angel&#8220;<\/span> f\u00fcr das Fernsehen verfilmt wurde. Auch die <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Lydmouth&#8220;<\/span>-Serie, deren erster Band <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;An Air That Kills&#8220;<\/span> (dt.: <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Dunkle Verh\u00e4ltnisse&#8220;<\/span>) 1994 erschienen ist und von einem Kritiker als &#8222;Middlemarch mit Mord&#8220; bezeichnet wurde, ist bei uns erschienen. In der bislang acht B\u00e4nde umfassenden Serie schildert Taylor das Leben des Polizisten Richard Thornhill in dem kleinen, fiktiven Ort Lydmouth w\u00e4hrend der 1950er Jahre. Leider ist Andrew Taylor, der scheinbar m\u00fchelos zwischen verschiedenen Stilen der Kriminalliteratur wechseln kann, immer noch ein Geheimtipp bei uns. Um so erfreulicher, dass er im April 2008 zu einer Lesereise nach Deutschland kam und ich die M\u00f6glichkeit zu einem Gespr\u00e4ch hatte. <\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n<em><strong>krimiblog.de:<\/strong> Vor einigen Monaten hat ich die Gelegenheit den britischen Autor Gilbert Adair zu interviewen. Sie haben vor zwei Jahren seinen Kriminalroman <span style=\"font-variant: small-caps;\"><a href=\"http:\/\/www.independent.co.uk\/arts-entertainment\/books\/reviews\/the-act-of-roger-murgatroyd-by-gilbert-adair-424539.html\">&rarr; &#8222;The Act of Roger Murgatroyd&#8220;<\/span><\/a> (dt.: <span style=\"font-variant: small-caps;\"><a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/577\/mord-auf-ffolkes-manor.html\">&#8222;Mord auf ffolkes Manor&#8220;<\/a><\/span>) besprochen. Dabei sagte er mir unter anderem, das Kriminalliteratur f\u00fcr ihn vor allem eine \u00e2\u20ac\u017enostalgische Angelegenheit&#8220;<sup><a href=\"#anm1\">Anm. 1<\/a><\/sup> ist. Was bedeutet Kriminalliteratur f\u00fcr Sie?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrew Taylor:<\/em><\/strong> Ich glaube Kriminalliteratur hat viele Bedeutungen. Eine Bedeutung \u00e2\u20ac\u201c eine sehr materielle Bedeutung \u00e2\u20ac\u201c ist, dass Kriminalliteratur mir meinen Lebensunterhalt sichert. Eine andere Bedeutung ist, dass sie mir erlaubt, die \u00fcber die Dinge zu schreiben, die ich oft lese. Ich meine Romane, die \u00fcber eine starke Erz\u00e4hlung verf\u00fcgen, die starke Charaktere und Themen vorweisen, die unabk\u00f6mmlich in der Welt verankert sind, in der sie spielen. Vor allem aber Romane, die einen Plot haben und \u00fcber eine erz\u00e4hlerische Spannung verf\u00fcgen. Mit anderen Worten: Der Grund, warum viele Autoren heutzutage Kriminalliteratur in Gro\u00dfbritannien schreiben, liegt darin, dass Kriminalliteratur ihnen erlaubt, all die viktorianischen Schreibtechniken zu verwenden, diese Techniken des 19. Jahrhunderts, um fiktionale Literatur zu schreiben. Einige moderne Autoren haben solche Techniken zwar hinter sich gelassen. Sie gehen andere Wege um Literatur zu schreiben \u00e2\u20ac\u201c was gro\u00dfartig ist \u00e2\u20ac\u201c doch einige andere Autoren h\u00e4ngen immer noch an den alten Techniken und an Dingen wie Plot oder Erz\u00e4hlstil.<\/p>\n<p><em><strong>krimiblog.de:<\/strong> Das finde ich interessant, denn auch Adair behauptet, dass der Plot f\u00fcr Kriminalliteratur sehr wichtig ist und das die moderne britische Literatur etwas verloren habe \u00e2\u20ac\u201c n\u00e4mlich den Plot. Teilen sie seine Einsch\u00e4tzung?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrew Taylor:<\/em><\/strong> Ich glaube, er hat in vielen F\u00e4llen Recht. Nehmen Sie diese wunderbar geschriebenen Romane, die es aber auf irgendeine Art nicht schaffen, ihre Erz\u00e4hlung in eine Richtung zu treiben. Weil nur das Schreiben alleine z\u00e4hlt oder nur wichtig ist, auf welche Weise der Roman ausgef\u00fchrt wurde. Sie verf\u00fcgen \u00fcber keinen Sinn f\u00fcr Bewegung, in ihnen wird keine Geschichte entfaltet. Ich glaube es ist richtig, was J.R.R. Tolkien einmal feststellte. Er lenkte die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass das englisch Wort \u00e2\u20ac\u0153spell\u00e2\u20ac\u0153 eine Beziehung zum deutschen Wort \u00e2\u20ac\u0153Spiel\u00e2\u20ac\u0153 hat. Mit anderen Worten: Eine Geschichte ist eine Form der spielerischen Verzauberung und ich glaube, viele von uns Autoren versuchen, unsere Leser mit einer Geschichte zu verzaubern. Ich bin sicher, das ist es, was ein guter Kriminalroman kann. <\/p>\n<p><strong>&#8222;Ich erfreue mich an den M\u00f6glichkeiten, die mir die Kriminalliteratur bietet&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/dunkle_verhaeltnisse.jpg\" style=\"float: right; margin-left: 15px;\" alt=\"Dunkle Verh\u00e4ltnisse\"><em><strong>krimiblog.de:<\/strong> Sie haben \u00fcber 30 Romane geschrieben und was mich beeindruckt ist Ihre F\u00e4higkeit, in sehr unterschiedlichen Formen der Kriminalliteratur zu schreiben. Da gibt es zum Beispiel die <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Roth&#8220;<\/span>-Triologie, die an psychologische Thriller erinnert, da gibt es die <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Lydmouth&#8220;<\/span>-Serie, die vom Kern her eher dem Polizeiroman zugeschrieben werden kann. Dann gibt es den historischen Roman <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;An American Boy&#8220;<\/span> (dt.: <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Der Schlaf der Toten&#8220;<\/span>) \u00fcber Edgar Allan Poe. Wie schaffen Sie es, zwischen diesen unterschiedlichen Formen hin und her zu wechseln?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrew Taylor:<\/em><\/strong> Das ist eines der gro\u00dfen Vergn\u00fcgen, wenn man Kriminalliteratur schreibt. Wir sind nicht mehr l\u00e4nger an ein oder zwei Formen gekettet. H\u00e4tten wir in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts geschrieben, dann h\u00e4tte es tats\u00e4chlich nur ein oder zwei Hauptformen gegeben. Eine davon ist die klassische Form des \u00e2\u20ac\u0153english murder mystery\u00e2\u20ac\u0153, wie sie Agatha Christie geschrieben hat. Miss Marple. Sie kennen das: Ein geschlossener Kreis von Verd\u00e4chtigen, wo es oft einen Amateuerdetektiv gibt und keinen Polizisten. Wo Sie von vornherein wissen, dass das Blut auf dem Teppich der Bibliothek heraus gewaschen werden kann. Die Aufdeckung des M\u00f6rders ist zugleich die Aufl\u00f6sung eines Puzzles und der Tod verschwindet wieder. Die andere Form in den 1930er Jahren war die transatlantische Variante, wo Sie den einsamen Privatdetektiv haben, der durch die gef\u00e4hrlichen Stra\u00dfen der Gro\u00dfstadt streift, die Pistole in der einen Hand, in der anderen ein Weibsbild und eine Flasche Scotch in seiner Tasche. <\/p>\n<p>Heutzutage, so erscheint es mir, k\u00f6nnen wir mit der Form des Kriminalromans alles tun, solange wir uns an zwei Dinge erinnern: Es muss eine Verbindung zur Kriminalit\u00e4t geben, in der Regel ist diese Verbindung eine Leiche, deren Tod aufgekl\u00e4rt werden muss. Weiterhin \u00e2\u20ac\u201c und das greift zur\u00fcck auf das, wor\u00fcber wir vorhin schon gesprochen haben, \u00fcber die Geschichte und \u00fcber die Art, wie Literatur im 19. Jahrhundert geschrieben wurde \u00e2\u20ac\u201c m\u00fcssen wir unsere Leser unterhalten und zwar in dem Sinne, dass wir sie dazu bringen, die Seiten umbl\u00e4ttern zu wollen. Wir brauchen diese erz\u00e4hlerische Spannung. Niemand liest Kriminalliteratur, weil er oder sie glaubt, das sehe gut aus. Es gibt einige Leute, die lesen \u00e2\u20ac\u0153literarische\u00e2\u20ac\u0153 B\u00fccher, weil sich das Buch gut auf dem Couchtisch macht. Manche lassen es einfach auf dem Couchtisch liegen und \u00f6ffnen es noch nicht einmal. <\/p>\n<p>Weil die Kriminalliteratur es mir erlaubt, in so vielen verschiedenen Formen zu schreiben, m\u00f6chte ich diese Formen ausprobieren und erkunden und mich nicht nur auf eine Art des Schreibens beschr\u00e4nken. F\u00fcr einen Krimiautor gibt es das Berufsrisiko, dass er die selbe Geschichte immer und immer wieder schreibt. Du \u00e4nderst einfach die Namen der Charaktere, Du \u00e4nderst ein paar Dinge hier und da. Wir alle kennen Krimiautoren, die eine Serienform gefunden haben und die wunderbar funktioniert, das kann eine sehr brillante Form sein. Das einzige Problem: Sie tun es immer und immer wieder. Wobei dies nicht unbedingt ihr Fehler ist, es ist eher ein Versagen der Verlage und in der Tat des Publikums. Denn es gibt einige Leser und viele Verlage, die Autoren m\u00f6gen,  weil sie immer die selbe Geschichte schreiben. Sie wissen zum Beispiel, dass es jedes Jahr einen Roman im Stil von Agatha Christie zu Weihnachten erscheint. Es gibt also durchaus diesen Druck zur Serie, aber es ist heute f\u00fcr Kriminalautoren nicht mehr unbedingt n\u00f6tig, dies zu tun. Ich selbst erfreue mich \u00e2\u20ac\u201c und ich verwende das Wort \u00e2\u20ac\u0153erfreuen\u00e2\u20ac\u0153 vorsichtig \u00e2\u20ac\u201c an den vielen M\u00f6glichkeiten, die Kriminalliteratur mir bietet.<\/p>\n<p><em><strong>krimiblog.de:<\/strong> Das bringt mich zu einer These, die ich \u00fcber Kriminalliteratur habe. N\u00e4mlich das eine bestimmte Art von Kriminalliteratur M\u00e4rchen f\u00fcr eine bestimmte Gruppe von Erwachsenen ist. Sie m\u00f6chten wie kleine Kinder immer und immer wieder die gleiche Geschichte vorgelesen bekommen \u00e2\u20ac\u201c jeden Abend.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrew Taylor:<\/em><\/strong> Ja, das ist wahr. Tats\u00e4chlich hat der englisch-irische Dichter Cecil Day Lewis einmal gesagt, dass Kriminalgeschichten M\u00e4rchen f\u00fcr Erwachsene sind. Ja, da haben Sie Recht und ich glaube, Erwachsene lieben Krimis so, wie Kinder M\u00e4rchen lieben, weil sie so vertraut sind. Es gibt meiner Meinung nach aber noch einen anderen Grund daf\u00fcr. Eine gute Kriminalgeschichte kann, wie ein gutes M\u00e4rchen, den Sinn f\u00fcr Dinge sch\u00e4rfen, die sonst nur sehr schwer verst\u00e4ndlich und begreifbar sind. In der Kriminalliteratur ist es der Tod, besonders der gewaltsame oder pl\u00f6tzliche Tod, vor allem aber der Tod als eine unausgesprochene Tatsache in unserem Leben. In M\u00e4rchen finden sich all die verwirrenden Dinge, mit denen ein Kind lernen muss, umzugehen. Das schlie\u00dft den Tod mit ein, aber auch Mama und Papa und Sex und all diese Dinge. Ja, ich glaube, wir haben da die gleiche Meinung. <\/p>\n<p><strong>&#8222;Der Roman begann mit George W. Bush&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/der_ruf_des_henkers.jpg\" style=\"float: left; margin-right: 10px;\" alt=\"Der Ruf des Henkers\"><em><strong>krimiblog.de:<\/strong> Die meisten Ihrer Romane spielen in der Vergangenheit. Warum sind Sie so fasziniert von der Vergangenheit? <\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrew Taylor:<\/em><\/strong> Meine fr\u00fchen Romane spielen in der Gegenwart, aber es stimmt, die neueren Romane sind fast alle in der Vergangenheit angesiedelt. Der Grund liegt einerseits an meiner Faszination f\u00fcr Geschichte. Ich habe mich schon immer sehr f\u00fcr Geschichte interessiert, es ist fast eine Liebe zur Historie. Der andere Grund liegt paradoxerweise darin, dass ich mich auch sehr f\u00fcr die Gegenwart interessiere. Ich denke, je mehr wir unsere Geschichte verstehen, desto mehr k\u00f6nnen wir die Gegenwart verstehen oder zumindest hoffen, sie besser zu verstehen. <\/p>\n<p>Ausl\u00f6ser f\u00fcr mein letztes Buch <span style=\"font-variant: small-caps;\">\u00e2\u20ac\u0153Naked To The Hangman\u00e2\u20ac\u0153<\/span> (dt. <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Der Ruf des Henkers&#8220;<\/span>) aus der <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Lydmouth&#8220;<\/span>-Serie war, als George W. Bush sagte: \u00e2\u20ac\u0153Marschieren wir in den Irak ein!\u00e2\u20ac\u0153. Wie viele Menschen weltweit habe ich gedacht, dass dies ein dummer Schritt ist. Es f\u00fchrte mich zu der Geschichte des Mittleren Ostens. Was passierte damals, als die westlichen M\u00e4chte, die Europ\u00e4er und die Amerikaner, versucht haben, massiv in dieser Region einzugreifen, die eine sehr komplexe, faszinierende aber auch gef\u00e4hrliche Gegend ist. Dies f\u00fchrte mich zum britischen Mandat in Pal\u00e4stina am Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Engl\u00e4nder den Auftrag hatten, das damalige Pal\u00e4stina zu verwalten. Es war kein Auftrag, um den man sich gerissen hatte, es war eine dieser unsch\u00f6nen Verpflichtungen. <\/p>\n<p>Insbesondere nach dem Krieg entwickelte sich eine schwierige Situation, als j\u00fcdische Einwanderer kamen und es auch viele j\u00fcdische Familien gab, die dort seit Generationen lebten, weil sie nat\u00fcrlich in ihrem Heimatland sein wollten. Die Pal\u00e4stinenser, die auch seit Generationen dort lebten &#8211; einige von ihnen waren Christen, andere waren Muslime &#8211; wollten nat\u00fcrlich auch in ihrem Heimatland leben. Es gab also drei verschiedene Gruppen, die zu diesem Ort geh\u00f6rten: Die Engl\u00e4nder, die Juden und die Pal\u00e4stinenser. Es war ein Chaos. In diesen konfusen Jahren von 1946 bis 1948 bildete sich der erste, moderne Terrorismus aus. Die Engl\u00e4nder zogen sich schlie\u00dflich recht glanzlos zur\u00fcck. All das interessierte mich, doch was den Ausschlag zum Roman gab, war, dass es eine britische Polizeieinheit dort gab, deren leitende Beamte von Gro\u00dfbritannien aus dorthin versetzt worden waren. <\/p>\n<p>Also \u00fcberlegte ich, was h\u00e4tte geschehen k\u00f6nnen, wenn mein Kriminalkommissar Richard Thornhill in jungen Jahren nach Pal\u00e4stina abkommandiert gewesen w\u00e4re. Eine durchaus plausible M\u00f6glichkeit. Und was w\u00fcrde passieren, wenn ihn zehn Jahre sp\u00e4ter ein Ereignis aus dieser Zeit in seinem sicheren und heimeligen Ort Lydmouth einholt. So begann der Roman: Mit George W. Bush.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Geheime Autobiografie&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/andrew_taylor_2.jpg\" style=\"float: right; margin-left: 15px;\" alt=\"Andrew Taylor by Ludger Menke\"><em><strong>krimiblog.de:<\/strong> Wie arbeiten Sie beim Schreiben: Haben Sie schon vorher einen roten Faden oder ergibt sich das alles w\u00e4hrend des Schreibprozesses?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrew Taylor:<\/em><\/strong> Das h\u00e4ngt vom Buch ab. Bei der <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Lydmouth&#8220;<\/span>-Serie wei\u00df ich sehr genau, welches Setting ich habe, ich wei\u00df viel \u00fcber die Hauptcharaktere. Bei dieser Serie beginne ich mit einem l\u00e4ngeren Entwurf, es ist noch keine Rohfassung oder ein Plan, es ist eine Kombination aus beiden, die etwa 30.000 W\u00f6rter umfasst. Es sind Notizen zu einzelnen Szenen, ein wenig wie das Treatment  zu einem Film. Diese Herangehensweise ist allerdings die Ausnahme. Bei meinen anderen B\u00fccher, egal ob sie zu einer Serie geh\u00f6ren oder zum Beispiel zur <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Roth&#8220;<\/span>-Triologie, deren einzelnen B\u00e4nde sehr unterschiedlich sind, beginne ich mit ein paar Charakteren, einem Thema, einem Handlungsort und dann muss ich die Geschichte finden. Zun\u00e4chst einmal muss ich mir die Geschichte selbst erz\u00e4hlen, oftmals mit einigen fehlerhaften Ausdr\u00fccken. <\/p>\n<p><em><strong>krimiblog.de:<\/strong> Was mich fasziniert, ist Ihre F\u00e4higkeit Stimmungen von Orten und von Figuren einzufangen. Wie schaffen Sie das?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrew Taylor:<\/em><\/strong> Ich wei\u00df es nicht. Ich arbeite sehr hart daran (lacht). Ich bin eng verbunden mit meinen Handlungsorten. Ich bin \u00fcberzeugt, dass Orte eine Atmosph\u00e4re haben und ich versuche diese Orte sehr genau zu recherchieren. Ich versuche auch, mich in meine Figuren hinein zu versetzen. Ich w\u00fcnschte mir, es g\u00e4be eine Art Zauberformel daf\u00fcr, aber in Wirklichkeit ist es harte Arbeit sich in eine Geschichte hinein zu versetzen und sie nicht nur von au\u00dfen zu betrachten. Ich denke, je mehr ein Autor in seiner Geschichte ist, desto besser wird sie. Wir m\u00fcssen uns zun\u00e4chst einmal selbst die Geschichten erz\u00e4hlen, bevor wir sie unseren Lesern erz\u00e4hlen. Wir Autoren m\u00fcssen uns sie selbst erz\u00e4hlen, denn wir sind unser erstes Publikum. <\/p>\n<p><em><strong>krimiblog.de:<\/strong> Dabei vermeiden Sie aber autobiografische Erlebnisse, oder?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrew Taylor:<\/em><\/strong> Manchmal denke ich, alle fiktionale Literatur ist eine geheime Art von Autobiografie. In diesem Sinne haben alle meine B\u00fccher verborgene Anspielungen, Fragmente von Erlebnissen, die mir oder Menschen, die ich kennen, passiert sind. Dinge, die ich geh\u00f6rt habe, Dinge, die ich gelesen habe. Wenn ich einen Charakter entwerfe, beginne ich im Geiste mit einem realen Menschen. Nennen ihn einfach John Smith. Er sieht aus wie jemand, den ich auf der Universit\u00e4t kannte. Oder zeigt das gleiche Verhalten. Das sind Bruchst\u00fccke, eine Art mentale Stenographie, die zum Charakter geh\u00f6ren. Wenn ich mit dieser Arbeit fertig bin, hat dieser Charakter noch viele andere und verschiedene Aspekte angenommen, die von anderen Quellen stammen und die auch den Gang der Geschichte beeinflussen. Da sind wir wieder bei den Autoren, die w\u00e4hrend des Schreibens eher lernen, statt eine Geschichte zu beeinflussen. Charaktere erschlie\u00dfen sich dem Leser unter anderem durch ihr Handeln und das wiederum beeinflusst die Entwicklung von Charakteren, vielleicht anders, als man es aus Autor von Anfang an geplant hatte. Eine britische Autorin sagte, als sie gefragt wurde, ob ihre Figuren der Wirklichkeit nach empfunden wurden: &#8222;Ja, aber man sieht am Ende auch nicht mehr das Schwein in der Wurst&#8220;. (lacht)<\/p>\n<p><strong>&#8222;An Edgar Allen Poe kommt man nicht vorbei&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/der_schlaf_der_toten_andrew_taylor.jpg\" style=\"float: left; margin-right: 10px;\" alt=\"Der Schlaf der Toten\"><em><strong>krimiblog.de:<\/strong> Jetzt wird es schwierig f\u00fcr mich vom Schwein in der Wurst zu einem echten, realen Charakter in einem ihrer B\u00fccher zu kommen. Also: Bruch. Ich komme zu Edgar Allan Poe, den Sie in Ihrem Roman <span style=\"font-variant: small-caps;\"><a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/334\/der-schlaf-der-toten-andrew-taylor.html\">&rarr; &#8222;The American Boy&#8220;<\/a><\/span> (dt.: <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Der Schlaf der Toten&#8220;<\/span>) portr\u00e4tiert haben. War das Buch als eine Hommage angelegt?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrew Taylor:<\/em><\/strong> Teilweise schon. Als Kriminalautor kommt man an Edgar Allan Poe nicht vorbei. Er hat viele Aspekte des Genres entworfen oder weiterentwickelt. Vor zw\u00f6lf oder zehn Jahren begann ich damit, die Kurzgeschichten von Poe erneut zu lesen. In der Einleitung des Herausgebers las ich, das Poe f\u00fcr f\u00fcnf Jahre in England gelebt hat und als Junge hier zur Schule gegangen ist. Bis dahin wusste ich nichts dar\u00fcber, aber diese Tatsache weckte mein Interesse. Ich dachte, ich k\u00f6nnte damit etwas anfangen. Ich hatte schon lange die Absicht, ein Buch schreiben, das im fr\u00fchen 19. Jahrhundert spielt, weil es so eine faszinierende Zeit ist. An Poe mochte ich, dass er ein Mensch war, denn man sonst nur schwer im England des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts finden konnte.<\/p>\n<p>Poes Charakter erscheint uns eher amerikanisch, weniger viktorianisch. Poe wurde zu einer kulturellen Ikone. Viele kennen ihn durch Filme, oder die <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Simpsons&#8220;<\/span>, durch bildende Kunst oder Musik. Viele Menschen kennen ihn, obwohl sie nie eine Zeile von ihm gelesen haben. Er hat eine Art \u00e2\u20ac\u0153Superleben\u00e2\u20ac\u0153 bekommen. All das faszinierte mich, aber was ich am meisten interessierte war die Tatsache, dass man nur sehr wenig \u00fcber seine Londoner Jahre wusste. F\u00fcr jeden Schriftsteller bedeutet dies gr\u00fcnes Licht: Ich kann alles damit machen, solange ich mich an die wenigen, historischen Fakten halte. So begann der Spa\u00df.<\/p>\n<p><em><strong>krimiblog.de:<\/strong> Also gibt es sehr viel Fiktion in diesem Roman?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrew Taylor:<\/em><\/strong> Ja, aber ich habe es verankert in einem sehr exakt recherchierten historischen Kontext. Ich bin sehr vorsichtig damit umgegangen, auch was die Sprache betrifft. Nicht nur die rein physischen Gegebenheiten, sondern auch wie Menschen gesprochen oder gedacht haben. Allerdings habe ich mich nicht nur innerhalb dessen bewegt, was wir \u00fcber Poes Kindheit und zum Beispiel \u00fcber seine Stiefeltern wissen. Ich habe den Roman auch genutzt, um Erkl\u00e4rungen f\u00fcr einige der merkw\u00fcrdigen Ereignisse in Poes Leben zu finden. Zum Beispiel f\u00fcr die Tatsache, dass sein Vater verschwand, als Poe ein Kleinkind war. Niemand wei\u00df, was mit ihm passiert ist. Also dachte ich mir, daf\u00fcr kann ich eine fiktionale Antwort finden. Dann gibt es einen anderen Fakt, n\u00e4mlich das Poe am Ende seines Lebens f\u00fcr f\u00fcnf Tage verschwunden war. Niemand wei\u00df, was mit ihm kurz vor seinem Tod passiert ist, bis er wieder auftauchte, im Stadium eines vollst\u00e4ndigen psychischen und physischen Zusammenbruchs. Auch darauf konnte ich im Buch eine Antwort finden. <\/p>\n<p>Ein anderer Punkt ist, dass ich in meinem Buch, durch den Plot und durch bestimmte Ereignisse<br \/>\neine Art Vorfigur schaffen konnte. In Poes Kurzgeschichten und Gedichten, die er als Erwachsener geschrieben hat, finden sich viele Echos aus seiner Kindheit. In einer gewissen Weise habe ich ihm eine Kindheit erschaffen, damit er sie sp\u00e4ter im wahren Leben nutzen konnte.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Die universellen Themen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/die_wahrheit_die_wir_den_toten_schulden.jpg\" style=\"float: right; margin-left: 15px;\" alt=\"Die Wahrheit die wir den Toten schulden\"><em><strong>krimiblog.de:<\/strong> Kommen wir zu einem anderen Ihrer Romane, zu <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;A Stain On The Silence&#8220;<\/span> (dt.: <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Die Wahrheit, die wir den Toten schulden&#8220;<\/span>). Darin geht es unter anderem, wie \u00fcbrigens in vielen ihrer B\u00fccher, um die Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Wieso fasziniert Sie dieses Beziehung so?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrew Taylor:<\/em><\/strong> Nun, ich habe selbst Kinder. Ich glaube, es ist die Tatsache, dass wir alle von jemanden das Kind sind. Auch wenn wir sie nicht unbedingt kennen hat doch jeder von uns Eltern. Viele von uns haben Kinder. Das wir jemandes Kind sind, ist eine universelle Tatsache. Von daher ist das eines dieser gro\u00dfen Themen, wie die Liebe oder wie der Tod. Mit <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;A Stain On The Silence&#8220;<\/span> wollte ich ein Buch schreiben, das in der Gegenwart spielt, weil viele meiner anderen B\u00fccher in der Vergangenheit angesiedelt sind. Es ging mir auch darum zu beweisen, dass ich immer noch ein Buch schreiben kann, das in der Gegenwart spielt. Es war ein Spa\u00df Figuren zu haben, die zum Beispiel \u00e2\u20ac\u0153googeln\u00e2\u20ac\u0153 oder die einen Laptop besitzen. Das sind alles Dinge, die ich auch selbst mache. Den letzten Ansto\u00df gab jedoch eine Bemerkung von Samuel Beckett, die er am Ende seines Lebens formuliert hat. Er wurde nach seinem Schreiben gefragt, warum er schreibt und welche Absicht er damit verfolgt. Und Beckett sagte: &#8222;It is my way to leave a stain on the silence&#8220; <sup><a href=\"#anm2\">Anm. 2<\/a><\/sup>. Das ist ein wunderbarer Satz, ich wei\u00df nicht, wie man ihn ins Deutsche \u00fcbersetzt. Es ist ein Satz, bei dem einem klar wird, das Samuel Beckett ein Genie war. <\/p>\n<p>Dieses Zitat ging mir durch den Kopf, meine Frau h\u00f6rte es im Radio, lief in mein Zimmer und sagt: Ich habe einen wunderbaren Titel f\u00fcr ein Buch &#8211; &#8222;A Stain On The Silence&#8220;. Ich habe danach mehr \u00fcber Samuel Beckett gelesen und \u00fcber diese Formulierung monatelang nachgedacht. Da kam mir folgender Gedanke: Die meisten Menschen k\u00f6nnen das nicht \u00fcber ihre Arbeit sagen. Viele Menschen lieben nicht unbedingt ihre t\u00e4gliche Arbeit. Nur wenige k\u00f6nnen von sich behaupten, das zu lieben, was sie jeden Tag tun. Ihre Arbeit ist fundamental wichtig f\u00fcr sie und f\u00fcr das, was sie sind und was sie f\u00fchlen. Samuel Beckett konnte das von sich behaupten. F\u00fcr die meisten Menschen jedoch sind  vor allem ihre Kinder ihr \u00e2\u20ac\u0153stain on the silence\u00e2\u20ac\u0153. Die Kinder sind ihre Art, etwas zu hinterlassen, ein Zeichen in diese Welt zu setzen. <\/p>\n<p><strong>&#8222;Ein Spielzeug f\u00fcr Jungen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/andrew_taylor_3.jpg\" style=\"float: left; margin-right: 10px;\" alt=\"Andrew Taylor by Ludger Menke\"><em><strong>krimiblog.de:<\/strong> Ich habe gesehen, dass Sie <a href=\"http:\/\/www.shoorayner.com\/lydpress\/\">&rarr; ein Blog im Internet<\/a> f\u00fchren. Wie wichtig ist das Internet f\u00fcr Sie?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrew Taylor:<\/em><\/strong> Das Sch\u00f6ne am Internet, ist der Kontakt zu anderen Menschen. Schreiben ist eine einsame Angelegenheit und es ist bemerkenswert, was sich in den letzten zehn oder zw\u00f6lf Jahren entwickelt hat. Ich bekomme viele E-Mails von Lesern aus aller Welt. Ich meine jetzt nicht enorme Mengen, aber da sind diese Menschen, die ich sonst nie getroffen h\u00e4tte oder von denen ich sonst nie geh\u00f6rt h\u00e4tte. Es ist so einfach, eine E-Mail zu schreiben. Man kommt in Kontakt und es bereichert meine Arbeit. Weil ich R\u00fcckmeldungen von Lesern bekomme f\u00fcr das, was ich schreibe, und zwar  auf eine sehr unmittelbaren Art und Weise. Weiterhin werden Recherchen wesentlich einfacher. Sie k\u00f6nnen so viel finden, obwohl es nat\u00fcrlich auch viel M\u00fcll im Netz gibt. Au\u00dferdem habe ich herausgefunden, dass ich durch meine Website einfacher in Kontakt zu Leuten kommen kann. Ich mag das Internet \u00e2\u20ac\u201c auch wenn es dort viel Mist gibt.<\/p>\n<p><em><strong>krimiblog.de:<\/strong> : Aber bedeute das nicht noch mehr Arbeit f\u00fcr Sie als Schriftsteller, der t\u00e4glich etwas schreiben muss?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrew Taylor:<\/em><\/strong> Da haben Sie sicher Recht. Ich k\u00f6nnte im Netz mehr ver\u00f6ffentlichen, aber ich muss nat\u00fcrlich auch noch meine B\u00fccher schreiben. Deshalb kann ich nicht so viel Zeit damit verbringen. Allerdings versuche ich, die Webseite und auch den Blog aktuell zu halten. Ich aktualisiere sie alle paar Wochen. Ich habe einfach Spa\u00df an diesem &#8222;Spielzeug f\u00fcr Jungen&#8220;. Ich habe neulich entdeckt, wie man am Mac einen iMovie herstellt. Also habe ich einen Trailer f\u00fcr mein neues Buch zusammengestellt. Es hat viel Spa\u00df gemacht.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Die faschistische Bewegung war in England sehr stark&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/bleeding_heart_square.jpg\" style=\"float: right; margin-left: 15px;\" alt=\"Bleeding Heart Square\"><em><strong>krimiblog.de:<\/strong> Damit haben Sie bereits das neue Buch erw\u00e4hnt: <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Bleeding Heart Square&#8220;<\/span>, das Ende Mai in Gro\u00dfbritannien erscheinen wird. K\u00f6nnen Sie mir ein wenig mehr dar\u00fcber verraten?<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrew Taylor:<\/em><\/strong> Am Anfang dieses Buches stand meine Gro\u00dfmutter. Als Kind erz\u00e4hlte sie mir eine Geschichte \u00fcber einen M\u00f6rder in der Familie. Damit meine ich jetzt nicht meine Familie, es handelte sich vielmehr um einen gro\u00dfen Kriminalfall im viktorianischen England, mit dem die Familie meiner Gro\u00dfmutter entfernt zu tun hatte. Sie waren Bauern auf dem Land, ihre Gro\u00dfeltern hatten einen Bauernhof. Als ihr Gro\u00dfvater starb, musste der Hof verkauft werden. Er wurde an eine wohlhabende Dame verkauft und an einen Mann, der vorgab ihr Ehemann zu sein, obwohl er wesentlich j\u00fcnger als sie war. In der Tat war er ein Hochstapler, ein schlechter Mensch. Drei Wochen nach dem das Paar in den Bauernhof eingezogen waren, erschoss er sie. Er balsamierte ihre Leiche ein, und in den kommenden vier Jahren f\u00e4lschte er ihre Unterschrift und eignete sich ihr ganzes Geld an. W\u00e4hrend dieser Zeit lebte er auf dem Hof, mit der einbalsamierten Leiche.<\/p>\n<p>Meine Gro\u00dfmutter und ihrer Schwester pflegten als Kinder auf dieser Farm zu spielen. Sie trugen kleine, wei\u00dfe, viktorianische Kleider, sehr niedlich, und der Hof sah sehr romantisch, sehr pittoresk aus. Doch dort war dieser furchtbare Mord geschehen und schlie\u00dflich wurde die Leiche gefunden. Der Mann wurde verhaftet und schlie\u00dflich geh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Es ist eine Geschichte, die sehr lange durch meinen Kopf geisterte. Ich habe \u00fcberlegt und wollte eine Version schaffen, die in den 1930er Jahren spielt. Das wiederum erlaubte es mir ein anderes Thema hinein zunehmen, das ich erkunden wollte:  Den Faschismus in Gro\u00dfbritannien. Die &#8222;Britsh Union of Fascists&#8220; und generell die faschistische Bewegung war in England sehr stark in den fr\u00fchen 1930er Jahren. Es gab einen Punkt, wo die Gefahr bestand, dass sie zu einer sehr festen, politischen  Kraft wurden. 1934 war dieses Schl\u00fcsseljahr als jedermann klar wurde, dass man ihnen nicht trauen konnte. Nichtsdestotrotz hatten sie eine starke Unterst\u00fctzung, vor allem in den h\u00f6heren Gesellschaftskreisen. Sie sahen in den Faschisten einen Weg zur\u00fcck zu einem fantastischen Niemandsland, in dem die unteren Klassen wussten, wo ihr Platz war.<\/p>\n<p>Ich wollte also \u00fcber Menschen der faschistischen Oberklasse schreiben. <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Bleeding Heart Square&#8220;<\/span> selbst ist ein Platz in London, auf dem so viel Geschichte, so viele Legenden liegen. Ich wollte nicht nur den historischen Hintergrund einbauen, ich wollte die Geschichte auch in einem Stil der 1930er Jahre verfassen. Es geht um einen M\u00f6rder auf der einen Seite, um die Faschisten auf der anderen Seite. \u00e2\u20ac\u0153Bleeding Heart\u00e2\u20ac\u0153 ist ein Ausdruck, der sowohl metaphorisch wie auch literarisch verwendet werden kann. So gibt es in meiner Geschichte reale blutende Herzen und es gibt sie in einem metaphorischen Sinn. Der Roman ist zugleich eine Kriminalgeschichte, eine \u00e2\u20ac\u0153Gothic Novel\u00e2\u20ac\u0153 und die Geschichte einer Frau, die zu sich selbst findet. <\/p>\n<p><em><strong>krimiblog.de:<\/strong> Das klingt sehr spannend. Ich freue mich darauf! Vielen Dank f\u00fcr das Interview und viel Erfolg mit Ihren B\u00fcchern.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Andrew Taylor:<\/em><\/strong> Vielen Dank!<\/p>\n<p><span style=\"font-size:0.8em\"><strong>Anmerkungen:<\/strong><br \/>\n<a name=\"anm1\">Anmerkung 1:<\/a> Das vollst\u00e4ndige Interview mit Gilbert Adair findet sich in:<br \/>\n<strong>Krimijahrbuch 2008<\/strong> \/ Hrsg. von Christina Bacher, Ulrich Noller, Dieter Paul Rudolph. &#8211; Wuppertal : Nordpark-Verlag, 2008. (KrimiKritik; 10). &#8211; ISBN 978-3-935421-28-7<\/span> <\/p>\n<p><span style=\"font-size:0.8em\"><a name=\"anm2\">Anmerkung 2:<\/a> In der Tat l\u00e4sst sich die Phrase &#8222;A Stain on the Silence&#8220; schwer ins Deutsche \u00fcbersetzen. Unter &#8222;Stain&#8220; versteht man im Englischen einen Fleck oder auch eine Beize. Sinngem\u00e4\u00df geht es darum, ein Zeichen zu setzen oder der Nachwelt etwas zu hinterlassen. <\/span><\/p>\n<blockquote><p><strong>B\u00fccher von Andrew Taylor (Auswahl):<\/strong><br \/>\n<strong>Andrew Taylor: Der Ruf des Henkers<\/strong> \/ Aus dem Englischen von Isabel Bogdan. &#8211; M\u00fcnchen : Goldmann, 2008<br \/>\nISBN: 978-3-442-46457-9<br \/>\nBuch bestellen bei:<br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3442464579\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2701&amp;type=text&amp;tnb=8&amp;pid=3442464579\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2176&amp;type=text&amp;tnb=3&amp;pid=3442464579\">\u00bb buch24.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=3442464579\" target=\"_blank\">\u00bb buecher.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Andrew Taylor: Die Wahrheit, die wir den Toten schulden<\/strong> \/ Aus dem Englischen von Caroline Einh\u00e4upl. &#8211; M\u00fcnchen : Goldmann, 2007<br \/>\nISBN: 978-3-442-46255-1<br \/>\nBuch bestellen bei:<br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/344246255X\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2701&amp;type=text&amp;tnb=8&amp;pid=344246255X\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2176&amp;type=text&amp;tnb=3&amp;pid=344246255X\">\u00bb buch24.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=344246255X\" target=\"_blank\">\u00bb buecher.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Andrew Taylor: Der Schlaf der Toten<\/strong> \/ Aus dem Englischen von Monika Koch. &#8211; M\u00fcnchen : Goldmann, 2005<br \/>\nISBN 3-442-46080-8<br \/>\nISBN 13: 978-3-442-46080-9<br \/>\nBuch bestellen bei:<br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3442464218\/ludgerslesezeich\/\">\u00bb amazon.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2701&amp;type=text&amp;tnb=8&amp;pid=3442464218\">\u00bb libri.de<\/a> <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=2176&amp;type=text&amp;tnb=3&amp;pid=3442464218\">\u00bb buch24.de<\/a> <a href=\"http:\/\/partners.webmasterplan.com\/click.asp?ref=72132&amp;site=3780&amp;type=text&amp;tnb=14&amp;prd=yes&amp;suchwert=3442464218\" target=\"_blank\">\u00bb buecher.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Link:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/andrew-taylor.co.uk\/\">&rarr; Andrew Taylor &#8211; die offizielle Homepage<\/a>\n<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/images\/andrew_taylor_2_klein.jpg\" align=\"left\" hspace=\"5\" alt=\"Andrew Taylor. Photo by Ludger Menke\"><br \/>\n<strong>Ein Interview mit dem britschen Autor Andrew Taylor<br \/>\nVon Ludger Menke<\/strong><\/p>\n<p>Er ist einer der erfolgreichsten Krimischriftsteller in England: Andrew Taylor. Der 1951 geborene Autor hat \u00fcber 30 B\u00fccher ver\u00f6ffentlicht, neben Kriminalromanen auch Kinder- und Jugendb\u00fccher. Bei uns wurde Taylor unter anderem durch seine <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Roth&#8220;<\/span><\/em>-Triologie bekannt, in der er auf sehr realistische Weise das Leben im Londoner Vorort Roth erz\u00e4hlt und die in England unter dem Titel <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Fallen Angel&#8220;<\/span> f\u00fcr das Fernsehen verfilmt wurde. Auch die <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Lydmouth&#8220;<\/span>-Serie, deren erster Band <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;An Air That Kills&#8220;<\/span> (dt.: <span style=\"font-variant: small-caps;\">&#8222;Dunkle Verh\u00e4ltnisse&#8220;<\/span>) 1994 erschienen ist und von einem Kritiker als &#8222;Middlemarch mit Mord&#8220; bezeichnet wurde, ist bei uns erschienen. In der bislang acht B\u00e4nde umfassenden Serie schildert Taylor das Leben des Polizisten Richard Thornhill in dem kleinen, fiktiven Ort Lydmouth w\u00e4hrend der 1950er Jahre. Leider ist Andrew Taylor, der scheinbar m\u00fchelos zwischen verschiedenen Stilen der Kriminalliteratur wechseln kann, immer noch ein Geheimtipp bei uns. Um so erfreulicher, dass er im April 2008 zu einer Lesereise nach Deutschland kam und ich die M\u00f6glichkeit zu einem Gespr\u00e4ch hatte. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[44,151,157,193,221,223,276,292,344,449,570],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/996"}],"collection":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=996"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/996\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=996"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=996"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/archiv.krimiblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=996"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}