Blogs – Big Brother für Intellektuelle?

vom Krimiblogger

Die Qualitätsdiskussion zum Thema Blog ( siehe unter anderem hier, hier, hier oder hier) hat auch Australien erreicht. Marcus schreibt, es sei Quatsch über die Qualität von Blogs zu diskutieren. Das sehe ich nicht so: Es ist gut, wenn die Blog-Autoren sich Gedanken darüber machen, wie sie Texte so interessant verfassen können, dass sie möglichst viele aufmerksame Leser bekommen. Das merkt man „guten“ Blogs an. Davon allerdings, so der gängige Tenor in der Diskussion, gebe es nur wenige. Die meisten Blogger hauen einfach irgendwas in die Tasten und veröffentlichen es im Netz. Was sind dann gute Blogs? Big Brother für Intellektuelle?

Nun betreibe ich mal Nabelschau: Ich schreibe ein Blog, weil es momentan relativ viel Aufmerksamkeit bekommt (da gleichen sich meine Erfahrungen mit denen von Marcus). Dazu kommt, dass ich nicht an feste Formen gebunden bin. Wenn ich zum Beispiel eine Buchbesprechung schreibe, gibt es einfach Vorgaben, die ich einzuhalten habe. Im Blog, das in meinen Augen immer eine sehr starke persönliche Komponente beinhaltet, bin ich wesentlich freier. In meiner Arbeit als Journalist habe ich vorgegebene Themen zu behandeln, in bestimmten Formen. In meinem Blog, einem Freizeitvergnügen, bin ich frei, zu schreiben, was und wie ich will – abgesehen von den gesellschaftlichen Vorgaben, die in der Öffentlichkeit zu beachten sind (also keine Beleidigungen, Volksverhetzung etc.) und die ich auch gerne einhalte. Nun, das gilt natürlich auch für alle anderen Formen im Internet. Auch eine persönliche Webseite kann ich gestalten wie ich möchte. Der Unterschied: Die möglichst zeitnahen Einträge. Der Kalender eines Blogs weißt mich freundlich aber deutlich darauf hin, wann ich was geschrieben habe und das es vielleicht mal wieder Zeit für einen Einträg wäre.

Dazu kommt die starke Verknüpfung von Person und Thema. Ich schreibe vor allem über Kriminalliteratur – weil es „mein“ Thema ist, das mich am meisten beschäftigt. Wieviele Leser kann man damit erreichen? Weiß ich nicht, ich kann keine Untersuchung oder Marktforschung dazu anstellen. Nur Vermutungen, die sagen, dass es durchaus viele Menschen gibt, die gerne Krimis lesen. Der ein oder andere kommt dann hier vorbei, und wenn es gefällt, kommt er oder sie vielleicht wieder. Ich muss hier keine Zeitschrift verkaufen oder Quotenvorgaben erfüllen. Das macht einfach Spaß, es gibt keinen Druck, bis auf den, den ich mir selber mache (siehe Kalender).

Sind Blogs deshalb eine neue Konkurrenz für Journalisten? Quatsch, ordentlicher Journalismus – zu allen Themen – ist weiter wichtig und es wird weiter Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehmagazine geben. Das schöne ist doch, dass Blogs eine für Deutschland relativ neue mediale Form sind. Gerne wird auf die USA verwiesen, wo ja angeblich Blogs eine gewisse Rolle im letzten Wahlkampf gespielt haben sollen. Im Gegenzug wird darauf hingewiesen, dass es in Deutschland sehr wenige und ernsthafte Polit-Blogs gibt. Nun ist das Interesse an Politik hier in Deutschland wohl eher gering – das bedauere ich, aber deswegen werde ich nun kein Politik-Blog schreiben. Mit Politik beschäftige ich mich während meiner Arbeit, das reicht mir. Wenn es Leute gibt, die interessante Blogs zum Thema Politik schreiben, her mit den Links, ich lese da gerne rein.

Die Entwicklung der Blogs – da hat Martin Röll Recht – steht doch erst am Anfang. Es kann eine spannende Geschichte werden und ich bin neugierig, was passieren wird.