Deutscher Krimipreis 2007

vom Krimiblogger

Das Gericht hat getagt, die Geschworenen haben ihr Urteil abgegeben. Herausgekommen ist dabei der Deutsche Krimipreis 2007, der in diesem Jahr so aussieht:

Kategorie National:

Tannöd1. Platz:
Andrea Maria Schenkel: Tannöd

Die Autorin:
Andrea Maria Schenkel lebt in Nittendorf (Lkr. Regensburg). Ihr Debütroman „Tannöd“ begeisterte Anfang des Jahres 2006 bereits die deutsche Krimikritik. Derzeit arbeitet die Autorin an ihrem zweiten Roman, dem wieder eine wahre Begebenheit zugrunde liegt.

Das Buch:
„Tannöd“ ist der erste Roman der Autorin. Er erzählt von einem Verbrechen auf einem Einödhof in den fünfziger Jahren. Eine ganze Familie wurde in einer Nacht ausgelöscht, mit der Spitzhacke erschlagen. Die Geschichte basiert auf einem realen Verbrechen. „Tannöd“ besteht ausschließlich aus den Erzählungen und Aussagen der Dorfbewohner. Und eine dieser Erzählstimmen ist unheimlicherweise die des Mörders.

Die Süße des Lebens2. Platz:
Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens

Der Autor:
Paulus Hochgatterer, geboren 1961, wuchs in Niederösterreich auf, promovierte 1985 in Wien zum Dr. med und arbeitete als Facharzt für Psychiatrie. Heute ist er als Kinder- und Jugendpsychiater tätig und leitet das Institut für Erziehungshilfe in Wien. Daneben, so die Neue Zürcher Zeitung, „schreibt er Literatur, die in Österreich zum Besten der letzten Jahre zählt“.

Das Buch:
Einem alten Mann wird in einer Winternacht der Kopf zermalmt. Seine Enkelin verliert ob ihres grausamen Fundes die Sprache. Dieser Tote, darüber macht Kriminalkommissar Ludwig Kovacs sich keine Illusionen, wird ihn länger beschäftigen. Ein psychopathischer Familienvater schlägt seine Tochter krankenhausreif, ein dauerlaufender Benediktinerpater hört Stimmen und eine junge Mutter glaubt, ihr neugeborenes Kind sei der Teufel. Das Psychogramm dieser Kleinstadt ist alles andere als beruhigend. Doch wer ist verantwortlich für die grausame Tat?

Im Sommer der Mörder 3. Platz:
Oliver Bottini: Im Sommer der Mörder

Der Autor:
Oliver Bottini, geboren 1965 in Nürnberg, bereiste ein wenig die Welt studierte Literatur und Werbepsychologie und lebt seit 1995 als Autor in München. Er beeindruckte bereits mit seinem Debüt „Mord im Zeichen des Zen“, in dem er seine Serienheldin, die Freiburger Kommissarin Leonie Bonì, vorstellte.

Das Buch:
Sommer im Breisgau. Kirchzarten ist ein friedlicher Ort. Bis im Morgengrauen ein Holzschuppen in Flammen aufgeht – und urplötzlich ein Inferno losbricht. Verheerende Explosionen überraschen die Feuerwehr : Unter dem Schuppen hatten Unbekannte ein illegales Waffenlager angelegt. Damit steht die Freiburger Hauptkommissarin Louise Bonì vor dem schwierigsten Fall ihrer Karriere. Die Spuren führen zurück in das zerfallende Jugoslawien der Neunziger Jahre.

Kategorie International:

Die kalte Legend 1. Platz:
Robert Littell: Die kalte Legende

Der Autor:
Robert Littell wurde 1935 in Brooklyn, New York geboren. Er gilt als Meister des amerikanischen Spionageromans. »Die kalte Legende« ist sein 13. Roman. Bevor er sich ganz dem Schreiben zuwandte, arbeitete der Autor als Newsweek-Korrespondent im Nahen Osten. Robert Littell lebt heute in Frankreich.

Das Buch:
Martin Odum, ehemaliger CIA-Agent mit verschiedenen Legenden, lebt als Privatdetektiv in Brooklyn. Aber ist er wirklich Martin Odum? Oder ist er Dante Pippen, ein IRA-Kämpfer? Oder der zwielichtige Waffenhändler Lincoln Dittmann? Eines Tages erteilt ihm die junge, attraktive Russin Stella Kastner einen Auftrag, der ihn nach Israel führt. Dort holt ihn eine Vergangenheit ein, von der er nichts weiß. Er steht vor einem unlösbaren Dilemma: Wenn er sich erinnert, ist er tot. Wenn er sich nicht erinnert, ebenfalls.

Train 2. Platz:
Pete Dexter: Train

Der Autor:
Pete Dexter, 1943 in Michigan geboren, arbeitete über fünfzehn Jahre als Zeitungsreporter in Philadelphia. Als er 1981 im Zuge einer Berichterstattung angegriffen und krankenhausreif geschlagen wurde, gab er seinen Beruf auf. Heute lebt er als freier Schriftsteller im Bundesstaat Washington. Er veröffentlichte sechs Romane, darunter »Tollwütig«, der 1988 mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde.

Das Buch:
Los Angeles, 1953: Brookline ist einer der exklusivsten Golfclubs der Stadt. Die Fairways sind grün, die Mitglieder weiß, die Caddies schwarz. So auch Lionel Walk, genannt »Train«, der ein außergewöhnliches Talent fürs Golfen hat. Das erkennt auch Detective Miller Packard vom LAPD, der regelmäßig in Brookline spielt. Als Packard einen Fall übernimmt, in den zwei Caddies des Clubs verwickelt sind, nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Adios Hemingway 3. Platz:
Leonardo Padura: Adiós Hemingway

Der Autor:
Leonardo Padura, geboren 1955 in Havanna, schrieb zunächst für verschiedene kubanische Zeitschriften. International bekannt wurde er mit seinem Kriminalromanzyklus »Das Havanna-Quartett«. Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt er zweimal den spanischen „Premio Hammett“. Leonardo Padura lebt in Havanna.

Das Buch:
Vierzig Jahre nach Hemingways Tod wird auf seiner Finca bei Havanna eine Leiche gefunden, getötet mit zwei Kugeln aus einer Maschinenpistole seiner legendären Waffensammlung. War Hemingway ein Mörder?

Die Jury setzte sich in diesem Jahr aus diesen Herrschaften zusammen:
Kritiker: Volker Albers (Hamburger Abendblatt) / Andreas Ammer (ARD) / Sönke Boldt (Badische Neueste Nachrichten) / Jens Dirksen (NRZ) / Joachim Dörr / Tobias Gohlis (DIE ZEIT) / Günter Grosser (Berliner Zeitung) / Reinhard Jahn (Bochumer Krimi Archiv) / Hermann Kling / Ekkehard Knörer (perlentaucher.de) / Alf Mayer / Ulrich Noller (WDR/DW) / Michaela Pelz (krimi-forum.de) / Wolfgang Platzeck (WAZ) / Wilhelm Roth (epd) / Lars Schafft (krimi-couch.de) / Jan Christian Schmidt (kaliber38.de) / Erhard Schütz / Sylvia Staude (Frankfurter Rundschau) / Willy Theobald (Financial Times Deutschland) / Jürgen M. Thie / Bettina Thienhaus / Karl Wegmann (freier Journalist) / Thomas Wörtche
Die Kritiker der Jury stimmen nicht für Titel, an deren Veröffentlichung sie aktiv beteiligt sind.

Krimi-Buchhandlungen: Jutta Wilkesmann und Team (Die Wendeltreppe, Frankfurt Main) / Manfred Sarrazin (Alibi, Köln) / Gabriele Fauser (Glatteis, München) / Christian Koch und Team (Hammett, Berlin) / Thomas Przybilka (Missing Link) / Udo Aschemeyer (Heiner K., Hamburg) (Robert Schekulin (Buchhandlung Am Schwarzen Kloster, Freiburg) / Juliane Hansen (Under-Cover, Stuttgart) / Norbert Huppach (Kommissariat, Dresden) / Cornelia Hüppe-Binder (Miss Marple, Berlin) /Hans W. Kohlmann (Whodunnit, Leipzig)

Einsprüche und Beschwerden sind also an sie zu richten.