Krimiblog-Archiv

Krimiblog – Archiv von 2005 – 2010

Liebeserklärung

Liebe Bücher!
Lieber Bücher.
Liebes? Bücher!
Liebesbücher.

Mords-Moden

Noch kaum bemerkt vollzieht sich ein Paradigmenwechsel im zeitgenössischen Kriminalroman. Der Serienkiller, der mit den sensationellen Erfolgen von Thomas Harris’ Roter Drache (1981) und Schweigen der Lämmer (1988) im zeitgenössischen Bewusstsein zur Inkarnation des modernen, diabolischen Verbrechers geworden ist, wird von einem neuen Teufel in Menschengestalt ersetzt: dem Kinderschänder und Kindesentführer.
Tobias Gohlis
Quelle: Tobias Gohlis: Zwei Millionen Dollar für ein Kind. Die Zeit

Droht nun also die Übermacht der Kinderschänder im Kriminalroman? Ein schauerlicher Gedanke. Kaum entschlafen die Serienkiller, schon kommen die nächsten, garstigen Gestalten, die für Spannung sorgen sollen. Widerliche Kerle (meistens), die sich an kleinen Kindern vergehen. Soooo neu finde ich das nun auch wieder nicht. Mitte/Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts nahm sich zum Beispiel schon Andrew Vachss mit seinen Burk-Krimis des Themas an.

Ob dieses Thema aber wirklich so viele Leser finden wird, wie die (ja immer noch oft auftretenden) Serienkiller, bezweifle ich. Serienkiller boten die Möglichkeit des Grusels, den Einblick in kranke Psyche, mit einer entsprechenden Distanz. Die Glorifizierung dieses Verbrechertyps, gerade auch durch die Verfilmung der Harris-Romane, förderte ihre Beliebtheit, auch beim lesenden Publikum. Die meisten Serienkiller-Romane bieten genügend Schutz, eine Mischung aus Abscheu und Faszination, um sich mit den Schattengestalten auseinander zu setzen. Von der realen Darstellung wirklicher Serienkiller einmal ganz abgesehen. Dazu oft das Mysterium einer Mordstruktur: Warum bringt ein Serienkiller nur bestimmte Opfer (weiblich/männlich, blond, braun) an bestimmten Orten oder durch bestimmte Methoden um? Warum hinterlässt er bestimmte Symbole? Kinderschänder hingegen sind eigentlich nur igitt.

Es wallandert wieder

“Mankell bedeutet mir nicht soviel, sieht man einmal davon ab, dass er es war, der erst das Interesse auf schwedische Krimiautoren gelenkt hat. Aber es ist schon langweilig, wenn jetzt jeder als der neue Mankell gefeiert wird, mich eingeschlossen. Also, ich kann mir nicht erklären, warum er einen solchen Erfolg hat.”
Arne Dahl

Quelle: NDR Info, Besprechung zu “Tiefer Schmerz” von Arne Dahl

Ja, ja, ja! Mankell ist nicht das Maß aller Krimidinge. Was treibt Kritiker dazu, diesen schlechten Stilisten und drögen Erzähler als düster leuchtendes Vorbild zu nehmen? Wozu diese oft platten Vergleiche zwischen Autoren? Was hat uns dieser Mankell kriminell alles eingebrockt?
In einem Punkt hat Dahl aber unrecht: Es war nicht Mankell, der das Interesse an schwedischen Krimis – außerhalb von Schweden – geweckt hat. Nur als Randnotiz: Schon in den 60er Jahren machten Maj Sjöwall und Per Wahlöö den schwedischen Krimi bekannt. Schnipp

Der SoziokrimiErgänzung: Wie das alles so begann mit dem – mittlerweile – recht verpönten Soziokrimi, kann man in der wissenschaftlichen Arbeit von Jürg Brönnimann mit dem Titel “Der Soziokrimi – Neues Genre oder ein soziologisches Experiment?” nachlesen. Eine kluge, manchmal etwas sehr wissenschaftliche Einführung in die Geschichte des Soziokrimis. Manches hätte Brönnimann durchaus kürzen können, ich muss auch nicht jeden Sjöwall/Wahlöö-Krimi detailliert nacherzählt bekommen. Dennoch, ein interessantes Buch, dass zeigt, wie sehr die beiden Schweden den Kriminalroman beeinflusst haben.

Jürg Brönnimann: Der Soziokrimi. Neues Genre oder ein soziologisches Experiment?
Eine Untersuchung des Soziokrimis anhand der Werke von Maj Sjöwall/Per Wahlöö und -ky. – Wuppertal : Nordpark-Verlag, 2004. – ISBN: 3-935421-13-3. – (KrimiKritik; 3)

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Vermisst I

Schlaf in himmlischer Ruh Die Alligatorpapiere plagen sich mit Viren herum, also wieder keine Neuigkeiten.
Dafür kursiert seit einiger Zeit das Gerücht, der DuMont Verlag lege seine “Kriminal-Bibliothek” auf Eis. “Schlaf in himmlischer Ruh’” von der kürzlich verstorbenen Charlotte MacLeod war der erste Band dieser Krimireihe. Nun also schläft eine weitere Krimireihe in himmlischer Ruh’ . Großes Bedaueren, all, überall. Wenn man sich dann aber gleichzeitig über die billigen Restposten bei Jokers & Co. freut, darf man sich eigentlich nicht wundern, wenn eine offenbar unrentable Krimireihe vom Verlag eingestellt wird.

Callander SquareDas sich DuMont in Sachen Krimi bisher nicht mit Ruhm bekleckert hat, mag zwar sein. Wer denkt nicht an die viel zu früh verblichene DuMont-Noir-Reihe? Nun will DuMont also neue Leser gewinnen, denn ein Blick ins Frühjahrsprogramm zeigt, dass jeweils zwei Romane von Anne Perry (Der Würger von der Carter Street + Callander Square) und von Charlotte MacLeod (Freu dich des Lebens + Über Stock und Runenstein) als Hardcover in Planung sind. Es bedarf keiner großen prophetischen Gabe, diese hübschen Hardcover schon bald auf dem nächsten Wühltisch zu sehen. Das ist uraltes Zeug, x-mal schon wiederveröffentlicht und Perry- und/oder MacLeod-Fans dürften diese Bücher schon im heimischen Regal stehen haben. Unter verlegerischem Mut verstehe ich etwas anderes. Dennoch: Ein Verlag will frische Bücher verkaufen, davon lebt er und nicht von Restposten.

Preise, nichts als Preise

Das passiert mir auch nicht jeden Tag: Ein für den Oscar nominierter Regisseur telefoniert etwas hektisch neben meinem Schreibtisch und wird dann interviewt. Scheint ja ein ganz Netter zu sein. Aber muss dieser Film wirklich als deutscher Beitrag beim Oscar laufen? Kollegin Häuser sieht das anders.

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