Krimiblog-Archiv

2005 – 2010

Kategorie: Aus dem Krimitagebuch

Krimirezensionen für Blogs: Textarbeit 1

Diesen brutalen Angriff habe ich erwartet: Seine ehrwürdige Dreifaltigkeit dpr (Krimiautor, Krimikritiker und Krimiblogger) unterstellt mir, ich würde meine Leser einschläfern. Wasser predigen, aber selbst Wein trinken. Ha! Wie heißt sein Erstling gleich noch mal? „Menschenfreunde“ – davon kann bei ihm keine Rede sein. Nein, meine Lieben, der wahre Krimi- und Menschenfreund sitzt hier und leistet Grundlagenarbeit. Dazu ist so einer wie der, der sich seit kurzem ja zu den Edelfedern des kriminalistischen Kritikgewerbes zählt, natürlich nicht bereit. Hier bei krimiblog.de wird noch echte Lese- und Textarbeit geleistet. Dort hingegen wird über nicht belegte Fakten (1.859 Bände über Postkolonialismus – völlig irreführend, diese Ausage) schwadroniert, dass man vor lauter Nebel, der geworfen wird, die Kernaussagen übersieht.

Krimirezensionen für Blogs: Die Kunst des Beobachtens

Beginnen wir mit einer der sieben Todsünden: Invidia – der Neid. Ein beliebtes Mordmotiv in Krimis. Bei mir ist es sogar blanker Neid. Da geht vor Jahren einer daher und nennt sein – zugegeben sehr gutes Blog – → „Watching the Detectives“. Ein Blog, in dem Dieter Paul Rudolph die, wenn man den Namen wörtlich nimmt, „Detektive beobachtet“. Damit liefert er schon im Namen seines Blogs einen entscheidenden Hinweis auf die Tätigkeit eines Rezensenten: Er beobachtet. Er beobachtet kritisch. Als Krimirezensent beobachtet er kritisch die Detektive. Dieser schlichte Satz gibt vor, welche drei wichtigen Eigenschaften einen Krimirezensenten ausmachen: Er beobachtet, er ist kritisch und er hat sich auf den Gegenstand seiner kritischen Beobachtung mehr oder weniger festgelegt – die Detektive, die wir hier einmal stellvertretend für die Kriminalromane ansehen wollen. Das diese Beobachtung „kritisch“ zu erfolgen hat, steht natürlich nicht im Titel. Dennoch erschließt sie sich daraus – aber dazu in der nächsten Folge mehr.

Streifzug: Zahlen, viktorianische Professoren und lebenswichtige Autoren

→ Anne Chaplet und → Tobias Gohlisweisen auf eine Meldung der FAZ hin, wonach die Warengruppe „Krimis/Spannung“ im Jahr 2007 eine Umsatzsteigerung von 4,7 Prozent vorweisen kann. Innerhalb der Warengruppe Belletristik lag der Anteil von Krimis bei 25,6 Prozent. Ein weiterer Grund zur Freude: Anne Chaplet findet meine letzte Mankell-Rezension „lesenswert“. Dafür bedanke ich mich artig und aufrichtig.

Butter bei die Fische

Jetzt wird es drollig. Reaktionen auf → diesen Artikel von Thomas Wörtche. Der wird von uns Lesern, wie der gute dpr wieder einmal feststellt, → nicht richtig gelesen. Ein solcher Vorwurf kommt ja nicht das erste Mal aus dem Saarland. Wir können einfach nicht richtig lesen! Wir sind zu dusselig folgenden Kernsatz und Kernaussage aus Wörtches Aufsatz herauszufiltern:

Lustiges Bashing

Gereizte Stimmung bei den Herren Kritikern – so scheint mir das jedenfalls.

Der gute Thomas Wörtche → schlägt kräftig auf die Hard-Case-Crime-Reihe bei Rotbuch ein. Und wen findet man in der Vorschau von Rotbuch als Pressestimme? Richtig. Auch noch ausgerechnet bei einem Titel von Mickey Spillane. Dem konnte Wörtche noch nie etwas Gutes abgewinnen.

Radiotipp: Norddeutsche Krimis

Da knarzt der Radiowecker um 6:55 Uhr vor sich hin und welche Stimme weckt mich am Montagmorgen? Genau, → Henrike Heiland . → Georg würde sich bestimmt freuen. Morgen darf mich dann um die gleiche Zeit Andree Hesse wecken. Alles in der Reihe → „Norddeutsche Krimis“ bei NDR Info.

KrimiWelt-Bestenliste und ARTE

Es ist eine – noch – hypothetische Frage: Was geschieht eigentlich mit der Beteiligung des Fernsehsenders ARTE an der KrimiWelt-Bestenliste, wenn das Wirklichkeit wird, was sich die deutschen Ministerpräsidenten so vorstellen: ARD und ZDF sollen ja bekanntlich nur noch → „sendungsbezogen“ im Internet berichten dürfen. Nun ist die KrimiWelt-Bestenliste zumindest für ARTE (der Sender wird auf deutscher Seite von den Landesrundfunkanstalten der ARD und dem ZDF betrieben) fast ausschließlich ein Element, dass im Internet stattfindet. Ist sie somit also als „nicht sendungsbezogen“ zu sehen? Die anderen Partner der KrimiWelt-Bestenliste stehen besser da: Die „Welt“ ist eine Zeitung und das „Nordwest Radio“ berichtet einmal im Monat über die Liste im Radioprogramm – hier wäre eine „sendungsbegleitende“ Funktion zu sehen. ARTE hingegen hat – zumindest habe ich das noch nicht entdecken können – keine Sendung im Programm, die sich fortlaufend mit der Bestenliste beschäftigt. Wird es also Zeit für „KrimiWelt-TV“?

Deutschkrimi lernen in der Ferne

Im fernen Shanghai lernt man jetzt den deutschen Krimi kennen. → „Tatort Fieber mit Felix Huby“ heißt die Veranstaltung, die da morgen in der Abteilung Kultur und Bildung des Deutschen Generalkonsulats Shanghai abläuft. Die Chiensen dürfen sich dann „Bienzles schwerster Fall“ reinziehen und den Autor befragen. Wie gut, dass man den Menschen in China nachsagt, geduldig und höflich zu sein.

TagesSatz: Paradox

»It’s one of the most fascinating paradoxes about *modern* crime fiction that it’s actually not *modernistic* – the genre has eschewed surrealism, structuralism, Nouveau Roman, stream of consciousness, magical realism, oulipianism and other movements that shaped literature in the last century, and basically remained stuck in the era when it was born.«

Xavier bei „Golden Age of Detective Fiction Forum“

Presseschau: Alibis No. 27

Alibis Nummer 27Post aus dem fernen Kanada, über die ich mich immer wieder freue: Die aktuelle Ausgabe der Krimizeitschrift → „Alibis“ ist erschienen und liegt auf dem Schreibtisch. Wie immer liebevoll gestaltet, mit einem besonders hübschen Cover bei dieser 27. Ausgabe. Man schaue nur einmal auf den Mond, der da über der Stadt Québec scheint. Die feiert am 3. Juli ihren 400. Geburtstag und aus diesem Grund werfen die fleißigen „Alibis“-Redakteure einen Blick auf die Schattenseiten der Stadtgeschichte.