Kritikfähigkeit

vom Krimiblogger

Kritik wird gerne genommen – sag‘ ich nicht nur so dahin, sondern es ist ernst gemeint. Gerda widerspricht mir in einem Beitrag bei Toms Krimitreff:

„Mnosil Brass aus Wien war in der Tat das absolute Highlight, aber auch der Rest hat mir gefallen. Wo ich Ludger als Deutschlehrerin Sec. II ausdrücklich widersprechen möchte (da nehmen wir z. Z. nämlich gerade Rhetorik durch), ist die Beurteilung der Laudationes. Die fand ich außerordentlich warmherzig, passend und z. T. sogar brillant.“

Nun, wie brillant die Laudationes waren, kann man sicher in den nächsten Tagen beim Syndikat nachlesen, bislang konnte ich nur die Laudatio von Gabriele Wolff auf Hansjörg Schneider dort entdecken. Da finden sich dann so schöne Sätze wie dieser

„Seine Sprachkunst bringt sie (Anm.: gemeint sind die Figuren des ausgezeichneten Romans) uns nahe: sinnlich, knapp, in einer Kunstlosigkeit, die schon wieder Kunst ist, denn sie überhebt sich nie über die Begrenztheit der Hauptfigur, sie ist eins mit ihr; sie stellt uns die Stadt und die Menschen mit Hunkelers Blick vor Auge und Ohr.“

Kunstlosigkeit ist schon wieder Kunst, weil sie sich nicht über die Begrenztheit der Hauptfigur erhebt? Alles klar, oder? Das ist geschliffene Rhetorik, ein Satz, über den man mindestens fünfmal nachdenken kann. Mal davon abgesehen, dass ein geschriebener Text immer anders wirkt als ein gesprochener Text.

Aber ich leide ja so oder so an einer Wahrnehmungsstörung, wie mir von einem profilierten Krimiautor an dieser Stelle attestiert wird. Darauf will ich auch gar nicht näher eingehen, denn mit Menschen, die nicht die einfachsten Regeln der Netiquette im Internet beherrschen, ist es unmöglich, ernsthaft zu diskutieren.